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Stuttgart hat mehr verdient

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Stuttgart hat mehr verdient

Manchmal muss man gar nicht so viel sagen.

Nachdem ich mich gerade noch über die Stuttgarter Zeitung wegen ihrer Berichterstattung über die Stuttgarter OB-Wahl aufgeregt habe, überrascht mich die Zeitung mit plötzlicher Klarheit. Sie bildet den neuen Oberbürgermeister groß auf der ersten Seite ab und titelt ganz in meinem Sinn: „Stuttgart hat mehr verdient!“ Bravo, Stuttgarter Zeitung! Auf den Punkt gebracht!

Nicht dass sich der Backnanger einbildet, er wäre willkommen in Stuttgart. Wurde ohnehin nur von der ungebildeten Landbevölkerung in den umliegenden Hügeln um Stuttgart herum gewählt, in der Kernstadt hat er ja gar keine Mehrheit…

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Der Junge hat das… verkackt!

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Der Junge hat das… verkackt!

Aus dem vollmundigen Wahlslogan von Marian Schreier „Der Junge kann das.“ ist die bittere Wahrheit geworden „Der Junge hat das…!“ Ja, er hat das – und zwar: verkackt!

Wahl verloren…? Macht ja nichts, war ja nur Stuttgart!
Vielen Dank an den Teenie aus Tengen! Achtungserfolg? Falsch: Verachtungserfolg!

Wie hätte man im Vorfeld der OB-Wahl in Stuttgart die Siegeschancen vom CDU-Mann Nopper eingeschätzt? Naja, so mittel wahrscheinlich! Zurecht! Denn Stuttgart ist, nach wie vor, eine grüne Hochburg, in der es einfach keine Mehrheit für einen CDU-Kandidaten gibt. Da helfen auch die 31 Prozent im ersten Wahlgang und der scheinbar deutliche Vorsprung vor der Konkurrenz nichts. Da hilft nur eine verstrittene, egozentrierte grün-linke Mehrheit, die nicht bereit war, sich auf eine*n einzelne*n Nopperstopper zu einigen.

Im zweiten Wahlgang teilte sich die grün-linke Mehrheit also artig auf zwei Kandidaten auf und so wurde stattdessen Nopper zum neuen OB gewählt (very Kurzfassung!).

Vielen Dank, Marian Schreier!

Und statt sich danach vor die Presse zu stellen und zu sagen: „Sorry, Stuttgart für acht Jahre Nopper“, hat Marian Schreier Folgendes gesagt: „Ich freue mich über das Ergebnis

Und auch die Stuttgarter Zeitung meinte „Der 30-Jährige [Marian Schreier] darf sich trotzdem als ein Gewinner fühlen“ und titelte: „‘Der Junge‘ kann zufrieden sein!“

Soviel zum Politikverständnis der Stuttgarter Zeitung. Denn die Frage ist ja tatsächlich: Darf er das? Darf er sich zufrieden fühlen? – Das darf er doch nur dann, wenn es für ihn kein Ziel gewesen ist, einen CDU-Oberbürgermeister Nopper zu verhindern. Womit wir wieder zwingend beim Vorwurf der Selbstprofilierung landen. Und das scheint ja gelungen zu sein. Seiner zukünftigen Politikkarriere (ob nun mit, trotz oder gegen SPD; wer weiß schon, wie lange es diese Partei noch gibt…) mag diese Wahl geholfen haben, aber Stuttgart mit Sicherheit nicht. Und worum ging es noch mal bei dieser zukunftsweisenden Wahl…? Darum, die politische Karriere eines 30jährigen anzuschieben oder Stuttgart eine progressive Führung zu verpassen? Vielen Dank dafür!

Aber kein Shitstorm, sondern kollektives Schulterklopfen! Gar nicht so schlecht für einen aus der SPD…

Aber wie wenig ernst kann man eine OB-Wahl nehmen? Stuttgart ist also ein Experimentfeld für höhere Aufgaben (eines Teenies aus Tengen)? Um sich auszuprobieren? Versuch macht klug oder was? Ist ja nicht so schlimm! Ist ja nur Stuttgart! Ist ja nur für acht Jahre! Ja, sind wir denn hier auf dem Spielplatz?!

Und wenn ich schon höre: „Respektables Ergebnis…“ – Respekt hätte er sich ganz einfach verdienen können, indem er nicht zum zweiten Wahlgang angetreten wäre. So! Denn die 37%, die er im zweiten Wahlgang bekommen hat, zeigen mitnichten die Stärke des Kandidaten, sondern das Potenzial eines links-grünen Bündnisses in Stuttgart. Sogar ich habe den Jungen gewählt – einzig um acht Jahre Nopper zu verhindern (#nopperstopper).

Respekt…? Am Arsch, Junge! Ein Achtungserfolg…? Falsch: ein Verachtungserfolg!

Brot statt Brexit

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Brot statt Brexit!

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Blog über den Brexit stehen, aber auf dem Heimweg bei meinem Bäcker-Stopp (nicht zu verwechseln mit dem Idaho-Stop) stellte ich zu meiner Begeisterung fest, dass es dort wieder mein Lieblingsbrot, das Dickköpfle, gibt. Es ist nämlich nicht immer im Sortiment, weil es das besondere Korn nicht immer gibt. 66% Dickkopfweizen, 33% Dinkel (Angabe des Bäckers) und die restlichen 1% Elfenstaub* (Vermutung von Herrn Boe). Feinster Bread-Porn, meine Lieben!

(*Elfenstaub besteht aus 2,1g Freude, 1,0g Kraft, 0,2g Leichtigkeit, 0,4g Vertrauen, 0,4g Hoffnung, 0,3g Offenheit, 4,1g Liebe und 4,5g Glück! Hier geht’s zum Merch!)

Von einem solchen Brot spreche ich, wenn ich Leuten im Ausland versuche, die Faszination „deutsches Brot“ zu erklären. Die meisten begreifen das natürlich nicht. Warum auch? Man gewöhnt sich ja an alles, auch an seine kulturellen Defizite. Dahingehend bin ich gerne ein bisschen Brot-Nazi. Allerdings richtet sich das selbstverständlich auch gegen das deutsche Industriebrot, auf das nämlich niemand mehr stolz sein muss. Denn auch die deutsche Brotkultur verroht zusehends. Aber solange es noch Brot wie das Dickköpfle gibt, dem einfach Butter reicht (sorry, liebe Veganer*innen), ist das Abendbrot des Abendlandes noch nicht gefährdet. Da bedarf es auch keiner hippen Brotaufstriche!

dickköpfle
Hmmmmm! Gurke dient nur zur Dekoration und als Grünabgleich im Bild!

Ach so, Brexit… naja egal!

Grüner Pfeil für Radfahrer in Stuttgart

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Grüner Pfeil für Radfahrer in Stuttgart

Großartig! Der blanke Wahnsinn! Stuttgart, meine Perle! Bereit zu lernen! So sieht Zukunft schon heute aus!

Vielleicht muss ich einfach mal mein Lästermaul halten! Vielleicht aber auch nicht!

Begeistert blieb ich an der Überschrift hängen „Grüner Pfeil für Radfahrer in Stuttgart“. Schon lange warte ich als Radfahrer in Stuttgart darauf, dass sich etwas in der Stadt tut. Ich selbst wende den „Idaho-Stop“ ja schon lange an, illegal natürlich. Beim Idaho-Stop (keine Angst, liebe AfD, wir werden nicht von Indianern überfallen! Es droht auch keine Überfremdung!) darf man als Radfahrer ein Stoppschild wie ein „Vorfahrt gewähren“-Schild und eine rote Ampel ein Stoppschild behandeln, also drüberfahren!

Der kleine unscheinbare Bruder vom Idaho-Stop ist nun der Grüne Pfeil für Radfahrer und der soll unter anderem in Stuttgart getestet werden, ein Pilotversuch der Bundesanstalt für das Straßenwesen. Wow!

Und Stuttgart beteiligt sich „gerne“ an dem Projekt, da man „stets offen für neue Wege zur Förderung des Radverkehrs“ sei, völlig ironiefrei wohlbemerkt. Da musste ich als aktiver Radfahrer in der Autostadt Stuttgart schon ein wenig lachen. Aber auf so altmodische Konzepte wie „Radwege“ möchte man sich in Stuttgart natürlich gar nicht mehr einlassen. Und jetzt schnallt euch an, liebe Fahrradfahrer: Denn jetzt gibt’s in Stuttgart grüne Pfeile, yeah, zwei Stück, doppel-yeah! Kein Witz! An sagenhaften zwei (2!) Kreuzungen, jeweils in eine (1!) Richtung! Aber Stuttgart findet sich für soviel Offenheit und Förderung des Radverkehrs wahrscheinlich ziemlich geil. Echt, Ihr macht mich fertig!

Und an alle Bedenkenträger, Verkehrsplaner und Zukunftsverhinderer geht dieses hier: der Idaho-Stop führt zu keinem erkennbaren Anstieg an Verletzungen oder Todesfällen bei Radfahrern. Das geht aus einem 36jährigen Echtzeittest in Idaho hervor. Denn dort wird er seit 1982 praktiziert. Aber Moment, ich vergaß… So etwas würde sich ein deutscher Autofahrer bestimmt nicht gefallen lassen!

Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes

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Gegen die Verlederhosierung des Abendlandes

Wer zur Zeit durch Stuttgart läuft, wird einem Phänomen begegnen, das ich als Verlederhosierung des Abendlandes bezeichne. Denn es ist gerade Wasen-Zeit und Jung und Alt strömen zum Cannstatter Wasen, dem Volksfest, das gerade 200 Jahre alt wird. Genug eigene Tradition möchte man meinen…

Aber anscheinend empfinden es viele der rund vier Millionen Besucher inzwischen als reinen Ableger des Münchner Oktoberfestes. Denn in den letzten Jahren greift ein zunehmender Verkleidungswahn um sich. Besonders das junge, karnevalerprobte Volk läuft rum, wie frisch aus dem Kostümverleih entsprungen, traditionsunabhängig, – übergreifend oder -ignorierend in Dirndl und Lederhose mit kleinkariertem Hemd. Und da es in Stuttgart und Umgebung keinen Kultur bezogenen Trachtenhintergrund gibt, darf es auch gerne das Plastikdirndl für 9,99€ aus dem Discounter sein. Sieht zwar richtig kacke aus, ist dann aber auch nicht ganz so tragisch, wenn man sich später besoffen vollkotzt.

Vielleicht handelt es aber auch bloß um traditionsbewusste Bayern, die kürzlich nach Baden-Württemberg rübergemacht haben und damit genau jene wertekonservativen Wähler sind, die am nächsten Wochenende der CSU schmerzlich an der Wahlurne fehlen werden.

Und jetzt alle: Ohhhhh! Arme CSU!

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Das ist NICHT das Oktoberfest in München! Das ist der Cannstatter Wasen!