Der Kindergeburtstagsmediator

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Der Kindergeburtstagsmediator

Ich hab ja keine Ahnung. Oder um es zu präzisieren: Ich habe ja so dermaßen keine Ahnung! – Aber ich bin auch ein bisschen froh drum.

P., die Tochter meines Freundes D., hatte in diesem Sommer ihren fünften Geburtstag, nur drei Tage vor/nach ihrer besten Freundin. Und nach überstandenen Sommerferien sollte der Geburtstag von P. nun amtlich nachgefeiert werden – allerdings auch der ihrer besten Freundin. Ich ahnte noch nichts Böses, als mir D. diese Geschichte erzählte. Im Gegenteil. Mein Gehirn wurde kaum mit Sauerstoff versorgt – ein deutliches Zeichen für einsetzende Langeweile, wie auch ein nicht böse gemeintes, aber ehrliches Gähnen verriet. Aber, wie gesagt, ich habe ja keine Ahnung!

Denn in den Kriegen der Neuzeit geht in nicht mehr um Religionen, Grenzstreitigkeiten, Wasser, Bodenschätze oder Vergeltung, sondern um Termine für Kindergeburtstage!

Denn nachdem ein geeigneter Termin für P.s Feier gefunden war, stellte sich heraus, dass natürlich an ebendiesem Tag auch die Feier der Freundin stattfinden sollte, obwohl das befreundete Elternpaar zugesagt hatte, eine Woche vorher feiern zu wollen. „Ah! Zuviel Details!“ schrie es in mir!

Jedenfalls kümmerte sich S., P.s Mutter, um einen neuen Termin, an dem natürlich auch wieder alle wichtigen und besten Freundinnen und deren Eltern (Tanten, Großeltern und der zaubernde Clown natürlich) Zeit haben mussten. Ich bekam langsam eine Vorahnung. Das Organisieren eines Kindergeburtstages war offensichtlich kein Kindergeburtstag!

Hier bedurfte es viel Geduld, Fingerspitzengefühl, Diplomatie und einen Bachelor in Kulturwissenschaften oder in europäischer Ethnologie, um Blutvergießen zu vermeiden. Gab es für solche Situationen nicht professionelle Hilfe, eine schnelle Eingreiftruppe, Blauhelme? Oder gab es schon längst geschulte Kindergeburtsmediator:innen, die sich um den BFF-Beef kümmern würden?

Nachdem sich S. in endlosen Telefonschleifen mit anderen Eltern auf der Suche nach einem geeigneten Termin verheddert hatte, beschwerten sich nun auch noch die Eltern von P.s Freundin, wann denn nun endlich P.s Geburtstagsfeier stattfinden sollte… Ausgerechnet die…!! Na, danke! Auch die Geduld von S. hatte ihre Grenzen! – Hmmm, das Betätigungsfeld von Kindergeburtsmediator:innen scheint groß zu sein.

Über den Ausgang der Planung habe ich leider keine Informationen. Eine Einladung zur Geburtstagsfeier habe ich auch nicht bekommen, obwohl ich mir schon ein schönes Clownskostüm ausgeliehen und ein paar großartige Zaubertricks einstudiert hatte. Menno!

weitere Kindergartengeschichten:

https://tommiboe.com/tag/sandkastendemenz/

Philosophisches über Vorfreude – oder: „The Circle Of Joy!“

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Philosophisches über Vorfreude – oder: „The Circle Of Joy!“


„Vorfreude ist die schönste Freude!“
Wie wahr! Endlich mal ein deutsches Sprichwort, dem ich uneingeschränkt zustimmen möchte. Ich durfte gerade erst Zeuge davon werden. Nach sehr langer Abstinenz war ich endlich wieder mal auf einem Beach Ultimate Turnier. Und die Vorfreude war riesengroß!
Aber – Moment mal – ist das nicht eigentlich eine sehr traurige Aussage? Denn wenn Vorfreude tatsächlich die schönste aller Freuden ist, heißt das nicht automatisch, dass wir uns ständig etwas vormachen, dass unsere Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchte niemals erfüllt werden können, da ja die Freude selbst niemals an die Vorfreude heranreichen kann? Hmmm…?! Ein Leben durch die rosarote Brille, das die Ereignisse in der Zukunft größer, toller und rosaroter erscheinen lässt, als es das wahre Leben jemals einlösen kann…?
Nach einem großartigen Wochenende mit noch immer Sand in den Ohren und zwischen den Zehen muss ich mich hinterfragen. Ist die Vorfreude tatsächlich die schönste Freude oder war die Freude selbst, das aktive Wegfeiern des Augenblicks, nicht doch viel größer…? Ist die Freude nicht gar das eigentliche Substrat, aus dem die Vorfreude wachsen kann? Was war zuerst: Die Henne oder das Ei – oder beides…? Und wenn ich mein aktuelles Grinsen richtig interpretiere, dann empfinde ich sogar eine amtliche Nachfreude, aus der dann so etwas wie eine vage, unspezifische Vorvorfreude sprießt, die wiederum noch nicht so konkret ist wie die eigentliche Vorfreude, die sich ja häufig an einem bestimmten Ereignis orientiert.
Und damit schließt sich der „Circle of Joy!“
In Vorvorfreude auf ein baldiges Strandturnier und Danke für ein großes Wochenende, Quattro Stazioni!

Bär, Bock oder falscher Hund?

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Bär, Bock oder (doch ein) falscher Hund?

Kurz nachdem der große Weltklimarettungsplan der GroKo von Karlsruhe kassiert worden ist und die Regierung eilig nachsteuern musste, mit wiederum großen Worten versteht sich, demaskieren sich die beteiligten Parteien schon wenig später selber.

Denn Welt retten, schön und gut, aber für Taten oder Maßnahmen ist gerade wirklich keine Zeit. Denn jetzt ist erst mal Wahlkampf! Und das bedeutet: Keine Benzinpreiserhöhung! Niemals! Sogar die Union findet ihre soziale Ader. CSU-Verkehrsoberdödel Scheuer findet nämlich ein höherer CO2-Preis sorge „nicht für mehr Klimaschutz, sondern nur für mehr Frust“. Und mit Frust kennt der sich aus! Denn Frust ist zwar nicht klimawirksam, dafür aber umso wählerwirksamer!

Zudem geben die Bürger:innen wahrscheinlich lieber ihr Steuergeld für Scheuers Mautdesaster aus, was die Steuerzahler:innen geschätzte 770 Millionen Euro kostet, ohne dass dem Klima damit auch nur ein Kuhrülpser erspart bleibt. Zudem kostet die Aufklärung der erbärmlichen Ausländermaut weiterhin Geld. Für die Beantwortung von sieben (7!) unbequemen Fragen, die Scheuer im Zusammenhang mit dem Informationsfreiheitsgesetz zur Autobahnmaut gestellt wurden, kaufte sich Scheuer private Beratungsleistungen ein, die wiederum 175000 € kosteten. Peanuts! Aber wenigstens nicht für die spaßfreie, frustrierende Klimarettung verprasst…!

Pkw-Maut: Wie Andreas Scheuer die Aufklärung der Maut-Affäre behinderte – FOCUS Online

Bericht: Scheuers Maut-Versagen kostet über 770 Millionen Euro – Business Insider

Egal, möchte man denken, was erwartet man schon von CDU/CSU… So gesehen können mich die Unionsparteien überhaupt nicht mehr enttäuschen. Denn ich erwarte ja nichts von ihnen!

Aber schön, dass auch die SPD inzwischen so verzweifelt ist und sich derart unwählbar macht, dass ich eigentlich kotzen möchte. Vielen Dank für diese Klarstellung, Olaf Scholz. Der Olaf hat nämlich der BILD verraten, dass er auch dagegen sei, immer weiter an der „Spritschraube“ zu drehen, weil Mobilität ja auch ein „sozialer Aspekt“ sei. Ah, verstehe: sozial und SPD. Lustig! Wo kommt das denn plötzlich her?

Benzin und Tanken: Zieht Vize-Kanzler Scholz die Spritpreis-Bremse? – Wirtschaft – Bild.de

„Populistische Benzinwutkampagne“ – Hofreiter kritisiert SPD und Union (msn.com)

Aber noch mal einen Schritt zurück: Wer hat den CO2-Preis gerade beschlossen? Und wer hat das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet? Wurscht! Wahlkampf! BILD! Benzinwutkampagne!

Lange waren sich die GroKo-Parteien nicht mehr so einig wie jetzt, da sie einen gemeinsamen Feind gefunden haben: die Drecks-Grünen, die einfach das Pariser Klimaabkommen umsetzen wollen – auch noch mit Taten! – und das, obwohl sie gar nicht in der Regierung sind. Frechheit! Dass die sich nicht schämen!

Erdbeer-Tourette

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Erdbeer-Tourette – oder: Herrn Boes kleine Erdbeerphilosophie

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da schmeckten Erdbeeren… äh, da schmeckten Erdbeeren nach… äh, ich weiß gar nicht, wie ich es erklären soll…? Sie schmeckten nach Erdbeere! Mit einer Basisnote von Sommer und einer Kopfnote von geil! Sie schrien danach, direkt vom Strauch in den Mund zu gelangen, ohne Umwege, ohne Zwischenhandel, Schönheitswettbewerb, Abspülen und ganz ohne Sahne. Dabei mussten sie gar nicht schreien. Denn wir wussten damals ja, was Sache war!

Früher war nicht alles besser (der Granatsplitter aus dem zweiten Weltkrieg erinnert mich noch immer daran bei Wetterwechseln und besonders vor Wahlen in Ostdeutschland), aber die Erdbeeren waren es!

Wer hat eigentlich entschieden, dass ab sofort alle Erdbeeren nur noch richtig gut aussehen müssen, dafür aber der Geschmack egal ist? Gibt’s da so einen historischen Moment, den ich verpasst habe…?

Als wäre es das Schlimmste im Leben einer Erdbeere, wenn sie eine kleine matschige Stelle hätte. Ab wann wurde sie von den anderen Erdbeeren auf dem Schulhof gehänselt: Du matschige Sau! Ihh, Du bist voll eklig! – Zuerst sprang ihr noch die aufsichtführende Lehrbeere zur Seite und versuchte, auf die inneren Werte und tiefgründigen Aromen der gedissten Erdbeere hinzuweisen. Aber diese Einwände wurden mehr und mehr niedergebrüllt: Aber die hat voll die ekligen Stellen da! – Das ist sowas von letztes Jahrhundert! – – Die fängt bestimmt gleich an zu schimmeln!!1!

Tja, so ist die Kommunikation in diesen Zeiten – auch unter Tomaten, äh Erdbeeren. Sorry, ich komme da inzwischen immer durcheinander. Erdbeeren, Tomaten, beide klein, rot und schmecken nach Gurke. Ach, und wie hießen doch gleich diese anderen kleinen roten Dinger, die geil und scharf waren und heute nach nichts mehr schmecken… Ah, richtig: Radieschen! Au Mann! (seufz!)

Vielleicht sollte man Erdbeeren einfach gar nicht mehr essen, sondern nur noch anschauen oder ausstellen, Bilder in der Wohnung aufhängen, als Plastiken mit anderen Früchten in eine Obstschale legen, Schönheitswettbewerbe veranstalten, Wurf- und Flugshows mit ihnen durchführen oder ihnen auf Instagram folgen.

Geht mal an einen Erdbeerstand und fotografiert die Erdbeeren so lange, bis ihr angesprochen werdet. Und dann tut Ihr ganz überrascht: Ach so, essen kann man die auch?! Aber warum schmecken die dann nach nichts…?!

Und wenn Erdbeertörtchen nicht mehr schmecken, dann probiert‘s im Supermarkt mal mit Erdbeer-Tourette und schreit die nichtsnutzen Früchte im Regal an! Macht sie solange fertig, diese geschmacksneutralen Hochstapler-Wixer, bis Euch die REWE-Security aus dem Laden begleitet! Oder referiert fremden Leuten am Obststand über das ESL-Prinzip. Das steht für „Extended Shelf Life“ und zielt auf die Langlebigkeit von Produkten, damit sie möglichst lange im Regal überleben und rundet den Vortrag mit der philosophischen Fragestellung ab, worin denn der Sinn liegt, dass ein Produkt, das niemals gut war, nicht schlecht werden darf…

Puh!

Ich bin auch nur ein Getriebener und manchmal kann ich mir nicht helfen. Dann muss das raus! – So! Und jetzt werfe ich ein paar Erdbeeren in hohem Bogen in den Garten und schau verträumt ihrer Flugbahn hinterher!

Mehr zu Erdbeeren: Über das Flugverhalten von Obst und Gemüse « tommiboe

Zu Erdbeertörtchen: Selbst schuld « tommiboe

Best of Gemüse: Über Radieschen und anderes Obst « tommiboe

Über das Flugverhalten von Obst und Gemüse

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Über das Flugverhalten von Obst und Gemüse

Barum, Montag, 24. Mai. Meine Mama bringt mir Erdbeeren vom Obsthof mit. Ende Mai, Erdbeeren, kann man machen. Kann man meinen…

Sie sehen trügerisch nach Erdbeeren aus, wirken fast echt. Ich nehme die dunkelste aus dem Körbchen, schließe die Augen, beiße hinein und: Gurke!!! – Ich öffne enttäuscht die Augen und werfe die verbleibende Hälfte im hohen Bogen in den Garten. Fliegt aber okay! denke ich. Kann doch keine Gurke gewesen sein. Die haben kein gutes Flugverhalten. Die trudeln in der Luft.

Ich habe in den letzten Jahrzehnten dazugelernt. Da Gemüse, Obst und Früchte immer schwerer geschmacklich zu erkennen und zu unterscheiden sind (die Geschmacksrichtung Gurke dominiert, meiner Erfahrung nach!), unterscheide ich sie nach dem Flugverhalten. So kann ich zumindest die Gurke oft direkt ausschließen, da sie eine miserable Aerodynamik hat. Bananaesk könnte man sagen.

Ich werfe eine weitere, etwas größere Gurke, äh, Erdbeere in den Garten. Auch Erdbeeren fliegen etwas unrund, aber die Genauigkeit der Flugbahn ist durchaus zufriedenstellend. Die Amsel hüpft auf und flattert empört davon. Selbst die Amsel verschmäht die Erdbeere.

Meine Mama schaut mich streng an, nimmt mir das Körbchen weg und schüttelt den Kopf: „Die haben vier Euro gekostet!“

Montagabend. Die Erdbeeren wurden zur Strafe gezuckert und bis zur Unkenntlichkeit mit Vanillesauce übergossen. Und was soll ich sagen: „Lecker!! Hmmm… echt lecker, die Vanillesauce!“

Dienstag. Ich schlendere durch den elterlichen Garten und erkenne, dass die Natur wohl noch nicht so weit ist. „Unsere“ Erdbeeren brauchen noch ein bisschen, also, ein ganz gutes bisschen noch und sie konfrontieren mich mal wieder mit einer meiner Schwächen: Geduld. Verdammt!! – Los Sommer, komm in die Puschen!

Wie habe ich schon von meiner Oma gelernt: „Don’t do Erdbeertörtchen in April!