Fundstück – Alberne Feiertage

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Fundstücke in Fernwest – Alberne Feiertage

Gerade wieder kurz nach Argentinien rübergerutscht. In Mendoza war ich vor 15 Jahren schon mal mit der Uni. Hatte mir damals total gut gefallen. Da mache ich doch gerne noch mal den Abstecher, zumal mich dieser spektakulär über die Cordillere/Anden führt. Atem beraubende Fahrt mit einem geistesgegenwärtigen und nicht wie handelsüblich geisteskranken Busfahrer, der mit einer Vollbremsung das Leben eines in einer Kurve träumenden Straßenbauarbeiters rettet. Das Ganze genau vor meinem Bildschirm. Denn ich sitze in der ersten Reihe des Obergeschosses.
Als ich im Hostel einchecke, sehe ich im Kalender, dass der gestrige 2. April als Feiertag eingetragen ist. Auf meine Frage, rollt die Dame am Empfang die Augen. Dieser „Día festivo“ sei ein Gedenktag an den Krieg um die Islas Malvinas (zu neudeutsch: Falklandinseln). Eine ganz schlecht verheilte argentinische Wunde, die aber auch immer wieder aufgepult, aufgerissen, mit Salz bestreut wird, damit sie hübsch weiter eitern kann. Als würde es die dortigen Schafe einen Dreck interessieren, unter wessen Flagge sie geschoren werden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich gebe den blöden Briten auf keinen Fall recht. Die haben da nichts verloren und sollen sich verpissen und den ansässigen Schafen und Großmaulpinguinen die Insel überlassen.
Der Falklandkrieg 1982, das muss man so hart sagen, wurde letztlich angezettelt, um mit dieser vaterländischen Rückholaktion von innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen der Militärjunta abzulenken. Dass dabei blutjunge, unzureichend vorbereitete und katastrophal ausgerüstete Argentinier einem hoffnungslosen Unterfangen gegen klar überlegende Briten geopfert wurden, das ist eine wahre Tragödie. Das war in etwa so, als würde man eine Dorfmannschaft gegen Bayern München spielen lassen, aber ihnen vor Spielbeginn noch die Fußballschuhe abnehmen (also nicht den Bayernspielern!).
Anlässlich dieses Gedenktages wurde dieses Jahr stolz der neue 50 Peso-Schein präsentiert, auf dem natürlich die Islas Malvinas abgebildet sind. Das wird den Briten bestimmt eine Lehre sein! Putin würde die Angelegenheit sicherlich anders angehen… Da sind wir mal froh, dass da keine Krimschafe grasen.
Die Argentinier sind ohnehin etwas übertrieben emotional, was ihre Grenzen angeht. So wurde der Streit mit Chile über drei unbewohnte Inselchen im Beagle-Kanal auf Feuerland, über die 1978 fast ein Krieg entbrannte, eigenhändig von Papst Johannes Paul II. geschlichtet. Die argentinische Militärjunta hatte schon zur militärischen Besatzung aufgerufen. Albern genug der Name, Beagle-Konflikt, aber es ging nicht um drei kleine blöde Hundchen sondern um drei kleine blöde Inselchen im Beagle-Kanal, am Arsch der Welt, auf denen es noch nicht mal Schafe gibt.
Ich sitze in Mendoza in einem Straßencafé, als auf der benachbarten Kreuzung lauter Gesang angestimmt wird. Ich schaue mir das mal genauer an und erkenne vielleicht zwei-, drei Hundert singender, hüpfender Fußballfans in den bekannten blau-gelben Vereinsfarben von Boca Juniors aus Buenos Aires. Da gibt’s wohl was zu feiern! Meisterschaft…? Pokal…? Nein, werde ich aufgeklärt, Boca hat heute Geburtstag und wird 109 Jahre. Na Glückwunsch! Feliz cumple, Boca! Bei einem solchen Feiertag gratuliert man doch gerne.

feliz cumple, boca juniors!
feliz cumple, boca juniors!

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