Monat: September 2017

neulich bei hart aber fair

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Neulich bei hart aber fair

Die etablierten Parteien haben die Wahl verloren und AfD hat die Wahl gewonnen. Das Resultat ist oft einfacher zu erkennen, als die Erklärung zu finden. Bei Hart aber Fair wurde nun ein neuer Sündenbock gefunden: die Öffentlich-Rechtlichen. Sehr zum Missfallen der Herren Plasberg und Brender, immerhin ehemaliger ZDF-Chefredakteur, der die Argumente der anwesenden Politiker mehrfach als Quatsch und völliger Unsinn titulierte. Der Vorwurf lautete, durch das einseitige Agenda Setting der Sender seien besonders jene Themen in Talkshows thematisiert worden, in denen die AfD mit Provokation und Polarisierung Stimmung machen konnte. Der MONITOR (Video, siehe unten) kam schon im Januar 2017 zu dem Resultat, dass sich 54% der Talkshowformate von ARD und ZDF (in 2016) mit den Themen „Populismus“, „Flüchtlinge“ und „Terror“. Und dabei stets auf der öffentlich-rechtlichen Bühne die sonst immer gescholtenen Vertreter von Rechtsaußen, die Zeit und Raum für die Verbreitung ihrer Thesen bekamen.

Im gleichen Zeitraum befassten sich genau Null (0!) Sendungen mit zukunftsrelevanten Themen wie Energiewende, Bildung oder dem Abgasskandal. Ebenso spielten Themen wie Rente, Digitalisierung, Pflege nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Dem Vorwurf des einseitigen Agenda Settings gegenüber behauptete Brender, dass es schließlich die Pflicht der Sender sei, jene Themen in den Talkshows aufzugreifen, die eine besondere Relevanz für die Zuschauer haben. Klingt logisch. Allerdings sollte ein ehemaliger Chefredakteur genau wissen, dass die Zuschauer eben auch genau jenen Themen eine besondere Wichtigkeit zuordnen, über die ständig berichtet wird. Klingt auch logisch, Herr Brender oder?! Und ist wissenschaftlich belegt! Können sich ja mal informieren, bevor Sie das nächste Mal in einer Talkshow die Fresse aufreißen!

Und genau hier liegt die Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender, sich eben nicht, Woche für Woche, der Quotengeilheit hinzugeben! Denn Quote ist eher garantiert, wenn sich AfD-Politiker mit anderen Gästen über die Flüchtlingsthematik fetzen und eine gute, weil kontroverse Show bieten, sondern die wichtigen Zukunftsthemen ausgewogen im Programm zu berücksichtigen (Dafür zahle ich übrigens meine Gebühren). Außerdem wurde damit die große Chance vertan, AfD-Politikern die Möglichkeit zu geben, sich bei Themen wie Klimawandel oder Rente in der Öffentlichkeit lächerlich oder unmöglich zu machen. Schade eigentlich…!

Und so gaben schließlich 44% der Wähler an (Höchstwert), dass genau dieses Flüchtlingsthema das wichtigste Thema im Wahlkampf gewesen sei.

Tja, liebe ARD und liebes ZDF, aus der Nummer kommt ihr so leicht nicht raus. Ein bisschen Einsicht und Demut tut aber euch in der Fehleranalyse gut. Denn am Erstarken der AfD habt auch ihr, neben der alternativlosen Politik der Groko natürlich, euren Anteil!

Soviel zum Thema Agenda Setting, ihr Deppen!

Gut und gerne

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Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden – oder waren es russische Hacker? -, dass bei gerade 20 Prozent der Nutzer des Wahlomats die CDU als die Partei hervorgeht, mit der man die meisten Übereinstimmungen hat. Mich persönlich wundert eher, dass es überhaupt so viele sind. Denn für konkrete Inhalte hat Angela Merkel ja noch nie gestanden. Putzig, dass ausgerechnet die Partei „die Partei“ schon länger mit dem Slogan „Inhalte überwinden!“ unterwegs ist.

Das Ganze heißt aber natürlich nicht, dass die CDU die Wahl am nächsten Sonntag nicht gewinnen wird. Natürlich wird sie das! Deutlich und zu Recht! Denn wir wollen doch alle gut und gerne in einem Land leben, in dem man gut und gerne leben kann. In diesem Slogan liegen, meines Erachtens, Versprechen und Drohung zugleich. Denn irgendwie schwingen in dieser Aussage die Worte „vergleichsweise!“ und „noch!!“ mit. Für mich klingt der Slogan also eher wie: „Für ein Deutschland, in dem wir vergleichsweise gut und gerne leben – noch!“ Falls man nicht auf die blöde Idee kommt, die Sozen oder Schlimmeres zu wählen. Dann… ja dann… Ende des Abendlandes!

Eine verlockende Zukunft sieht anders aus. Aber mit viel Glück und Muttis Hilfe läuft es vielleicht darauf hinaus, dass sich nichts ändert. Weil Veränderungen wollen wir nicht. Die gefährden unser Deutschland, unseren Wohlstand, all das, was wir erreicht haben. Wobei eigentlich nichts so sicher ist, wie dass es in der Zukunft zu Veränderungen kommen wird. Und eine verantwortungsbewusste Politik müsste uns auf diese Veränderungen vorbereiten. Aber sorry, das geht jetzt natürlich viel zu weit. Denn mit Zukunft haben es die Parteien nicht so…

Sorgen und Ängste sind natürlich schon wichtig, aber sie müssen beherrschbar sein oder so erscheinen. Altersarmut ist zum Beispiel viel zu komplex im Wahlkampf. Mit solchen Ängsten sollen die Wähler nicht verunsichert werden. Deshalb kümmert sich die CDU dann ab 2030 darum, wahrscheinlich gut und gerne. Bis dahin werden lieber andere Ängste geschürt: Innere Sicherheit. Alle Parteien versprechen uns 15000 neue Polizisten, schnellere Abschiebungen, Überwachungskameras, lustige Deals mit fragwürdigen Staaten, die uns die Flüchtlinge vom Hals halten. Das sind beherrschbare Ängste. Solange fängt auch niemand ernsthaft mit so unappetitlichen Themen wie Gerechtigkeit oder Umverteilung an.

Schlaf weiter, Deutschland, Mutti kümmert sich um dich.

Aber nicht mit mir! Mich kann die CDU am Arsch lecken – und zwar gut und gerne!

 

auf Augenhöhe mit Poldi

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In Indonesien kommt man sich manchmal ein bisschen wie ein Promi vor.

Letzte Nacht habe ich von Lukas Podolski und seinem Bruder geträumt. Vielleicht lag es daran, dass ich in letzter Zeit so viele Selfie-Anfragen hatte und immer, souverän in die Kameras grinsend, den Daumen gehoben, also extrem Poldi-like.

Wie auch immer! Auf alle Fälle sind die Indonesier total selfie-verrückt, wenn sie einen Promi, äh, einen Außerirdischen oder einfach einen Touristen in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Das nimmt zum Teil absurde Züge an, wenn sich die Indonesier aufreihen und die Handys weiterreichen, um ein begehrtes Selfie zu erlangen. Aber was soll’s! Für ein paar Momente Ruhm spiele ich dieses Spielchen natürlich gerne mit. Schließlich ist es selten derart einfach, andere Menschen glücklich zu machen und sich selbst ein bisschen wichtig zu fühlen. Tut ja nicht weh. Und außerdem weiß ich, dass mein Ruhm und meine Attraktivität mit dem Ende der Reise ebenso zu Ende gehen. Die Sonnenseite daran ist, dass ich dann – im Gegensatz zu Poldi – wieder völlig unbehelligt durch deutsche Straßen schlendern kann.

Ab einem gewissen Moment habe ich dann Selfies zurück geschossen. Und hier mein absolutes Lieblingsselfie, auf das ich ein bisschen stolz bin, zwar ohne Poldidaumen dafür mit fünfzig indonesischen Polizisten!

selfie03 dafür

Auf dem Roller geboren

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oder: No Moto No Girlfriend!

Verkehr kann schon eine nervende Sache sein. Für diese Erkenntnis reicht mir meist Deutschland aus. Indonesien kann aber noch mehr nerven. Das liegt daran, dass nicht nur die Bevölkerung Indonesiens (ca. 250 Millionen) und besonders die Städte schnell wachsen, sondern auch der Motorisierungsgrad. Dahingegen bleibt der Straßenbau einem Entwicklungsland würdig und legt in der tropischen Hitze eine Jahrzehntelange Siesta ein. Folge dieser Entwicklung: totale Katastrophe!

Hier soll es aber um einen durchaus faszinierenden Teilaspekt gehen: dem Motorradisierungsgrad. Der Indonesier als solcher wird nämlich nicht zu Hause, im Krankenhaus oder auf dem Weg dorthin im Taxi geboren sondern direkt auf dem Roller. Damit das Baby nicht runterfällt, wird die Nabelschnur sicherheitshalber am Lenker befestigt. Und während in Indonesien die weit verbreitete Meinung vorherrscht, Fahrradfahren wäre zu gefährlich („Bist du wahnsinnig! Bei dem Verkehr!“), fahren die Kinder stattdessen Motorrad. Die Jungs besonders gern und besonders früh. Aber auch die Mädels fahren Roller, gerne zu zweit. Auch im muslimischen Süden von Sulawesi ist das kein Problem.

Aber so ein Moto ist auch praktisch. Fährst du als Junge damit herum, dann hast du noch Platz auf dem Rücksitz und in deinem Leben für ein Mädchen. Du kannst aber auch mit der ganzen Familie unterwegs sein. Eltern mit zwei Kindern sieht man sehr häufig. Du kannst Touristen durch die Gegend fahren und damit viel mehr und viel leichter Geld verdienen als bei der anstrengenden Arbeit auf dem Reisfeld. Du kannst ein Tuk-Tuk draus bauen und schon hast du einen geregelten Arbeitsplatz. Und du kannst damit natürlich alles (ALLES!) transportieren!

Und als Zugabe hast du noch etwas, das du am Samstag waschen kannst!

auf dem roller07

Klare Zeichen

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Während ich am Straßenrand stehe und auf den Bus warte, der mich zu meinem Abflugort Makassar bringen soll, erster Rückreisetag, fährt ein Jeep an mir vorbei, auf dessen Windschutzscheibe doch tatsächlich „Stuttgart“ steht. Whaaat…?!

Vor mir liegen zehn bis zwölf Stunden Busfahrt, morgen dann Flug nach Singapur, übermorgen dann via Istanbul weiter nach Frankfurt, falls ich nicht noch überraschend am Flughafen in Istanbul festgenommen werde (aber was heißt schon überraschend), weil sich rausstellt, dass ich beim letzten Mal nicht die AKP gewählt habe.

Dann geht’s mit dem Zug zurück nach Stuttgart. Mittwoch nachmittag kann ich dann nach fünf Wochen meine Kaffeemaschine anschmeißen – freu mich drauf!

Und jetzt fährt dieser Stuttgart-Jeep an mir vorbei. Natürlich! Freunde der Höchstwahrscheinlichkeitsrechnung, wenn das mal kein Zeichen ist…! Und um das Ganze zu verdeutlichen, fährt der selbe Jeep fünf Minuten später zur Sicherheit aus der anderen Richtung noch mal vorbei. Ja doch…! Ich hab’s ja verstanden, bin doch quasi schon auf dem Weg!

See you soon!

Auf der Busfahrt von Rantepao nach Makassar

Heimscheißer

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Eigentlich bin ich ja nicht so ein Heimscheißer…! (Wem das schon jetzt als Einleitung zu viel Informationen sind, der möge sich bitte eine andere meiner Geschichten suchen. Sorry!)

Ich gebe zu, dass sich das Packen meiner Reise-Apotheke im Wesentlichen darauf beschränkt hat, meine bereits seit Jahren bestehende Reise-Apotheke einfach in den Rucksack zu stopfen. Fertig! Passt schon!

Okay… passt nicht! Jedoch bezweifle ich stark, dass ich selbst bei genauerer Inspektion meiner Medikamente darauf gekommen wäre, was ich jetzt benötige. Denn die Problematik der Verdauungsgeschichte hatte ich bisher immer von der anderen Seite betrachtet und auch erlebt. Soll heißen, die Frage lautete stets, wie stoppe ich den Darm, und nicht, wie aktiviere ich ihn. Und dementsprechend sieht das Angebot meiner Reise-Apotheke aus.

Wer kann schon damit rechnen, dass sich ausgerechnet in Indonesien die Sachlage verkehrt und derart verhärtet, dass auch regelmäßiger Kaffeekonsum zwar braune Zähne macht, mich aber der Schüssel keinen Pubs weit näher bringt. Selbst alte Hausrezepte, Konsum von Apfelsaft und frisch vergorenem Palmwein helfen nicht weiter. Da ich morgen zu einer dreitägigen Wanderung aufbrechen möchte, wäre eine kleine Erleichterung sehr wünschenswert.

Und bevor ich zum Äußersten greife – brackigem Wasser und alten Meeresfrüchten, für stundenlanges Trampolinspringen fehlt die Ausrüstung -, suche ich eine Apotheke auf und finde dort Hilfestellung in einer kleinen praktischen Tube (siehe Foto), deren Inhalt… direkt an den Ort des Übels… naja, ihr wisst schon…

Nun denn, so soll es wohl sein. Fünf bis 15 Minuten bis zur Wirkung, heißt es. Und was soll ich sagen, zehn Minuten später bin mein Problem los, und morgen kann es befreit in die Berge rund um Rantepao gehen.