Apo Island
„Apo“ mag zwar auch die Vorsilbe von Apokalypse sein. Aber – keine Sorge – auf Apo Island geht die Welt nicht unter, hier schlummert sie friedlich vor sich hin. Das einzige, was untergeht, sind die Taucher und so auch ich – dreimal am Tag für eine Stunde. Und wenn die Insel schon ruhig ist, abgesehen von den Hähnen am sehr frühen Morgen, dann ist es unter Wasser erst richtig still und einfach besonders. Naja, eine ganz eigene Welt, sagt man zurecht…
Dass die Philippinen und so auch Apo Island vulkanischen Ursprungs sieht, spürt man ständig. Neulich, als ich mit meinen Tauch-Buddies dem kulturellen Highlight der Insel beiwohnte, dem lokalen Basketballspiel (auf erstaunlich gutem Niveau!), gingen zeitgleich auf unseren Handys die Warnmeldungen ein: Vulkanausbruch auf dem Mount Kanloan mit Aschewolke! Wie unsere Recherchen ergaben allerdings in 150 km Entfernung. Auch beim Tauchen kann man vulkanische Aktivitäten beobachten. So führt ein Tauchgang über ein Feld mit vulkanischen Ausgasungen. Das heißt, es blubbert ordentlich um einen herum, wenn man über den Meeresboden hinwegtaucht – sehr eindrucksvoll!
Viel mehr an Aufregungen hat die Insel zum Glück nicht zu bieten. Es gibt weder Autos noch Motos, lediglich Handkarren werden durch die Gegen geschoben, zum Beispiel um das Trinkwasser vom Anleger auf der Insel zu verteilen. Denn Trinkwasseranschluss gibt es keinen. Zudem gibt es ein paar Möglichkeiten zu essen, teils lokale teils touristische Angebote. Auswahl und Niveau sind überschaubar. Aber es besteht kein Grund zu klagen. Bin ja bescheiden und demütig. Und wem’s zu langweilig wird, der kann sich Hühnerinnereien und -füße grillen lassen. Die kleinen Läden bieten allerlei Essen in Plastik an, „emergency Food“ wie Instant-Nudeln mit unterschiedlichen Geschmacksverstärkern, dazu Chips, Süßigkeiten und Schnaps, also quasi nix Vernünftiges. Aber sollen die Filipinos und -nas doch selbst mit ihrer hohen Diabetes-Rate klarkommen.
Das alles kümmert den rundum entspannten und zufriedenen Reiseberichterstatter Herrn Boe wenig bis gar nicht. Er genießt die Ruhe, das Tauchen und, tja, das Leben auf Apo Island…










Vorsicht wilde Tiere
Vorsicht wilde Tiere
„Pass auf, wenn du in Australien bist!“ Jaja, denkt mein Traveller-Ich, was soll schon passieren, das gerade knapp zwei Monate in Neuseeland unterwegs war, während mein Kindheits-Ich eine frische Unterhose verlangt. Neuseeland ist an Harmlosigkeit natürlich nicht zu überbieten. Das färbt auch massiv aufs Personal ab. Denn diese Neuseeländer sind so extrem freundlich und hilfsbereit, wie man es vielleicht nur in einem völlig ungefährlichen Land sein kann (vergessen wir mal Vulkane, Erdbeben und Orks. Das würde die Erzählung unnötig beschädigen).
Aber nun Australien. Hier herrscht natürlich eine ganz andere Athletik! Die erste Gefahrenstelle habe ich bereits unversehrt gemeistert. Ich war am Bondi Beacht und habe artig mit den Wellen gespielt oder die Wellen mit mir spielen lassen. Dort gab es kürzlich eine tödliche Bull Shark-Attacke auf einen 12jährigen Surfer. Das ist dann schon eine ganz schön reale Bedrohungslage. Ins Outback komme ich zumindest in diesem Sabbatjahr nicht mehr. Die Gefahr, sich eine giftige Schlange einzufangen, ist daher gering. Und so hatte ich für meinen Ausflug in die Blue Mountains (zwei Zugstunden von Sydney) ebenfalls mit einer geringen Gefährdungslage gerechnet. So kann man sich irren!
Nach meiner Wanderung rund um die berühmten „Three Sisters“ entdecke ich bei meiner Kaffeepause, dass an meiner rechten Socke ein schleimiges, nacktschneckenartiges Vieh hängt. Ihhh! Ich zupfe es ab, was gar nicht so einfach ist. Es stellt sich heraus, es war gar nicht an meiner Socke interessiert, sondern an meinem Blut. Denn inzwischen hatte es sich durch die Socke fest in meiner Ferse verschraubt.
Ich lerne, Landblutegel haben in ihrem Speichel ein betäubendes Serum – ähnlich dem Großmaulpinguin (sorry, der musste sein!), sodass ihr blutsaugendes Wirken oft unbemerkt bleibt. Raffinierte kleine Bastarde! Vielleicht fühlte ich mich auch deshalb so schlapp nach meiner Wanderung und es liegt gar nicht an meiner schlechten Kondition…
Ich betrachte meine Wunde, aus der es blutet, und lerne weiter: Zudem befindet sich im Speichel des Ekels/Egels Hirudin, das die Blutgerinnung hemmt. Ich denke mir, das würde es in Deutschland nicht geben. Das ist doch verschreibungspflichtig und wie sollen Blutegel an das Zeug rankommen? Andererseits kenn ich mich mit dem Darknet nicht wirklich aus und mit den unappetitlichen Interessen von Big Pharma schon mal gar nicht…
Im Kiosk/Café frage ich nach einem Pflaster. Ein alter Aussie betritt die Bühne und fragt, als er mich auf einem Bein herumhüpfen sieht nach meiner Verletzung. Ich erkläre es ihm, worauf ihm ein „Ohhh bloody leeches!“ entfleucht. „You should burn them!“ Tatsächlich ist das sein educated advice: Feuerzeug dranhalten, dann lässt das Viech von selber los. Das sei besser, als es mit Gewalt abzuziehen! Sein Gesicht verrät, er hat viel gesehen und erlebt, sehr viel! Zudem ist er Australier. Hier gibt es Schlangen, Spinnen, Haie, Salzwasserkrokodile, Kängurus, Koalas und Pferde! (Fun Fact: das tödlichste dieser Tiere ist das Pferd. Mit jährlich 5-10 Todesfällen die Nummer 1 in Australien! (Natürlich auf Grundlage, was chatgpt für facts und ich für funny halte))
Also glaube ich ihm und seiner Expertise, ohne es zu überprüfen. Ist bestimmt ein uralter Aboriginal Trick!. Ich werde mir also ein Feuerzeug besorgen und dann heißt: „Burn in hell, you bloodsucking bastards!“





ÖPNV – wir müssen reden!
Ich bin gestern in Sydney gelandet (yay!) und möchte zu meinem Hostel. Bus und Bahn helfen mir dabei, ist ja klar. Sydney hat eine Bevölkerung von fünf Millionen, da sollte so ein ÖPNV schon etwas können.
Ich habe genau Null australische Dollar in der Tasche, laufe aber trotzdem direkt zur U-Bahn-Station, halte mein Handy ans Lesegerät, die Tore des kleines Gates vor mir flappen auseinander und ich gehe zu meinem Gleis. Die Bahn fährt mich in die City und dort checke ich beim Aussteigen mit dem Handy wieder aus. Fertig! Kein Tarifdschungel. Keine langen, verzweifelten Gesichter am Fahrkartenautomaten.
Frage: Warum kann es etwas, das so einfach ist, nicht auch in Deutschland geben? Warum?! Warum ist das nicht möglich? Verstößt das gegen die irgendwelche Grundrechte? Laufen die Leasing-Verträge mit der Automaten-Maffia aus Jens Spahns Wahlkreis unbefristet? Gibt es noch eine verbindliche Münzpflicht aus dem 9. Jahrhundert, für deren Abschaffung eine Zweidrittelmehrheit im Bundesrat benötigt würde und die FDP stellt sich quer (Spaß!)? Es darf doch gerne jede:r zu Hause das Sparschwein weiterhin mit Münzen vollstopfen, ich mische mich da nicht ein. Aber darf der Rest von uns einfach mal weitermachen? Hallo, Deutschland, aufwachen! Mal das verlötete Faxgerät im Hirn abklemmen und von anderen Ländern lernen!
Es kann ja sein, dass es nicht nötig ist, in Deutschland Elektroautos herzustellen (darauf können sich Konservative und Automobilindustsrie ja meinetwegen einigen. Liebe Grüße von Nokia!). Aber können wir in anderen Bereichen nicht einfach mal genau so klug oder weit sein wie andere? In Neuseeland, in Hongkong und in anderen EU-Länder funktioniert das doch auch.
Und ich höre die „Ja, Abers“ von konservativen Bedenkenträger:innen, die die Vergangenheit verteidigen, als gäbe es kein Morgen. Wir haben ein Recht auf lange Gesichter und Momente des unkontrollierten Fluchens vor Fahrkartenautomaten. Das ist unser Kulturgut. Außerdem können wir dort Leute von auswärts belehren. Herrlich!
Ich fordere eine Entsorgungspflicht für gestrige Politiker:innen! Schmeißt sie in ein schönes, wohltemperiertes Abklingbecken und lasst uns mal die Zukunft annehmen. Die ist nämlich 1. gar nicht so schlimm und 2. in anderen Ländern längst Gegenwart!
Ich könnte mich ja noch weiter aufregen. Aber da kommt gerade mein nächster ÖPNV: eine Fähre, die mich für 1A$ (0,6€) zum Circular Quay bringt, also genau ins Herz von Sydney. Nice!








Scheißhaus mit Aussicht
Scheißhaus mit Aussicht
Schon seit Jahren hängt bei mir zu Hause auf der Toilette der Kalender „die schönsten Pinkelpausen Norwegens“ von meiner Schwester – zu Recht. Denn er hängt dort nicht nur sehr passend, sondern ist zudem künstlerisch sehr schön (Symbolbilder unten!).
Bei meiner Reise durch Neuseeland und bei meinen zahlreichen Wanderungen ist mir aufgefallen, dass das DOC (Departement of Conservation) sehr darauf bedacht ist, dass der Tourismus möglichst naturschonend abläuft. Und deshalb gibt es quasi überall öffentliche Toiletten, das bedeutet auch an fast allen Parkplätzen, an denen Wanderwege beginnen, aber auch auf den Wanderwegen selbst, zum Teil im Gebirge, zum Teil mit geiler Aussicht.
Und so entstand die Fotosammlung „Scheißhaus mit Aussicht!“ Schauen wir mal, ob es für einen gleichnamigen Kalender für 2027 reicht. Bestellungen werden jederzeit angenommen. Weihnachten ist ja auch nicht mehr weit und wie beruhigend ist es denn, wenn man schon jetzt einen Haken bei „Geschwister-Geschenk“ setzen kann. Danach schaut man viel befreiter ins Restjahr!


Hier eine Auswahl oder: So könnte Euer Kalender 2027 aussehen „Scheißhaus mit Aussicht – die Neuseeland-Edition“










Reisen ohne Netz und GoogleMaps
Wir werden nach einer knapp dreistündigen Autofahrt von Ohakune mit unseren Kanus am Whanganui River abgesetzt. Unser Guide hat ein Satellitentelefon, ansonsten heißt es: kein Netz für die nächsten drei Tage. Auch mal schön. Denn, wenn’s sein muss, geht’s erstaunlich gut. Aber freiwilliger Entzug…? Fast noch eindrucksvoller zeigt unsere Abgeschiedenheit dieser Fakt: Wir sind auf 90 km auf dem Whanganui nicht unter einer einzigen Brücke durchgepaddelt! Links und rechts ist einfach Null Zivilisation, nur Natur!
Wäre ich bescheuert, würde ich von drei Tagen „digital detoxing“ sprechen und voller Stolz einen Blog drüber schreiben. Aber es ist in der Tat schon krass, wie sich der immense Medienkonsum (meiner!) „normalisiert“ hat. Dabei haben wir (meine Altersklasse/ mein Baujahr (selbstironisches Zwinkersmiley)) es ja noch ganz anders gelernt. Aber auch mein „Normal“ hat sich voll verschoben und ich meine das gar nicht moralisierend. Ich fand die drei Tage gut und mir hat nichts gefehlt außer das Ergebnis vom VfB. Aber für solche Notfälle haben wir ja das Satellitentelefon – Spaß!
Wie sehr ich abhängig bin, erlebe ich am Tag meiner Weiterfahrt. Wegen starker Niederschläge sind einige Straßen, so auch die Hauptstraße, die ich eigentlich nehmen wollte, gesperrt. Der Chef des Kanuverleihs empfiehlt mir eine Ausweichroute, die mir dann auch GoogleMaps anzeigt. Natürlich habe ich keine analoge Straßenkarte. Hallo! Ich habe ja GoogleMaps! Auf halber Strecke möchte mich Google nach links leiten. Aber dort blockiert ein Auto mit Blaulicht die Spur und erklärt mir, dass Google hier einen falschen Weg vorschlägt. Die Leute haben Blaulicht und reflektierende Warnwesten. Ich glaube ihnen. Die Frau sagt, es könnten noch „some branches“ auf der Straße liegen.
GoogleMaps berechnet eine neue Route und ich folge dem blauen Pfeil (määähh!). Was mich beunruhigt, die ganze Fahrt schon, wenn die Hauptstrecke gesperrt ist, warum bin ich ganz alleine auf der Umleitung? Müssten hier nicht Hunderte, zig oder zumindest ein anderes Auto unterwegs sein…? Nach zwei Kilometern liegt der erste Baum (!) auf der Straße (ahhh, branches!) und immer wieder auch Steine und Geröll. Ich fahre die kurvige Straße sehr vorsichtig weiter und komme an eine Kreuzung, die Google gar nicht kennt, zumindest nicht die Abzweigung nach links. Ich wundere mich kurz und folge dem blauen Pfeil nach rechts – für einen Kilometer. Die asphaltierte Straße hört auf, rechts liegt ein einzelnes, matschiges Gehöft und geradeaus führt eine schmale Gravelpiste weiter. Ich halte. Überlege. Fluche. Beides hilft wenig. Neben mir hält ein Auto mit einer desorientierten, chinesischen Familie. Offensichtlich haben wir das gleiche Problem: GoogleMaps!
Ich erinnere mich an mein Wundern. Wenn Google an der Kreuzung die Straße nicht kannte, dann konnte es mir ja auch nicht den Weg anzeigen. Was bleibt mir übrig? Ich fahre zurück zur Kreuzung und folge der Straße, während Google sucht und sucht und der blaue Pfeil durchs Nichts fährt. Irgendwie beunruhigend, obwohl die Straße frisch asphaltiert ist und durchaus seriös wirkt. Und nach wie vor bin ich der einzige auf der Straße. Eine nervöse Viertelstunde später finde ich mich auf der gesperrten Hauptstraße wieder. Die Richtung stimmt, noch immer Null Verkehr. Eine weitere Viertelstunde danach kommen mir erste Autos entgegen und GoogleMaps zeigt mir seinen blauen Pfeil. Der Sympathikus beruhigt sich, die Normalität ist wieder zurück. Ach, es ist doch entspannend, ein Schaf zu sein und einfach dem blauen Pfeil (ins Licht) zu folgen.



