colombia

Fundstück – schnelle Kasse

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – schnelle Kasse

Warum darf es so etwas nicht flächendeckend in Deutschland geben?! Das hatte ich mich schon vor 13 Jahren während meiner ersten Zeit in Kolumbien gefragt: Eine Kasse im Supermarkt für Kunden mit wenig Artikeln, die nur kurz in den Supermarkt springen, um eine Handvoll Dinge zu kaufen. Aber nein! In Deutschland muss man sich schön hinten einreihen, hinter all die vollen Einkaufswagen.
Auch jetzt sehe ich wieder überall diese Kassen für maximal fünf oder zehn Artikel. Und erstaunlicher Weise funktioniert das sehr gut und ohne Aufstände! Ich bin ein begeisterter Anhänger davon!
Aber wie bei so vielen Dingen, die in anderen Ländern erfolgreich sind, lautet die überhebliche deutsche Antwort: „Jaja, in Südamerika geht das, aber in Deutschland funktioniert das nicht!“ – Scheißegal ob Reichensteuer, arbeitsteilige Beschäftigungsverhältnisse, Schulreformen, Mindestlohn (Oh Perdon!) oder „schnelle Kassen“ immer lautet die Antwort: „Jaja… Aber…!“
Was würde bei der konsequenten Einführung „Schneller Kassen“ passieren? Rentner würden mit ihren Spazierstöcken ihre Rechte auf freien Zugang zu allen Kassen einfordern, Mütter mit vollen Einkaufswagen würden diese widerlichen Wenigkäufer verprügeln und Edmund Stoiber würde die Grünen wegen Bevormundung beschimpfen. Außerdem sei der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet, wenn plötzlich alle Kunden nur noch fünf Artikel einkaufen würden! Wenigkaufen darf nicht auch noch belohnt werden. Im Gegenteil: Vorfahrt für volle Einkaufswagen! Mehr noch: Wer zwei Einkaufswagen voll hat, der wird vorgelassen!

Jawoll Deutschland! So sieht die konsequente deutsche Antwort auf diese südamerikanischen Konsumverweigerer aus!

kasse 10 für bis zu 5 produkte
kasse 10 für bis zu 5 produkte

Mit der Moral im Handgepäck

Gepostet am Aktualisiert am

Mit der Moral im Handgepäck

Irgendwie schaffen wir Europäer es ja immer wieder, die moralische Instanz zu spielen. Ich möchte mich gar nicht erst mit der US-amerikanischen Doppelmoral als Staatsform auseinandersetzen. Die europäische reicht mir schon, um davon übel zu werden. Hoher Entwicklungsstand, hohe Moralansprüche – und zwar am liebsten vor fremden Haustüren. Der moralische Zeigefinger funktioniert in andere Richtungen einfach viel besser und wirkungsvoller! Und das klappt auch ohne Probleme, nachdem wir die armen Länder bis auf den Grund ihrer Bodenschätze ausgebeutet und gegen Glasperlen eingetauscht haben. Unsere Tische glänzen heute noch, weil wir die Entwicklungsländer so oft darüber gezogen haben. So ein kleiner Funken Demut hin und wieder wäre ja doch ganz schön!
Ähm! Worauf will ich hinaus? Ach ja: Bananenrepublik! Hab jetzt ja schon die dritte davon erreicht. Nach Venezuela, Kolumbien nun Ecuador. Alle diese Länder (sowie weitere) haben letztlich die gleiche Erfahrung gemacht. Und da ich schon immer mal gegen die „United Fruit“ sowie ihre Nachfolge-Company „Chiquita“ hetzen wollte, bietet sich hier und jetzt die Gelegenheit dazu. „United Fruit“ war der US-amerikanische Konzern, der Anfang der 20. Jahrhunderts im großen Stil Zentral- und Mittelamerika als Anbauland für (in erster Linie) Bananen entdeckte und die Ausrichtung der Landwirtschaft und zum Teil auch die Besitzverhältnisse in diesen Ländern nachhaltig veränderte/in die Tonne gekloppt hat.
Zum einen hat sie durch die Verlockung auf große Gewinne (durch Export) zu einer verheerenden Monostrukturierung geführt, die zwar kurzfristige Gewinne gebracht hat, aber auch extreme Abhängigkeiten und nach dem Einbrechen des Weltmarktpreises (durch eine ständige wachsende Produktion in immer mehr Ländern) zum Kollabieren der monostrukturierten Wirtschaft.
Zum anderen hatte die „United Fruit“ extremen Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger genommen. So wurden in Kolumbien Kleinbauern enteignet, damit ausreichend große und attraktive Plantagen für die Monokulturen entstehen konnten. Die Kleinbauern, die hauptsächlich in Subsistenzwirtschaft lebten, wurden in den Plantagen für einen Hungerlohn beschäftigt, von dem sie sich dann auch noch in Läden der Plantagenbesitzer ihre Grundnahrungsmittel kaufen mussten. Na bravo! Korruption, Schmiergeldzahlungen an Regionalfürsten machten dieses System möglich. 1928 gab es in Kolumbien einen Aufstand („la masacre de las bananeras“), der vom Militär blutig niedergemetzelt wurde. Das Militär stellte sich hier also auf die Seite des ausländischen Unternehmens.
Dies wird auch als Geburtsstunde von Paramilitär und Guerilla angesehen. Das Paramilitär, eine illegale Ansammlung privater Söldner (oft Militärs) zum Schutz von Großgrundbesitzern und anderen Priveligierten. Die Guerilla, eine radikale Untergrundopposition. Die Folgen sind bis heute in der kolumbianischen Gesellschaft zu spüren! (Natürlich nicht nur aufgrund von „United Fruit“)
Drum meidet Chiquita-Bananen, wo ihr könnt, meine Freunde! Jetzt habt ihr keine Ausreden mehr! Blöd, manchmal kann Wissen auch ganz schön belastend sein, wenn’s beim Gewissen ankommt! Am das passiert uns ja zum Glück relativ selten. Ich spreche da durchaus für mich selbst. Denn es ist echt schwer, mit wachem und gutem Gewissen Nahrungsmittel zu kaufen. Ich habe meine Bananen-Lektion gelernt und ächte seitdem Chiquita und seine Freunde. Aber ansonsten, Herr Boe…?!
Ständig läuft man in die Nestlé-Falle! Denn dieser Drecksverein hat seine Finger inzwischen quasi überall drin! Kauf dir mal in Südamerika ein nationales Schokoladenprodukt, auf dem NICHT das Nestlé-Logo klebt.
Fast noch schlimmer (geht das…?) finde ich, dass man, wenn man in diesen Ländern eine Flasche Wasser kaufen will, die Coca-Cola-Company damit unterstützt. Die haben eine weltweit derart perfekte Auslieferstruktur entwickelt, dass sie neben ihren Cola-Produkten einfach auch ihr billiges Wasser (KEIN Mineralwasser! Schlichtes Wasser) mit Macht und Erfolg in den Markt drücken. Auch hier ist es zum Teil gar nicht so einfach, daran vorbei zu kommen.
Tja… In der Tat manchmal bequemer, sich weniger Gedanken zu machen. Morgen fahre ich mit meinem total-p.c.-Anbieter in den Dschungel. Immerhin die Hälfte des Erlöses bleibt in den indigenen Gemeinden!
Aber wie okay war es, dass ich mich heute von Angestellten einer ecuadorianischen Ölgesellschaft auf alkoholische Getränke habe einladen lassen, die als Tochtergesellschaft eines MNU im Amazonasgebiet Ölplattformen betreuen?
Au Mann!
Etwas Lustiges zum Abschluss. Wisst ihr, woher der Name „Ananas“ kommt? Im Spanischen „Pinha“, im Englischen „Pine Apple“ und Ananas…? – Die ersten Früchte, die Europa erreichten, wurden in Bananenkisten verschifft. Um Irritationen zu vermeiden, wurde beim Verladen das „B“ von „BANANAS“ auf den Kisten durchgekreuzt. So blieb „ANANAS“! Putzig oder?

Proceso de Paz

Gepostet am Aktualisiert am

Proceso de Paz

Als ich vor 13 Jahren das erste Mal nach Kolumbien kam, steckte das Land noch immer im Bürgerkrieg. Das klingt hart und für unsere, „westlichen“ Ohren übertrieben, aber nichts anderes fand in Kolumbien seit Mitte der 60er Jahre statt.
Zu dieser Zeit gab es noch eine extrem aktive Guerilla mit Attentaten im ganzen Land, weniger in den Großstädten. Aber ich durfte Zeuge werden, wie eine Autobombe nur einige Quadras von mir entfernt in Bogotá gezündet wurde. Außerdem war in weiten Teilen des Landes an Busreisen nicht zu denken. Zu groß, zu unübersichtlich, zu unkontrollierbar das Land. „Überall“ saßen Guerillaverbände. Und Kolumbien war nicht umsonst für seine Entführungsindustrie – auch von Touristen – bekannt, durch die Millionen eingenommen sowie international öffentlicher Druck auf die rechte Regierung ausgeübt wurden. Als ich damals in Cali war, wollte ich eigentlich einen Abstecher nach Popayán machen. Aber im letzten Moment kam etwas dazwischen. Am gleichen Tag wurden drei Holländer aus einem Bus von Cali nach Popayán gezogen und verschwanden für ein paar Monate in den Wäldern. Auch das war knapp.
Dann aber kam Alvaro Uribe an die Macht, ein Politiker aus recht rechtem Lager, mit guten Beziehungen zum Paramilitar, der mit harter Hand und Milliardenunterstützung der USA („Plan Colombia“, eingeführt unter seinem Vorgänger Pastrana) den Kampf gegen Drogenanbau und -handel und Guerilla ordentlich verschärfte. Durchaus mit Erfolg!
Das Land ist heute viel sicherer. Es geht natürlich nicht allen Kolumbianern besser (obwohl sich auch die wirtschaftliche Situation Kolumbiens in den letzten 10 Jahren verbessert hat), weil rechte Politik (in Südamerika) eben auch immer mit einem gehörigen Schuss Protektionismus einhergeht. Das heißt, der Wohlstand der Reichen wird bewahrt und vermehrt. Bekanntes Spiel, das also auch ganz ohne FDP hervorragend funktioniert!
Uribes Zeit ist inzwischen vorbei und die neue Regierung unter Santos setzt auch wieder auf Verhandlungen. Zurzeit läuft der „Proceso de Paz“ (Friedensprozess), der erstmal seit 40 Jahren tatsächliche Hoffnung auf Frieden aufkommen lässt. Die beteiligten Parteien kommen in Havana/Kuba zusammen und dort werden fünf große Inhalte verhandelt. Gerade gab es einen „Acuerdo“ (Einverständnis) über den zweiten Verhandlungspunkt, über die „politische Teilhabe“ der FARC (Fuerzas Armadas Revolutionarias de Colombia), dem größten Guerillaverband Kolumbiens. Und als nächster Punkt steht jetzt der Drogenhandel auf der Tagesordnung.
Große Teile der Bevölkerung sehen diesen Prozess sehr kritisch. Zum Teil wird Präsident Santos dafür kritisiert, der Guerilla zu große Zugeständnisse zu machen. Dahingehend hat sich Expräsident Uribe ebenfalls geäußert, was natürlich kein positives Zeichen ist, wenn der Expräsi mit gestrecktem Bein in die Verhandlungen grätscht. Aber so ist er nun mal, der Uribe…!
Ein interessanter/kniffliger Verhandlungspunkt kommt aber noch (natürlich sind alle knifflig). Aber besonders kritisch in der Bevölkerung wird beobachtet, inwieweit die Amnesie-Regelung für die Guerilleros verhandelt wird. Da gibt es nämlich nur eine geringe Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft. Auf der anderen Seite darf man erwarten, dass die Verhandlungsführer der Guerilla möglichst straffrei davonkommen wollen. Wie gesagt: knifflig!
Insgesamt muss dieser Prozess aber sehr positiv betrachtet werden. Denn die Chance, endlich Frieden ins Land zu bringen, darf nicht vergeben werden. Sonst würden wieder Jahre der Unsicherheit und Unruhe folgen! Und davon haben eigentlich alle Kolumbianer genug!

 

Postkartentraum(a)

Gepostet am Aktualisiert am

Postkartentraum(a)

Neulich bekam ich die brüderliche Aufforderung, meinen Onkelpflichten doch bitte nachzukommen. Moritz würde sich so sehr über Postkarten freuen! – Wer schon mal in Venezuela oder Kolumbien versucht hat, Postkarten zu verschicken, der weiß: Klingt einfach, ist es aber nicht! Der Traum von der Postkarte wird schnell zum Trauma!
In Popayán hatte ich eine wichtige Hausaufgabe zu erledigen: Meine Meldung zur Rückführung in den Schuldienst, mein Resozialisierungsprogramm also. Online hatte ich das schon aus Bogotá erledigt. Aber der bürokratische Verwaltungsapparat braucht zwanghaft etwas zum Abheften! Also musste ich das ganze in Papierform nach Deutschland schicken und in Popayán fand einen entzückenden, zentral gelegenen internationalen Postservice, bei dem ich meine Dokumente problemlos abschicken konnte. (Ja, problemlos! Während der 100$-Klebstoff noch immer nicht wegen Adressschwierigkeiten in Mérida/Venezuela angekommen ist. Aber ich rege mich gar nicht mehr auf!)
Den Umschlag hatte ich in der einen Block entfernten Universitäts-Papeleria gefunden. Heute war alles einfach und langweilig!
Da das so prima geklappt hatte, wurde ich natürlich sofort übermütig und beschloss (Onkelpflichterfüllung!), mich auf Postkartensuche zu machen. Die meisten verdächtigen Läden hatten zwar nichts, aber dann bekam ich in meinem Hostel einen sicheren Tipp: Denn ja verdammt, es gäbe diesen einen total verrückten Laden, in dem so krasse Sachen wie Postkarten gehandelt würden. Wahrscheinlich ein ehemaliger Drogenkartellanaußendienstangestellter, der einen neuen Kick brauchte!
Und tatsächlich gab es dort Postkarten. Mir wurde ein ganzer Stapel gereicht und ich konnte zwischen Karten von Popayán mit Kirchen und mit Karten von Popayán mit anderen Kirchen auswählen. Genau das richtige Motiv also für einen 5jährigen! Ich entschied, Moritz keine Kirchenporträts zu schicken, dafür meine Schule damit zu beglücken (1x Kollegium, 1x SMV). Kurz danach stand ich wieder vorm Postbeamten meines Vertrauens, aber nein, Postkarten könnten sie nicht verschicken. Aha! Warum? – Nein! Ach so! – Aber die Papeleria war nah. Ich erstand einen weiteren Umschlag, steckte die Karten hinein und verschickte sie eben als Brief. Wenigstens das ging ja heute prächtig.
Zurück im Hostel offenbarte ich meinem Bruder meine gespaltene Einstellung zu Kirchenkarten für Kinder. Aber er versicherte mir, wie sehr sich der Kleine freuen würde. Zumal er in einem katholischen Kindergarten war und da würde eine Kirche mehr oder weniger auch nichts kaputt machen.
Gut! Ich sprintete los: eine Karte, einen Umschlag und ab dafür. Guter, braver Onkel! – Immerhin wusste ich jetzt, warum es keine Postkarten zu kaufen gab. Weil man sie nicht verschicken kann. Auch mal eine gute Erklärung!
Mein erster Tag in Ecuador: Ich gehe von meinem Hostel um eine (1) Ecke und laufe in ein Geschäft mit Auswahl (!) an Postkarten und es gibt in gleichen (!) Laden Briefmarken dazu. Krasse Idee eigentlich! Die Frau sagt mir, um’s wirklich zu übertreiben, dass ich die beschriebene Karte sogar bei ihr abgeben kann. Ich falle in Ohnmacht.
Nach erfolgreichem Mützenkauf auf dem berühmt-berüchtigten Markt von Otavalo, verliere ich beinahe erneut das Bewusstsein, als ich gegen einen öffentlichen Briefkasten laufe. So etwas habe ich ja noch nie gesehen? Was ist denn heute los? Ach richtig, ich bin in Ecuador!
Jetzt müsste ich eigentlich täglich Postkarten schreiben! Aber nur an wen…? Hab gar keine Adressen dabei! Okay, die erste eingehende Adresse bekommt eine Postkarte aus Ecuador!

DSC04808

Fundstück – Danke für die schlauen Ratschläge

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Danke für die schlauen Ratschläge!

So! Dann bin ich nun in Ecuador, sitze im Bus auf dem Weg von Ibarra nach Otavalo und in meinen Händen meine erste ecuadorianische Zeitung. Und dann darf ich das lesen: „No deje que su bocaza arruine el momento. En boca cerrada no entran boscas.“ Selbst schuld! Was lese ich auch mein Horoskop. Aber es kann doch echt nicht sein, dass man einmal in drei Monaten sein Horoskop liest und dann wird mir gesagt: „Lass dein großes Mundwerk nicht den Moment ruinieren. In einen geschlossenen Mund fliegen keine Fliegen!“ Was erlaubt sich diese Zeitung?! Und woher kennt die mich so gut?

Diese merkwürdigen Zufälle häufen sich. In Palomino, in Kolumbien, habe ich in meiner Unterkunft ein ziemlich ramponiertes Buch gefunden. Dort befand sich, um es genau zu sagen, auch genau ein (1!), nämlich dieses Buch. Es hörte auf den Namen „No es cuestion de leche, es cuestion de actitud!“ Zu deutsch: „Es ist nicht eine Frage der Milch (hier: des Glück), sondern eine Frage der Einstellung!“ Ich habe das Vorwort gelesen und durfte feststellen, dass das Buch von mir handelt. Geschrieben von einem venezolanischen Psychologen und es geht um die richtige Einstellung Entscheidungen gegenüber. Und das ist (vielleicht nicht allen bekannt) meine ganz große Stärke! Also wenn ich eines kann, also nicht kann, aber so richtig, dann Entscheidungen treffen! Seitdem begleitet mich dieses Buch auf meiner Reise und darf mir kluge Ratschläge geben.

Und als wäre das nicht genug der Zufälle, stand in Bogotá in dem bisher einzigen Glückskeks ganz Südamerikas (also meiner ganzen Reise) folgender hilfreicher Spruch: „Las decisiones de hoy son los hechos del mañana!“ Also ungefähr: „Die Entscheidungen von heute sind das Geschehen von morgen!“

Ja, irgendwann reicht’s doch wirklich oder? Was kommt denn als nächstes…?

mein heutiges Horoskop
mein heutiges Horoskop
besagtes Buch über die Milch
besagtes Buch über die Milch
unverschämter Glückskeks
unverschämter Glückskeks

Mit Shaquira zum Gipfel

Gepostet am Aktualisiert am

Mit Shaquira zum Gipfel
Einen Hike, einen Trek pro Land hatte ich mir vorgenommen. Ich war erst im zweiten Land und schon drohte, dieses Vorhaben zu scheitern. Meine „Wanderung“ im Valle de Cocora/ Salento konnte ich nicht ernsthaft durchgehen lassen, selbst wenn ich die erschwerenden Bedingungen wie Regen und beschissener, durch Pferdehufe in Morast verwandelter Weg mit einbezog.
Aber warum machte ich mir überhaupt einen Kopf? Wem war ich Rechenschaft schuldig? Mir etwa? Einer Person, auf die sonst auch kein Verlass war? Lächerlich!
Trotzdem hatte ich mir in Bogotá einen Vulkan ausgesucht, den ich nun erklimmen wollte. Nach einigen Tage in der Hauptstadt ging es zuerst in die Desierto de Tatacoa, eine kleine aber feine Wüste, und danach nach San Augustín, einer der archäologischen Kultstätten Kolumbiens. Wer schon mal Ruinen gesehen hat, braucht das nicht wirklich, und wer schon mal in Cobán/Guatemala war, wird sich zu Tode langweilen. Ich gehörte zur zweiten Kategorie und langweilte mich, da half auch der einsetzende Regen wenig!
Am nächsten Tag ging’s zum Vulkan Puracé, genauer gesagt zur Rangerstation des Parque Nacional de Puracé, auf 3200m gelegen. Ich fühlte mich zuerst etwas verloren, denn trotz beeindruckender Infrastruktur war niemand zu sehen oder zu sprechen. Das Gebäude mit Restaurant und Aufenthaltsraum war groß und leer, in der Rangerstation lief zwar der Fernseher, aber sonst… Ich klopfte zwar an jede Tür, aber mir wurde keine Herberge angeboten.
Der offizielle, staatliche Ranger, der mich schließlich begrüßte, erklärte mir, leider nicht zuständig für den Park zu sein. Hä? Ja, das läge daran, dass die Kokonuko, die Indigenes, das Land und damit auch das Gebiet des Nationalparks für sich und ihre Nutzung beanspruchen würden. So saß der freundliche Ranger zwar noch in seiner Station, war aber weder zuständig noch verantwortlich für den Park (dazu muss man sagen, dass das System der Nationalparks in Kolumbien sehr gut ist). Aha! Er brachte mich zu einem anderen Gebäude und dort kümmerten sich dann zwei Indegenas um mich, der eine versorgte mich mit einer Unterkunft in einer Hütte für mich alleine (ich war auch der einzige Tourist, der sich hier her verloren hatte), der andere würde mich am morgigen Tag zum Vulkan führen. Die Indigenas machten einen netten Eindruck, hatten aber natürlich nicht die Ausbildung und die Ahnung wie die Ranger.
Die andere wichtige Frage war, wie bekäme ich etwas zu essen. Ich hatte spärlich gefrühstückt und auch rein gar nichts dabei und in Anbetracht des bevorstehenden fünfstündigen Aufstieges war Nahrung ein wichtiges Thema. Ich wurde auf später vertröstet. Ja, die Frau würde noch kommen. Wann? Später. Dieses Wann-Später-Spiel wiederholte sich während der nächsten Stunden, was meinem Hunger und meiner Stimmung nicht gerade in die Karten spielte.
Dafür wurde mein Kamin in meiner Hütte angezündet. Also setzte ich mich vor Feuer und las und schrieb ein bisschen.

Als ich meinen letzten Versuch um 8 Uhr unternahm, war tatsächlich die rettende Köchin gekommen und ich bekam fast in Minutenfrist etwas Warmes zu essen. Ja, und es würde auch morgen früh um 5 Uhr Frühstück geben. Ja super! Gedanklich hatte ich den Trip schon beinahe abgeschrieben. Denn ich hatte keine Lust, auf halbem Weg umzufallen. Ich hatte schon genügend Respekt vor der Höhenluft, es sollte auf 4600m gehen, da wollte ich nicht auch noch hungrig losmarschieren. Das hätte kein gutes Ende!

Neben Carlos, meinem Führer, erwartete mich auch noch sein Hündchen, Shaquira, das uns auf den Berg begleiten würde. Carlos bemühte sich, mich auf dem Weg zu informieren. Er zeigte immer wieder in irgendwelche Richtungen und nannte Namen von Vulkanen, Indigenes-Siedlungen, Lagunen. Ich konnte nicht viel zur Unterhaltung beitragen, weil ich schon nach einer halben Stunde erschöpft war – unglaublich. Nach einer Stunde war ich nahe dran umzukehren. Es machte doch keinen Sinn weiterzulaufen, wenn ich schon nach einer Stunde nicht mehr konnte. Was machten eigentlich meine roten Blutkörperchen? Und warum hatte ich nicht mehr davon migenommen? Außerdem bekam ich Kopfschmerzen! Ich war aber auch ein Waschlappen!
Aber Carlos zeigte munter weiter auf Dinge. Als er am Himmel ein Flugzeug samt Kondenzstreifen sah, wies er mich darauf hin „Avion! Muy alto!“ Flugzeug! Sehr hoch! Danke! Kurz darauf kamen wir an Tieren vorbei, er streckte seinen Arm aus „Vacas!“ Kühe! Nicht wirklich! Vorher hatte er mir erzählt, dass es hier auch Bären mit vier Augen gäbe, den „Oso andino“, also den Andenbären, im Deutschen eher als Brillenbär bekannt. Und  dann kamen wir an einer Kuh (siehe Foto) vorbei, die wie eine „Vaca Andina“ aussah, also wie eine Brillenkuh. Ich fragte ihn, ob das denn jetzt eine Mischung aus Kuh und Bär sei, woraufhin er erst einmal überlegen musste. Ich wollte ihn schon darauf hinweisen, dass ich das als Witz gemeint habe. Aber da mir meine Oma beigebracht hatte, sich eher zu erschießen, als einen Witz zu erklären, hielt ich meine Klappe und ließ ihn weiter grübeln. Schließlich meinte er, ja, das könne sein…
Nach zwei mühsamen Stunden erreichten wir einen ehemaligen Militärposten. Es waren zwei heruntergekommene Baracken mit guter Übersicht über die Gegend, dafür aber auch extrem eklig im Wind gelegen. Die ganze Gegend war früher eine Hochburg der Guerilla, deshalb der Posten. Ich fragte Carlos, ob er wisse, wie hoch wir hier seien. Er überlegte einen Moment und antwortete dann: „Estamos altos!“ – Ach, ja, hoch also? Dann meinte er entschuldigend, er würde diese Führungen ja noch nicht so lange machen. Okay, ich hatte das schon akzeptiert, als er noch mal nachlegte und meinte, es wären so 25.000 Meter. Was? Ja, so ungefähr! Aha! Ich würde auch nicht weiter fragen… nie wieder!
Irgendwie schaffte ich den Aufstieg trotz abnehmendem Sauerstoff und zunehmendem Wind. Was war das positive Gefühl, das ich da oben hatte? Erleichterung, dass der Scheiß endlich vorbei war!
Der Rückweg war auch schlimm. Aber sprechen wir lieber ganz allgemein darüber: Denn insgesamt ist dieses (elende) Vulkanbesteigen doch höchst fragwürdig und völlig überbewertet! Ich mag echt gerne durch die Gegend laufen und die Landschaft genießen (das ganze Programm). Aber diese Vulkane?! Erst geht es die ganze Zeit einfach nur steil nach oben. Landschaft genießen…? Na, sicher! Dann ist es oben so ficken windig, dass man sich kaum lange genug fürs Gipfelfoto aufhalten kann. Ausblick genießen…? Natürlich! Und dann geht’s wieder so steil runter, dass sich in den Gelenken schon beim Gedanken Phantomschmerzen einstellen. Wenn das nicht nach richtig Spaß klingt! Warum also? Hätte der blöde Petrarca nicht auf die Hirten hören können und den Mont Ventoux in Ruhe und den Bären lassen können. Nein! Und jetzt muss ich auch auf Berge steigen, ich Idiot!
Solche und ähnliche Gedanken machte ich mir also mit meinem mit Sauerstoff unterversorgten Gehirn!
Ach, übrigens die Ausrüstung des Guides war auch nicht schlecht. Er hatte so einen Turnbeutel dabei, in dem sich, das stellte sich bei unserer letzten Rast heraus (ich hätte direkt dort schlafen können!), eine Packung Kekse befanden. Er hatte nicht einmal etwas zu trinken dabei. Aber er hatte eine Art Zauberstab dabei, eine „Shonta“. Auf die Frage wofür, sagte er, die haben alle Guides dabei! Da war ich natürlich schwer beruhigt. Vielleicht konnte man mir diesem Zauberstab die angreifenden Brillenbären davon überzeugen, statt einen aufzufressen sich lieber mit einer Kuh zu paaren. Wer weiß?

vaca andina - kreuzung aus kuh u brillenbär
„vaca andina“ – Kreuzung aus Kuh und Brillenbär
krater des puracé. es wird leider nicht ganz klar, wie scheiße windg es ist!
Herr Boe am Krater des Puracé. Es wird leider nicht ganz klar, wie scheiße windg es ist!

DSC04561 DSC04540

Gipfelfoto mit Carlos + Shakira                            Militärposten in geschätzten 25.000 m Höhe

Fundstück – weiblicher Machismus

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – weiblicher Machismus

Heute in den Straßen von Popayán war eine kleine…, tja, soll/darf man es Demo nennen? Wie viele Menschen braucht eine Demonstration? Da weiß nicht einmal Wikipedia eine quantifizierbare Antwort! Es waren vielleicht 20 Personen, größtenteils junge Frauen, die sich in ihrem Protestzug für die Rechte der Frauen einsetzten, insbesondere ging es um das alleinige Bestimmungsrecht über den weiblichen Körper. So wurde unter anderem Folgendes skandiert: „Con ropa ó sin ropa – mi cuerpo no se toca!“ In etwa: „Mit oder ohne Kleider – meinen Körper fasst man nicht an!“ (siehe Fotos)
Interessanter als die Protestierenden waren eigentlich die beobachtenden Passanten, die das ganze recht gleichgültig über sich ergehen ließen. Dachten sich wohl auch: „Diese Studenten!“
Dass der Machismus in Südamerika noch immer Staatsform ist, das ist mit Sicherheit keine Neuigkeit. Aber auf einen interessanten Aspekt wies mich eine Couchsurferin aus Mérida/ Venezuela hin. Sie beklagte sich, dass die Frauen die viel schlimmeren Machos wären. So würden die Mütter ihre Jungen gnadenlos verhätscheln, während sie gegenüber ihren Töchtern ganz andere, viel strengere Maßstäbe anwenden würden. Wenn ein Sohn nach einem Vollrausch am nächsten Tag in den Seilen hinge, kümmere sich die Mutti um ihr armes Söhnchen, mache ihm eine stärkende Suppe, während die Tochter nach einer solchen Nacht von der eigenen Mutter als Schlampe beschimpft würde.
Die Frau aus Mérida war jenseits der 30 Jahre und nicht verheiratet und kinderlos und war zufrieden damit. Ein Skandal! Da hatte sie doch wohl etwas falsch gemacht! In Augen der Gesellschaft, aber eben auch in Augen der meisten Frauen!

DSC04623 DSC04621