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Ist das schon Karneval oder noch Politik?

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Ist das schon Karneval oder noch Politik?

Manchmal kommen Dinge zusammen, da denkt man: „Bohr, neh, du, ehrlich! Voll übertrieben!“

Ich hatte einen solchen Moment, als ich, während der aktuellen Debatte um „Karneval unter Coronabedingungen“ (kreuze an: a: Ja; b: Nein; c: Vielleicht; d: welches Corona denn, Lügenpresse?!!1!!), erfuhr, dass es einen neuen Vorschlag im Rennen um den CDU-Vorsitz gäbe. So brachte die aktuelle Partei-Chefin AKK eine Frau ins Gespräch, um das rein männliche Bewerberfeld zu bereichern. Legitimer Gedanke natürlich erst einmal.

Aber es geht dabei um (Trommelwirbel) – na gut, bei dieser Einleitung mit einem Schlenker zum Karneval muss es sich ja um etwas total Abwegiges, nicht Ernstzunehmendes, ja Albernes handeln. Und in der Tat: Es handelt sich um meine Lieblingsministerin und eine der bestgeschmierten Lobbymarionetten Deutschlands: Julia Klöckner! Tada!

Das Motto der CDU/CSU ist klar: „Inkompetenz braucht kein Geschlecht!“

Daher schlage ich eine Doppelspitze vor, gleichzeitig auch als erstes Kanzlerinnen- und Kanzlerpaar Julia Klöckner und Andi Scheuer (Gänsehaut!) und erneuere gleichzeitig das obige Motto: „Wahre Inkompetenz braucht zwei Geschlechter!“

Die unmittelbare Reaktion von Herrn Boe auf die Nominierung von Klöckner und Scheuer als Kanzlerinnen-Duo!

Allerdings, hat nicht auch die SPD schon eine Doppelspitze? Wie wäre es dann für die Union mit einem karnevalesken Kanzlerinnen-Dreigestirn? Neben Prinz Andi, Bäuerin Julia würde ich gerne in der Rolle der Jungfrau Philip Amthor sehen oder vielleicht doch Peter Altmaier…?

Und wer sagt: Also, ehrlich! Jetzt hör aber mal auf mit den Albernheiten! Dem möchte ich antworten: Ich hab ja gar nicht damit angefangen! Ich denke den Bullshit nur konsequent weiter! Und ich würde dich, liebe Politik, sehr gerne wieder ernst nehmen können!

Dass aus dem Umfeld Klöckners inzwischen eine Absage an etwaige Kanzlerinnenpläne verlautet wurde, mag auf den ersten Blick beruhigen. Der zweite landet dann leider sehr schnell wieder beim übrigen Teilnehmerfeld um den Parteivorsitz.

Mehr und mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich Merkel noch mal sehr vermissen werden. Und das fühlt sich gar nicht gut.

Wer nicht schon längst genug von Julia Klöckner hat, hier einige Anreize dafür!

Philosophisches über Fernsehwerbung und sensible Körperteile

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Philosophisches über Fernsehwerbung und sensible Körperteile

Auch wenn mir einige Bekannte nachsagen mögen, ich sei nicht besonders sensibel, so stimmt das nicht für alle meine Organe. Und nein, das wird das wird kein unanständigen Blog!

Während der ersten Corona-Welle verbrachte ich drei Monate bei meinen Eltern in der Lüneburger Heide und hatte das Vergnügen, gemeinsam mit meinem Vater Fernsehen und Fernsehwerbung zu gucken. So konnte ich ein besonderes Talent meines Vaters, das ich beinahe vergessen hatte, wiederentdecken und bewundern: das Talent, auf die immergleiche Werbung die immergleichen Kommentare zu geben. Wenn der Werbetreibende damit warb, „die meistverkaufte Matratze“ anzubieten, antwortete mein Vater mit Nachdruck: „Aber nicht die beste!“ Damit hat er inhaltlich natürlich Recht. Spannend finde ich eher die Hartnäckigkeit, mit der er jedes Mal aufs Neue diesen immergleichen Kommentar ungefragt und unbeantwortet absondert.

Das non-dialogische Prinzip eines nicht enden wollenden Gesprächs, das zwischen zwei Personen (oder hier: einer Person und einem Fernseher) stattfindet, die gar nicht miteinander kommunizieren. Faszinierend!

Diese Matratzenwerbung ist natürlich nur ein Beispiel von vielen. Leider – oder besser: zu meinem Glück – kann ich mich nicht an alle Kommentare meines Vaters erinnern, da ich nicht sein phänomenales Gedächtnis geerbt habe. Dafür etwas anderes, was mich zu einer anderen Werbung bringt: Kijimea-Reizdarm! Auch diese Werbung wird von meinem Vater natürlich kommentiert und da es sich immer um die gleiche Werbung handelt, können sich auch die Kommentare nicht verändern, was einer gewissen väterlichen Logik entspricht, aber für andere auf Dauer recht ermüdend sein kann…!

Jedenfalls hab ich meinen Reizdarm in gerade Linie von meinem Vater übernommen. Genauer gesagt, haben wir natürlich beide unseren eigenen… Aber diese Spitzfindigkeit macht es nicht besser! Wie auch immer… Mich begleitet mein nervöser Darm schon mein Leben lang. Aber ich käme nie auf die Idee, gegen meine PAD („Performance Anxiety Diarrhoe“) Kijimea einzuwerfen. Was soll das denn bringen? Meine Darmwand ist von 100 Millionen Nervenzellen umhüllt und in Stresssituationen funktioniert der Sympathikus hervorragend. Das geht dann alles ruckizucki oder auch flitzikacki, wenn man so will! Und in welchem Moment sollte ich jetzt Kijimea einwerfen? Und in welche Körperöffnung überhaupt oder in die Darmwand injizieren…? Sorry!

Meiner Ansicht nach ist das Schulklo so etwas wie der Truppenübungsplatz für Reizdarmpatienten. Ich jedenfalls hab damals vor jeder Klausur das Schulklo besucht und in schrecklichem Zustand hinterlassen und möchte beim Facility Management des Lessing-Gymnasiums Uelzen in aller Form für meinen sensiblen Darm um Entschuldigung bitten.

Philosophisches über Aperol Spritz und andere Belanglosigkeiten

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Philosophisches über Aperol Spritz und andere Belanglosigkeiten

Okay, meine Schuld! – Eigentlich könnte der Blog hier schon zu Ende sein…!

Enttäuschungen basieren auf Erwartungen. Daher ist man/frau an vielen Enttäuschungen selbst schuld! So, Ausrufezeichen! Das kann sich jede/r ausschneiden und ins Poesiealbum einheften! So ist es nämlich! Gerne laden wir aber stattdessen die Schuld woanders ab, bei denen, die uns enttäuscht haben, unserer Familie, unseren Freund*innen, den Kolleg*innen, den blöden Nachbar*innen, dem Nationalteam oder gleich der gesamten Gesellschaft. Das Konzept heißt: „Schuld sind die anderen!“ Und das ist oft einfach und erfolgreich. Aber wie so oft sind die einfachen Lösungen nun mal nicht die weisesten.

Auch die heutige Enttäuschung über meinen Aperol Spritz lastet zum Großteil auf meinen Erwartungen und meinen Gewohnheiten. Aperol Spritz ist für mich seit Jahren mit Ostern und Pfingsten verbunden, wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, um viel Zeit miteinander zu verquatschen, ja, mit viel Sekt und Aperol. Dieses Jahr ging es mir wie vielen anderen auch: Ostern und Pfingsten sind ausgefallen! Keine Freunde, keine Gespräche, kein Fjord, kein Spritz!

Inzwischen wird einem „Spritz“ an jeder Straßenecke hintergeworfen, so auch in Venedig, so auch mir! Und so kam ich zu meiner Enttäuschung! Aber: Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht?! Was habe ich eigentlich erwartet…?!!1! (Ja, mit einem Frage-, drei Ausrufezeichen und einer 1)

Au Mann, echt…! „Arbeite mal an deiner Erwartungshaltung!“ möchte ich meinem inneren Team zurufen.

Und dass meine Freunde nicht auf meinen Hilferuf, meinen klagenden Post reagieren…? „Arbeite mal an deinem Freundeskreis!“ Stopp! Oder besser: Werde dir mal klar, dass deine geposteten Belanglosigkeiten vielleicht manchmal witzig, frech, abwegig, originell, unterhaltsam aber oft, vor allem, eines sind: belanglos! Und andere Menschen (selbst deine Freunde) haben ihre eigenen Belanglosigkeiten. Und die reichen ihnen, neben ernsthaften Angelegenheiten, oftmals völlig aus, um nicht noch ständig fremde Belanglosigkeiten bedienen zu müssen.

Also, lösch die Freundesliste bitte nicht! Die kannst du für wesentlichere Momente sicher noch gebrauchen.

Und Dank an meine beste Schwester von allen, die meiner Empörung empfiehlt, sie so zu befriedigen, indem ich „als Entschädigung für schlechten Spritz“ das Glas mitgehen lassen soll. So gehen Frustbewältigung und eine professionelle psychologische Aufarbeitung dieser Ausnahmesituation, bevor sie mir nachhaltig aufs Gemüt schlagen.

Ein wenig alttestamentarisch vielleicht, Schaden mit Schaden zu vergelten. Aber was soll’s! Oder hätte ich ganz neutestamentarisch noch einen zweiten schlechten Spritz trinken sollen…? – Hmmm, jetzt wird’s sogar mir ein bisschen zu philosophisch!

Gut, aber bei aller Liebe zum abweichenden Diskurs: Spritzig dürfte ein Spritz allemal sein!

Fotografierbarkeit: 3/5 Sterne
Faire Chance für das Glas, in Zukunft mal mit einem gescheiten Aperol Spritz befüllt zu werden!

Wandern ist doof, langweilig und stinkt!

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Wandern ist doof, langweilig und stinkt!

Hmm, was antwortet man solchen Leuten…? „Deine Mutter ist doof, langweilig und stinkt richtig!***“ – Auch nicht sehr erwachsen!

Anm.***: “wie ein kasachischer Kameltreiber!“ wäre hier übrigens eine sehr angemessene Konkretisierung. Denn wichtig: Gute Beleidigungen wie auch Kritikpunkte sollten immer möglichst konkret, persönlich und mit liebevollen Details formuliert werden! Das erhöht ihre beleidigende und kritisierende Wirkung ungemein!

„Außerdem tun mir die Füße weh! Und der Hintern auch! Ach, nee, das war ja beim Radeln! Das ist aber auch doof. Und vegane Brotaufstriche sind übrigens auch doof. Alle! Nein, ich habe sie natürlich nicht alle ausprobiert. Ich bin ja nicht bescheuert…!“

Zum Thema Stinken sei hier gerne auf Merinowolle hingewiesen. Nicht ganz billig, aber Gestank ist dann jedenfalls kein Problem mehr, auch nicht bei mehrtägigen Wanderungen, während Funktionswäsche ja schon übelst zu mockern beginnt, wenn jemand in der Nähe auch nur von schwitzen redet…!

Jetzt aber wieder vom Stinken zurück zum Wandern. Wandern ist großartig. Na klar, draußen, Natur, das volle Programm…! Aber es fördert eben auch die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften, wie Häkeln beim Radfahren. Sowohl die rationale linke als auch die emotionale rechte Hälfte werden aktiviert. Dadurch lassen sich Perspektivwechsel vollziehen und Probleme aus anderen Blickrichtungen betrachten. (Ich verweise hier gerne auf den ganz hervorragenden Blog „Geschnurre und Geschnatter – Philosophisches über das Wandern“!)

Man könnte auch sagen: „Beim Wandern begegnen wir dem Anderen in uns selbst!“ Und das sollte jede*r unbedingt tun. Manchmal kann man nämlich dabei etwas von sich lernen. Manche Gehirnhälften erfahren sogar erst durchs Wandern, dass es noch eine andere gibt.

Aber was sagt es aus, wenn viele Menschen das Wandern und damit auch die Beschäftigung mit sich selbst als langweilig empfinden? Heißt das, sie empfinden sich selbst als langweilig und ertragen sich nicht über einen längeren Zeitraum? Suchen sie also die schnelle Ablenkung, um sich nicht intensiv mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen? Gehen wir in einer immer oberflächlicheren Welt auch mit uns selbst am liebsten nur noch oberflächlich um? Hmmm…?!

Ich treffe beim Wandern ja sehr viele Leute in meinem Kopf, mit denen ich dann zum Teil sehr interessante und ausführliche Gespräche führe. Na klar, manchmal sind sie auch weniger interessant, manchmal sogar befremdlich. Aber ich finde, man sollte sich auch dem Fremden in einem Selbst stellen. Ein guter Alltagstest zur Fremdheitsbewältigung ist, bei sich selbst damit anzufangen. Vielleicht wird einem auf diesem Umweg (oder Abkürzung) klar, dass das Fremde zwar anders, aber noch lange nicht böse mitunter sogar sehr interessant ist.

Und wenn ich dann, leise und aus der Ferne, jemanden sagen höre: „Der dämliche Küchenphilosoph von Boe schwärmt ja nur deshalb so vom Wandern, weil er mit seinen kaputten Knien inzwischen nichts anderes mehr hinbekommt, was wirklich Spaß macht“, dann werde ich ganz still und denke mir, dass dieser Kritikpunkt ganz schön konkret, persönlich und detailliert ist…

Mehr Philosophisches zum Wandern:

Link1: Mit Shakira zum Gipfel

Link2: Geschnurre und Geschnatter

Der Blockwart!

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Der Blockwart!

Auf jedem Stellplatz gibt es ihn: den Blockwart, oder auch: den ABV, den Abschnittsbevollmächtigten! Ihr erkennt ihn sofort. Denn er ist keiner von den vielen alten Männer, die hier herumstrolchen und neugierig gucken, als würde das allein schon als Hobby durchgehen. Er macht sich bemerkbar! Und er kommt schon seit Jahren hierher, steht auf dem besten Platz, kennt den Inhaber noch aus dem Vietnamkrieg, kennt alle wesentlichen Kfz-Kennzeichen (und ein paar aus dem Osten) und ist immer maximal 1,70 Meter groß.

Ich bin gerade dabei mich einzurichten, da wittere ich ihn auch schon hinter mir. Sein Blick klopft mein Womo ab. Wo kommen die ganzen Beulen hier, ist der Abstand okay, stimmt der Einparkwinkel, ist die Marquise ordnungsgemäß befestigt, und gegen Starkwindereignisse gesichert, die Winde darf man hier nicht unterschätzen, letztes Jahr erst…, ist das Kabel auch stellplatzkonform oder nicht doch ein bisschen zu humanistisch verlegt. Ich lächele über die Schulter und sage: „Die gerade Linie beleidigt Gott!“ und weiß, dass diesen Satz nicht leider versteht. Das Gesicht des Blockwarts gefriert und der Ton wird etwas rauer und erinnert mich gewissenhaft, den Kabelanschluss unters Womo zu legen wegen Regen und so. Ich sag Jaja und nix weiter, weil ich mir denke, naja, vielleicht meint er es ja nur gut…

Aber nein! Das ist grundlegend falsch. Wo sind die Psycholog*innen, wenn man sie braucht?! Denn solche Typen meinen es niemals gut. Die wollen auch nicht behilflich sein oder einfach nett! Die wollen dir einfach ihr kleinkariertes Ordnungssystem, das schon immer alles so war, wie es ist und das ist auch gut so, wo kämen wir denn hin, wenn hier jeder sein Kabel kreuz und quer (wie die Russen) und die Mülltüte (ich: „Wussten Sie, ‚Mülltütengebühr‘ ist übrigens ein Wort mit drei ‚ü‘“) und die Mülltüten nicht vor der Tür lagern wegen den Viechern (Er macht das extra mit dem Dativ. Ich weiß. Aber ich falle nicht darauf rein. Das würde alles noch schlimmer machen… Ich huste unauffällig in die Ellenbeuge). Und die leeren Bierflaschen vorne beim Kiosk, da kann man auch Brötchen bestellen, bei der Roswitha, aber vor 18 Uhr…

Ich bin erst fünf Minuten hier und will schon wieder weg. – Bleib stark! Ich huste noch mal in die Ellenbeuge, während er mir irgendwas vom Krieg, vom Pferd und von einem Gott (dem richtigen vermutlich) und dessen Welt (der westlichen vermutlich) erzählt. Ich sag nichts und huste einfach noch mal. – Und dann noch mal! Ich weiß, sowas macht man in Corona-Zeiten nicht. Keine Karmapunkte… böser Junge, aber leider geil und effektiv…!

Dann ist das „Gespräch“ plötzlich vorbei. Ich lege mein Kabel in Schlangenlinien aus, trink schnell eine Flasche Bier aus, obwohl ich gar keinen Durst habe, lasse sie vorm Womo ins Gras fallen und rülpse in die Ellenbeuge.

Er so Blockwart; ich so Rebell!