Schlittenfahren verbieten – oder: Wie die Alten schützen?

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Schlittenfahren verbieten – oder: Wie die Alten schützen?

Bin ich ein Corona-Leugner? Nein! – Ein Corona-Verharmloser? Nein! – Glaube ich, dass die Maßnahmen der Bundesregierung in der aktuellen Lage alternativlos sind? Nein! – Glaube ich Leuten, die ihre Sätze mit „Fakt ist jedenfalls…“ beginnen? Nein! – So viel einmal vorweg, bevor es los geht!

Fakt ist jedenfalls, unsere Debattenkultur ist durch (oder mit) Corona beschädigt! Differenzierungen sind zwar noch möglich – aber nur noch in Schwarz und Weiß!

Wer sich heute hinstellt und die Alternativlosigkeit unserer Corona-Politik in Frage stellt oder gar anzweifelt, gehört schon zur dunklen Seite, ist einer von denen… (bitte nach Belieben ankreuzen: Bösen, Leugner, Zweiflern, Verschwörungstheoretikern…)

Dabei würde ich immer umgekehrt sagen: Leute, die Alternativlosigkeiten nicht in Frage stellen, sind häufig fehlgeleitet und zwar von denen, die gebetsmühlenartig diese Alternativlosigkeiten verbreiten. Meiner Ansicht nach, fehlt ein offenerer Diskurs über Alternativen zu den Corona-Maßnahmen.

Denn, wenn es das oberste Ziel der Maßnahmen ist, besonders die vulnerablen Personen in unserer Gesellschaft zu schützen (und ich halte das für ein ausgezeichnetes Ziel!), dann müssen wir doch ehrlich feststellen, dass uns das eher so mittel gelingt! (In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „der Freitag“ werden dazu ein paar interessante Fragen und Zahlen bewegt.)

So sind und bleiben Alten- und Pflegeheime mit Abstand die größten Infektionsherde! Jede*r dritte Corona-Tote in Deutschland lebte dort und hat sich vermutlich genau dort infiziert!

In meinen Augen scheint es nicht viel zu bringen, Kindern das Schlittenfahren zu verbieten, wenn man gleichzeitig nicht die Hygienekonzepte in Pflege- und Altenheime konsequent umsetzen kann. Und ja, ich weiß, da sind wir in der Diskussion wieder beim Pflegenotstand und in zum Teil hoffnungslos unterbesetzten und überlasteten Alten- und Pflegeheimen (schon ganz ohne Corona wohlgemerkt).

Natürlich kann man die Schule schließen und die Leute von ffp2-Masken in der Öffentlichkeit überzeugen, bitte. Aber bekommt endlich den Hygienenotstand in den Alten- und Pflegeheimen in den Griff. In Tübingen soll das ja einigermaßen klappen! Bräuchte man halt klare Konzepte, Personal und das nötige Geld dafür.

Ach, ich vergaß, und die Einsicht und den Willen der Politik natürlich!

Obwohl man auch zu Recht sagen könnte: Rodeln hat noch keine Pandemie gestoppt!

CDU-Parteitag oder Frühmerz im Januar?

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CDU-Parteitag oder Frühmerz im Januar?

…allerdings ohne die leckere Garnierung!

Am 15./16. Januar ist CDU-Parteitag! Und was fühlt Ihr so…? Vorfreude, Angst, Gleichgültigkeit, Bierdurst, Erregung, Mord-, Selbstmord- oder spontane Impflust oder einfach Bock auf Fleischwurst…?

Ich hab ja tatsächlich Angst – und zwar nicht so eine unterschwellige, latente Angst, sondern eine ganz konkrete und begründete Angst. Ich hab nämlich Angst, dass einer von den drei Kandidaten tatsächlich zum CDU-Vorsitzenden gewählt wird. Andererseits, Norbert Röttgen ist natürlich viel zu niedlich, um Angst vor ihm zu haben. Wiederum andererseits, Niedlichkeit sollte ja nun wirklich kein wesentliches Kriterium in der Politik sein. Röttgens eigentliche Stärke ist, dass er einfach weder Merz noch Laschet ist. Immerhin ein Argument mehr als bei seinen anderen beiden Konkurrenten. Eine Stärke, die Röttgen im Übrigen mit 82 Millionen Deutschen teilt. (An dieser Stelle möchte ich auf ein tolles Lied von Jan Böhmermann über Röttgen verweisen.)

Was ich ja interessant finde: Die drei derzeit beliebtesten Unions-Politiker stehen übrigens nicht zur Wahl. Okay, Merkel will nicht, Söder darf nicht und Spahn, puh, will oder darf nicht. Noch bemerkenswerter finde ich allerdings die Aussage einer Spiegel-Umfrage vom Dezember 2020, die die Präferenzen möglicher Unions-Kanzlerkandidaten nach Parteizugehörigkeit der Befragten ermittelt. Hier steht Söder als Möglichkeit mit auf dem Zettel und bei den meisten Befragten auch deutlich an erster Stelle, bei den Unionsanhängern (!) sogar mit 61% der Stimmen, gegenüber 18% für Merz! Es gibt überhaupt nur zwei Parteien, bei denen das anders ist! Bei diesen beiden Parteien liegt Friedrich Merz vorne. Na…? Richtig, bei der FDP und der AfD. Muss man nicht erklären oder…?

Was passiert also, wenn die Delegierten für Merz votieren? Sie bestimmen einen Politiker zum CDU-Vorsitzenden und damit natürlich auch zum Kanzlerkandidaten (denn niemand kann ernsthaft davon ausgehen, dass Merz zugunsten von Söder aufs Kanzleramt verzichten könnte), der lediglich von FDP- und AfD-Anhängern gewünscht wird und nicht mal von mal von der eigenen Partei!

Das wäre ja tatsächlich mal etwas ganz Neues! Ist es das, was Merz meint, wenn er von der Erneuerung der CDU spricht…?

Mähr zu Merz

und Mimi-Merz

Mit 248 km/h durch Deutschland

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Mit 248 km/h durch Deutschland – Viel Spaß mit…

In welchen Sätzen kann man das Wort „eigentlich“ besonders sinnvoll verwenden? Da hat jede*r sicher eigene Erfahrungen. Mir gefällt ja: „Eigentlich fahre ich gerne Bahn!“ Diesen Satz kann man für den Einzelfall aber auch generell verwenden. Denn irgendwas passiert bei jeder Fahrt. Und trotzdem sitze ich gerne bei 248km/h im ICE und lasse mich in den Norden fahren und überraschen, was wohl heute noch passiert. Bin schon ein bisschen neugierig…

Bei der Bahn ist das Surfen im ICE übrigens kostenlos. Ne klar, das zahlt dann die Bahn für mich oder was? Einfach so…? Netter Zug von denen! (Hehe! Wegen Zug und DB) Frage: Kann ich mir das Geld, falls ich nicht surfen will, von der Bahn auch auszahlen lassen…?

Inzwischen kann man bei der Deutschen Bahn ja auch selbst einchecken, was praktisch ist, weil man dann seine Ruhe hat. Putzig finde ich allerdings, was man erfährt, wenn man in der DB-APP die Informationen zu diesem Service liest. Da erfahre ich, dass man „kostenfrei einchecken“ kann, und denke gleich: Toll, ein extra Service, für den ich nicht extra zahlen muss! Hammer!

Lustiges Selbstverständnis, dass es als Service der Bahn durchgeht, wenn ich mich selbst kontrolliere und mein Ticket entwerte und den Job der Schaffner*innen übernehme und langfristig vielleicht sogar ganz wegnehme. Andererseits, vielleicht finden die dann einen erfüllenderen Job, als sich ihr Berufsleben lang von unzufriedenen Bahnkund*innen anschnauzen zu lassen. Könnten mir dankbar sein. Klingt für mich so ein bisschen nach dem Service von Starbucks, bei dem man sich selbst seine Getränke abholen und an den Platz bringen darf. Auch ein geiler Service – von mir! Bin ich nach dieser Logik ein Selbstdienstleister und sogar steuerpflichtig? Nein, weil ich ja bei Starbucks arbeite. Wir müssen in Deutschland keine Steuern zahlen. Und das Trinkgeld, das ich mir selber gebe, darf ich ebenfalls unversteuert behalten. Das klärt im Übrigen §19 des Einkommenssteuergesetz, falls mal jemand fragt…!

So, jetzt lass ich mich von der Bahn sanft in den Schlaf ruckeln und wünsch Euch allen Frohe Weihnachten!

Stuttgart hat mehr verdient

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Stuttgart hat mehr verdient

Manchmal muss man gar nicht so viel sagen.

Nachdem ich mich gerade noch über die Stuttgarter Zeitung wegen ihrer Berichterstattung über die Stuttgarter OB-Wahl aufgeregt habe, überrascht mich die Zeitung mit plötzlicher Klarheit. Sie bildet den neuen Oberbürgermeister groß auf der ersten Seite ab und titelt ganz in meinem Sinn: „Stuttgart hat mehr verdient!“ Bravo, Stuttgarter Zeitung! Auf den Punkt gebracht!

Nicht dass sich der Backnanger einbildet, er wäre willkommen in Stuttgart. Wurde ohnehin nur von der ungebildeten Landbevölkerung in den umliegenden Hügeln um Stuttgart herum gewählt, in der Kernstadt hat er ja gar keine Mehrheit…

Mehr zur OB-Wahl

Der Junge hat das… verkackt!

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Der Junge hat das… verkackt!

Aus dem vollmundigen Wahlslogan von Marian Schreier „Der Junge kann das.“ ist die bittere Wahrheit geworden „Der Junge hat das…!“ Ja, er hat das – und zwar: verkackt!

Wahl verloren…? Macht ja nichts, war ja nur Stuttgart!
Vielen Dank an den Teenie aus Tengen! Achtungserfolg? Falsch: Verachtungserfolg!

Wie hätte man im Vorfeld der OB-Wahl in Stuttgart die Siegeschancen vom CDU-Mann Nopper eingeschätzt? Naja, so mittel wahrscheinlich! Zurecht! Denn Stuttgart ist, nach wie vor, eine grüne Hochburg, in der es einfach keine Mehrheit für einen CDU-Kandidaten gibt. Da helfen auch die 31 Prozent im ersten Wahlgang und der scheinbar deutliche Vorsprung vor der Konkurrenz nichts. Da hilft nur eine verstrittene, egozentrierte grün-linke Mehrheit, die nicht bereit war, sich auf eine*n einzelne*n Nopperstopper zu einigen.

Im zweiten Wahlgang teilte sich die grün-linke Mehrheit also artig auf zwei Kandidaten auf und so wurde stattdessen Nopper zum neuen OB gewählt (very Kurzfassung!).

Vielen Dank, Marian Schreier!

Und statt sich danach vor die Presse zu stellen und zu sagen: „Sorry, Stuttgart für acht Jahre Nopper“, hat Marian Schreier Folgendes gesagt: „Ich freue mich über das Ergebnis

Und auch die Stuttgarter Zeitung meinte „Der 30-Jährige [Marian Schreier] darf sich trotzdem als ein Gewinner fühlen“ und titelte: „‘Der Junge‘ kann zufrieden sein!“

Soviel zum Politikverständnis der Stuttgarter Zeitung. Denn die Frage ist ja tatsächlich: Darf er das? Darf er sich zufrieden fühlen? – Das darf er doch nur dann, wenn es für ihn kein Ziel gewesen ist, einen CDU-Oberbürgermeister Nopper zu verhindern. Womit wir wieder zwingend beim Vorwurf der Selbstprofilierung landen. Und das scheint ja gelungen zu sein. Seiner zukünftigen Politikkarriere (ob nun mit, trotz oder gegen SPD; wer weiß schon, wie lange es diese Partei noch gibt…) mag diese Wahl geholfen haben, aber Stuttgart mit Sicherheit nicht. Und worum ging es noch mal bei dieser zukunftsweisenden Wahl…? Darum, die politische Karriere eines 30jährigen anzuschieben oder Stuttgart eine progressive Führung zu verpassen? Vielen Dank dafür!

Aber kein Shitstorm, sondern kollektives Schulterklopfen! Gar nicht so schlecht für einen aus der SPD…

Aber wie wenig ernst kann man eine OB-Wahl nehmen? Stuttgart ist also ein Experimentfeld für höhere Aufgaben (eines Teenies aus Tengen)? Um sich auszuprobieren? Versuch macht klug oder was? Ist ja nicht so schlimm! Ist ja nur Stuttgart! Ist ja nur für acht Jahre! Ja, sind wir denn hier auf dem Spielplatz?!

Und wenn ich schon höre: „Respektables Ergebnis…“ – Respekt hätte er sich ganz einfach verdienen können, indem er nicht zum zweiten Wahlgang angetreten wäre. So! Denn die 37%, die er im zweiten Wahlgang bekommen hat, zeigen mitnichten die Stärke des Kandidaten, sondern das Potenzial eines links-grünen Bündnisses in Stuttgart. Sogar ich habe den Jungen gewählt – einzig um acht Jahre Nopper zu verhindern (#nopperstopper).

Respekt…? Am Arsch, Junge! Ein Achtungserfolg…? Falsch: ein Verachtungserfolg!