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Held des Frühstücks

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Held des Frühstücks

(Endliche wieder eine Fotolovestory!)

Prolog, Kurzversion, in Klammern angemessene Reaktionen, als Vorschlag: Herr Boe ist im Sabbatical (geil!) und will reisen (geil, äh, Stopp, Corona, fuck: ungeil!) und hat seine Wohnung zwischenvermietet (clever, äh, Stopp, Corona: Scheißdreck!) und sitzt daher bei seinen Eltern in der Lüneburger Heide (oh, wie idyllisch!) –

in seinem Kinderzimmer (HAHAHAHA!!1!). – Geht’s noch blöder? Ja! Das Womo mit dem er endlich loswill, fährt nicht (Taschentuch anbieten!) – Ende Prolog!

Barum, frühmorgens, 9:00, Herr Boe entspannt mit Kaffee und Zeitung im Garten (sooo schlimm ist es Zuhause gar nicht!). Vaddern betritt die Szenerie, winkt mit betretener Miene von der Terrasse den Sohn herbei. Herr Boe läuft, federnden Schrittes (ist klar!), den Hügel zum Herrenhaus hinauf.

Eine böse Vorahnung treibt seinen Instinkt an. Doch es kommt schlimmer als vermutet: Der Joghurt ist aus! Feige Joghurtdiebe, unfähiges Personal (wozu hält man sich eigentlich immer noch – oder schon wieder – einen Sohn im Haus?), das die Joghurtnotfallreserve unzulänglich kontrolliert. Mit einem Kompositum ausgedrückt: Frühstückskatastrophe!

Im Hause Boe gelten zwei eiserne Regeln: „Wer nicht mag, ist der Beste“ und „Schon ein Joghurt kann ein ganzes Frühstück retten“ und „Frokost er dagens viktigste måltid“.

So kann und darf der Morgen nicht beginnen. Zum Glück ist Herr Boe Katastrophenschutz erfahren, zwängt sich in sein Superfrühstücksheldenkostüm,

schließt das E-Bike mütterlicherseits kurz und saust wie der große Bruder des Windes hinauf zum Obsthof nach Tätendorf-Eppensen. Ja, das gibt’s wirklich!

( Allerdings muss ich fairerweise zugeben: Herr Boe fährt nur nach Tätendorf, Eppensen beginnt erst etwas weiter östlich. Dafür hat ein Freund von Herrn Boe Miss Tätendorf-Eppensen geheiratet. Zusammenhang…? Egal!) und besorgt Joghurt und fangfrische Brötchen, damit der Morgen gelingen kann.

Eine Viertelstunde später überreicht der Sohn und Held des Frühstücks in Personalunion die Einkäufe. Der Vadder rätselt bereits entspannt am Frühstückstisch, hat inzwischen schon etwas gegessen und ist daher nicht mehr so fressleidig, was ihn auch des Dankes entbindet.

Epilog: Das Frühstück ist gerettet. Ein neuer Tag kann beginnen!

Anm. der Red.: Natürlich sind alle Handlungen, Personen und übrigens auch die mitgebrachten Erdbeeren frei erfunden.

Hier geht’s zu einer weiteren Fotolovestory! Ohne Erdbeeren aber mit Strand!

https://tommiboe.com/2015/08/10/fotolovestory-aus-dem-paradies/

Gentrifizierung am Oslofjord

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Gentrifizierung am Oslofjord

Als ich zu Recherchezwecke nach Oslo aufbrach, wusste ich natürlich längst, dass sich Oslo seit Jahren mit Zürich um den Titel den teuersten Stadt Europas duellierte. Und die Folgen für das Leben und Wohnen in großen und beliebten Städten sind ja auch in Deutschland bekannt. Eine davon nennt sich Gentrifizierung, die in Deutschland aber keine Chance hat, da wir ja eine hocheffiziente Mietpreisbremse haben. (Aber ich wollte mich an dieser Stelle gar nicht über deutsche Politik lustig machen!)

Aber welche Sphären die Gentrifizierung am Oslofjord bereits erreicht hat, überraschte mich doch. Seit Jahren verbringe ich Pfingsten am Oslofjord und bin zu einem begeisterten Muscheljäger geworden. Am Ufer unterhalb unserer Hütte gibt es eine kleine aber gut ausgestattete Muschelbank mit ausgezeichnetem Service und großer Kundenzufriedenheit. Jahr für Jahr haben wir dort im knietiefen Wasser unsere Miesmuscheldividende abgreifen können. Mittels einer Miesmuschel-App lässt sich überprüfen, ob die Muscheln genießbar sind.

Aber in diesem Jahr durften wir Zeugen werden, dass an eben jener Muschelbank neben den Miesmuscheln bereits Pazifikaustern angesiedelt hatten. Ominöse Austernschalen am Ufer lieferten erste Beweise und tatsächlich fanden wir im Wasser die eingewanderten Drecks-Upper-Class-Austern, die sich hier ganz offensichtlich einen Verdrängungskampf mit den bescheidenen, einheimischen Miesmuscheln lieferten. Und wenn man sich mit den Gesetzen des Wohnungsmarktes auskennt, kann man sich denken, wohin das führt. Die endemischen Miesmuscheln bringen es bloß auf einen Marktwert von 3-5 Euro pro Kilo. Dafür bekommt man gerade mal eine Auster. Könnt Euch ja selbst ausrechnen, wie groß die Unterschiede im Stundenlohn sind! Zudem zahlen die Pazifikaustern ihre Steuern wahrscheinlich irgendwo in Übersee! Klar, was das für den Verdrängungskampf im Wohnungsmarkt bedeutet…!

Also sind wir gut bewaffnet mit Hammer und Sichel in den Fjord gestiegen und haben die vermeidlichen Gentrifzierungsgewinner aus unserer Muschelbank geklopft und zur Strafe, mit frischer Zitrone versteht sich, aus ihren versnobten Hochsicherheitsgehäusen geschlürft. Na klar, ein schmutziges Geschäft! Aber was macht man nicht alles in Häuserkampf, um für ein bisschen Gerechtigkeit einzutreten?!

 

Die Verprenzelung des Westens

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Prenzelkäse oder: Die Verprenzelung des Westens

Als ich neulich auf dem Markt am Käsestand meines Vertrauens war, durfte ich Zeuge der um sich greifenden Verprenzelung werden, jetzt auch bei uns im Stuttgarter Westen.

Da mein alter Freund A.R. aus M an der L zu Besuch war, wollte ich ihm eine schöne Käseplatte präsentieren. Und an meinem Käsewagen gibt es eine großartige Auswahl. Zur Belohnung für meinen Kauf gab es von meiner Käsefachverkäuferin noch ein Gratis-Schälchen Frischkäse. Ich bin kein besonderer Frischkäse-Fan, aber den bekommt man als guter Kunde hin und wieder mal dazu. Das ist ein bisschen wie der Gratis-Schnaps nach dem fünften Bier in der Stammkneipe. Was beidem gemeinsam ist: Man könnte getrost darauf verzichten! Als würde ein Schnaps nach fünf Bier irgendwie weiterhelfen. Genauso könnte man sich, meines Erachtens nach, den Frischkäse in die Haare schmieren.

Aber ich hatte ja Besuch. Vielleicht wusste A. den Frischkäse zu schätzen. Bei meinem Kauf bekam ich dieses Mal ein Töpfchen Chili-Cranberry und ich dachte mir: Im Ernst…?! Chili-Cranberry?! Als Frischkäse…? – Was soll denn dieser Hipster-Scheiß an meinem Käsestand?! Aber, was weiß ich schon, vielleicht war der Pfefferminz-Blueberry auch ganz lecker.

Als ich meine Käseplatte vor A. aufbaute, fingen seine Augen und seine Platte auch direkt an zu glänzen. Es war ein tolles Frühstück, bis A. das noch verschlossene Töpfchen Frischkäse entdeckte. Neugierig nach noch mehr Leckereien stach A. schwungvoll sein Messer in die Frischkäse-Kreation und leckte es in einem Atemzug ab. Erste Reaktion: „Bäh!“ Und nachdem er mit angewidertem Gesichtsausdruck die Frischkäsemasse im Mund bewegt und mit weiteren Geschmacksknopsen in Berührung gebracht hatte, folgte ein weiteres „Bäh!“ – Danke A.! Ganz meine Meinung!

Hallo, liebe Welt! Kannst du mal damit aufhören, aus allem einen Hipster-Scheiß zu machen! Lass doch wenigstens den Käse in Ruhe! Man darf es einem Käse durchaus ansehen, dass er auf einem Eselsrücken aus der Mongolei zu uns gekommen ist. Käse hat eine Jahrhundertelange Tradition, da brauche ich echt keinen Vollbart-Fromagier, der jetzt für Manufaktum mit exotischen Frischkäse-Variationen auf Tournee geht. Verpiss dich! Bleib bloß im Prenzelberg, kümmer dich doch zum Beispiel mal um die Dekarboniserung und lass die Finger von meinem Käsestand!

Und hier noch mal für Euer Merkheft, liebe Käsepanscher: „Ein Käse braucht Charakter und nicht Cranberry!“

 

Hier noch mehr Verprenzelung:

https://tommiboe.com/2017/03/16/prenzelgemuese-oder-ueber-den-steckruebenwinter-1617/

Über die Entmännlichung des Grillens

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Über die Entmännlichung des Grillens oder: Willkommen am Kastratengrill

Früher stand der Mann vor der Höhle und entfachte ein derart großes Feuer, damit auch der Nachbarclan Bescheid wusste, dass dort gerade ein amtliches Mammut gegrillt wurde. Erste Gräser wurden gesammelt und vergoren, um Bier zu brauen, und die Männer standen um das Mammut herum und redeten klug daher. Zugegeben, „klug“ ist relativ, und es wurde auch schon damals viel gerülpst und hier und da an den Eiern gekratzt. Aber auch das gehörte und gehört zum Grillen dazu. Bisher!
Letzte Woche war ich mit einem befreundeten Pärchen am See und es sollte auch gegrillt werden. Als neueste Errungenschaft wurde dort ein Lotus-Grill mitgebracht. Der ein oder andere mag jetzt gähnend wegklicken, weil er das Ding schon lange kennt. Mir hingegen war es neu. Zugegeben, ich bin nicht so der Griller! Jedenfalls wurde mir dieser rauchfreie Holzkohle-Grill als DIE Revolution überhaupt präsentiert. Und für Revolutionen habe ich mich ja schon immer interessiert.
Keine Angst, es folgt hier keine Produktwerbung sondern eine kritische soziologische Auseinandersetzung über die „Entmännlichung des Grillens“.
So verspricht der Lotusgrill, dass „der Grillmeister nicht mehr abseits steht, sondern dort wo gemeinsam gegessen wird.“ Allerdings ist der Grillmeister, da der Grill ja alles alleine kann, auch weder Meister noch Mann. Er ist austauschbar geworden. Seine über Jahrzehnte hinweg im Rauch, an der fernen Gartenkante zum Nachbarn erworbenen Fähigkeiten sind in dieser Welt nichts mehr Wert. Er ist ersetzt worden durch den/die kompetenz- und geschlechtslosen Lotus-Griller(ix) von heute. Und jetzt sitzen die Männer, die ehemaligen Grillexperten, gemeinsam mit ihren Familien am Tisch, müssen miterleben, wie plötzlich sogar ihre frisch geborenen Kinder grillen können, und denken wehmütig an früher zurück: an die Höhle und an die windige, ferne Gartenecke, wo die biertrinkenden Männer schweigend und rülpsend zusammen standen, während die Frauen Tische deckten, Gemüse schnibbelten, Tischdekorationen bewunderten und Salatrezepte austauschten.

Aus einer Zeit, in der die Kompetenz des Grillens noch etwas wert war!

All das, was dort am Tisch passierte, interessierte ihn nie und jetzt sitzt er selbst am Gartentisch, auf dem der tolle Kastratengrill thront, und fühlt sich überflüssig und hasst sein Leben. Und so wird er noch schweigsamer, während die Frauen über den tollen Neuen schwadronieren, als wäre früher alles schlecht gewesen.
„Und schau mal, man kann den Grill sogar anfassen, ohne dass man sich daran verbrennt!“ – „Nein, toll! Und es stinkt auch gar nicht.“ – „Und Gemüse kann man auch drauf grillen!“- „Und den gibt’s auch in limettengrün!“ – „Nein! Toll!“
Dass sich die Selbstmordquote unter exgrillenden Männern signifikant erhöhen wird, ist nur ein weiterer Beweis für eine voranschreitende Entmännlichung unserer Gesellschaft. Schade, Jungs, ihr werdet mir fehlen. Ich hab immer gerne mit euch dort im Rauch am Gartenzaun ein paar Bierchen gezischt.

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Herr Boe leckt am Grill – der Beweis: das Ding ist nicht heiß! Und JAAA! Man kann auch Gemüse drauf grillen! – Herr G. staunt im Hintergrund (Anfangsbuchstabe von der Redaktion geändert)

Auch sehr schön zum Thema Grillen:

http://ruthe.de/cartoon/2862/datum/asc/

Ein Hoch auf den Granatapfel

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Ein Hoch auf den Granatapfel!
Stuttgart, November 2017, mal wieder etwas über Gemüse: Granatäpfel sind schon cool oder? Die können was!
Ich geb’s zu, sie sind nicht ganz einfach zu essen. Aber „Einfach“ sollte nun auch wirklich keine wichtige Kategorie im Leben sein. Was ist schon einfach und trotzdem besonders? Viele Dinge, die einfach sind, könnte man auch einfach lassen! Einfach ist beliebig!

Und der Granatapfel ist nicht einfach. Das war er nie. Er findet bereits in der Bibel und im Koran Erwähnung, und, viel wichtiger, gilt als aphrodisierend und als Wundermittel gegen das Altern. Zudem ist er blutig und lecker. Schon Hades, der Fuzzi aus der Unterwelt, nutzte den Granatapfel, um Persephone zu überlisten. Könnte man Obst heiraten, der Granatapfel stünde ganz weit oben auf meiner Liste!
Mein aktueller Granatapfel heißt Melisa und wird sogar mit einer Beschreibung zum artgerechten Öffnen geliefert (siehe Foto!). Um dem deutschen Kunden ein Gefühl von Handlungssicherheit gegenüber der Tropenfrucht, aber letztlich ganz allgemein gegenüber dem Fremden, dem Unbekannten zu vermitteln. Wenn das funktioniert, dann könnte man ja auch Flüchtlingen so ein Schild mit wichtigen Verbraucherinfos um den Hals hängen. Vielleicht würden damit auch Ängste und Sorgen abgebaut werden… Und der Deutschen erkennt vielleicht das Positive: Aha! Hmm, naja… Ach, wenn das so ist! Na dann…!

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Als ich vor ein paar Tagen überraschender Weise einen Granatapfel im Obstkörbchen, versteckt hinter Sonnenbrillen und Schmerztabletten, gefunden hatte, sah die Frucht schon ziemlich verhutzelt aus. Die Schale war trocken und hart und es bedurfte schon der Mithilfe eines Motor getriebenen Messers, um sie zu öffnen. Aber innen herrschte noch Leben. Und zwar nicht zu knapp! Und wer schon einmal mit viel Schwung eine Grenadine aufbrach, der weiß, wie lebendig sie darauf reagieren kann. Ich musste mir jedenfalls nach dieser beherzten Notoperation ein frisches Hemd anziehen. Die Blutflecken hätten in der Schule vielleicht zu Missinterpretationen über meine Hobbies führen können.
Insgesamt hat mich der Granatapfel völlig überzeugt und sich auf der Liste meiner persönlichen Lieblingsgemüse weit nach vorne gekämpft. Das Gesamtessvergnügen, bestehend aus Schlachten, Ausweiden und Auszuzeln, ist ziemlich einzigartig und auch die geschmackliche Mischung aus süß und sauer zaubert herrlich erfrischende Grimassen ins Gesicht. Vielen Dank dafür. Ein Hoch auf den Granatapfel!

Schlachten, Ausweiden, Auszuzeln

Über mehr Gemüse:

https://tommiboe.com/category/gemuse/