Monat: Dezember 2013

Fundstück – Wasser oder Bier

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Fundstücke in Fernwest – Wasser oder Bier?

Das Problem mit rhetorischen Fragen ist bekannt. Ein passende Antwort, um diese Rhetorik auszuhebeln, wäre natürlich: Wasser und Bier! Aber zum einen haben wir schon als Kinder gelernt, dass man auf eine Entweder-Oder-Frage keine Sowohl-Als-Auch-Antwort geben soll (Mutti: „Eis oder Pudding?“ – Ich: „Ja!“), zum anderen bin ich in Brasilien und hier gibt es, was ich als Folge meiner intensiven Recherchen weiß, so gut wie  keine Rhetorik-Seminare.
Die Tage mit den Bagnewskis am Strand waren schön und bierselig. An einem schönen, okay, sehr schönen Tag am Strand lässt sich die erste Bierdose schon recht zeitig knacken, weil bekanntlich nichts anderes vergleichbar erfrischend wirkt (weltweit).
Als wir unsere gemeinsame Bootstour von Paraty aus machten, mussten wir einen vergleichsweise frühen Bus nehmen (um 9 Uhr, ja, ich hab ja „vergleichsweise“ geschrieben). Und tatsächlich ging es mir an dem Morgen nicht weltklasse gut, so wie üblich. Und daher schnitt ich Herrn Bagnewski eine ernste Grimasse: „Nee du, heute kein Bier!“ Den Vorsatz hatte ich mit dem Kauf einer großen Flasche Wasser untermauert. Kein Bier im Handgepäck! Natürlich gab es an der Bordbar Bier (Mörder-Alliteration im Übrigen!). Aber ich schraubte lediglich meine Wasserflasche auf und nahm einen ehrlichen Schluck. Und jetzt mal ehrlich: Das Wasser schmeckte so scheiße, wie noch nie Wasser in meinem Leben geschmeckt hatte, abgepacktes, verschweißtes, vakuumversiegeltes Trink- und nicht Brackwasser wohlgemerkt.

Mein Gesicht verzerrte sich unter Schmerzen! Und die Grimasse verzog sich erst, als mir Doktor Bagnewski ein kaltes, fangfrisches Bier von der Bordbar verschrieben und verabreicht hatte.

Ich habe das seriöse Gefühl, dass die brasilianische Wasserindustrie bloß eine Tochter der brasilianischen Bierindustrie ist und ihr in die Karten spielt und verzweifelte Kunden zutreiben soll. Raffiniert und Wirkungsvoll! Ich bin beeindruckt!

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und schon ist das Lächeln zurück!!!

Über Weihnachtsmusik und Gewaltbereitschaft

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Über Weihnachtsmusik und Gewaltbereitschaft

Neulich habe ich folgende Schlagzeile gelesen: In Brasilien ist Gewalt die häufigste Todesursache für junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.
Das klingt natürlich erst mal dramatisch und ist es auch. Denn es spiegelt die Gewalt in der brasilianischen Gesellschaft wider, andererseits, so lehrt uns der kritische Umgang mit Statistiken, woran stirbt man denn sonst in diesem Alter?
In Deutschland liegen in dieser Altersgruppe ganz weit vorne Verkehrsunfälle und Selbstmord. Aber das regt keinen sonderlich auf, zumal Autounfälle in Deutschland inzwischen als „natürliche Todesursache“ durchgehen. Einst holte uns der Säbelzahntiger heim, heute ist’s die Stoßstange oder der Wildfänger.
Meine persönliche, latente Gewaltbereitschaft in der Vorweihnachtszeit war gegenüber den Vorjahren dieses Jahr in Rio erheblich gesenkt. Denn in Rio wird größtenteils auf nervenden Weihnachtsschmuck in Straßen und Stränden verzichtet. Und vor allem (!) die extrem sackgängerische und Gewaltbereitschaft steigernde Weihnachtsbeschallung, die einen in Deutschland über Wochen auf einen Ausraster vorbereitet, fand hier kaum/nicht statt.
Dass in deutschen Fußgängerzonen in der Vorweihnachtszeit nicht viel mehr passiert, ist für mich das wahre Weihnachtswunder. Vielleicht sind wir vom vielen Essen einfach zu träge. Ein voller Bauch entemotionalisiert hervorragend!
Vielleicht sollte man in Deutschland Weihnachtslieder verbieten. Schließlich ist in dieser Zeit die Selbstmordrate am höchsten. Noch niemand den Zusammenhang gesehen…? Liebe Große Koalition, mein Wunsch für 2014: Nein, bitte keine Steuerversprechen, die nicht gehalten werden (Was war eigentlich mit der „kalten Progression“? Lange nichts mehr davon gehört. Komisch!). Nein, mein Wunsch ist: Verbot von Weihnachtsmusik im öffentlichen Raum! Hat doch mit dem Rauchen auch bestens geklappt! Man kann ja ebenfalls Zonen für Weihnachtsmusik schaffen, auf Weihnachtsmärkten, oder in Selbsthilfegruppen für Anonyme Weihnachtsliederabhängige. Aber muss immer die Gesamtbevölkerung so leiden…? Und ihre Weihnachtsferien in Fernwest verbringen…?
Klingt zwar eher wie eine Idee von den Grünen, an der sich der Stoiber dann festbeißt. Andererseits liebe Große Koalition, schon mal den Taschenrechner rausgeholt und festgestellt, dass man für die absolute Mehrheit gar nicht auf die Stimmen der CSU angewiesen ist? Dann macht man sich auf nicht in Europa mit so etwas Hirnentleertem wie der Autobahnmaut für Ausländer zum Deppen!

 

Fundstück – weihnachtliche Frage zur Steuererklärung

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Fundstücke in Fernwest – weihnachtliche Frage zur Steuererklärung

Vielen Dank an Anja B. (ehemalige R.) für folgende Idee.
Wir lagen gemeinsam an unserem Strand von Trindade, dem Praia Meio, im Schatten eines großen Baumes mit Blick aufs Meer und den Hintern unserer Barfrau. Glückwunsch zur Berufswahl möchte ich hinzufügen! Bekommt man den durch die brasilianische ARGE vermittelt? Oder gibt’s eine Start-up-Finanzierung zur Selbstständigwerdung aus der Arbeitslosigkeit?
Der Hintern jedenfalls war, typisch brasilianisch, mit wenig Stoff verhüllt. Was Anja zu der Frage veranlasste, ob sie wohl ihre Tangas als Arbeitskleidung von der Steuer absetzen könne! Schöne Frage! Und vielen Dank, dass ich sie als Mann nicht gestellt habe.
Höchst fraglich natürlich, ob diese informellen Jobs, die es Deutschland (leider) nicht gibt, überhaupt jemals so etwas wie eine Steuererklärung gesehen haben. Vielleicht gelten Strände in Brasilien auch als Wirtschaftssonderzone. Ich merke schon, für eine intensivere Diskussion fehlen mir die nötigen Grundlagen des brasilianischen Steuerrechts und damit möchte ich mich am Heiligabend nicht auch noch beschäftigen.
Frohes Fest! Boas Festas!

unsere Bar-Madame in Arbeitskleidung!
unsere Bar-Madame in Arbeitskleidung!

 

 

Fundstück – schnelle Kasse

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Fundstücke in Fernwest – schnelle Kasse

Warum darf es so etwas nicht flächendeckend in Deutschland geben?! Das hatte ich mich schon vor 13 Jahren während meiner ersten Zeit in Kolumbien gefragt: Eine Kasse im Supermarkt für Kunden mit wenig Artikeln, die nur kurz in den Supermarkt springen, um eine Handvoll Dinge zu kaufen. Aber nein! In Deutschland muss man sich schön hinten einreihen, hinter all die vollen Einkaufswagen.
Auch jetzt sehe ich wieder überall diese Kassen für maximal fünf oder zehn Artikel. Und erstaunlicher Weise funktioniert das sehr gut und ohne Aufstände! Ich bin ein begeisterter Anhänger davon!
Aber wie bei so vielen Dingen, die in anderen Ländern erfolgreich sind, lautet die überhebliche deutsche Antwort: „Jaja, in Südamerika geht das, aber in Deutschland funktioniert das nicht!“ – Scheißegal ob Reichensteuer, arbeitsteilige Beschäftigungsverhältnisse, Schulreformen, Mindestlohn (Oh Perdon!) oder „schnelle Kassen“ immer lautet die Antwort: „Jaja… Aber…!“
Was würde bei der konsequenten Einführung „Schneller Kassen“ passieren? Rentner würden mit ihren Spazierstöcken ihre Rechte auf freien Zugang zu allen Kassen einfordern, Mütter mit vollen Einkaufswagen würden diese widerlichen Wenigkäufer verprügeln und Edmund Stoiber würde die Grünen wegen Bevormundung beschimpfen. Außerdem sei der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet, wenn plötzlich alle Kunden nur noch fünf Artikel einkaufen würden! Wenigkaufen darf nicht auch noch belohnt werden. Im Gegenteil: Vorfahrt für volle Einkaufswagen! Mehr noch: Wer zwei Einkaufswagen voll hat, der wird vorgelassen!

Jawoll Deutschland! So sieht die konsequente deutsche Antwort auf diese südamerikanischen Konsumverweigerer aus!

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kasse 10 für bis zu 5 produkte

Fundstück – brasilianische Haut

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Fundstücke in Fernwest – brasilianische Haut!

Haut ist in Brasilien anscheinend ziemlich wichtig! Denn auch wenn Brasilien das Land mit den weltweit meisten Katholiken ist, so ist es gleichzeitig das Land mit der höchsten Tangadichte! Das scheint in Brasilien, kein Widerspruch zu sein, während sich die Bewohner meiner zuvor bereisten Länder durchaus bedeckter zeigten. Aber ehrlich gesagt, können es sich die meisten Brasilianerinnen auch leisten, so freizügig zu sein, ohne dass Amnesty International einschreiten muss. Aber auch die brasilianischen Männer zeigen im Übrigen wesentlich mehr Haut als die Nachbarskollegen. Ob man/frau nun auf diese knappen Penisquetscher-Badehosen steht, möchte ich hier nicht hinterfragen. Diese Badehosenmode überlasse ich der individuellen Verhaltensstörung. (Was ich nicht wusste, dass es dieses schlimme Barça-Auswärtstrikot vom vorletzten Jahr auch als Badehose gibt! Siehe Foto!)
Aber die Haut wird nicht nur hergezeigt, sie wird auch gnadenlos (zu)tätowiert. Sowohl bei Männer als auch bei Frauen und häufig richtig billig und übel. Von Tätowieren als Kunstform kann also nicht die Rede sein. Während meiner ersten Busfahrt habe ich mein erstes Bekenner-Tattoo gesehen. Eine Frau hatte oben auf dem Rücken (quasi als Kragen) ein geschnörkeltes „Eduardo“ gestickt und daneben saß dieser persönlich. Das konnte ich seitdem häufiger beobachten. Wohin sich die Männer den Namen ihrer Liebsten haben meißeln lassen, konnte ich bisher nicht erspähen. Dafür präsentieren viele Männer den Namen ihrer Kinder auf der Unterarminnenseite. Was ja eigentlich ganz schöne katholische Treuebekenntnisse sind – wenn auch nicht immer schön!
Noch eines zu Tattoos… Ich meine, es darf ja zum Glück jeder, wie er will oder sie. Aber, liebe Frauen, keine Blumen, keine Delphine, keine Schmetterlinge und, das Schlimmste, keine Sterne! Was sollen denn diese albernen Sterne…?! Das ist doch völlig sinn- und inhaltsleer! Dann meißelt Euch den Namen des Geburtsorts aufs Knie – oder eure Lieblingsfarbe. Das ist wenigstens eine (wenngleich bescheuerte) Aussage. Aber sich Sterne tätowieren zu lassen… Wirklich?! Wenn ich schon nicht weiß, was ich auf meinem Körper haben möchte, dann brauche ich doch kein Tattoo, um das zu zeigen. Oder es könnte wenigstens ein bisschen originell sein! Dann schon lieber das chinesische Schriftzeichen für „Ente süßsauer“!

鸭肉味甘酸

Meine Fresse!

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Das Auswärtstrikot vom FC Barcelona jetzt auch als Badehose

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so! das sind die Bilderchen. Frohe Weihnachten!

Fundstück – Stand up Paddling!

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Fundstücke in Fernwest – Stand up Paddling!

Natürlich hatte ich schon davon gehört! So ist das ja nicht. Ich hatte auch eine Vorstellung dazu, keine gute im Übrigen. Aber die Wirklichkeit ist dann manchmal noch gnadenloser als meine ohnehin schon verachtende Phantasie. Was auf einer anderen Betrachtungsebene beruhigend erscheint, da es nämlich beweist, dass ich gar nicht alles zu negativ sehe.

Würde es sich um einen neuen Film handeln, würde die Vorankündigung wohl lauten: „Von den Machern von Nordic Walking! jetzt der nächste Megaknaller: Stand up Paddling!„. Vergessen Sie alles, was Sie über Wassersportarten je wussten. Denn gegenüber Stand up Paddling ist selbst Badewanning ein Scheißdrecking!
Jetzt mal unter uns, ohne Übertreibung: „Stand up Paddling“ ist das Allerletzte! Da kann mir keiner was anderes erzählen. Ich hab’s mir zehn Minuten angeschaut und gemerkt, wie mein Gehirn einfach nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wurde. Es dachte, ich wäre tot, so sehr hat es sich gelangweilt.
In Rio de Janeiro versauen einem die Kackbratzen sogar den Blick vom Praia de Copacabana aus auf den Pão de Açúcar.
Aber warten wir ab. Vielleicht kommt schon nächste Saison der neue Streifen „Extreme Stand up Paddling“ ins Kino. Dafür muss man sich beim Paddeln auf die Zehenspitzen stellen. Oder aber Wildwasser-Stand up Paddling. Oder Downhill im Tiefschnee. Womöglich gibt es bereits ein Paddling-Adapter-System für die Nordic-Walking-Stöcke…
Wer weiß schon, wie schlimm die Zukunft werden mag. Der Pessimist sagt dazu ja: „Es kann nicht mehr schlimmer werden!“ Aber der Optimist weiß: „Schlimmer geht immer!“

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So funktioniert der Zuckerhut leider nicht mehr als Postkartenmotiv! Schade!

Fundstücke – Urlaub vom Reisen

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Fundstücke in Fernwest – Urlaub vom Reisen!

Okay, das klingt jetzt vielleicht doch ein bisschen gewagt! Wahrscheinlich handele ich mir mit solchen Aussagen nur übelste Verfluchungen ein (und zu Recht!). Aber was ich damit meine, ist, dass es sehr entspannend ist, nach dem vielen Unterwegssein der zurückliegenden Wochen, einfach mal den Rucksack für eine Woche zur Ruhe kommen zu lassen. Wie oft wurde der arme Hund eilig gepackt, brutal zusammengepresst, lieblos über die Schulter geworfen und in dunkle Busladeluken gestopft …! Und bevor ich deswegen ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem braven Weggefährten bekomme, gönne ich uns mal eine Woche Strand.
Was die ganze Sache aber noch viel entspannter und auch unterhaltsamer macht, ist die Tatsache, dass ich diese Tage nicht alleine oder mit kurzfristig gefundenen Zufallsbekanntschaften und Reiseabschnittsgefährten verbringe, sondern dass ich die Bagnewski-Bande um mich herum habe. Nichts gegen Zufallsbekanntschaft! Die sind in den meisten Fälle natürlich auch total supi. Aber bei einer so langen Reise zwischenzeitlich mal ein paar FREUNDE um sich zu haben und drücken zu können, ist dann doch eine andere Liga, wenn nicht eine andere andere Sportart…
Mensch, Herr Boe, ist das eine Träne, die ich da sehe?! Quatsch, ich hatte bloß ein bisschen Caipi im Auge! – Naja, so ein bisschen Dankbarkeit und Demut streifen mich dabei schon…!
Saudações do Brasil!

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