fleischkonsum

das Ende der Grillsaison

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das Ende der Grillsaison

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Kennt Ihr den HFI? Den „Hackfleisch-Index“?

Deutschland ist übrigens die Nummer 1 im Hackfleisch-Index! Yeah!

Der Hackfleisch-Index berechnet sich folgendermaßen: Er setzt sich aus „Tiere pro qm“, „Fleischkonsum pro Kopf“, „Preis pro Kilogramm Fleisch“, und der „maximalen Verlogenheit des Verbrauchers“ zusammen.

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Der hohe „Verlogenheitsfaktor“ in Deutschland resultiert aus der Differenz zwischen der „theoretischen Außendarstellung“ und dem „praktischen Kaufverhalten des Verbrauchers“. Klingt komplex, aber ist ganz einfach: Denn satte 80% der Deutschen finden Massentierhaltung schlecht, 80% sind für eine klare Kennzeichnungspflicht und zwei Drittel für strengere Vorschriften in der Tierhaltung generell. Das sind Werte, die eigentlich ganz gut klingen. Da war das böse Wort: Eigentlich! – Allerdings liegt der Anteil von Bio-Fleisch in Deutschland bei unter zwei Prozent! Ganz trauriger Smiley!

Mit anderen Worten: natürlich fordern wir Verbraucher mehr Tierwohl und hohe Fleischqualität, wollen aber keine höheren Preise zahlen!  Coole Einstellung.

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Der Fleischkonsum in Deutschland liegt noch immer bei jährlich ca. 60 kg/ Nase und hat sich in den letzten 20 Jahre gerade mal um knapp 5 kg reduziert.

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Irgendwie blöd, wenn sich aus unseren übertriebenen Konsumgewohnheiten ein Rechtsanspruch entwickelt. „Unser täglich Fleisch gib uns heute!“

Gewohnheitsrecht schlägt Vernunft.

Als hätten wir ein Recht darauf, unseren Planeten zu ruinieren, nur weil wir es seit Generationen so tun. Und vor wem wollen wir dieses Recht auf Fleisch einklagen…? Glauben wir an ein jüngstes Gericht bestehend aus Vertretern des Bauernverbandes, der Metzger-Innung und Uli Hoeneß…?

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Ob und wieviel Fleisch jeder von uns isst, darf natürlich jeder selbst entscheiden. Ich bin kein Freund von Verboten. Allerdings sollte, meiner Ansicht nach, Fleisch einen ehrlichen Preis bekommen. Das bisherige Prinzip, dass Folgekosten (bei Umwelt und Klima) von der gesamten Gesellschaft oder, noch praktischer, von der nächsten Generation getragen werden, müsste endlich durch ein Verursacherprinzip ersetzt werden.

Und genauso wie bei Verkehr und Energie müssen beim sonstigen Konsum und eben auch bei der Ernährung diejenigen, die viel CO2 verursachen, einen höheren Preis bezahlen.

1 kg Rindfleisch lässt umgerechnet etwa so viel Emissionen entstehen wie 250 km Autofahren, ungefähr 40kg Co2. Bei einem Co2-Preis von 10 Euro pro Tonne, wie es die Bundesregierung ab 2021 vorsieht, wäre das pro Kilogramm Rindfleisch eine Erhöhung von gerade mal 40 Cent. Bei Schweinefleisch übrigens noch deutlich weniger.

Wenn eine CO2-Steuer das Verhalten der Konsumenten ändern und eine CO2-einsparende Lebensweise fördern soll, dann funktioniert das mit einem so geringen CO2-Preis natürlich nicht. Dieser CO2-Preis ist also völlig unwirksam!

Aber nicht nur die direkten Klimakosten vom Fleischkonsum (Ausstoß von Methan und CO2), sondern auch die indirekten Folgen sollten uns bewusst sein. Bei uns in Deutschland ist das Gülleproblem zu nennen, das mit seiner hohen Nitratbelastung zu einer Gefährdung für unser Trinkwasser führt. Die Antibiotika-Problematik in der Massentierhaltung soll hier nur kurz erwähnt sein.

Aber auch der Zusammenhang mit der fortschreitenden Zerstörung des Regenwaldes muss uns klar sein. Denn unser Fleischkonsum hat weltweite Auswirkungen. Die Bilder des brennenden Regenwaldes sind uns noch vor Augen. Aber was hat das mit uns zu tun?

Nun, auf den gerodeten Regenwaldflächen entstehen Rinderfarmen oder dort wird in Monokulturen Soja angebaut, was wiederum als Futtermittel zu uns nach Europa exportiert wird.

Der Landflächenverbrauch von Fleisch ist um ein Vielfaches höher als für Getreide oder Gemüse.

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Und bei weltweit steigendem Fleischkonsum entsteht nun mal ein Druck auf die „ungenutzten“ Flächen wie den tropischen Regenwald.

Dazu kommt, dass Schätzungen zufolge 10-15% der weltweiten CO2-Emissionen auf Brandrodung zurück gehen.

Und was können wir tun?!

Einfach! Denn wenn auch wir Fleischesser ein bisschen flexitarischer unterwegs wären, also bewusster (bio!) und weniger Fleisch essen, dann bringt das durchaus etwas. Nämlich: Wenn wir in Deutschland nur 20% weniger Fleisch essen würden, entspräche das in etwa der CO2-Menge eines der größten deutschen Braunkohlekraftwerke. Jeder kann also auf diese Weise seinen ganz persönlichen Kohleausstieg betreiben.

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Und die eingesparte Grillkohle kommt noch als Bonus dazu…

Ich weiß, Verzicht ist nicht sexy. Aber ich befürchte, ohne eine grundlegende Veränderung unserer konsumgeilen Lebensweise, der auf Kosten von anderen Ländern und der nächsten Generationen geht, werden wir nicht davonkommen.

Und es wäre ja nicht schlecht, wenn irgendjemand damit anfangen würde. Warum also nicht wir…?!

Fundstück – Tenedor Libre

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Fundstücke in Fernwest – Tenedor Libre

Die südamerikanische Version des „All you can eat“ nennt sich „Tenedor Libre“, sprich „freie Gabel“ für freie Bürger! Man darf also so lange zulangen und reingabeln, bis die Fressnarkose einsetzt. Das Taxi oder den Arzt muss man dann allerdings wieder selbst bezahlen. Den fälligen Verdauungsschnappes im Übrigen auch.
Das Prinzip ist einfach. Wer viel isst, macht man ein gutes Geschäft! Naja, und das Essen muss halt richtig billig sein! Für alle, die das nicht verstehen, siehe „Dreisatz/ Wikipedia“!
Der Tenedor Libre „Caro Pepe“ in Mendoza wurde mir schon in Valparaiso/ Chile empfohlen. Ich bin eigentlich nicht so der Fan dieser Fressveranstaltungen. Aber als in meinem Hostel in Mendoza diese Empfehlung wiederholt wird und der Laden nur ein paar Quadras entfernt ist, gebe ich Pepe eine Chance.
Es gibt viele gute Gründe, seinen Fleischkonsum einzuschränken oder ganz aufzugeben. Der Besuch bei Pepe allerdings ist ein SEHR guter! Er führt einem die ganze Diskussion noch mal intensiv und anschaulich vor Augen.
Kleines Paradoxon: Als ich vor 16 Jahren das erste Mal nach Argentinien kam, war ich Vegetarier und hab wieder mit dem Fleischessen angefangen. 16 Jahre später, wieder in Argentinien, streift mich mit Wucht eine übergeordnete Ernährungsvernunft, vielleicht doch einfach auf Fleisch zu verzichten! Schließt sich hier der Würfel? Brauchte ich 16 Jahre, um zu dieser Einsicht zu gelangen, oder genügt einfach ein Besuch bei Pepe?
Aber wirklich, liebe Freunde und Freundinnen des Fleischverzehrs: Das war schon eklig! In Argentinien bekommt man ja in der Regel gutes bis sehr gutes Fleisch vorgesetzt. Aber bei Pepe…! Es gibt ein großes Buffet mit Salat, Beilagen, Fleisch in Soßen und zusätzlich das Herzstück, die Asado-Ecke. Dort wird gegrillt, bis der Arzt kommt!
Ich bekomme so einen fettigen, sehnigen Klumpen auf den Teller, woran Messer und Zähne verzagen und versagen. Schwer zu sagen, welches Tier mit so etwas leben konnte. Aber längst nicht erkenntlich, warum dafür ein Tier getötet werden musste. Gut, vielleicht ist aufgrund von Herzverfettung von alleine gestorben. Aber ansonsten lässt sich das nicht erklären. Denn so etwas kann definitiv niemand essen! Niemand…? Tatsächlich…? Ich blicke mich im Restaurant um und erkenne etliche Gestalten, die das durchaus können! Und leider sehen diese Gestalten (mir fällt es schwer, ein anderes Wort dafür zu finden. Deshalb die Wiederholung!) auch genau so aus, als würden sie das hier regelmäßig machen. Das hat folgende Wirkung: feiste Wangen, fleischige Weiber, fette Wampen, fiese W… Sie alle legen ein Fressverhalten wie ein Großmaulpinguin an den Tag. Die können nämlich auch nicht stoppen. Allerdings müssen sie auf diese Weise auch nur zweimal pro Jahr fressen!
Beim dicken Mädchen am Nachbartisch hat bereits die Fressnarkose eingesetzt. Der Blick ist schon in Wachkomastellung gekippt, während die Mama stolz den prallen Bauch der Kleinen streichelt und ihr Leise zumurmelt: „Gekotzt wird erst, wenn das Buffet leer ist!“ Ich könnte jetzt schon…!
Dabei wissen wir doch alle Bescheid über Massentiervergewaltigung. Aber wir wollen der Fleischindustrielobby glauben, die uns mit medialem Irrsinn das romantische und grenzdebile Bild von der glücklichen Kuh vorführt, die am Ende eines herrlichen Sommertages von der schönen Sennerin von der Alm geholt und zum Schlachthaus auf der anderen Seite des Jordans gerudert wird. Ach ja, ich vergaß: und dabei wiederkauend lächelt – also nicht die Sennerin!
Im Gegenteil regen wir uns sogar, via CSU, aber letztlich doch wir alle, über die „Öko-Diktatur“ der Grünen auf, die uns vorschreiben wollen, was richtig und falsch auf unserem Teller ist. Und scheiß drauf, dass von einem Tag die Rede und das alles eher symbolisch als Aufruf zum Nachdenken gemeint ist. Bevormundung! Öko-Diktatur! schreien die Konservativen! Ja, geht’s noch ’ne Nummer dümmer…?! – Nachdenken vom Volk einfordern…?! Wo kommen wir denn da hin?! Das wäre ja noch schöner…! Ein nachdenkendes Volk…?! Braucht kein Mensch!
Und es waren noch nicht einmal provokante Gedanken wie, für Vegetarier die Krankenkassenbeiträge zu senken oder umgedreht sie für Fleischesser zu erhöhen. Wäre doch mal interessant…! Nur mal zum Nachdenken, liebe CSU. Habt ihr wieder etwas an den Stammtischen, was die Weißwurst in euch zum Explodieren bringt!
Denn auf der anderen Seite der Vernunft und der Moral (zwei Tugenden, die sich in der heutigen Welt anscheinend niemand mehr leisten kann oder will) lachen sich die Rentenkassen ins Fäustchen über jedes vorzeitige Ableben einer Fettleber. Ach, ist das zynisch?
Wo ist die FDP, die den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Hühnchenmast am Hühnchenstandort Deutschland einfordert. Wo ist die Pharmaindustrie, die aus Angst vor Umsatzeinbußen in der Massentierhaltung, nachts bei Mutti anruft? Das ist zynisch!
Ach, halt doch endlich die Fresse, Herr Boe! Das will doch eh keiner hören, du Öko-Nazi-Sau! Dass ich mich auch immer nach dem Verzehr von rotem Fleisch so aufregen muss…!

das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der "tenedor libre" voll ausgezahlt!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der „tenedor libre“ voll ausgezahlt!