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Philosophisches über Vorfreude – oder: „The Circle Of Joy!“

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Philosophisches über Vorfreude – oder: „The Circle Of Joy!“


„Vorfreude ist die schönste Freude!“
Wie wahr! Endlich mal ein deutsches Sprichwort, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte. Ich durfte gerade erst Zeuge davon werden. Nach sehr langer Abstinenz war ich endlich wieder mal auf einem Beach Ultimate Turnier. Und die Vorfreude war riesengroß!
Aber – Moment mal – ist das nicht eigentlich eine sehr traurige Aussage? Denn wenn Vorfreude tatsächlich die schönste aller Freuden ist, heißt das nicht automatisch, dass wir uns ständig etwas vormachen, dass unsere Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchte niemals erfüllt werden können, da ja die Freude selbst niemals an die Vorfreude heranreichen kann? Hmmm…?! Ein Leben durch die rosarote Brille, das die Ereignisse in der Zukunft größer, toller und rosaroter erscheinen lässt, als es das wahre Leben jemals einlösen kann…?
Nach einem großartigen Wochenende mit noch immer Sand in den Ohren und zwischen den Zehen muss ich mich hinterfragen. Ist die Vorfreude tatsächlich die schönste Freude oder war die Freude selbst, das aktive Wegfeiern des Augenblicks, nicht doch viel größer…? Ist die Freude nicht gar das eigentliche Substrat, aus dem die Vorfreude wachsen kann? Was war zuerst: Die Henne oder das Ei – oder beides…? Und wenn ich mein aktuelles Grinsen richtig interpretiere, dann empfinde ich sogar eine amtliche Nachfreude, aus der dann so etwas wie eine vage, unspezifische Vorvorfreude sprießt, die wiederum noch nicht so konkret ist wie die eigentliche Vorfreude, die sich ja häufig an einem bestimmten Ereignis orientiert.
Und damit schließt sich der „Circle of Joy!“
In Vorvorfreude auf ein baldiges Strandturnier und Danke für ein großes Wochenende, Quattro Stazioni!

Bär, Bock oder falscher Hund?

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Bär, Bock oder (doch ein) falscher Hund?

Kurz nachdem der große Weltklimarettungsplan der GroKo von Karlsruhe kassiert worden ist und die Regierung eilig nachsteuern musste, mit wiederum großen Worten versteht sich, demaskieren sich die beteiligten Parteien schon wenig später selber.

Denn Welt retten, schön und gut, aber für Taten oder Maßnahmen ist gerade wirklich keine Zeit. Denn jetzt ist erst mal Wahlkampf! Und das bedeutet: Keine Benzinpreiserhöhung! Niemals! Sogar die Union findet ihre soziale Ader. CSU-Verkehrsoberdödel Scheuer findet nämlich ein höherer CO2-Preis sorge „nicht für mehr Klimaschutz, sondern nur für mehr Frust“. Und mit Frust kennt der sich aus! Denn Frust ist zwar nicht klimawirksam, dafür aber umso wählerwirksamer!

Zudem geben die Bürger:innen wahrscheinlich lieber ihr Steuergeld für Scheuers Mautdesaster aus, was die Steuerzahler:innen geschätzte 770 Millionen Euro kostet, ohne dass dem Klima damit auch nur ein Kuhrülpser erspart bleibt. Zudem kostet die Aufklärung der erbärmlichen Ausländermaut weiterhin Geld. Für die Beantwortung von sieben (7!) unbequemen Fragen, die Scheuer im Zusammenhang mit dem Informationsfreiheitsgesetz zur Autobahnmaut gestellt wurden, kaufte sich Scheuer private Beratungsleistungen ein, die wiederum 175000 € kosteten. Peanuts! Aber wenigstens nicht für die spaßfreie, frustrierende Klimarettung verprasst…!

Pkw-Maut: Wie Andreas Scheuer die Aufklärung der Maut-Affäre behinderte – FOCUS Online

Bericht: Scheuers Maut-Versagen kostet über 770 Millionen Euro – Business Insider

Egal, möchte man denken, was erwartet man schon von CDU/CSU… So gesehen können mich die Unionsparteien überhaupt nicht mehr enttäuschen. Denn ich erwarte ja nichts von ihnen!

Aber schön, dass auch die SPD inzwischen so verzweifelt ist und sich derart unwählbar macht, dass ich eigentlich kotzen möchte. Vielen Dank für diese Klarstellung, Olaf Scholz. Der Olaf hat nämlich der BILD verraten, dass er auch dagegen sei, immer weiter an der „Spritschraube“ zu drehen, weil Mobilität ja auch ein „sozialer Aspekt“ sei. Ah, verstehe: sozial und SPD. Lustig! Wo kommt das denn plötzlich her?

Benzin und Tanken: Zieht Vize-Kanzler Scholz die Spritpreis-Bremse? – Wirtschaft – Bild.de

„Populistische Benzinwutkampagne“ – Hofreiter kritisiert SPD und Union (msn.com)

Aber noch mal einen Schritt zurück: Wer hat den CO2-Preis gerade beschlossen? Und wer hat das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet? Wurscht! Wahlkampf! BILD! Benzinwutkampagne!

Lange waren sich die GroKo-Parteien nicht mehr so einig wie jetzt, da sie einen gemeinsamen Feind gefunden haben: die Drecks-Grünen, die einfach das Pariser Klimaabkommen umsetzen wollen – auch noch mit Taten! – und das, obwohl sie gar nicht in der Regierung sind. Frechheit! Dass die sich nicht schämen!

Hartnäckige Meinung bei völliger Ahnungslosigkeit

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Früher, in Zeiten der Ahnungslosigkeit, vertraute die Menschheit auf Expert:innen. Es gab eine Ausnahme. Denn schon damals gab es 80 Millionen Bundestrainer. Aber ansonsten hatte man keine Ahnung, daher auch keine Meinung und hielt die Fresse. Es war, als wäre eine Ahnung die Grundvoraussetzung für eine Meinung. Das klingt heute natürlich völlig absurd. Denn die meisten pflegen ihre hartnäckigen Meinungen bei völlig Ahnungslosigkeit und das ist überhaupt kein Widerspruch mehr. Im Gegenteil! Heute sind wir selbst die Expert:innen und praktischer Weise für alles!

Schließlich haben wir alle an der YouTube-Fernuni unsere Credits erworben und tragen unsere Facebook-Expertisen allen vor, die nicht bei drei im Darknet verschwunden sind. Nach über einem Jahr Corona sind wir doch alle Epidemiologie-Expert:innen, Impf-Strateg:innen und RKI-Ehrenpräsident:innen.

Kennt Ihr auch das Gefühl, Ihr seid der/die einzige im Raum, der/die die Zusammenhänge wirklich blickt? Und nein, es ist gar kein Gefühl, vielmehr ist es inzwischen eine Gewissheit. Eigentlich müsste Markus Lanz jeden Moment bei mir anrufen und mich in seine Sendung einladen! (Ich hab ihm doch extra meine Nummer geschickt…!)

Ich habe mir aber mittlerweile eine andere Rolle zugelegt. Ich zucke einfach mit den Schultern und sage: „Sorry, Impfen…? Nee, dazu habe ich keine Meinung.“ – Probiert das mal aus. Das verunsichert die Gegenüber ungemein, wenn man einfach (aber mit voller Absicht!) auf eine klare Position verzichtet und dazu nett lächelt. – Auch gut: „Lockdown, sorry, hab ich keine Meinung, das ist mir echt zu kompliziert!“ – „Äh, wie, du hast keine Meinung…? Bist du blöd…?!“ – Und ich antworte: „Nee, ich bin nicht blöd. Denn sonst hätte ich ja auf derart komplexe Zusammenhänge so eine einfache Antwort, wie du sie immer hast!“

Ich nenne das „ahnungsvolle Meinungslosigkeit!“ Das wiederum verstehen die meisten anderen natürlich nicht…

Bleibt stabil!

Expert:innen sind ja alle, die mit einem vielsagenden, aber nichtswissenden Grinsen einen analogen Impfpass verkehrt herum in die Kamera halten.

Abiaufsicht oder: die Langeweile des Todes

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Abiaufsicht oder: die Langeweile des Todes

Langeweile bekommt nur 1,5 von 5 Sternen. Wäre Langeweile ein Film, keiner würde reingehen. Andererseits – zurzeit wären wahrscheinlich viele froh, mal für eineinhalb Stunden gepflegter Langeweile ins Kino zu dürfen!

Ich weiß, Langeweile muss nicht schlecht sein. Es gibt sie in der entspannenden, erholenden Variante, ein langweiliger Rosamunde Pilcher-Film mit einem langweiligen Weißwein. Große Langeweile kann dafür sorgen, dass die Wohnung geputzt oder gar Socken gebügelt werden und ein langweiliges Buch (z.B. Adalbert Stifters „Nachsommer“) kann hervorragend beim Einschlafen helfen!

Ich hatte gestern die Langeweile des Todes, mit anderen Worten: Abiaufsicht! Nicht dass eine normale Aufsicht bei Klausuren oder Klassenarbeiten besonders spannend wäre. Aber dabei kann man wenigstens lesen, vorbereiten oder korrigieren. Das alles ist bei der Abiaufsicht natürlich nicht erlaubt.

Wir sitzen in unserer Turnhalle, einem Ort von Spiel, Spaß und Bvewegung, die Schüler:innen hochkonzentriert über ihren Abiaufgaben, ich atme. Nach einer Viertelstunde ist mein Kaffee ausgetrunken und mein Knoppers aufgeknoppert, mein Handlungsspielraum für die nächsten eineinhalb Stunden damit weitestgehend ausgeschöpft. Die Uhr an der Wand hat nicht einmal einen Sekundenzeiger, den ich aufmerksam verfolgen könnte. Und den Minutenzeiger zu beobachten… keine weitere Erklärung. Ich möchte Euch nicht langweilen!

Mir ist so langweilig, ich habe angefangen, meine Wohnung gedanklich zu putzen. Und alleine im Kopf zu prokrastinieren, ist gar nicht so leicht. Ich versuche mich mit einem Gedankenspaziergang und scheitere. Ich konzentriere mich auf meine Atmung, vier Sekunden einatmen, fünf Sekunden Luft anhalten, acht Sekunden ausatmen – Pranayama! Mein Herzschlag wird immer langsamer, aber mein Puls so hart, dass ich Angst bekomme, es könnte die Abiturient:innen ablenken. Meine yogische Selbsterfahrung lehrt mich: Die Zeit vergeht auch nicht schneller, wenn man sehr langsam atmet. Verdammt! Ich höre völlig auf zu atmen. Mein Metabolismus ist so weit runtergefahren, der lebensnotwendige Restsauerstoff diffundiert über die Haut.

Mein Kollege, der vorne sitzt, fängt an zu weben. Zur Klarstellung: Handarbeiten sind natürlich nicht erlaubt! Mit Weben ist hier der Hospitalismus gemeint, der bei eingesperrten Pferden auftritt, indem sie ihren Kopf großen Schleifen bewegen, um sich ein wenig selbst zu spüren. Ein kleines bisschen Pferd sein, also Pony quasi oder Isländer….

„Bohh – wat is dat langweilig“, denke ich und erinnere mich an einen alten Sketch von Hape Kerkeling. Aber Rätselhefte sind auch nicht erlaubt. Oh Mann, kann einer mal mein Leben vorspulen!

Als ich am Abend mit meiner Schwester telefoniere, erfahre ich, dass in Norwegen Rentner:innen die Aufsicht in den Abiprüfungen übernehmen. Wie geil ist das denn…?! Die Leute, die am meisten in Langeweile geschult, ja, gestählt sind, für Aufsichten einzusetzen. Hochqualifiziert im Endstadium! Viele deutsche Rentner:innen fänden diesen Job wahrscheinlich auch total abwechslungsreich und spannend.

Hallo Kultusministerium Baden-Württemberg, kannst du mich hören…?! – Ich will auch Rentner:innen!!!

Ich sehe schon die Schlagzeile:

„SKANDAL!!1! Zweifach geimpfte Rentner:innen dürfen Abiturklausuren beaufsichtigen!“

Fundstück – Bier und Langeweile « tommiboe

Der Hurensohnkodex

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Der Hurensohnkodex

Ach, herrlich! Ein Ehrenkodex! Für die Ehrenmänner der Union – und für die Ehrenfrauen natürlich auch. Ich bin stark beeindruckt: ein Ehrenkodex! Respekt! Und was gab’s vorher? Einen Hurensohnkodex oder was?

Seit Jahrzehnten wehren sich die Unions-Parteien hartnäckig gegen alle Versuche, ein verpflichtendes Lobbyregister einzuführen, wie es von anderen Parteien und von LobbyControl gefordert (einem sehr unterstützenswerten Verein im Übrigen!) wird. Aber natürlich ist nichts passiert, nicht mit CDU und CSU! Wer jede Nacht mit der Lobby ins Bett steigt, verliert auch schon mal die Übersicht. Nächstenliebe gilt eben auch für Lobbyist:innen. Dafür steht das „C“ bei den C-Partei. Von Offenheit und Transparenz steht im Alten Testament übrigens nichts geschrieben…

Das Ganze ist, in meinen Augen, ähnlich glaub- und vertrauenswürdig wie der Umgang der katholischen Kirche mit seinem Missbrauchsskandal. Wir unterschreiben jetzt alle diesen Hurensohn-… äh… Ehrenkodex, nuscheln ein reuiges Ave Marie in die ffp2-Maske und zack, dann hätten wir das ja endgültig erledigt! Das muss dann aber auch als Aufklärung genügen.

Und um die eigene Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit zu unterstreichen, legte Thorsten Frei, CDU, mit folgender Forderung nach: „Ehrenkodex auch für die SPD!“ Richtig, wir erinnern uns: das war ja das Problem, diese verdammte SPD…! Vielleicht schließt Frei einfach von der Verdorbenheit seiner eigenen Leute auf alle anderen Politiker:innnen. Logisch, schließlich gehören die von der SPD ja auch zur Regierung. Dann müssen die auch korrupt oder ehrenlos sein und deshalb dringend so einen Ehrenkodex unterschreiben. Und schon ist die Ehre gerettet! Ist klar!

Bis zur Einführung des Ehrenkodexes ist das Handbuch für CDU/CSU-Politiker:innen gewesen
Dank aufwändiger Recherchearbeit konnte der originäre „Codice Del Figlio Di Puttana“ aus dem 16. Jahrhundert aufgespürt werden, auf den sich der „Hurensohnkodex“ maßgeblich stützt.
Herr Boe, Scheinheiligkeitsforscher, bei der Unterschrift des Ehrenkodexes