Monat: Mai 2015

Fjordgespräche – Kopftransplantation

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Fjordgespräche – Kopftransplantation

Für alle, die sich gelegentlich (bis regelmäßig) überfordert fühlen in einer Zeit der Unübersichtlichkeit, des Konsumwahnsinns, der multiplen Verwirklichungsmöglichkeiten und der sich immer weiter beschleunigenden Beschleunigung: Dies ist erst der Anfang! Und ebenfalls für alle mit der Hoffnung, dass irgendwo hinter all diesem Wahnsinn eine bessere, vernünftigere, überschaubare Wahrheit steckt: Hinter dem Wahnsinn kommt nur noch mehr Wahnsinn! (Gut für alle die eh schon schizophren sind!)
Zum Glück beschäftigen sich die Fjordgespräche auch mit drängenden Zukunftsfragen und schaffen es auf diese Art, ein wenig die Angst vor dem Morgen zu nehmen – oder, wenn es gut läuft, sie zu schüren.
In einem unserer thematisch höchst variablen Fjordgespräche geht es heute um Kopftransplantationen. Ein Thema, das gewaltig nach Frankenstein klingt, aber dennoch brandaktuell ist, zumindest für Zukunftsforscher wie uns. Denn bei Kopftransplantationen handelt es sich keineswegs um Zukunftszauber oder Hexenwerk, sondern es ist lediglich ein weiterer logischer Schritt im Bereich der Organverpflanzungen. Und in einer immer älter werdenden Gesellschaft entsteht ein großer kapitalkräftiger Markt für solche Eingriffe. Einem geistig fitten 90jähriger in einem zusehend vom Verfall betroffenen Körper hilft eine Hüft-OP auch nicht mehr langfristig über den Berg, zumal auch andere Gelenke längst verkalkt sind, Knochen mürbe, Organe geschädigt, Lunge verrußt, Leber ruiniert, Herzchen geschwächt und so weiter. Da kommen viele Baustellen zusammen, während schon die nächste Sollbruchstelle naht und die meisten organische Halbwertszeiten längst abgelaufen sind.
Also ist der Gedanke gar nicht so abwegig, sich, wenn denn möglich, für eine Kopftransplantation zu entscheiden. Je nach dem, im Sinne des Sender-Empfänger-Prinzips, ist der Begriff „Körper-“ oder „Ganzkörper-Transplantation“ sogar stimmiger. Denn der Empfänger wird in den meisten Fällen wohl eher der Kopfbesitzer (Head Owner) und nicht der Körpereigentümer (Body Owner) sein.
Aber woher sollen die möglichst jungen und gesunden Körper kommen? Die meisten sonstigen Organspender kommen dafür nicht in Frage, da die zu spendenden Körper häufig bereits an irgend etwas gestorben sind, womit sie keine perfekten Spenderkörper darstellen. Das gilt insbesondere für sie sonst so beliebte Organspendergruppe der Motorradfahrer.
Eine geeignete, aber leider sehr kleine Gruppe stellen die „Kopfschuss-Selbstmörder“ dar. Hier bleibt quasi der ganze Körper heile und transplantierbar. Aber, wie gesagt, sehr kleine Gruppe…
Eine sehr interessante Spendergruppe hingegen sind die Strafgefangenen, die auf die Todesstrafe warten. Auch terminlich sehr praktisch! Denn hier kennt man schon frühzeitig den exakten Spendetermin und könnte daher alle sonstigen notwendigen Transplantationsvorbereitungen treffen. In Zukunft sollte man allerdings auf körperschädigende Tötungsverfahren verzichten. Logisch, dass sich ein vergifteter oder durch elektrischen Stuhl völlig verbrutzelter Körper schlecht für eine Transplantation eignet.
Daher setzt sich die „IHTG“ („International Head Transplant Group“) in Zusammenarbeit mit Gilette (bzw. Procter & Gamble) für die Wiedereinführung eines sehr erfolgreichen, wenngleich veralteten Verfahrens ein, das Kopftransplanteure das Herz höher schlagen lässt: die gute alte Guillotine! Gillette arbeit derzeit schon an einer sauberen und präzisen Technik, die schon in einigen Jahren unter der Produktbezeichnung „Gillettine“ einsatzbereit sein soll.
Schon jetzt taucht allerdings eine soziale Problematik im Spender-Empfänger-Kontext auf. Zu viele Schwarze warten derzeit in Todeszellen (vor allem in den USA), während der Großteil des Empfängerklientels Weiße sind. So könnte es, nach derzeitigen Erwartungen von der IHTG, zu Fällen von sogenanntem „körperinternen Rassismus“ kommen. Michael Jacksons persönlicher Hautaufheller sieht dabei in der heutigen und, vor allem, morgigen Technik aber noch großes Entwicklungspotential, auch schwarze Haut entschieden weißer darzustellen. Er selbst bezeichnet sein, wie er findet erfolgreiches, Verfahren als „Schwarz-Weiß-Malerei“.
Kleines techniches Problemchen derzeit noch: die OP selbst! Hmmm…! Zwar lassen sich in OPs an Ratten schon einwandfrei Kopf vom Rumpf trennen und auch erfolgreich transplantieren. Inzwischen überleben sogar einige Ratten diesen Eingriff. Allerdings hatte bisher noch kein Rattenkopf tatsächlichen Zugriff auf den Spenderkörper, konnte ihn also nicht bewegen. Was, zugegeben, schon ein bisschen blöd ist. Aber wir sind ja erst am Anfang des Wahnsinns! Ich bin sicher, unsere Enkel werden sich über solche OPs gemeinsam mit ihren Klonen kaputtlachen.
Vielleicht besser, gar keine Enkel in diese Welt zu setzen (oder so ähnlich…)!

(Wer übrigens glaubt, der Herr Boe dreht mal wieder völlig durch, für den dieses: Neurowissenschaftler Sergio Canavaro plant eine Kopftransplatation für 2017. Und es hat sich sogar schon ein freiwilliger Kopf gefunden, nämlich der von Valery Spiridonov, der an einem unheilbaren und tödlichen Muskelschwund leidet! So viel für heute zum Wahnsinn!)

Sanitärcontainer

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Sanitärcontainer

Die deutsche Sprache ist bekannt und berüchtigt für ihre Vielfalt an Wortkombinationen. Wahl- und zum Teil willenlos lassen sich Substantive aneinander hängen und sich neue Worte zusammenbasteln. Sowohl Phantasie als auch Beklopptheit sind dahingehend quasi keine Grenzen gesetzt.
Ich glaube, in keiner anderen Sprache kann man sich bei Scrabble besser in die Haare geraten, da man im Prinzip aus jedem bereits zusammengesetzten Wort noch ein neues basteln kann. Fraglich nur, was ist erlaubt und welche geglückte Kreation gönnt man dem anderen, wenn er damit auf den dreifachen Wortwert kommt und im Gesamtklassement uneinholbar enteilt. – Mein Vater erzählt noch heute von der inzwischen familienlegendären „Kuhbude“, die ihm meine Mutter vor gefühlten hundert Jahren nicht anerkannte und ihm damit ein empfindliches Waterloo auf dem Scrabble-Schlachtfeld zugefügt hatte.
Auch so ein schönes Wort ist „Sanitärcontainer“. Und irgendwie klingt es hübscher, als so etwas tatsächlich ist. Wer schon einmal genötigt war, regelmäßig einen solchen Container zu besuchen, der weiß Bescheid.
Und ich meine nicht diese – zugegeben hässliche – Extremsituation, wie auf einem verregneten Openairfestival ohne Ganzkörperschutzanzug auf ein geflutetes Dixiklo zu müssen…! Holla! Dahingehend bin ich wirklich froh, ein Mann zu sein! Und da lächele ich auch befreit über solche Sprüche wie „Männer sind ja so eklig!“ Nur kein Neid. Wer kann, der kann!
Dabei muss man solche Chemoklos fast noch in Schutz nehmen. Denn was in aller Welt soll dem Ansturm von 10000 Pissern schon standhalten? Da geht sogar eine deutsche Eiche in die Knie!
Ich hingegen hatte das zweifelhafte Vergnügen, über einen Zeitraum von fast einem Jahr einen Sanitärcontainer als mein Bad bezeichnen zu müssen. Es ging also nicht um den singulären Nutzungsakt sondern um die Geschäfte des täglichen Bedarfs. Es musste also auch geduscht werden. Ganz ohne Zweifel: duschen im Prekariat!
Okay, ich habe nicht den Anspruch an einen Duschcontainer, dass es gemütlich sein soll oder gar heimelig oder kuschelig. Ich erwarte keine überschäumenden Dusch- oder Badeorgien. Ich benötige keine Duftöle, Lavalampen, Wasserenthärter unter den Duschköpfen, Badeschwämme, Fußsohlenreflexmassagen, fengshuigerecht installierte Armaturen oder karibische Duschkabinenmalereien. Wenn ich dreckig bin, dann möchte ich duschen. Es muss ja nicht alles im Leben zum Spektakel werden.
Aber eines sollten diese Container können: Sie sollten funktionieren! – Ich weiß nicht, wie oft wir den Servicedienst gerufen haben, weil hier etwas nicht dicht war oder der Boiler überkochte und vor lauter Überkocherei zu platzen drohte, um als Folge in einem gefluteten oder nicht beheizbaren oder einfach nicht funktionierenden Container zu stehen und zu fluchen.
Der Servicemann kam mit einem sturmerprobten Entschuldigungslächeln und reparierte den in die Jahre gekommenen Duschcontainer – fürs erste – und dann fürs zweite – fürs dritte und so weiter!
Was mich aber am Nachhaltigsten verärgert hat, das sind die Duschvorhänge! Dass eine Duschkabine mal kaputtgeht, ein Abfluss verstopft, eine Leitung leckt, ein Boiler explodiert, Gott sicher, das kann alles jedem mal passieren. Ich bin auch schon explodiert. Jeder hat mal einen schlechten Tag.
Aber dass so Grundsätzlichkeiten wie Duschvorhänge nicht funktionieren und ich meine damit jeden verschissenen Tag ihrer verdammten Existenz und zwar in jedem Dreckscontainer, das kann doch wohl nicht wahr sein! Doch! Oh doch!
Ich stehe also in dieser Duschkabine und dusche mich. Ich dusche heiß, nicht so heiß, wie es viele Frauen können, aber doch: Ich bin ein bekennender Heißduscher! – Aber damit muss doch ein Duschvorhang klarkommen. Damit kann und muss ich als Duschvorhang doch rechnen beziehungsweise als Firma, die ihr Geld mit der Vermietung dieser erbärmlichen Drecksdinger verdient. Man muss doch damit rechnen, dass Menschen, die in eine Duschkabine gehen, das heiße Wasser aufdrehen. Und auch die Folgen sind einigermaßen überschaubar:
Das heiße Wasser erhitzt nämlich nicht nur mich, sondern gleichzeitig die Umgebungsluft in der Kabine. Heiße Luft, so haben wir im Kindergarten gelernt, dehnt sich aus und steigt auf. Was bleibt ihr in der Duschkabine auch anderes übrig? Die heiße, aufsteigende Luft wabert also nach oben und dort irgendwie seitlich weg in den Vorraum des Duschcontainers. Das führt innerhalb der Kabine zu einem Massenverlust und so entsteht am Boden der Duschkabine, thermisch gesehen, ein relatives Tiefdruckgebiet. Und mit einem Tiefdruckgebiet zu meinen Füßen bleibe ich in der Dreckskabine und warte auf die fällige Ausgleichsströmung, die da kommen muss. Und sie kommt! Und zwar nicht ausnahmsweise! Sie drückt von draußen – außerhalb meines 80 mal 80cm-Duschparadieses – nach drinnen. Denn dort draußen befindet sich ein relatives Hoch. Und wie wir im Einführungsseminar für angehende Sanitärcontaineringenieure gelernt haben, bewegen sich Luftmassen als Ausgleichsströmung immer vom hohen zum tiefen Druck. Mit Betonung auf: Immer! Nein, das ist keine neue Erkenntnis aus der Nuklearphysik und dafür braucht man auch kein Diplom in Meteorologie. Dafür reicht schon ein Bachelor in „Nur-mal-kurz-das-Hirn-anschalten“.
Die Luft drückt nun von außen den (vorsichtig geschätzt) zwölf Jahre alten Duschvorhang, über dessen Vergangenheit ich lieber nicht bescheid wissen möchte, nach innen und zwar bis ungefähr in die Mitte meiner Kabine und klebt sich, je nachdem wie herum ich stehe, an meine Wade oder mein Schienbein. Und beides möchte ich nicht! Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, beides finde ich unangenehm, unhygienisch und ekelerregend. In einem Etwas, in das ich mich stelle, um mich sauberzumachen, möchte ich nicht von einem alten klebrigen Plastiksack belästigt oder gar umarmt werden, der schon wer weiß wie viele Vorgänger und Vorduscher im Würge- oder Klammergriff gehabt hatte. Das gehört absolut nicht in die Rubrik Hygiene. Da kann ich mich danach ja gleich noch mal duschen. Nur das würde ja wieder nichts ändern!
Das sollte sich mal jemand merken. Falls es überhaupt jemanden vor Ort interessiert. Aber das bezweifle ich aufs Gröbste! Denn kennen Sie irgendwelche Anbieter solcher Kabinen…? Mir sind genau zwei Namen eingefallen: Dixi und ToiToi! Ja, und ist das nicht herrlich, wenn sich zwei Marken den Markt aufteilen können? Aber es kommt noch besser. Denn wissen Sie was…? Beide gehören zu einer Firma! Ja, ist das nicht herrlich?!
Und was schert es schon einen Monopolisten, wenn einem kleinen Kunden bei jedem Duschvorgang der Duschvorhang am Arsch klebt? – Richtig, es geht ihm am Arsch vorbei!

WG gesucht – Lahngarten, 3.Teil

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WG gesucht – Lahngarten, Teil 3

Was mich am nächsten Morgen weckte, klang wie ein Staubsauger. Allerdings war der Lärm viel zu laut dafür. Denn es klang eher so, als würde jemand direkt in meinem Zimmer staubsaugen. Und als ich die Augen öffnete, war es auch so! Eine ältere Frau schob einen Staubsauger durch mein Zimmer! Instinktiv schloss ich wieder die Augen und drehte mich auf die andere Seite. Aber das Geräusch blieb und die Erkenntnis wuchs, dass es womöglich kein Traum war. Vorsichtig öffnete ich ein zweites Mal die Augen und tatsächlich kämpfte sich da ein Staubsauger durch meine halb ausgeräumten Umzugskartons!
„Äh hallo, was machen Sie da?“ rief ich gegen den Staubsaugerlärm an. – „Oh, tschuldigung. Habe ich Sie geweckt?“ – „Ja, äh, aber was machen Sie hier?“ – „Ich mache sauber!“ Okay, so richtig zufrieden konnte ich auch heute morgen nicht mit meiner Fragestrategie sein. Aber irgendwie passierten auch ständig Dinge, die eigentlich nicht passierten. „Wie kommen Sie in mein Zimmer?“ – „Tür war offen!“ antwortete die Frau mit stark osteuropäischem Akzent und ich wusste natürlich inzwischen (selbst), dass sie völlig recht hatte. „Aber…“ Ich brach ab und überlegte lieber noch eine Runde, bevor ich wieder etwas Unnützes fragte. 80 Prozent aller gestellten Fragen könne man sich selbst beantworten, hatte ich mal irgendwo gelesen. Ich lag derzeit bei mindestens 100 Prozent. (Beruhigend, dass mir so etwas gerade jetzt einfiel.) „Aber warum machen Sie hier sauber?“ – „Mache immer Samstag!“ – Damit war die Unterhaltung beendet. Sie wendete mir den Rücken zu und saugte unter meinem Schreibtisch.
Als sie fünf Minuten später fertig war, blickte sie mich aus der Tür an: „Ich bin Ludmilla. Und du? – Hast du Freundin?“ – „Ich äh nein, äh wieso?“ – „Bis nächste Samstag!“ Mit diesen Worten überließ sie mich meiner Ratlosigkeit.
Von Jochen erfuhr ich später, dass Ludmilla immer samstags bei uns putzen würde und dass ihre Kosten sogar schon durch unsere Miete gedeckt würden. Man müsse sich halt dran gewöhnen, dass sie einfach ins Zimmer spazieren würde.

Am nächsten Samstag saß ich morgens am Schreibtisch und wurde trotzdem von Ludmilla überrascht. Denn dieses Mal erschien sie nicht allein, sondern hatte neben dem Staubsauger noch eine junge Frau mitgebracht. Ludmilla zeigte ihr breitestes Lächeln: „Das ist Natascha, meine Tochter!“ – Aha! Putzte ihre Tochter auch hier oder…? „Hast du gesagt, du keine Freundin! Gefällt sie dir?“
Ja, das tat sie, besonders ihre unendlich tiefen schwarzen Augen. Aber trotzdem konnte ich mich aus dieser Situation noch befreien, bevor ich ihre Familie beleidigen und dadurch die Bekanntschaft mit Nataschas drei großen Brüdern machen konnte, die berühmt dafür waren, in der kasachischen Steppe die Kamele mit ihren bloßen Händen zu fangen – und zu enthäuten.

Nach diesen anfänglichen Kuriositäten schwächte sich das Bermudadreieck über meinem Zimmer im Verlauf meines ersten Semesters deutlich ab. Zum Glück oder leider…? Ich weiß es nicht… Immerhin bin ich über Ludmillas Neffen aber noch an ein sehr günstiges Mountainbike und meinen ersten Laptop gekommen sowie an eine handgeklöppelte und extrem kuschelige Kamelhaardecke, die, wenn man ganz tief die Nase reinsteckte, ein wenig nach der schönen schwarzäugigen Natascha roch, aber eben auch nach dem Ärger, den ihre großen Brüder anrichten konnten.

Hier geht’s zu den ersten beiden Teilen!

https://tommiboe.com/2015/05/05/wg-gesucht-lahngarten-1-teil/

https://tommiboe.com/2015/05/07/wg-gesucht-lahngarten-2-teil/

Gewerkschaftsbashing, next round!

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Gewerkschaftsbashing, next round!

„Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen!“ sagt Siggi Gabriel, unsere gepresste Deutschländer-Bahn-Wurst, und spricht damit nicht die Deutsche Bahn an. Oh Mann!
Arbeitgeberministerin Andrea Nahles bereitet gerade „für uns alle“ ihr „Tarifeinheitsgesetz“ vor. „Tarifeinheit“ klingt doch prima, süß und total positiv oder…? Einheit ist doch toll! Und mit „für uns alle“ meint Nahles uns Arbeitgeber, die, wie die Bahn, Ärger mit lästigen kleinen Gewerkschaften haben. Eine nette tarifpolitische Fliegenpatsche! Patsch patsch! Das war’s, GDL! Schluss mit dieser nervenden Tarifpluralität. Bäh! Und ein lautes Ja zur Kuschelgewerkschaft!
Lustig! Beide Politiker gehören zur SPD. Wo kam diese Partei doch noch mal her? Und wo ist sie gelandet? Naja… Doch nicht lustig!
Wem gehört doch noch mal die Deutsche Bahn? Und wer bereitet jetzt dieses Tarifeinheitsgesetz vor? Schon praktisch, wenn das so geht! Und durch eine hörige Presse lässt man das Volk auch noch wissen, wer die Guten sind, die kapitalismusgeile Bahn, und wer die Arschlöcher sind, diese verschissenen Drecksgewerkschaften, die ja wohl noch an allem Schuld gewesen sind.
Vielen Dank, Deutsche Bahn, liebe Regierung und ganz tolle SPD für soviel dringend benötigte Kapitalismusförderung. Der Verein darbender Milliardäre wird’s Euch danken! Politik für die oberen zehn Prozent. Im Ernst, SPD? Naja, zumindest ein Platz im sozialdemokratischen Fegefeuer ist Euch dafür sicher!
Man sollte dir, liebe SPD, wegen Verrat am eigenen Volk, an der eigenen Vergangenheit und den eigenen Idealen eigentlich ins Gesicht spucken. Aber irgendwie ist mir meine Spucke dafür zu schade!

(vgl. 1.Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2014/11/09/gewerkschaftsbashing/)

WG gesucht – Lahngarten, 2.Teil

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WG gesucht – Lahngarten, Teil 2 (

zum ersten Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2015/05/05/wg-gesucht-lahngarten-1-teil/)

An meinem dritten Tag, es war ein Freitag, fand ich ein Päckchen vor meiner Zimmertür. Als Aufschrift stand lediglich „Lahngarten / Zimmer 3“ drauf. Okay! Das war mein Zimmer. Aber wer schickte mir ohne richtige Adresse und völlig ohne Absender ein Päckchen? Richtig: niemand! Denn es war offensichtlich nicht für mich, sondern für meinen Vormieter. Ich stellte das Päckchen in mein Zimmer und nahm mir vor, bei meiner Rückkehr die Pfanne, äh, Jochen, mal zu interviewen, wo und wie ich meinen Vormieter erreichen könnte beziehungsweise was es nun genau mit dem Vogel auf sich hatte.

Nachdem ich abends in der Stadt mit ein paar meiner neuen Bekannten etwas getrunken hatte, kam ich spät nach Hause. Beim Betreten meines Zimmers fielen mir sofort zwei Dinge auf. Erstens mein Licht ging nicht. Das war ärgerlich aber nicht ungewöhnlich. Denn anscheinend hatten es sich meine neuen Flurmitbewohner zum Hobby gemacht, mir, in meiner Abwesenheit, die Glühbirnen zu klauen, was zwar nur mäßig originell, aber wenigstens einfach umzusetzen war, da sich meine Zimmertür nach wie vor nicht abschließen ließ. Andererseits war ich froh, dass sie sich vorerst auf das Entwenden der Glühbirnen – und das Entleihen der Bratpfanne natürlich – beschränkten.

Zweitens roch es nach Gras! Und zwar nicht nur latent sondern so auffällig, als hätte man in meinem Zimmer Gras geraucht! – Das ging jetzt wirklich zu weit! Ich musste etwas unternehmen. Okay, nicht jetzt – ich war müde -… und ich wusste auch noch nicht was, aber es musste etwas getan werden! – Gleich morgen!

Nachdem ich festgestellt hatte, dass auch die Schreibtischlampe nicht brannte, zog ich mich im Dunkeln aus, tapste zum Bett und legte mich hinein. „Ahhhh!“ Ich schreckte zurück und purzelte aus dem Bett. Unter meiner Decke befand sich bereits etwas, was dort absolut nicht hingehörte! – Definitiv ein menschlicher Körper! Wenigstens war er noch warm! Wie um alles in der Welt…?!

„Was’n los?“ kam eine wenngleich verschlafene, jedoch eindeutig weibliche Stimme aus meinem Kissen. „Hallo?! Äh… wer äh… wie äh… was ähh?!“ Ich gebe zu, meine Fragestellung war nicht besonders originell. Fehlte nur noch „wieso weshalb warum“ und ich konnte direkt bei der Sesamstraße anfangen.

Ich rappelte mich schreckhaft auf und stolperte in Richtung Tür, tastete nach dem Lichtschalter: Ach, ja richtig! Da war doch was…! „Hallo? Wer ist denn das da in meinem Bett?“ fragte ich eine Frage, die sonst wohl eher in die Kategorie „Männerfantasien“ gehörte. Aber irgendwas musste ich ja fragen! – „Ich bin Betty und wer bist du?“ – Sicher! In meinem Bett lag Betty. Sonst noch was?! Kam sie aus Bethlehem, war auf Betablockern und stand auf Beethoven oder was?!

„Was machst du in meinem Bett? Warum riecht es hier so nach Gras und wo sind schon wieder meine Glühbirnen hin?!“

Ich sah zu, wie ein Streichholz entflammte und eine Kerze in meinem Bett angezündet wurde. In seinem Schein tauchte ein Frauengesicht auf, ein recht hübsches sogar.

„Und woher hast du die Kerze?“ – „Stellst du immer so viele Fragen?“ – „Nein, äh, aber vielleicht erhoffe ich mir einfach ein paar Antworten.“ – „Suchen wir nicht alle nach Antworten…?“

Das war nach meinem Geschmack für diese Uhrzeit und diese schräge Situation dann doch ein wenig zu philosophisch! Eine Viertelstunde später waren die drängendsten Fragen geklärt und ein formschöner Joint gebaut und entzündet.

Sie hieß also tatsächlich Betty und war auf der Suche nach meinem Vormieter Benjamin über meinen Mitbewohner Jochen, die Pfanne, sowie das Päckchen in meinem Zimmer gestolpert, in dem sich eine größere Ladung Gras für besagten Benjamin befand. Der vertickte also Gras und so auch an Betty. Daraufhin hatten es sich Betty und Jochen in seinem, äh meinem Zimmer gemütlich gemacht. Jochen hatte sogar Streichhölzer und eine Kerze in meinen Kartons gefunden und sogar einen Korkenzieher. Damit kannte sich Jochen entschieden besser in meinem Zimmer aus als ich selbst. Ich würde ihn das nächste Mal befragen, wenn ich etwas nicht finden konnte.

Jochen und Betty hatten eine Flasche Wein (von mir natürlich) getrunken und das Päckchen geöffnet, um sich einen Joint zu bauen, da Betty offenbar wusste, was sich darin befand. Nach der Flasche Wein hatte sich Jochen dann verabschiedet und nach dem zweiten Joint war Betty in meinem Bett eingeschlafen. – Soweit ihre Geschichte!

Nachdem Betty und ich den Joint geraucht hatten, fragte sie mich, ob sie den Rest der Nacht bleiben könnte, und ich wusste nicht, was ich dagegen hätte unternehmen können. Denn ganz offensichtlich hatte ich hier in meinem Zimmer ohnehin nichts zu sagen!

Als ich am folgenden Morgen aufwachte, waren Betty und das Paket mit dem Gras verschwunden. Manche Probleme lösten sich also doch ganz einfach im Schlaf auf – immerhin! Erleichtert drehte ich mich um und schlief noch einmal ein.

zum ersten Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2015/05/05/wg-gesucht-lahngarten-1-teil/)

WG gesucht – Lahngarten, 1. Teil

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WG gesucht – Lahngarten (Teil 1)

Es war mein erstes Semester in Marburg. Nach wochenlanger Suche, nach Nächten auf Isomatten und Sofas hatte endlich ich ein Zimmer gefunden. Es handelte sich um ein kleines Zimmer mit Dachschräge in einem ehemaligen Landgasthaus an der Lahn, das zwischenzeitlich als Asylantenwohnheim genutzt worden war, ehe der Inhaber auf Studenten umgesattelt hatte, wohl eher aus ökonomischen als denn aus humanitären Gründen.
Ich teilte mir noch mit sieben anderen den Gang und das Bad sowie den Krach der gegenüber liegenden Teppichzuschneiderei und den Ärger, der von meinem Vormieter übriggeblieben war. Jener war anscheinend nicht so ganz freiwillig, dafür recht überhastet ausgezogen. Aber davon sollte ich erst nach meinem Einzug erfahren.
Der Vermieter überreichte mir den Haustürschlüssel und fügte lächelnd hinzu, das Zimmerschloss würde schon in den nächsten Tagen ausgewechselt werden und bis dahin gäbe es eben noch kein Schloss. Gut! Ich hatte mich schon an den Gedanken gewöhnt, überhaupt kein Zimmer zu haben, dahingegen war ein fehlendes Schloss für mich kein wirkliches Problem. Nach langer Suche hatte ich ein günstiges Asylanten… äh… Heim gefunden, in Raddistanz zur Stadt. Ich war zufrieden!
Mein Einzug war schnell erledigt. Ein Schlafsofa, ein Schreibtisch, ein Schreibtischstuhl, ein Schrank, ein Regal, ein Tischchen und zwei Klappstühle. Das war mein Mobiliar. Das Studium konnte beginnen!
An meinem ersten Morgen erwachte ich von einem seltsamen Klappern. Ich öffnete die Augen und blickte in, äh, auf den Hintern eines Typen, der sich im Schränkchen unter meinem Waschbecken zu schaffen machte. Ob er darin wohnte? schoss es mir durch den Kopf. Schließlich wusste ich über die prekäre Wohnungssituation in Marburg bescheid…
„Hallo?! Was machst du da?!“ – Der Hintern drehte sich um und stotterte. „Äh… Ich wollte äh… mir nur deine äh Pfanne ausleihen… äh… wer bist du überhaupt?“ – „Gute Frage! Wer bist du? Und was machst du hier in meinem Zimmer?“ – „Äh, Jochen, äh, die Pfanne!“ – Sein neugieriger, forschender Blick blieb an einem offenen Karton hängen, aus dem ein Pfannengriff herausragte. Seine Miene hellte sich schlagartig auf: „Cool! Ne Pfanne!“ – So hatte ich meinen ersten Mitbewohner kennengelernt, Jochen, die Pfanne!

Am nächsten Morgen weckte mich ein lautes Klopfen an der Tür. Ich war ein wenig verkatert vom Vorabend und brauchte einige Momente, um zu Sinnen zu kommen. Aber da pochte es schon wieder recht energisch und eine herrische Stimme rief etwas gegen die Tür. „Ja! Was…? Moment!“ Jochen konnte es nicht sein, da er einfach ohne Klopfen eintrat, wenn er seine, äh meine Panne brauchte? Ich schlüpfte in eine Jogginghose, die neben dem Bett lag, und wankte verschlafen zur Tür. Wer machte um diese Uhrzeit so einen Terror?! Die Antwort stand vor der Tür: die Polizei! Zwei Uniformierte, wahrscheinlich zu gleichen Teilen ein Freund und ein Helfer, standen verbissen lächelnd vor der Tür. „Huch!“ versuchte ich, die Situation adäquat zusammenzufassen, und fügte noch ein Verständnis heuchelndes „Öhh!“ hinzu.
„Guten Morgen!“ schallte es durch den Flur, sodass auch die restlichen Studentenköppe Bescheid wussten, dass der Tag begonnen hatte. „Ja, guten Morgen!“ antwortete ich artig. Damit konnte man ja nichts falsch machen. Lud man Beamte frühmorgens auf einen Kaffee ein? Aber wahrscheinlich war es gar nicht mehr frühmorgens… Oder fragte man sie nach ihrem Befinden, ihren Hobbys, ihrem Dienstgrad, ihren Vorurteilen gegenüber langhaarigen Studenten…? – Meine Erfahrungswerte dahingehend waren gering. Ich probierte ein unverfängliches „Kann ich etwas für Sie tun?“ – Der eine Polizist schaute seinen Kollegen höhnisch an: „Ein richtiger Komiker, was?“ – „Mal schauen, wer zuletzt lacht?“ antwortete der andere recht schnurrbärtig. Das sollte wohl bedeuten, dass es sich bei diesem Letzten nicht um mich handeln sollte. Vielmehr verstand ich allerdings nicht. Also schwieg ich eine Runde, um mit diesem rhetorischen Trick des Schweigens darauf zu verweisen, dass es an den Polizisten sei, Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, und erzählen, weswegen sie nun hier seien. Schließlich waren sie zu mir gekommen.
Die entstandene Pause dauerte allerdings länger als üblich. Sie hielt verdammt lange – zu lange! – „Ähm, auch auf die Gefahr hin, dass Sie bereits wissen, warum Sie hier sind, würden Sie es mir bitte auch sagen?“ Die beiden Polizisten schauten mich fragend an, dann fragte mich der Schnurrbart finster: „Wollen Sie mich verarschen oder nehmen Sie Drogen?“ – Und ich sagte reflexartig den Satz, den ich schon immer mal sagen wollte, aber noch nie die Gelegenheit dazu gehabt hatte: „Ich mache von meinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch!“ – Ups! Hatte ich das tatsächlich laut gesagt?! In Anbetracht der beiden, mich anstarrenden Polizistenfratzen konnte die Antwort nur „Ja!“ lauten.
Der Schnurrbart berappelte sich zuerst: „Sehr witzig! Sie hatten eine schriftliche Vorladung zu Gericht…“ – „Was?! – Nein, nein, Moment…!“ – „Sie haben bereits zwei Vorladungstermine ohne Angabe von Gründen verstreichen lassen und daher werden wir Sie zum dritten nun persönlich eskortieren! Und auch darüber sind Sie im Vorfeld schriftlich aufgeklärt worden. – Wenn Sie sich bitte ankleiden würden!“ – „Moment, Moment, Moment!“ Ich hob den Zeigefinger, um meine Worte zu bestärken. Da suchten die beiden Freunde wohl einen anderen. Ich musste dieser Farce ein Ende bereiten und zum Glück fiel mir dafür noch ein anderer großartiger Satz ein: „Ich bin nicht der, für den Sie mich halten!“ Gleichzeitig durchsuchte mein Blick ein wenig verzweifelt mein Zimmer. In welchem Umzugskarton befanden sich überhaupt meine Papiere…?
Drei Minuten und fünf Umzugskartons später waren die beiden Beamten endgültig und eindeutig davon überzeugt, dass es sich bei mir nicht um Benjamin Schmolke handelte und ich sie nicht zum Gericht begleiten musste. Dennoch ließ sich der Schnurrbart einen Abschiedskommentar nicht nehmen: „Man sieht sich immer zweimal im Leben, Freundchen!“ – Inzwischen hatte ich mein Lächeln wiedergefunden: „Okay, dann hab ich auch Drogen dabei – versprochen!“

(hier geht’s zum 2. Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2015/05/07/wg-gesucht-lahngarten-2-teil/)