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Am Ende der Welt

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Am Ende der Welt
Es war der 25. Februar 2014 am Ende der Welt. Ich saß in Ushuaia, Feuerland, im Aufenthaltsraum meines Hostels und durfte Zeuge werden. Es gibt so Augenblicke, in denen man gar nichts machen muss: Einfach mal nicht auffallen, die Fresse halten und beschenkt werden. Ich nennen das „Bächarschmand-Momente“, nach der gleichnamigen Parabel vom Bächarschmand (siehe https://tommiboe.com/2013/10/06/bacharschmand/).
Mein Tarnumhang in diesem Fall war mein gleichgültiges, verständnisloses Gesicht. Denn das Pärchen, das sich am Nachbartisch über einen Laptop gebeugt unterhielt, sprach deutsch. Genauer gesagt, sie sprach und er hörte deutsch. Und ich auch…!
Die beiden saßen über ihrer Reiseplanung. Immer wieder zeigte sie auf den Bildschirm, auf dem sich ein Kalender mit den wichtigsten anstehenden Reiseinfos befand. Ich schnitt mit, dass es um den 28. ging, an dem sie irgendwo sein wollten, von wo sie am 29. weiterfahren wollten.
Moment! sagte jemand in mir, der Februar hatte in diesem Jahr doch nur 28 Tage… Das hieß, sie redeten bereits über den März! Sie referierte weiter, Busstopp hier, fünf Stunden Aufenthalt da, Ort anschauen, Nachtbus und wo weiter. So weit ich das beurteilen konnte, ging es um Bolivien. Aber als sie nach dem 30. direkt beim 1. landeten (hatte der März nicht 31 Tage??), wurde mir der Planungsfuturismus der beiden zu viel. Denn das konnte ja nur bedeuten, sie sprachen gerade über einen Nachtbus vom 30.April auf den 1.Mai, während ich gleichzeitig am 25.Februar in Ushuaia saß und froh und zufrieden war zu wissen, was ich morgen machen würde – also wahrscheinlich…
Meine Güte, was waren das denn für zwei Reisefüchse, die ihre nächsten zwei Monate (und wie viel wohl noch?) schon so detailliert durchgeplant und derart festgezurrt hatten? Das kam davon, schoss es mir durch den Kopf, wenn Beamten Kinder kriegten…! Ach nee, blödes Beispiel! Bin ja selbst Beamtenkind!
Die zwei erinnerten mich irgendwie an einen ehemaligen Mitbewohner in Marburg, komischer Typ. Ich kam einmal in die Küche, als er gerade eine Liste aufgeschrieb. Ich fragte ihn, ob das Rezepte seien. Denn es sah von der Anordnung der Zutaten so aus. – Nein, das sei ein Einkaufszettel! – Aber warum seien die Sachen an unterschiedlichen Stellen auf dem Zettel angeordnet? – Naja, weil die im Aldi ja genauso verteilt seien. – What…?! Er hatte den Lageplan von Aldi im Kopf und schrieb haargenau so seinen Einkaufszettel auf… – Ich musste fast weinen! Ach ja, er war übrigens Bibliothekar! Natürlich! Zu meinen Lieblingshobbys zählte ja auch das Bibliothekieren. Wahrscheinlich heftete er auch seine gebrauchten Teebeutel ab.
Aber zurück nach Feuerland, wo am Ende der Welt zwei deutsche Planungswunder (vermutlich mit lückenlosem Lebenslauf) einen Beweis ablieferten, warum man sich um die Zukunft Deutschlands nicht sorgen musste. Ordnung, Disziplin, Deutschland! – Da hatte ich mich wohl immer geduckt, als bei meiner Erziehung die Rationen davon verteilt wurden…
(Über den Zustand der heutigen Backpackergeneration habe ich mich ja schon an anderer Stelle ausgekotzt. Zu Recht!!! (Bei Interesse: https://tommiboe.com/2014/07/22/massenindividualtourismus/ oder: https://tommiboe.com/2013/10/31/gringoabsteige/)
Wenigstens bekam hier in Ushuaia niemand außer mir mit, worüber sich die beiden unterhielten und wie schrecklich deutsch sie waren. Aber einen Seitenhieb konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Als ich aufstand und an ihrem Tisch vorbeiging, flüsterte ich ihnen zu: „Sorry, aber am 1.Mai ist auch in Bolivien Tag der Arbeit. Die nehmen das übrigens sehr ernst dort. Da fahren überhaupt keine Busse!“ Ich nickte ihnen zu und ging, während ich sie aufgeregt im Hintergrund hörte. „Echt…? Ach, du Scheiße. Aber auf der Homepage hatte doch…!“
Au Mann!

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Herr Boe – am Ende der Welt – weiß zwar, was morgen kommt – vielleicht -, aber steht einem möglichen Übermorgen durchaus offen gegenüber!

Fundstück – Tenedor Libre

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Fundstücke in Fernwest – Tenedor Libre

Die südamerikanische Version des „All you can eat“ nennt sich „Tenedor Libre“, sprich „freie Gabel“ für freie Bürger! Man darf also so lange zulangen und reingabeln, bis die Fressnarkose einsetzt. Das Taxi oder den Arzt muss man dann allerdings wieder selbst bezahlen. Den fälligen Verdauungsschnappes im Übrigen auch.
Das Prinzip ist einfach. Wer viel isst, macht man ein gutes Geschäft! Naja, und das Essen muss halt richtig billig sein! Für alle, die das nicht verstehen, siehe „Dreisatz/ Wikipedia“!
Der Tenedor Libre „Caro Pepe“ in Mendoza wurde mir schon in Valparaiso/ Chile empfohlen. Ich bin eigentlich nicht so der Fan dieser Fressveranstaltungen. Aber als in meinem Hostel in Mendoza diese Empfehlung wiederholt wird und der Laden nur ein paar Quadras entfernt ist, gebe ich Pepe eine Chance.
Es gibt viele gute Gründe, seinen Fleischkonsum einzuschränken oder ganz aufzugeben. Der Besuch bei Pepe allerdings ist ein SEHR guter! Er führt einem die ganze Diskussion noch mal intensiv und anschaulich vor Augen.
Kleines Paradoxon: Als ich vor 16 Jahren das erste Mal nach Argentinien kam, war ich Vegetarier und hab wieder mit dem Fleischessen angefangen. 16 Jahre später, wieder in Argentinien, streift mich mit Wucht eine übergeordnete Ernährungsvernunft, vielleicht doch einfach auf Fleisch zu verzichten! Schließt sich hier der Würfel? Brauchte ich 16 Jahre, um zu dieser Einsicht zu gelangen, oder genügt einfach ein Besuch bei Pepe?
Aber wirklich, liebe Freunde und Freundinnen des Fleischverzehrs: Das war schon eklig! In Argentinien bekommt man ja in der Regel gutes bis sehr gutes Fleisch vorgesetzt. Aber bei Pepe…! Es gibt ein großes Buffet mit Salat, Beilagen, Fleisch in Soßen und zusätzlich das Herzstück, die Asado-Ecke. Dort wird gegrillt, bis der Arzt kommt!
Ich bekomme so einen fettigen, sehnigen Klumpen auf den Teller, woran Messer und Zähne verzagen und versagen. Schwer zu sagen, welches Tier mit so etwas leben konnte. Aber längst nicht erkenntlich, warum dafür ein Tier getötet werden musste. Gut, vielleicht ist aufgrund von Herzverfettung von alleine gestorben. Aber ansonsten lässt sich das nicht erklären. Denn so etwas kann definitiv niemand essen! Niemand…? Tatsächlich…? Ich blicke mich im Restaurant um und erkenne etliche Gestalten, die das durchaus können! Und leider sehen diese Gestalten (mir fällt es schwer, ein anderes Wort dafür zu finden. Deshalb die Wiederholung!) auch genau so aus, als würden sie das hier regelmäßig machen. Das hat folgende Wirkung: feiste Wangen, fleischige Weiber, fette Wampen, fiese W… Sie alle legen ein Fressverhalten wie ein Großmaulpinguin an den Tag. Die können nämlich auch nicht stoppen. Allerdings müssen sie auf diese Weise auch nur zweimal pro Jahr fressen!
Beim dicken Mädchen am Nachbartisch hat bereits die Fressnarkose eingesetzt. Der Blick ist schon in Wachkomastellung gekippt, während die Mama stolz den prallen Bauch der Kleinen streichelt und ihr Leise zumurmelt: „Gekotzt wird erst, wenn das Buffet leer ist!“ Ich könnte jetzt schon…!
Dabei wissen wir doch alle Bescheid über Massentiervergewaltigung. Aber wir wollen der Fleischindustrielobby glauben, die uns mit medialem Irrsinn das romantische und grenzdebile Bild von der glücklichen Kuh vorführt, die am Ende eines herrlichen Sommertages von der schönen Sennerin von der Alm geholt und zum Schlachthaus auf der anderen Seite des Jordans gerudert wird. Ach ja, ich vergaß: und dabei wiederkauend lächelt – also nicht die Sennerin!
Im Gegenteil regen wir uns sogar, via CSU, aber letztlich doch wir alle, über die „Öko-Diktatur“ der Grünen auf, die uns vorschreiben wollen, was richtig und falsch auf unserem Teller ist. Und scheiß drauf, dass von einem Tag die Rede und das alles eher symbolisch als Aufruf zum Nachdenken gemeint ist. Bevormundung! Öko-Diktatur! schreien die Konservativen! Ja, geht’s noch ’ne Nummer dümmer…?! – Nachdenken vom Volk einfordern…?! Wo kommen wir denn da hin?! Das wäre ja noch schöner…! Ein nachdenkendes Volk…?! Braucht kein Mensch!
Und es waren noch nicht einmal provokante Gedanken wie, für Vegetarier die Krankenkassenbeiträge zu senken oder umgedreht sie für Fleischesser zu erhöhen. Wäre doch mal interessant…! Nur mal zum Nachdenken, liebe CSU. Habt ihr wieder etwas an den Stammtischen, was die Weißwurst in euch zum Explodieren bringt!
Denn auf der anderen Seite der Vernunft und der Moral (zwei Tugenden, die sich in der heutigen Welt anscheinend niemand mehr leisten kann oder will) lachen sich die Rentenkassen ins Fäustchen über jedes vorzeitige Ableben einer Fettleber. Ach, ist das zynisch?
Wo ist die FDP, die den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Hühnchenmast am Hühnchenstandort Deutschland einfordert. Wo ist die Pharmaindustrie, die aus Angst vor Umsatzeinbußen in der Massentierhaltung, nachts bei Mutti anruft? Das ist zynisch!
Ach, halt doch endlich die Fresse, Herr Boe! Das will doch eh keiner hören, du Öko-Nazi-Sau! Dass ich mich auch immer nach dem Verzehr von rotem Fleisch so aufregen muss…!

das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der "tenedor libre" voll ausgezahlt!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der „tenedor libre“ voll ausgezahlt!

Bilateraler Weinvergleich

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Bilateraler Weinvergleich

Das Prinzip des heutigen Blogs kennen Sportfreunde aus den so genannten Head-to-Head-Vergleichen vor wichtigen Fußballspielen. Da werden die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Mannschaftsteile gegenübergestellt und es kommt ein subjektives Ergebnis heraus, das mit dem Ausgang des Spiels – und das ist das Faszinierende daran – NIEMALS etwas zu tun hat.
Das kann ich auch! Heute geht es um den Direktvergleich zweier Weintouren, die ich in den letzten vier Tagen gemacht habe, eine in Chile (bei Valparaiso) und eine in Argentinien (bei Mendoza). Für meine fachkundige Untersuchung habe ich verschiedene Kriterien ausgewählt und sie beurteilt. Auf diese Weise verteile ich Punkte.
1. Die Organisation der beiden Touren ist sehr verschieden. In Valpo organisiert der Hostel-Eigner die Tour sehr individuell und begleitet uns persönlich durch die Weingüter, während es in Mendoza eine fest organisierte Tour mit fix gebuchten Stationen und dortigen Führungen ist. Beides funktioniert gut. Unentschieden: 0,5:0,5.
2. Der Preis in Mendoza für das Gesamtpaket ist viel günstiger, was auch daran liegt, dass Argentinien insgesamt billiger ist. 1,5:0,5 für Mendoza.
3. Die Infos, die man auf den Weingütern bekommt, sind in Mendoza gut, auch wenn sie sich bei den Stationen wiederholen. In Chile verzichten wir auf Führungen und konzentrieren uns aufs Degustieren. Punkt für Mendoza: 2,5:0,5.
4. Die Degustacion, das Kernstück der Tour (daher doppelte Bewertung!), ist in Chile erheblich besser. Sehr gut geschultes Personal bringt uns die Weine näher. Da macht das Schlürfen und Klugscheißen richtig Spaß. Ausgleich: 2,5:2,5.
5. Die Weine (auch hier doppelte Punktzahl): Auch hier gehen beide Punkte nach Chile. Hier werden uns ganz klar die subjektiv besseren Weine angeboten. Sehr überzeugend und lecker. 4,5:2,5 für Chile.
6. Die Tour in Mendoza überzeugt durch ihre Abwechslung. Neben Wein stehen noch eine Likörfabrik, Olivenölproduktion und eine Schokoladenmanifaktur mit selbst komponierten Schnäpsen auf dem Programm. Alles mit Verkostung versteht sich. Punkt für Mendoza: 3,5:4,5.
7. Ein Punkt für die reizvollere Landschaft und die Attraktivität der besuchten Weingüter geht nach Chile. Das Auge trinkt ja schließlich auch mit. 5,5:3,5.
8. Die Kategorie „Tourschlampe“, äh, „Tourbetreuung“ geht auch nach Chile. Die persönliche Betreuung von René ist einfach eng verbunden mit dem Erfolg der Veranstaltung und der tollen Stimmunmg an Bord. 6,5:3,5.
9. Sonderpunkt für mein persönliches „Fundstück aus Fernwest“ ist im Übrigen der Carmenère, eine ursprünglich französische Traube, die aber wegen großflächigen Schädlingsbefall in Europa (weitestgehend) verschwunden ist. Tolle Traube, toller Wein. Punkt für Chile: 7,5:3,5.
10. Letzte Kategorie: Betrunkenheitsgrad am Ende der Tour! Allein die Tatsache, dass ich noch in der Lage bin das hier überhaupt zu schreiben, spricht klar gegen Mendoza. Wenngleich wir auch in Chile noch in der Lage waren, im Anschluss vergnügt weiter zu trinken. Punkt nach Chile! 8,5:3,5.
Fazit: Chile gewinnt, ganz objektiv betrachtet, die bilaterale Weinverköstigung. Falls sich bei der Fußball-WM die beiden Teams mit genau diesem Ergebnis trennen sollten, werde ich in Zukunft als Wahrsagerkrake arbeiten und euch allen einen geilen chilenischen Carmenère spendieren!

gediegenes Ambiente, interessante Ausführungen, professionelle Degustacion
gediegenes Ambiente, interessante Ausführungen, professionelle Degustacion
Weinprobe mit Aussicht! So macht das Spaß!
Weinprobe mit Aussicht! So macht das Spaß!
Selbsthilfegruppe bei der Arbeit.
Selbsthilfegruppe bei der Arbeit.
Herr Boe versucht, den Durchblick zu bewahren.
Herr Boe versucht, den Durchblick zu bewahren.
Schnappsregal in der Schokoladenmanifaktur. mein Favorit "ruso muerto", der "tote Russe", grüner Pfeffer auf Wodka aufgezogen!
Schnappsregal in der Schokoladenmanifaktur. mein Favorit „ruso muerto“, der „tote Russe“, grüner Pfeffer auf Wodka aufgezogen!

 

Fundstück – Alberne Feiertage

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Fundstücke in Fernwest – Alberne Feiertage

Gerade wieder kurz nach Argentinien rübergerutscht. In Mendoza war ich vor 15 Jahren schon mal mit der Uni. Hatte mir damals total gut gefallen. Da mache ich doch gerne noch mal den Abstecher, zumal mich dieser spektakulär über die Cordillere/Anden führt. Atem beraubende Fahrt mit einem geistesgegenwärtigen und nicht wie handelsüblich geisteskranken Busfahrer, der mit einer Vollbremsung das Leben eines in einer Kurve träumenden Straßenbauarbeiters rettet. Das Ganze genau vor meinem Bildschirm. Denn ich sitze in der ersten Reihe des Obergeschosses.
Als ich im Hostel einchecke, sehe ich im Kalender, dass der gestrige 2. April als Feiertag eingetragen ist. Auf meine Frage, rollt die Dame am Empfang die Augen. Dieser „Día festivo“ sei ein Gedenktag an den Krieg um die Islas Malvinas (zu neudeutsch: Falklandinseln). Eine ganz schlecht verheilte argentinische Wunde, die aber auch immer wieder aufgepult, aufgerissen, mit Salz bestreut wird, damit sie hübsch weiter eitern kann. Als würde es die dortigen Schafe einen Dreck interessieren, unter wessen Flagge sie geschoren werden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich gebe den blöden Briten auf keinen Fall recht. Die haben da nichts verloren und sollen sich verpissen und den ansässigen Schafen und Großmaulpinguinen die Insel überlassen.
Der Falklandkrieg 1982, das muss man so hart sagen, wurde letztlich angezettelt, um mit dieser vaterländischen Rückholaktion von innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen der Militärjunta abzulenken. Dass dabei blutjunge, unzureichend vorbereitete und katastrophal ausgerüstete Argentinier einem hoffnungslosen Unterfangen gegen klar überlegende Briten geopfert wurden, das ist eine wahre Tragödie. Das war in etwa so, als würde man eine Dorfmannschaft gegen Bayern München spielen lassen, aber ihnen vor Spielbeginn noch die Fußballschuhe abnehmen (also nicht den Bayernspielern!).
Anlässlich dieses Gedenktages wurde dieses Jahr stolz der neue 50 Peso-Schein präsentiert, auf dem natürlich die Islas Malvinas abgebildet sind. Das wird den Briten bestimmt eine Lehre sein! Putin würde die Angelegenheit sicherlich anders angehen… Da sind wir mal froh, dass da keine Krimschafe grasen.
Die Argentinier sind ohnehin etwas übertrieben emotional, was ihre Grenzen angeht. So wurde der Streit mit Chile über drei unbewohnte Inselchen im Beagle-Kanal auf Feuerland, über die 1978 fast ein Krieg entbrannte, eigenhändig von Papst Johannes Paul II. geschlichtet. Die argentinische Militärjunta hatte schon zur militärischen Besatzung aufgerufen. Albern genug der Name, Beagle-Konflikt, aber es ging nicht um drei kleine blöde Hundchen sondern um drei kleine blöde Inselchen im Beagle-Kanal, am Arsch der Welt, auf denen es noch nicht mal Schafe gibt.
Ich sitze in Mendoza in einem Straßencafé, als auf der benachbarten Kreuzung lauter Gesang angestimmt wird. Ich schaue mir das mal genauer an und erkenne vielleicht zwei-, drei Hundert singender, hüpfender Fußballfans in den bekannten blau-gelben Vereinsfarben von Boca Juniors aus Buenos Aires. Da gibt’s wohl was zu feiern! Meisterschaft…? Pokal…? Nein, werde ich aufgeklärt, Boca hat heute Geburtstag und wird 109 Jahre. Na Glückwunsch! Feliz cumple, Boca! Bei einem solchen Feiertag gratuliert man doch gerne.

feliz cumple, boca juniors!
feliz cumple, boca juniors!

What’s wrong with you, Israeli Travellers?

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„What’s wrong with you, Israeli Travellers?!“ – Über komische Reisende und Brandstifter

Auf Reisen trifft man auf viele Nationalitäten. Manche mehr, manche weniger. Manche lieber als andere. Aber insgesamt lässt sich der Satz „Auf Reisen trifft man nette Leute!“ durchaus bestätigen. Natürlich gibt es auch hierbei Ausnahmen. Denn Trottel gibt es überall. Und oft ist man selber einer! (siehe https://tommiboe.wordpress.com/2014/03/17/fundstuck-ein-trottel-am-fluss/) Warum sollten also Trottel nicht auch reisen?

Aber es gibt eine besonders besondere Ausnahme unter den Reisenden: die Israelis! Ich will mich nicht unnötig aufregen. Aber es ist einfach mal nötig. Denn sie nerven! Und das sollten sie auch wissen, da sie maßgeblich daran Schuld sind und nicht etwa meine maßlose Intoleranz. Denn meine durchaus existierende Intoleranz bezieht sich nicht auf Nationalitäten oder Hautfarben sondern auf Deppen! Und da gehört sie auch hin!
Meine Theorie ist, dass die Weltreisen der Israelis zum Militärdienst dazugehören. Das erklärt, warum viele so spaßbefreit und verschlossen wirken und sie sich nach wie vor in ständiger Verteidigungshaltung befinden. Sie wollen also gar nicht reisen, sie müssen! Diese Theorie wurde mir übrigens von einem sehr netten, alleinreisenden Israeli bestätigt. Er meinte, viele würden einfach mitreisen, weil sie nicht wüssten, was sie sonst nach der Militärzeit tun sollten und die anderen ja auch reisen würden. „Echt…? Reisen…?! Hab eigentlich gar keinen Bock, aber gut, wenn’s sein muss…!“
Am Tag vorm Start meiner Wanderung um die Torres del Paine las ich in der Zeitung, dass gerade wieder zwei Israelis im Nationalpark von Rangern aufgegriffen worden waren, wie sie im Park an verbotener Stelle ein Lagerfeuer anfachten. Dabei bekommt JEDER, der den Park betritt eine sehr deutliche Belehrung, wie sehr es verboten ist, außer an extra ausgewiesenen Plätzchen, Feuer zu machen, und auch welche Konsequenzen einem drohen. Das passiert auf Spanisch und Englisch sowie laut und deutlich. Das Ganze hat sich verschärft, seit im Dezember 2011 bei einem, von einem unvorsichtigen Touristen ausgelösten Waldbrand 16000 Hektar des Parkes vernichtet wurden. Dieser Touri war Israeli. Und auch in den folgenden Jahren waren es immer wieder Israelis, die sich einfach nicht an die klaren und einfachen Regeln halten können oder wollen. 2012 wurden fünf Israelis beim Lagerfeuermachen ertappt, im Januar diesen Jahres weitere vier.
Als ich vor zwei Wochen nach El Chaltén, noch im argentinischen Patagonien, kam, hielt unser Bus mit 20 Israelis am Ortseingang an einer Rangerstation an. Dort stieg eine Rangerin zu uns in den Bus und informierte uns höflich, dass wir alle aussteigen müssen, um uns über die Verhaltensregeln im dortigen Parque Nacional aufklären zu lassen. Auf Spanisch und auf Englisch. Wir stiegen aus und wurden im Eingangsbereich in zwei Lager nach Spanisch und Englisch aufgeteilt. Dann schaute sich die Frau um und ging noch mal zum Bus zurück, in dem zehn Israelis einfach sitzen geblieben waren. Sie kam mit ihnen im Schlepptau zurück und sagte auch ihnen, noch immer sehr freundlich, links Englisch, rechts Spanisch. Was aber nicht verhindern konnte, dass ihr vier von ihnen nach rechts folgten. Sie fragte, ob sie Spanisch sprächen, was natürlich nicht der Fall war. Sie bat die Israelis, bitte auf die andere Seite zu gehen, woraufhin sich einer von ihnen auch noch erdreistete, blöde Sprüche zu machen.
Kein Wunder, dass sie überall Feuer machen! Sie sind einfach völlig respektlos und interessieren sich einen Scheiß! Und das ist leider überhaupt nicht übertrieben!
In einem Hostel in El Calafate hatte ich mir gerade in der Gemeinschaftsküche mein Abendessen gemacht, als sechs oder sieben Israelis in die Küche kamen. Nicht einer von ihnen ist auf die Idee gekommen, mich mit einem belanglosen und weitestgehend schmerzfreien „Hola/Hi/Hello/Shalom“ zu grüßen. Natürlich nicht! Weil es sie eben einen Scheiß interessiert!
Aber was rege ich mich auf…! Immerhin habe ich auf meiner Reise ein Handvoll sehr netter Israelis getroffen. Leider ist das so herum die Ausnahme! Aber es musste einfach mal gesagt werden. Ach ja, und eins noch: Liebe Israelis, hört bitte/gefälligst auf rumzujammern, dass Euch keiner gerne hat! „Von nichts kommt nichts!“ hat mir meine Oma beigebracht.

 

 

Die chilenische Presse dazu:

http://www.veoverde.com/2014/01/nuevamente-israelies-hacen-fuego-en-torres-del-paine/

http://www.lanacion.cl/noticias/regiones/magallanes/otros-5-turistas-israelies-expulsados-de-torres-del-paine-por-hacer-fogatas/2012-12-21/184417.html

http://www.laprensaaustral.cl/cronica/expulsan-del-paine-a-cuatro-israelitas-por-encender-fogata-al-in-35210

http://www.biobiochile.cl/2014/03/07/dos-turistas-israelies-fueron-detenidos-por-encender-cocinillas-en-torres-del-paine.shtml

 

If you like wind, you’ll love Patagonia

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If you like wind, you’ll love Patagonia!

Ich hab ja ein bisschen Angst! Bin natürlich auch ein Schisser, ist ja klar!
Bin seit gestern in Puerto Natales/Chile, von wo aus es morgen zu den Torres del Paine geht, dem Klassiker Patagoniens schlechthin. Heute lass ich mich schon mal probeweise durch Puerto Natales wehen, bevor morgen das richtige Starkwindwandern beginnt.
Meine letzten beiden Wandertage, noch in Argentinien von El Chaltén aus, waren schon extrem windig. Nicht schön, den ganzen Tag von den eigenen Haaren verprügelt zu werden. Auf der zweiten Wanderung wurden wir noch fünfzig Meter neben dem Fluss nass, als uns der Wind die Gischt ins Gesicht wehte. Meine leichtgebaute Begleiterin musste sich auf dem Rückweg aus Sicherheitsgründen Steine in die Taschen stecken. Eine Maßnahme, die mir dank meines schweren Knochenbaus erspart blieb. – Am Tag davor, auf dem Aufstieg zum letzten Mirador am Fitz Roy war der Seitenwind so stark, dass er mir regelrecht die Füße weggeblasen hat. Am Ende des Tages hatte ich wunde Knöchel, weil sie immer wieder im Vorbeilaufen aneinandergeweht worden waren. So etwas war mir nüchtern auch noch nicht passiert! Bei beiden Wanderungen war es jedenfalls am Zielort, dem vermeintlich besten Aussichtspunkt, kaum ein paar Minuten auszuhalten.

Das Beruhigende dabei: Am Abend war man wieder im warmen Hostel. Diese Aussicht werde ich in der nächsten Woche nicht haben. Da wird gezeltet, falls es mir nicht vorher wegfliegt oder mich unfreiwillig zum Kitesurfer macht. Das wollte ich ja immer schon mal ausprobieren. Die Wind- und Wettervorhersage ist zumindest nicht sparsam im Umgang mit Windstärken. Da werde ich wohl das ganz kleine Segel einpacken…
Aber auch auf den sonstigen Reisealltag hat der Wind seine Auswirkungen, wie das heutige Foto vor der chilenische Flagge zeigt, das eigentlich als Windbeweis dienen sollte. Erstmals auf meiner Reise musste ich für ein Selfie beide Hände an die Kamera nehmen, weil es mit einer Hand nicht möglich war!

Selfies/Autofotos mit zwei Händen wegen Starkwind!
Herr Boe beim beidhändigen Selfie, wegen Starkwind!
wunderschönes windiges Patagonien!
Wunderschönes, wunderwindiges Patagonien! Hier am Fitz Roy!

Fundstück – Desayuno Argentino

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Desayuno Argentino

Reisen ist ja nicht nur schön! So gibt es auch Dinge, die ich definitiv nicht vermissen werde. Gutes Beispiel dafür: Frühstück in Hostels. Okay, was will man/ich erwarten?! Und eine Beschwerde aus dem Mund eines Menschen, der schon Schwierigkeiten hat, frühmorgens Essen zu sehen oder daran zu denken, ohne dass ihm übel wird, und dessen Frühstück aus Coffee- und Brezel-to-go besteht, sollte wirklich keine Referenz sein. Andererseits müssten alle mitteleuropäischen Normalfrühstücker hier erst so richtig wahnsinnig werden.
Aber heute morgen…! Heute morgen…! Dabei ist es ein sehr nettes Hostel sogar mit einem ansässigen Restaurant. Und das Essen sah abends auch ganz lecker aus. Aber das Frühstück…! Selbst einem abgestumpftem Sinn mit quasi Null Erwartungshaltung schlägt so ein Frühstück ins nüchterne Gesicht. Schlimmer dünner Kaffee mit in heißem Wasser aufgelöstem Milchpulver ist ja nichts Ungewöhnliches mehr und ich verstehe solche Beleidigung inzwischen als großangelegtes, wenn auch übertriebenes Toleranztraining. Als „“Essen““ wurde heute folgendes „“Büffet““ feilgeboten (hier sind doppelte Anführungszeichen unumgänglich): schon vorbereitet und hinreichend abgekühlt ein paar Dutzend ganz schwach getoastete Toastbrotscheiben, daneben ein großer Teller vollgestapelt mit portionierten Butterbrocken und auf einem Teller daneben drei (3!) kleine Erdbeermarmeladenportiönchen. Dazu weiter nichts. Ach, doch, ich vergaß. In meiner Not wähle ich die Cornflakes (worauf ich in einem normalen Leben nie zurückgreifen würde!). Allerdings enthält die bereitgestellte Karaffe nicht die erwartete Milch sondern kaltes Wasser mit sehr wenig Milchpulver. Das fällt mir allerdings erst beim Probieren auf. Muss man aber zu Hause nicht nachmachen. Denn: ganz doll BÄÄH!!!
Ich lasse meinen angebissenen Toast, meine aufgeweichten Cornflakes und meine halbvolle Tasse Wasauchimmer möglichst lieblos stehen und gehe ins Städtchen. Ich finde ein Café, das auch tatsächlich Kaffee serviert und bestelle dazu die Rettung eines argentinischen Frühstücks: „Medialunas“, denn die gibt es im Gegensatz zu ALLEN sonstigen Backwaren hier auch „saladas“ / salzig und nicht bloß „dulce“, was richtig übersetzt übrigens nicht „süß“ sondern „extrem süß“ bedeutet.
Was mich zu der Unterhaltung bringt, die ich häufig mit Südamerikanern führe. Was ich denn so frühstücke, wenn ihr Frühstück schon nichts tauge? Naja, jetzt nicht an einem normalen Morgen um 7:00. Dafür ist die Antwort einfach: Nix! Aber mit Zeit, Appetit und Spaß…? Aber egal, was ich dann nenne, der Südamerikaner schüttelt nur unwissend und oder ungläubig den Kopf. Denn was weiß er schon über Brezeln, Brötchen, Käse, Salami, eingelegte Tomaten oder Oliven? Auch diese Antwort ist einfach: Nix! – Schade eigentlich!
Oh, was werde ich frühstücken, wenn ich zurück auf dem guten alten Heimatkontinenten bin…!