herr boe
Abschied leicht gemacht – oder: What a b***!
Abschied leicht gemacht – oder: What a bitch!
Sechs Monate unterwegs, meine letzte, wirklich allerletzte Unterkunft, ein kleiner Bungalow eine geschlenderte Flipflop-Minute vom Ya Nui Beach entfernt. Gebucht, wie so oft im letzten halben Jahr, über booking.com.
Ein Grab (-Taxi) fährt mich vor. Meine Unterbringung heißt „good vibes Bungalows“ und ich weiß noch nicht, dass das nur ironisch gemeint sein kann. Denn die Frau/Chefin an der Rezeption trägt eine Aura spazieren, die das genaue Gegenteil verspricht. Sie begleitet mich zu meinem Bungalow und fordert von mir beim Betreten unmittelbar 2000 Baht Kaution – und Stromkosten sind übrigens auch extra. Aha…?! Ich bin überrascht (Zur Einordnung: Versteckte Zusatzkosten sind mir bisher bei gebuchten Unterkünften noch nicht einmal begegnet)! – Ähm, davon wusste ich gar nichts! – Doch, ist aber so. Das steht in den Buchungsbedingungen! – Aha! – Jaja, steht da alles drin! (Ihr Ton ist krass. Sie heißt Mila, spricht mit osteuropäischem Akzent deutsch und tritt mir regelrecht feindselig gegenüber auf) – Na gut, ich schau in meiner Buchung nach, gehe auf Buchungsdetails – „Weiter runter scrollen!“ schnauzt sie mich an. – Ich scrolle und finde nichts. Sie glaubt mir nicht! Ich reiche ihr mein Handy und sie findet auch nichts (Ich spare mir den berechtigten Kommentar: Weiter runter scrollen!). – Mir geht es nicht mal um die Kaution (ca. 50€) und ich habe ja zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ich nicht bereit bin, eine Kaution zu zahlen. Aber dazu komme ich gar nicht. Ich fühle mich einfach von so viel ungefiltertem Arschlochsein überfahren. Woher kommt diese negativ-aggressive Energie? Man droht doch nicht beim ersten Hallo direkt mit der Vernichtung des Heimatplaneten!
Es ist krass. Ich merke, wie sehr mein Körper auf diese unangenehme Situation reagiert. Bin wohl lange nicht mehr einem so grund- und ansatzlosen Hass begegnet. Mein Blutdruck sendet Signale. Ich zittere regelrecht. Als würde es mein Körper nicht länger in der Gegenwart diesen hässlichen Aura aushalten. – Ich sage ihr, dass mir die Stimmung und ihre Art, mit mir zu sprechen, nicht gefallen. Ich sei seit 6 Monaten unterwegs und habe eine solche Situation beim Einchecken noch nie erlebt und ich habe viel über booking.com gebucht. – Sie schnappt direkt ein, als hätte sie ja wohl längst alle vorgeschriebenen diplomatischen Kommunikationsstrategien und Deeskalationspfade erfolglos auf mich angewendet. Dann solle ich doch bei booking.com anrufen! – Puh, okay. Wenn das der Weg ist…
Ich gehe raus und setze mich auf die Veranda, um aus ihrem negativen Energiefeld zu gelangen. Ich komme direkt durch und lande in einem Call Center. Ich versuche sachlich, die Lage zu schildern und den Umstand, dass in meiner Buchung nichts von diesen Kosten steht. Da ruft sie von der Seite mehrfach laut ins Telefonat hinein: „He doesn’t want to pay the deposit!“ What a bitch! – Zuerst drängt sie mich überhaupt, dieses Telefonat zu führen und jetzt ruft sie dazwischen. Ich versuche, ihr klarzumachen, dass ich gerade nach einer Lösung suche und sie sich bitte zurückhalten solle. – Nein! Ihr Bungalow, ihre Regeln, ihre Welt! – Das Telefonat wird aufgrund unseres Streits beendet. Und was macht sie? Sie behauptet eiskalt, ich hätte das Telefonat absichtlich beendet. Ich atme tief durch und versuche ein erneutes Telefonat, während sie beginnt, meine Sachen aus dem Bungalow auf die Veranda zu zerren. Sie schließt ab, nimmt den Schlüssel mit und geht mit den Worten, dass sie dafür keine Zeit habe. Sie setzt mich also vor die Tür! Okay, genauer genommen, sitz ich bereits vor der Tür… Aber wow, krass! Also, ich habe die Bude bereits gezahlt…
40 Minuten Call Center später konnte der Agent vermitteln. Mila kommt mit dem Telefon am Ohr zum Bungalow zurück. Ich überreiche 2000 Baht an Kaution. „Now he paid!“ plärrt sie ins Telefon und lässt mir grußlos den Schlüssel da. Fünf Minuten später ruft mich der Agent noch mal zurück. Er schicke mir noch eine Email, auf die ich gerne antworten und alles Vorgefallene schildern dürfe, ich solle ab sofort alles dokumentieren. Er dankt mir für meine Geduld, meine Zeit und sagt, auch er habe ihre sehr negative Aura wahrgenommen.
Ich dusche gründlich alle Körperteile ab, die in ihr Energiefeld gekommen sind und gehe dringend einen Passionsfrucht-Shake trinken. Darin befinden sich viele essentielle positive Energien und ich muss schnell meinen Speicher wieder füllen. Aber ich kenne mich und weiß, dass wird mir gelingen.
Braucht man diese Erfahrungen, damit man sieht, wie gut es einem sonst geht, wenn die Arschlöcher dieser Welt Feierabend machen…? Hmmm, Ich schaue mir mein Foto mit dem Passionsfrucht-Shake an. Mir geht’s schon verdammt gut. Vielleicht möchte mich das Universum einfach noch mal daran erinnern, dass jetzt wirklich Zeit ist zurückzukehren… Okay, ich weiß, das stimmt. Und wer bin ich, mich mit dem Universum anzulegen, ich halte ja kaum diesen Konflikt hier aus…
Hier geht’s zur Geschichte mit Air India. Auch dabei sendete mir das Universum Signale: Freundchen, dein Reiseglück läuft bereits auf Reserve. Fahr mal lieber nach Hause!





Fundstück – Postkarten
Nanu…? fragt sich Herr Boe am 1. Tag des Jahres 2026, was ist denn hier los? Hinter der Kathedrale Notre Dame von Saigon schaut ein schmuckes gelbes Gebäude hervor, das mein Reiseführer als „vollfunktionsfähiges Postamt beschreibt. Auch von innen schön und alt und viel Trubel. Es stellt sich heraus, es gibt hier (verrückte Kombination und einzigartig in Südostasien) am gleichen Platz, so als wäre es erlaubt, Postkarten UND (!!) Briefmarken zu erwerben. Hammer Geschäftsidee. Dass niemand vorher drauf gekommen ist! Postkarten findet man sonst natürlich auch, aber treibe in Asien mal eine vollfunktionsfähige Briefmarke auf…!
Also wird die Chance genutzt und ich schlage zu! Und ich lerne, es gibt auf der Karte jeweils einen speziellen Bereich für den Text, die Adresse und die Briefmarke. Dafür gibt es sogar ein extra Wort: „Frankieren“ heißt das! Toll oder…? Was soll ich sagen: Reisen bildet! So haben Reisende früher offenbar kommuniziert.
Ich verbringe einen Vormittag im Café und schreibe fleißig los. Herr Boe kann nämlich nicht nur Blog, er kann auch Postkarte! Bin schon gespannt, ob ich auch Antworten bekomme. Freu mich schon auf den Moment, wenn der neuseeländische Postbote an meinen Campervan klopft und die Postkarten zustellt. Vielleicht kurbele ich das Fenster ein bisschen runter, damit er sie durch den Spalt einwerfen kann, wenn ich unterwegs bin! Uiii, das wird toll!
noch mehr Postkartengeschichten!






Beerlao – mehr als ein Bier!
Gibt es sie noch, die großen Rätsel, die kleinen Geheimnisse oder nur noch die mittelmäßigen Geschichtchen beim Reisen? Oder ist inzwischen nicht längst alles geklärt und in Sekundenschnelle herauszufinden? Ist die Welt vollständig dekodiert? Oder gibt es noch Hoffnung, das man als Reisende:r etwas entdecken kann?
Dem aufmerksamen Laos-Berichterstatter Herrn Boe ist nämlich bei seiner Reise durch Laos etwas aufgefallen, etwas Gelbes. Täglich stand es rum, gelb, überall, in großer Stückzahl. Es prägte quasi das Stadtbild.
Aus bisher ungeklärten Gründen, also aus Gründen, die es hier zu klären gilt, stehen überall in ganz Laos die signifikanten gelben und leeren Beerlao-Bierkästen herum und überall ist hier nicht als gängige Übertreibung zu verstehen. Es gibt in Laos also ein Pfandsystem für Bierkästen, was aber keinesfalls den Umkehrschluss zulässt, dass die leeren Kästen auch wieder abgegeben werden. Sie stehen aber nicht nur einfach so rum, weil sie so dekorativ sind (das natürlich auch!), sondern sie erfahren vielfach eine Umwidmung: als Ablagefläche, Sitzmöbel, Zaun, Sonnenschirmständer, Stützkonstruktion und vieles mehr. Sie sind beliebt bei Ingenieuren, Architekten und Raumausstattern.
Es gibt eine Theorie, die besagt, dass Laos morgen einen Großteil seiner Staatsschulden begleichen könnte, wenn alle Bierkästen zurückgegeben und gespendet werden würden. Andererseits weiß niemand genau, wie viele Bierkästen überhaupt im Umlauf – oder besser – im Rumstehen sind.
Eine noch plausiblere These geht davon aus, dass die Laot:innen die Kästen für ihre private Altersvorsorge zurückhalten. Was für unsereins der Goldstandard ist, gilt in Laos für die Bierkästen. Und da eine private Altersvorsorge in Laos kaum existiert, scheint das Vertrauen ins Pfandsystem größer als in den Staat zu sein. Dazu verunsichern schwache Banken, hohe Inflation, Währungsabwertung. Bier hingegen gilt als absolut krisenfest. Es wird zu allen Anlässen, freudigen wie traurigen, und häufig sogar völlig anlasslos getrunken. Und spätestens hier wird dem Laos-Berichterstatter klar: Doch, es gibt sie noch, die Hoffnung, und sie schimmert tatsächlich genau so golden wie ein kaltes, frisch eingeschenktes Beerlao im Glas. Herrlich!













Schalalala-lalalala
Muss man denn jetzt wirklich an Weihnachten rummeckern? Zumal, wenn man bei 30° in Badehose auf einer hübschen Insel sitzt? Nein, aber man kann! Und wenn ich jetzt seitenlang und detailliert aushole, wie abartig geil, unfassbar schön es hier ist, ernte ich doch auch nur Neid und Hass – zurecht! Und solche Reaktionen will ich ja Weihnachten auch nicht provozieren.
Worum geht’s also? Warum muss eigentlich in der schönsten Zeit des Jahres die schrecklichste Musik gespielt werden? Muss man sich den Schrecken der Musik quasi als Kontrastmittel zu den Weihnachtsfreuden spritzen, weil wir sonst die überwältigende Schönheit des Festes nicht ertragen könnten…? Oder habe ich da was falsch verstanden und es stimmt einfach etwas bei mir nicht…?! Ist ja auch möglich…
Aber konkret! Ich sitze in der Vorweihnachtszeit in einem japanischen Restaurant in Siem Reap, Cambodia, dem Tor nach Angkor Wat, und im Hintergrund dudelt etwas schrecklich Weichgespültes. Es handelt sich um „Jazzne“, Weihnachtslieder in Jazz getaucht. Ich schaue mich vorsichtig um: Wer ist wohl die Zielgruppe für diese gefällige Belanglosigkeit oder ist es eher eine belanglose Gefälligkeit? Offenbar ich, der Western Tourist, für den diese Musik gespielt wird. Ich möchte Protest einlegen! Wie kommt man auf die Idee ich oder irgendjemand sonst möchte so etwas hören? Es sei denn man befindet sich für 20 Sekunden in einem Aufzug!
Das Essen ist lecker, aber es bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack in der Ohrmuschel zurück. Mein persönlicher Jazzbeauftragter, der sich schon wundert, warum ich ihn um 3 Uhr morgens wecke (sorry, mein Fehler!), bestätigt aber meinen Eindruck bezüglich des überflüssigen seichten Gedudels, möchte aber als Quelle nicht namentlich genannt werden, da er Angst vor der Sache mit den Schafen hat. Ich verstehe seine Sorge und so bleibt er hier ungenannt.
Schlimme Musik! Aber der Optimist weiß: Schlimmer geht immer! 23.12., abends, ich möchte einen lecker Red Snapper verputzen, aber der Weihnachtsmann sitzt am Mischpult. Es läuft das Schlimmste (Nein, nicht „Last Christmas“, aber berechtigter Einwand!): Weihnachtsmedleys von „Love to Sing“ (bitte glaubt mir. Warnung: nicht anhören!). Zum Glück habe ich meine Ohrstöpsel dabei und höre meinen persönlichen Weihnachtsfavoriten, „Fairytale of New York“ von The Pogues viermal am Stück. Dann hat der Herr Erbarmen und Zeit für ein kleines Weihnachtswunder und schickt einen Stromausfall hernieder auf die Insel, der die Medleys abrupt beendet. Danke!
Ach richtig, positives Framing ist wichtig: Der Snapper war übrigens wirklich hervorragend!


Wer hat die Kokosnuss geklaut?
Oder wenn man sie nicht klaut, was kostet eigentlich eine Kokosnuss? Klare Antwort: ein bis zwei Dollar. Praktischer Weise ist der US$ in Kambodscha tatsächlich die gängige Zweitwährung (1US$ entspricht 4000 Riel). Einen Dollar mehr kostet die Kokosnuss in meinem Ressort. Sehr viel mehr kosten die Kokosnüsse, zumindest das unrechtmäße Pflücken, in Sihanoukville am Pier zu meiner vorgelagerten Weihnachtsinseln (Koh Rong Sanloem).
Da lässt selbst der sonst so freche Herr Boe die Finger von der Kokosnuss. Für 50 US$ kann man in Kambodscha auch viel besseres erleben oder zum Beispiel 50 Kokosnüsse am Straßenrand kaufen (nicht in meinem Ressort).
Gerade habe ich eine Kokosnuss am Strand gefunden und mich erinnert, was man noch mit Kokosnüssen machen kann. Wasserball spielen! Na, Herr Bär, erinnerst du dich auch…? – Zudem säumen (natürlich!) Kokospalmen mein Paradies und hinter meiner Hütte wird gerade geerntet. Spektakulär, da der humanoide Vollernter bereits 5 Meter über dem Meeresspiegel im Palmendach sitzt und an den Nüssen rummacht. Per Seil werden sie dann abgelassen, die Nüsse, nicht der Erntehelfer. Jener muss sich selbst abhangeln. Elegant rutscht er über einen Palmenwedel zu Boden und landet sicher im Sand.
Wer noch mehr über Kokosnüsse und die Gefahren, die von ihnen ausgehen (neben der Erstickungsgefahr auch bei Nichtallergikern), dem sei dieser ausgezeichnete Blog empfohlen. Es kommen, so viel Spoiler muss sein, Haie und Leberwürste drin vor. Aber, keine Sorge, Markus Söder spielt keine Rolle. Damit muss er erst einmal klarkommen… So!
Wer meint, das Leben auf der Insel erscheint ob dieses langweiligen Kokosnussreports öde, kann sich schon auf meine weihnachtliche Jazzmusik-Schelte morgen freuen. Muss nur noch schnell das Experteninterview transkribieren. Aber was geht schon schnell, wenn man ständig vom Meeresrauschen unterbrochen wird…





