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Gentrifizierung am Oslofjord

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Gentrifizierung am Oslofjord

Als ich zu Recherchezwecke nach Oslo aufbrach, wusste ich natürlich längst, dass sich Oslo seit Jahren mit Zürich um den Titel den teuersten Stadt Europas duellierte. Und die Folgen für das Leben und Wohnen in großen und beliebten Städten sind ja auch in Deutschland bekannt. Eine davon nennt sich Gentrifizierung, die in Deutschland aber keine Chance hat, da wir ja eine hocheffiziente Mietpreisbremse haben. (Aber ich wollte mich an dieser Stelle gar nicht über deutsche Politik lustig machen!)

Aber welche Sphären die Gentrifizierung am Oslofjord bereits erreicht hat, überraschte mich doch. Seit Jahren verbringe ich Pfingsten am Oslofjord und bin zu einem begeisterten Muscheljäger geworden. Am Ufer unterhalb unserer Hütte gibt es eine kleine aber gut ausgestattete Muschelbank mit ausgezeichnetem Service und großer Kundenzufriedenheit. Jahr für Jahr haben wir dort im knietiefen Wasser unsere Miesmuscheldividende abgreifen können. Mittels einer Miesmuschel-App lässt sich überprüfen, ob die Muscheln genießbar sind.

Aber in diesem Jahr durften wir Zeugen werden, dass an eben jener Muschelbank neben den Miesmuscheln bereits Pazifikaustern angesiedelt hatten. Ominöse Austernschalen am Ufer lieferten erste Beweise und tatsächlich fanden wir im Wasser die eingewanderten Drecks-Upper-Class-Austern, die sich hier ganz offensichtlich einen Verdrängungskampf mit den bescheidenen, einheimischen Miesmuscheln lieferten. Und wenn man sich mit den Gesetzen des Wohnungsmarktes auskennt, kann man sich denken, wohin das führt. Die endemischen Miesmuscheln bringen es bloß auf einen Marktwert von 3-5 Euro pro Kilo. Dafür bekommt man gerade mal eine Auster. Könnt Euch ja selbst ausrechnen, wie groß die Unterschiede im Stundenlohn sind! Zudem zahlen die Pazifikaustern ihre Steuern wahrscheinlich irgendwo in Übersee! Klar, was das für den Verdrängungskampf im Wohnungsmarkt bedeutet…!

Also sind wir gut bewaffnet mit Hammer und Sichel in den Fjord gestiegen und haben die vermeidlichen Gentrifzierungsgewinner aus unserer Muschelbank geklopft und zur Strafe, mit frischer Zitrone versteht sich, aus ihren versnobten Hochsicherheitsgehäusen geschlürft. Na klar, ein schmutziges Geschäft! Aber was macht man nicht alles in Häuserkampf, um für ein bisschen Gerechtigkeit einzutreten?!

 

Die Verprenzelung des Westens

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Prenzelkäse oder: Die Verprenzelung des Westens

Als ich neulich auf dem Markt am Käsestand meines Vertrauens war, durfte ich Zeuge der um sich greifenden Verprenzelung werden, jetzt auch bei uns im Stuttgarter Westen.

Da mein alter Freund A.R. aus M an der L zu Besuch war, wollte ich ihm eine schöne Käseplatte präsentieren. Und an meinem Käsewagen gibt es eine großartige Auswahl. Zur Belohnung für meinen Kauf gab es von meiner Käsefachverkäuferin noch ein Gratis-Schälchen Frischkäse. Ich bin kein besonderer Frischkäse-Fan, aber den bekommt man als guter Kunde hin und wieder mal dazu. Das ist ein bisschen wie der Gratis-Schnaps nach dem fünften Bier in der Stammkneipe. Was beidem gemeinsam ist: Man könnte getrost darauf verzichten! Als würde ein Schnaps nach fünf Bier irgendwie weiterhelfen. Genauso könnte man sich, meines Erachtens nach, den Frischkäse in die Haare schmieren.

Aber ich hatte ja Besuch. Vielleicht wusste A. den Frischkäse zu schätzen. Bei meinem Kauf bekam ich dieses Mal ein Töpfchen Chili-Cranberry und ich dachte mir: Im Ernst…?! Chili-Cranberry?! Als Frischkäse…? – Was soll denn dieser Hipster-Scheiß an meinem Käsestand?! Aber, was weiß ich schon, vielleicht war der Pfefferminz-Blueberry auch ganz lecker.

Als ich meine Käseplatte vor A. aufbaute, fingen seine Augen und seine Platte auch direkt an zu glänzen. Es war ein tolles Frühstück, bis A. das noch verschlossene Töpfchen Frischkäse entdeckte. Neugierig nach noch mehr Leckereien stach A. schwungvoll sein Messer in die Frischkäse-Kreation und leckte es in einem Atemzug ab. Erste Reaktion: „Bäh!“ Und nachdem er mit angewidertem Gesichtsausdruck die Frischkäsemasse im Mund bewegt und mit weiteren Geschmacksknopsen in Berührung gebracht hatte, folgte ein weiteres „Bäh!“ – Danke A.! Ganz meine Meinung!

Hallo, liebe Welt! Kannst du mal damit aufhören, aus allem einen Hipster-Scheiß zu machen! Lass doch wenigstens den Käse in Ruhe! Man darf es einem Käse durchaus ansehen, dass er auf einem Eselsrücken aus der Mongolei zu uns gekommen ist. Käse hat eine Jahrhundertelange Tradition, da brauche ich echt keinen Vollbart-Fromagier, der jetzt für Manufaktum mit exotischen Frischkäse-Variationen auf Tournee geht. Verpiss dich! Bleib bloß im Prenzelberg, kümmer dich doch zum Beispiel mal um die Dekarboniserung und lass die Finger von meinem Käsestand!

Und hier noch mal für Euer Merkheft, liebe Käsepanscher: „Ein Käse braucht Charakter und nicht Cranberry!“

 

Hier noch mehr Verprenzelung:

https://tommiboe.com/2017/03/16/prenzelgemuese-oder-ueber-den-steckruebenwinter-1617/

Über die Entmännlichung des Grillens

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Über die Entmännlichung des Grillens oder: Willkommen am Kastratengrill

Früher stand der Mann vor der Höhle und entfachte ein derart großes Feuer, damit auch der Nachbarclan Bescheid wusste, dass dort gerade ein amtliches Mammut gegrillt wurde. Erste Gräser wurden gesammelt und vergoren, um Bier zu brauen, und die Männer standen um das Mammut herum und redeten klug daher. Zugegeben, „klug“ ist relativ, und es wurde auch schon damals viel gerülpst und hier und da an den Eiern gekratzt. Aber auch das gehörte und gehört zum Grillen dazu. Bisher!
Letzte Woche war ich mit einem befreundeten Pärchen am See und es sollte auch gegrillt werden. Als neueste Errungenschaft wurde dort ein Lotus-Grill mitgebracht. Der ein oder andere mag jetzt gähnend wegklicken, weil er das Ding schon lange kennt. Mir hingegen war es neu. Zugegeben, ich bin nicht so der Griller! Jedenfalls wurde mir dieser rauchfreie Holzkohle-Grill als DIE Revolution überhaupt präsentiert. Und für Revolution habe ich mich ja schon immer interessiert.
Keine Angst, es folgt hier keine Produktwerbung sondern eine kritische soziologische Auseinandersetzung über die „Entmännlichung des Grillens“.
So verspricht der Lotusgrill, dass „der Grillmeister nicht mehr abseits steht, sondern dort wo gemeinsam gegessen wird.“ Allerdings ist der Grillmeister, da der Grill ja alles alleine kann, auch weder Meister noch Mann. Er ist austauschbar geworden. Seine über Jahrzehnte hinweg im Rauch, an der fernen Gartenkante zum Nachbarn erworbenen Fähigkeiten sind in dieser Welt nichts mehr Wert. Er ist ersetzt worden durch den/die kompetenz- und geschlechtslosen Lotus-Griller(ix) von heute. Und jetzt sitzen die Männer, die ehemaligen Grillexperten, gemeinsam mit ihren Familien am Tisch, müssen miterleben, wie plötzlich sogar ihre frisch geborenen Kinder grillen können, und denken wehmütig an früher zurück: an die Höhle und an die windige, ferne Gartenecke, wo die biertrinkenden Männer schweigend und rülpsend zusammen standen, während die Frauen Tische deckten, Gemüse schnibbelten, Tischdekorationen bewunderten und Salatrezepte austauschten. All das, was dort am Tisch passierte, interessierte ihn nie und jetzt sitzt er selbst am Gartentisch, auf dem der tolle Kastratengrill thront, und fühlt sich überflüssig und hasst sein Leben. Und so wird er noch schweigsamer, während die Frauen über den tollen Neuen schwadronieren, als wäre früher alles schlecht gewesen.
„Und schau mal, man kann den Grill sogar anfassen, ohne dass man sich daran verbrennt!“ – „Nein, toll! Und es stinkt auch gar nicht.“ – „Und Gemüse kann man auch drauf grillen!“- „Und den gibt’s auch in limettengrün!“ – „Nein! Toll!“
Dass sich die Selbstmordquote unter exgrillenden Männern signifikant erhöhen wird, ist nur ein weiterer Beweis für eine voranschreitende Entmännlichung unserer Gesellschaft. Schade, Jungs, ihr werdet mir fehlen. Ich hab immer gerne mit euch dort im Rauch am Gartenzaun ein paar Bierchen gezischt.

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Herr Boe leckt am Grill – der Beweis: das Ding ist nicht heiß! Und JAAA! Man kann auch Gemüse drauf grillen! – Herr G. staunt im Hintergrund (Anfangsbuchstabe von der Redaktion geändert)

Auch sehr schön zum Thema Grillen:

http://ruthe.de/cartoon/2862/datum/asc/

Ein Hoch auf den Granatapfel

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Ein Hoch auf den Granatapfel!
Stuttgart, November 2017, mal wieder etwas über Gemüse: Granatäpfel sind schon cool oder? Die können was!
Ich geb’s zu, sie sind nicht ganz einfach zu essen. Aber „Einfach“ sollte nun auch wirklich keine wichtige Kategorie im Leben sein. Was ist schon einfach und trotzdem besonders? Viele Dinge, die einfach sind, könnte man auch einfach lassen! Einfach ist beliebig!

Und der Granatapfel ist nicht einfach. Das war er nie. Er findet bereits in der Bibel und im Koran Erwähnung, und, viel wichtiger, gilt als aphrodisierend und als Wundermittel gegen das Altern. Zudem ist er blutig und lecker. Schon Hades, der Fuzzi aus der Unterwelt, nutzte den Granatapfel, um Persephone zu überlisten. Könnte man Obst heiraten, der Granatapfel stünde ganz weit oben auf meiner Liste!
Mein aktueller Granatapfel heißt Melisa und wird sogar mit einer Beschreibung zum artgerechten Öffnen geliefert (siehe Foto!). Um dem deutschen Kunden ein Gefühl von Handlungssicherheit gegenüber der Tropenfrucht, aber letztlich ganz allgemein gegenüber dem Fremden, dem Unbekannten zu vermitteln. Wenn das funktioniert, dann könnte man ja auch Flüchtlingen so ein Schild mit wichtigen Verbraucherinfos um den Hals hängen. Vielleicht würden damit auch Ängste und Sorgen abgebaut werden… Und der Deutschen erkennt vielleicht das Positive: Aha! Hmm, naja… Ach, wenn das so ist! Na dann…!

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Als ich vor ein paar Tagen überraschender Weise einen Granatapfel im Obstkörbchen, versteckt hinter Sonnenbrillen und Schmerztabletten, gefunden hatte, sah die Frucht schon ziemlich verhutzelt aus. Die Schale war trocken und hart und es bedurfte schon der Mithilfe eines Motor getriebenen Messers, um sie zu öffnen. Aber innen herrschte noch Leben. Und zwar nicht zu knapp! Und wer schon einmal mit viel Schwung eine Grenadine aufbrach, der weiß, wie lebendig sie darauf reagieren kann. Ich musste mir jedenfalls nach dieser beherzten Notoperation ein frisches Hemd anziehen. Die Blutflecken hätten in der Schule vielleicht zu Missinterpretationen über meine Hobbies führen können.
Insgesamt hat mich der Granatapfel völlig überzeugt und sich auf der Liste meiner persönlichen Lieblingsgemüse weit nach vorne gekämpft. Das Gesamtessvergnügen, bestehend aus Schlachten, Ausweiden und Auszuzeln, ist ziemlich einzigartig und auch die geschmackliche Mischung aus süß und sauer zaubert herrlich erfrischende Grimassen ins Gesicht. Vielen Dank dafür. Ein Hoch auf den Granatapfel!

Schlachten, Ausweiden, Auszuzeln

Über mehr Gemüse:

https://tommiboe.com/category/gemuse/

Die schönsten veganen Gerichte mit ahle Worschd

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Die schönsten veganen Gerichte mit Ahle Worschd
Ich finde ja, Veganer um sich herum zu haben, schafft immer kreative Ideen. Jeder normale Mensch sollte mindestens einen Veganer im Freundeskreis haben. Das bereichert ungemein! Und das meine ich in erster Hinsicht natürlich nicht kulinarisch. Ich will an dieser Stelle aber gar nicht unnötig das Niveau herabdrücken (wie sonst) und sagen, vegane Küche ist nicht Bereicherung sondern das Gegenteil, weil sie einem ja einen Großteil der Nahrungsmittel wegnimmt. Nein, ich will auch kein betreiben, weil mir das zu billig ist (das kann und macht ja jeder) und zumal die meisten Veganer längst nicht so verkrampft und belehrend sind, wie immer getan wird. Und ich kann das beurteilen, da ich ja selbst Lehrer und Belehrer bin. Außerdem meine ich in diesem Beitrag gar nicht Veganer und auch nicht vegane Gerichte sondern Vegetarier und vegetarische Gerichte. Wenn ich das hier und jetzt in einen Topf werfe, dann ist das also kein Fehler sondern lediglich ein Stilmittel. Denn vegan ist zur Zeit einfach hipper als vegetarisch. Vegetarier sind angepasst, laaaangweilig und Hundert Jahre alt. Über die regt sich schon lange keiner mehr auf. Veganer sind also die Vegetarier von Gestern und die Frutarier von Übermorgen (oder so ähnlich).
Als wir Ostern im Freundeskreis im nordhessischen Nirgendwo beisammen saßen, war auch so ein Drecksveganer dabei (bei dem es sich in Wirklichkeit natürlich um einen sehr lustigen Drecksvegetarier handelt). Und ich konnte diese Situation wieder einmal als Bereicherung empfinden. Denn wir kamen auf die hübsche Idee meines neuen Fotoprojekts, das da heißt „Die schönsten veganen Gerichte mit Ahle Worschd!“
„Ahle Worschd“ heißt für die, die der nordhessischen Sprache und Küche nicht mächtig sind, „alte Wurst“ und ist eine sehr typische und zugleich schmackhafte Rohwurstspezialität, die der Nordhesse quasi (also theoretisch und praktisch) mit und zur Muttermilch aufnimmt. Momente, in denen ein süddeutscher Erziehungspraktikant zur Brezel greift, um seine Kleinen zu versorgen, gehören in Nordhessen traditionell der Ahlen Worschd! Die Ahle Worschd ist eine Kulturkonstante, insofern man in Nordhessen von Kultur sprechen kann.
Und während wir um den Essenstisch saßen, bemerkten wir, wie schön sich so eine Ahle Worschd neben veganem Essen machte. Und schon war das, vermutlich höchst erfolgreiche Fotoprojekt geboren!
Mittlerweile habe ich das Projekt schon ausgeweitet auf „Die schönsten Veganer mit Ahle Worschd!“ Das hat so ein bisschen was von dieser Kampagne „Nackt im Nerz!“, wo sich C-Promis nackt im Nerz, ach nee, Moment, nackt ohne (!) Nerz fotografieren lassen, weil sie nicht vom Playboy gefragt worden sind und um ihre Karriere wieder anzuschieben. Oder so ähnlich! So ganz hab ich das wohl nicht kapiert…
In jedem Fall ist mein Fotoprojekt auch dafür da, meine Karriere wieder richtig anzuschieben. Und deshalb dürft ihr alle kräftig mitschieben und mitmachen. Denn es handelt sich um ein integratives Fotokunst-Beteiligungsprojekt. Also schickt mir auch Eure „schönsten veganen Gerichte mit Ahle Worschd!“ Gerne dürft ihr dabei auch die „Ahle“ durch regional typische Extrawürste ersetzen. Ich möchte hier nicht als „Ahle Worschd“-Nazi rüberkommen, sondern freu mich, im Gegenteil, auf zugesendete gesamtdeutsche, ach was, internationale Wurstvielfalt, natürlich im veganen Mantel!
Dann mal los!

Apropos Frutarier! Demnächst vielleicht mehr zum Thema „Melkverlustkäse„!

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hmmmm lecker! Wenn das mal keine gelungene Integration ist…!

Frische Frischmilch

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Frische Frischmilch

Stuttgart, April 2015. Als ich am Montagmorgen meinen Kaffee zubereitet hatte, öffnete ich den Kühlschrank und fand eine angebrochene Tüte Frischmilch. Sicher, das kann schon mal passieren. Aber diese Milch stand dort schon, bevor ich in meinen Osterurlaub aufgebrochen war, also seit circa 14 Tagen. Hmm… konnte, ja, durfte diese Milch noch gut sein? Wie auch immer – sie war es! Und sie ist es auch noch heute, Mittwoch.

Soll ich das gut finden…?! Frischmilch ist jetzt „länger haltbar“, erklärt mir meine Milchtüte. Das ist eine neue Kennzeichnung. Raider heißt Twix und H-Milch heißt jetzt Frischmilch, sonst ändert sich nix! Ist klar! Warum man so was macht, ist einfach. Frischmilch ist viel positiver besetzt als H-Milch (*). Wie H-Milch alleine schon klingt…! Als hätte es weder für A-, B- noch für C-Milch gereicht. Blöd an Frischmilch war, dass sie einem immer schlecht geworden ist. Aber der Name war top! Also nennen wir doch einfach die H-Milch Frischmilch. Hat doch jeder was davon! Wollt ihr mich eigentlich verarschen…?! Ja, natürlich! Was für eine Frage…?

(*Anmerkung 1: Bis vor kurzem gab’s im Supermarkt oft nur harte Avocados, die man erst eine Woche, nachdem man Lust auf sie hatte, essen konnte. Jetzt gibt’s „essreife Avocados“. Die sind zwar genauso hart, heißen aber „essreif“, weil das positiver klingt als „harte“ Avocados. Oder was?!)

(*Anmerkung 2: Die Troika wird inzwischen ja auch nicht mehr Troika genannt, sondern „die Institutionen“, weil die Leute mit Troika etwas Negatives verbinden. Natürlich, theoretisch könnte man auch an den Inhalten etwas verändern, wenn der Ruf ruiniert ist. Aber das wäre politisch ja völlig abwegig. Dafür müsste man ja sich erstens eingestehen und zweitens zugeben, dass die Troika-Politik falsch gewesen und gescheitert wäre. Und wie abwegig ist das denn…?! Also nennt man die Troika nicht mehr Troika und man macht sonst genauso weiter!)

Aber zurück zum Thema! Die Frage bleibt: Warum darf man Milch einfach so umbenennen…?!

Frischmilch ist ein Kulturgut, verdammt! Ich hab sie als Kind samstags per Rad vom Bauern Strampe abgeholt. Mit „sie“ meine ich „frische Milch“! Frisch! Wer heute echte Frischmilch muss schon sehr aufs Kleingedruckte achten. Auf diesen Tüten steht „traditionell behandelt“. Noch nicht aufgefallen? Das liegt daran, dass sie in vielen Supermärkten gar nicht mehr auftaucht. Denn dort wird hauptsächlich die neue „ESL-Milch“ angeboten, bei der im Gegensatz zur alten Frischmilch, pasteurisiert (5-7 Tage haltbar), und zur H-Milch, ultrahocherhitzt (3-6 Monate haltbar), keine gesetzlich-verbindliche Herstellungsmethode definiert ist. Was passiert also mit dieser ESL-Milch…? Und was überlebt diese Methode…?

(*Anmerkung 3: „ESL“ steht im Übrigen für  „extended shelf life“! Im Ernst! Das habe ich mir nicht ausgedacht! So was Blödes gibt’s wirklich: „Längeres Regal Leben“! Na, wünschen wir uns das nicht irgendwie alle?)

Opa Miele hatte dereinst den Kühlschrank nur erfunden, damit sich Frischmilch zwei Tage länger halten konnte und wir die Milch NICHT bis zur Unkenntlichkeit und zum völligen Geschmacksverlust erhitzen mussten. Wird jetzt die Erfindung des Kühlschranks nachträglich für ungültig erklärt? Muss ich mal mit meinem Patentanwalt klären. Bis zur Antwort nage ich derweil ein bisschen an meiner „essreifen“ Avovado!

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Frische Vollmilch Bio 3,8%. Wo ist der Unterschied? Auf der linken Tüte steht oben rechts ziemlich klein „länger haltbar“, auf der rechten gut leserlich „traditionell hergestellt“!

Beautytipps für Hausobst

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Beautytipps für Hausobst

Stuttgart, März 2015. Grace sieht nicht gut, gar nicht gut! Nein, ich habe keine neue Freundin! Und wenn, dann würde sie natürlich ausgezeichnet aussehen…! Ich rede von meiner Grapefruit. Erst kürzlich habe ich über meine inzwischen mindestens neun Monate alte Grapefruit und ihre beachtliche Gesundheit berichtet (siehe https://tommiboe.wordpress.com/2015/02/25/uber-grapefruit-und-anderes-gemuse/). Sie sah für ihr Alter verdammt gut aus und, wie jedes Haustier, verdiente auch jedes Hausobst ihren Namen. Und da sie nicht nur etwas Grape- sondern auch etwas Grazienhaftes hatte, nannte ich sie Grace. Ich behielt sie als Beobachtungs- und Studienobjekt auf meinem Fensterbrett.
Auf meine Geschichte erhielt ich etliche Rückmeldungen zu meinem neuen Hausobst, unter anderem eine mögliche Erklärung für ihre blendende äußerliche Verfassung. Und zwar wurde die Vermutung geäußert, dass meine Grace wohl „gut gewachst“ worden sein. Wachsen ist also anscheinend ein Prozedere, das nicht nur im Skisport erfolgversprechend ist, sondern auch als geheimer Beautytipp für Obst gilt. Die Wachsschicht als Schutz gegen Umwelteinflüsse. Vielleicht wird das Prinzip ja auch demnächst für den schönheitswahnsinnigen Menschen entdeckt. Bevor man sich Botox in die Fresse spritzen lässt, kann man sich doch mal schön das Gesicht einwachsen lassen!
Zurück zum Obst! Aber da meine Grapefruit nicht nur Beobachtungs- sondern eben auch Forschungsobjekt war, habe ich ihr eine Entwachsungskur verordnet, um mal zu schauen, wie sich meine Grapefruit ungewachst in der Wirklichkeit behauptet.
Gestern bin ich nach einer Woche Skischullandheim nach Hause gekommen und musste erkennen, ja, es gibt einen Unterschied zwischen gewachst und ungewachst (und ich rede nicht nur von Skiern!). Denn Grace sieht gar nicht gut aus! Schade, sie war mir (der Kalauer muss jetzt sein) richtig ans Herz gewachsen!
Aber vielleicht werde ich mir einfach Schellack-Politur kaufen und damit beginnen, Obst und Gemüse selber zu wachsen. Klingt nach einem tollen neuen Hobby! Mal schauen, wie lange sich polierte Radieschen halten. So haben sie wenigstens wieder einen sinnvollen Verwendungszweck, weil essen kann man diese Pseudo-Radieschen ja schon lange nicht mehr!

(dazu: https://tommiboe.wordpress.com/2015/03/03/uber-radieschen-und-anderes-obst/)