Monat: Januar 2018

Wir brauchen dringend eine Gierdebatte!

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Wir brauchen dringend eine Gierdebatte!

Fünf Tage lang haben sich im Januar in Davos wieder die Reichsten der Reichen getroffen.

Oxfam legte in seinem neuesten Bericht dar, dass „82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögens in die Taschen des reichsten Prozents der Weltbevölkerung geflossen“ sei. Und zwischen 2016 und 2017 kam alle zwei Tage ein neuer Milliardär hinzu. Was daraus klar wird, die Ungleichverteilung ist kein Zustand, sondern ein sich immer weiter steigernder Prozess. Die gute, wenngleich zynische Nachricht: Es ist also gar nicht alles soooo schlimm. Denn die Ungleichverteilung wird sich, bei aktueller Entwicklung – und absolut gar nichts spricht dafür, dass dies sich ändert, noch verschlimmern! Die Superreichen werden superreicher – und das auf Kosten des Restes der Bevölkerung. Eine GroKo wird daran nicht rütteln, natürlich nicht! Woher sollte dieser plötzliche Gesinnungswandel auch kommen?! Auf einer ganz anderen Ebene faszinierend, dass man für eine solche Politik noch nicht einmal die FDP benötigt.

Stattdessen wird noch immer dann die Neiddebatte aus der Schachtel geholt! Neid oder Gier? Wer ist die größere Drecksau? Wer setzt sich beim moralischen Schlammcatchen durch? In der roten Ecke: der Neid, in der blauen Ecke: die Gier! Wer ist der größere Schurke?
Okay, beides sind Arschlöcher! Muss man da noch differenzieren? Ich meine: Ja! Denn einem der beiden wird, meines Erachtens, in der medialen Betrachtung viel mehr Be- und Verachtung geschenkt als dem anderen. Und die interessante Frage ist: Wenn schon beide Arschlöcher sind, warum redet man nur über den einen?!
So wird die Neiddebatte immer wieder gerne in den Ring geführt, wenn es um Forderungen nach mehr Gleichheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geht. Von einer öffentlichen Gierdebatte hingegen habe ich bisher noch gar nichts mitbekommen. Komisch eigentlich…! Bei Ecosia, meinem alternativen Suchdienst (ich berichtete), erhält man für den Suchbegriff „Neiddebatte“ 14400 Treffer (bei Google 219000), für „Gierdebatte“ sind’s gerade mal 176. Google (1620 Treffer) fragte sogar nach: „Meinten Sie Bierdebatte?“ (Immerhin 2190 Treffer)
Zumindest ich finde den Zusammenhang zwischen Gier und Neid ganz interessant und mich wundert ein wenig, warum es sonst niemanden zu interessieren scheint und es niemand deutlich formuliert. Denn ist es nicht so, dass gerade die zügellose Gier einiger weniger zu einer immer größer werdenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft führt und genau damit der Neid erst richtig angefeuert wird?

Denn Neid ist nicht bloß als bösartige Missgunst zu bewerten. Sie ist oft einfach Ausdruck von offensichtlich ungerechten Lebensverhältnissen.
In einer Gesellschaft mit Chancengleichheit und geringen sozialen Unterschieden ist der Neid, da ihm der Nährboden fehlt, schwächer ausgeprägt. Aber bei wachsender Ungleichheit, beim Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Unten und Oben, wächst und gedeiht auch der Neid.
So ist der Neid keineswegs das Übel selbst, sondern lediglich eine menschliche Reaktion auf das Übel, nämlich auf eine, von der Habgier angetriebene, auseinanderdriftende Gesellschaft. Und so lange den Gierigen und Vermögenden unserer Gesellschaft seitens der Politik weiterhin Geschenke gemacht werden (Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Höchststeuersatz, Kapitalertragssteuer; um mal die bekanntesten Geschenke zu nennen), wird sich an der Situation nichts verändern.
Das Vermögen hat mehr politischen Einfluss und dieser Einfluss wird durch die unstillbare Habgier nach noch mehr geleitet. Und das derzeit mit großem Erfolg, wie obige Reformen eindrucksvoll beweisen. Ein Milliardär konnte in 2015 sein Vermögen um acht Prozent steigern, während der Normalo genau Null Prozent auf sein Erspartes bekam.
Hmm… Irgendwie ganz schön einfach und ganz schön eklig zugleich, dass das quasi widerstandslos und alternativlos funktioniert.

Ich würde mir wünschen, nein, ich fordere, dass jeden Tag über den unglaublichen Reichtum einiger weniger Superreicher berichtet wird. Solange bis die anderen 99 Prozent endlich schnallen, dass sich endlich etwas ändern muss.

 

Also bitte: Wir brauchen keine Neiddebatte, wir brauchen endlich eine Gierdebatte!

Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee abschaffen

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Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee abschaffen

Manchmal ist es ganz einfach, etwas Gutes zu tun, manchmal dabei sogar noch lecker! Fairen Kaffee trinken, zum Beispiel! Meiner Ansicht nach ist der Konsum von Fairtrade-Produkten ohnehin einer der effektivsten Wege einer nachhaltigen Entwicklungshilfe.

Es gibt gerade eine sehr interessante Initiative (verpflichtender Link unten), die sich zum Ziel macht, die Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee abzuschaffen. Denn neben der Mehrwertsteuer zahlen wir mit jedem Kilo Kaffee zusätzlich 2,19 Euro Kaffeesteuer. Die gibt es wirklich. Sie spült dem deutschen Fiskus jährlich 1,1 Milliarden Euro ins Säckel.

Besagte Idee, diese Steuer für Fairtrade-Kaffee auszusetzen, könnte nun dafür sorgen, dass fairer und nachhaltiger Konsum gefördert werden würde. Denn auch dem finanziell sensiblen Geiz-ist-geil-Konsumenten könnten auf diesem Weg Fairtrade-Produkte nähergebracht werden und der sinnvolle und wünschenswerte Umstieg auf Fairtrade-Produkte würde vielen leichter fallen.

Bisher sind lediglich vier Prozent des in Deutschland konsumierten Kaffees unter Fairtrade-Bedingungen produziert. Und all denjenigen, die es weniger mit Moral und Verantwortung haben, sei gesagt: je besser es den Menschen in den Entwicklungsländern geht, um so weniger von ihnen machen sich auf den Weg nach Europa. Uuupsi! Auch dieser Zusammenhang sollte uns bewusst sein!

Übrigens wurde schon 2014 von der Hamburger SPD der Versuch gestartet, die Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee zu kippen. Jetzt mahlen erstmal die Kaffeemühlen der Politik und die mahlen nicht in erster Linie nachhaltig sondern langsam!

Bis dahin sind wir tapfer und überlassen es nicht der Politik, dieses Thema totzusitzen, sondern trinken einfach weiter fairen Kaffee!

kaffeesteuer

Der Kaffeehändler J.J. Darboven setzt übrigens schon seit 25 Jahren auf Fairtrade!

Die Lebensmittelampel kommt – oder lieber nicht?

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Die Lebensmittelampel kommt – oder lieber nicht?

Was wäre schön in 2018? Schön wäre es doch, wenn es auch die deutschen Politiker in 2018 endlich schaffen würden, eine Lebensmittelampel einzuführen.

Dass dies funktioniert, die Lebensmittelindustrie nicht ruiniert und den Verbraucher auch nicht überfordert oder wahlweise entmündigt, vermögen deutsche Lobbyisten vielleicht nicht für möglich halten und weiterhin versuchen, sie zu verteufeln und zu verhindern, jedoch gibt es seit Sommer in Frankreich den sogenannten „nutri score“ (siehe Abbildung).

Nutri-Score

Das Ziel dieser Kennzeichnung soll es sein, den Verkauf von Produkten zu fördern, die weniger Fett, Salz und Zucker enthalten, und auf die Weise die Lebensmittelindustrie zur Herstellung gesündere Produkte zu erziehen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet die Einführung der Lebensmittelkennzeichnung in Frankreich als einen Erfolg für eine bessere Ernährung.

Na, wäre das nicht auch etwas für Deutschland und ganz Europa…?

Nutri-Score - umfrage

Ja, möchte man meinen. Aber nachdem sich die Konzerne jahrelang erbittert gegen eine solche Lebensmittelampel gewehrt haben, wollen plötzlich Nestlé, Coca-Cola, Mars, Mondelez und Co eine eigene EU-weite Ampelkennzeichnung einführen. Jedoch sind die Kriterien so lasch, dass die Industrie-Ampel Produkte gesünder erscheinen lässt, als sie sind. So besitzt diese Konzern-Ampel zwar drei Farben, aber rot für ungesund erhält natürlich keines der Produkte. Also praktisch gäbe es nur gelb und grün (siehe Beispiele), während der französische Nutri Score mit fünf Farbabstufungen tatsächliche Unterschiede aufzeigt. Na bravo!

 

Hier noch ein paar Beispiele, wie sich die Lebensmittelindustrie eine Ampel vorstellt:

Industrie-Ampel BecelIndustrie-Ampel nutellaIndustrie-Ampel chipsfrisch

 

Noch mehr Spaß mit dem Fairphone

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Noch mehr Spaß mit dem Fairphone 2

Ideen sind die Voraussetzungen für Taten. Gute Ideen für gute Taten. Leider sind aber längst nicht alle Ideen Garantie dafür, dass etwas Gutes dabei rauskommt. Beispiel: das Fairphone!

Eine ganze ausgezeichnete Idee, ein Smartphone unter Fairtrade-Bedingungen herzustellen. Die Idee gefiel mir und ich verfiel ihr. So kam ich zu meinem Fairphone 2. (https://tommiboe.com/tag/fairphone/)

Nach Anfangsschwierigkeiten und Zwischendurchproblemen hatte sich die Beziehung zu meinem Fairphone doch noch stabilisiert. – Kunstpause! – Bis zu meinem diesjährigen Sommerurlaub. Bis mich mein Fairphone mitten im Urlaub auf Sulawesi im Stich ließ. Nach ungefähr zwei Wochen verzichtete es einfach auf weitere Aufladevorgänge. Ich versuchte es mit mehreren Steckdosen und verschiedenen Ladekabeln. Vergebens. War das Akku kaputt? Es war ja auch schon eineinhalb Jahre alt, was etwa neun Hundejahren entspricht.

Na, super! Auch spätere Versuche schlugen fehl. So besorgte ich mir in Gorontalo, bevor es auf die traumhaft schönen Togian Islands gehen sollte (diese Info ist für alle, die dachten, es handele sich hier um einen Reiseblog), ein neues Smartphone, rückte meine Sonnenbrille zurecht und lächelte den Schmerz und die Wut weg.

Zurück in Deutschland plante ich eine Mail ans Fairphone-Team, die wie folgt beginnen sollte: „Zu Ihrer Information: Diese Email wurde mit dem Mittelfinger geschrieben!“ – Kunstpause Nummer 2 – Aber zu dieser Mail sollte es nicht kommen. Nach meiner Ankunft räumte ich meinen Rucksack vor der Waschmaschine aus und hängte gedankenverloren das Fairphone an die Steckdose. Ein freundliches Flackern durchzuckte das Gerät und auf dem Display erschienen die Worte „Change is in your hands!“ – Ja, willst du mich verarschen oder was?!

Da war dem Drecksding der indonesische Strom nicht gut genug? Vielleicht spürte es, hochsensibel, die Spannungsunterschiede oder es hatte nur darauf gewartet, bei mir zu Hause wieder lecker Öko-Strom zu bekommen? Oder hatte es sich einfach auch mal zwei Wochen Urlaub gegönnt? Fair enough!

Dein Ernst…?!

 

https://tommiboe.com/category/viel-spas-mit/