Monat: November 2016

Morgen, Kinder, wird’s nichts mehr geben!

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Morgen, Kinder, wird’s nichts mehr geben!

Die kindliche Vorfreude auf ein Morgen, Kinder, da wird’s was geben, hat unsere Gesellschaft verlassen. Alle bisherigen Nachkriegsgenerationen konnten sich auf ein Morgen freuen, ein besseres, schöneres Morgen voller Aufstiegschancen und Sicherheiten.

Das beste Morgen, das uns von den Regierenden heute versprochen wird, ist ein mühsam verlängertes Heute, bar jeder Vision! Klingt und schmeckt ähnlich attraktiv wie ein lauwarmes Resteessen. Ein schönes, besseres Morgen scheint gerade nicht im Warenkorb der etablierten Parteien verfügbar zu sein. Also heißt es: Weiter so!

Und hier und jetzt in diese ernüchternde Zukunftsleere kommen die Populisten. Denn die haben klare und laute Visionen, die malen ihr Morgen, auch wenn es uns dumpf und grau und erschreckend und unheimlich gestrig erscheint, und schreien es hinaus in eine Welt, in der viele darauf warten, dass es endlich wieder in eine andere Richtung gibt.

Und wir denken: Puh! So ein reaktionäres und gestriges Morgen das kann es doch wohl auch nicht sein! Aber solange wir es nicht schaffen, aus der Mitte der Gesellschaft heraus endlich wieder eine wirkliche Version zu zeichnen, wie unsere Zukunft denn aussehen soll, scheint vielen auch die schlechteste Alternative immer noch die vermeintlich beste Alternative gegen das elende „Weiter so!“ zu sein.

Nur blöd, dass weder Politik noch Medien Ideen für ein solches Morgen haben. Noch schlimmer, dass diejenigen, die Visionen für ein anderes Morgen haben, solange als „Gutmenschen“ diffamiert werden, dass man sich inzwischen fast rechtfertigen muss, wenn man ein bisschen quer denkt und die neoliberale Alternativlosigkeit in Frage stellt. Die Grünen wurden im letzten Wahlkampf für ihren „Veggie-Day“ regelrecht fertig gemacht und zwar nicht von den Populisten sondern von den Etablierten und unserer sogenannten Qualitätspresse!

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wo ist bloß die Zukunft hin…?

Yes, you can – zumindest wenn du willst!

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Yes, you can – zumindest if you want!

Yes you can – zumindest if you want! Und zwar jeder einzelne of you! Und nur mal so zur Klärung: Schuld sind nicht einfach die anderen. Erst mal ist man immer selber schuld. Und danach die anderen vielleicht auch noch!

Was ich sagen will, ich kann mich nicht immer hinter den anderen verstecken. Das ewige Gejammer, ich kann ja doch nichts ändern, es hilft ja doch nichts, ist leider (lieber Adressat) der Anfang des Übels.

Denn, wenn ich mir Mühe gebe, finde ich genügend Bereiche meines täglichen Lebens, in denen ich sehr wohl etwas ändern kann bzw. etwas ändern muss, wenn ich weiterhin rumjammern möchte. Denn das Recht zu meckern, erlangen, meiner Ansicht nach, nur diejenigen, die tatsächlich selbst etwas tun.

Tja, und da haben wir das Problem, nicht wahr?! Denn nun sind wir das Problem bzw. unsere Bequemlichkeit, Trägheit, Faulheit!

Aber dabei ist es gar nicht so schwer. Heute, für den Anfang, schlage ich mal vor, dass wir uns fragen, ob wir unser Geld einer Bank anvertrauen, der wir auch tatsächlich vertrauen können und von der wir sicher sind, dass sie mit unserem Geld nicht die Dinge unterstützt, die wir nicht möchten. Soll meine Bank mit meinem Geld zum Beispiel Rüstungskonzerne unterstützen oder in Spekulation mit Lebensmitteln stecken? Okay, lässt sich erwidern, ich weiß ja gar nicht so genau (und ich möchte es auch gar nicht so genau wissen), was meine Bank mit meinem Geld so alles treibt. Mann! Dann informiere dich darüber! Hängst doch sowieso den ganzen Tag im Internet!

Ich hab mein Geld zur GLS-Bank gebracht, die gerade zum wiederholten Mal den „Fair Finance Guide“-Test gewonnen hat.

Andererseits muss natürlich niemand sein Geld zu einer transparenten, verantwortungsbewussten Bank schaffen. Das darf schön jeder selbst entscheiden. Er sollte dann aber zumindest die Fresse halten und nicht rummeckern, man könne ja eh nichts tun!

Yes, you can! – Zumindest if you want!

fair-finance-guide-deutschland

(Erklärungen und Erhebungsverfahren auf: http://www.fairfinanceguide.de/)

 

 

Revolution – oder doch erst mal weiter so?!

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Revolution – oder doch erst mal weiter so?!

Nach dem großen Demoskopenversagen waren sich plötzlich genau jene Prognoseversager wieder einig, der Brexit sowie die Wahl Trumps seien eine Backpfeife für die etablierten Parteien. Die alternativlose Politik, das ewige „Weiter so“, die zunehmende Entfremdung der Eliten vom Volk. Und Parteiübergreifende Einigkeit herrschte, es dürfe kein „Weiter so!“ mehr geben, man müsse die Unerhörten anhören, die Missverstandenen verstehen und die Abgehängten wieder anhängen. Öffentlich-rechtliche Sendezeiten wurden gefüllt, Talkshows waren mit hochkarätigen Sorgenverstehern und Emotionenexperten bestückt.

Blablabla!!!

Und wie sich alle in ihrer neuen „Wir haben jetzt endlich verstanden“-Rolle gefielen und sich kein bisschen vor ihrem Wendehalssyndrom bei gleichgebliebenem Besserwissermodus ekelten, zeigte mal wieder in aller Deutlichkeit, dass das bloße so Tun und davon Reden, als hätte man verstanden, rein gar nichts ändern wird.

Ohnehin schauen gerade jene Leute, die Ihr angeblich so plötzlich verstanden habt und ab sofort total ernst nehmt, Eure blöden Talkshows gar nicht an. Dafür beleidigt Euer doppelmoraliges Kasperletheater eigentlich nur alle anderen, die Euch die hohlen Phrasen sowieso nicht mehr abkaufen.

Und die Gewissheit bleibt: Nichts wird sich ändern bei den Etablierten. Der Motor des „Weiter so!“ ruckelte zwar ein wenig, aber er wird dann wieder, wie gewohnt, Fahrt aufnehmen. Denn was sollte sich ändern? Plötzlich soziale Gerechtigkeit einführen…? Im Ernst?! Das hieße ja: Vermögen besteuern, Reichtum umverteilen, Armut bekämpfen! Im Ernst…?! In Deutschland…?!

Oder wie sagt Volker Pispers so schön und wahr: „Versuchen Sie mal eine Politik durchzusetzen, die 90% der Bevölkerung zugutekommt. Dafür bekommen Sie in Deutschland keine Mehrheit!“

So sieht’s leider aus. Naja, dann eben doch „Weiter So!“ Und wie passend, dass wir dafür Angela Merkel für noch mal vier Jahr vorgesetzt bekommen. Da wird sich sicher ganz schön was ändern…!

Markus Lanz – der populistische Antipopulist?!

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Markus Lanz – der populistische Antipopulist?!

Muss ich mich jetzt wirklich zu einem Markus Lanz-Bashing herablassen? Muss ich mich jetzt auch noch über so einen Vollpfosten aufregen?! Die Antwort ist einfach: Ja! Das muss sein! Weil dieser Lanz für so viel steht, was in unserer Gesellschaft und Medienlandschaft gerade so schrecklich schiefläuft. Und nur wenige schaffen es derart genial und dämlich, auf Populismus zu schimpfen und gleichzeitig genau diesen zu bedienen. Ist Lanz der populistische Antipopulist, das etablierte Antiestablishment…? Oder einfach nur der Volltrottel unter den Trotteln? – Ich würde sagen: Ja, beides!

Vielleicht ist es auch nur mein Problem, da ich sonst niemals Markus Lanz schaue und es dann, wenn ich es tue, natürlich besonders schmerzt. Aber kann sich Lanz nicht einfach mit Bela B., Marianne Koch und Dagur Sigurdsson unterhalten (meinetwegen auch im Fernsehen, da wäre ich großzügig!) und dafür Politiker einfach von Leuten interviewen lassen, die das können?

Gestern war der Grüne Toni „Du hast die Haare schön“ Hofreiter dran, den man aufgrund von Frisur, Dialekt und Aufregungsgrad nicht mögen muss, aber der wenigstens Inhalte zu präsentieren hat. Und das ist heutzutage doch schon mal etwas!

Und so konfrontiert ihn Markus Lanz damit, dass die Grünen jetzt ja selbst schuld seien, dass sie mit ihrem Ja zur Vermögenssteuer nun endgültig alle Chancen bei Merkel und der Union auf eine zukünftige Regierungsbeteiligung verspielt hätten, und sieht es als seine journalistische Pflicht an, die ewige Mär der Arbeitsplatzgefährdung ins Feld zu führen. Denn dabei handelt es sich ja um einen Gottgegebenen Konsens, dass, wenn man die Reichen und Superreichen an gesellschaftlichen Pflichten beteiligt, diese sofort mit allem, was sie haben, das Land verlassen. Wir wissen zwar sonst wenig über die Welt mit Sicherheit, aber das ist sicher! Wir müssen das Klagelied von der Staatsgefährdenden Vermögens- und natürlich auch Erbschaftssteuern nur oft genug wiederholen und wiederholen und wiederholen! Denn wir wissen ja: Wer sich ständig wiederholt, hat Recht!

Dabei geht es noch nicht mal darum, mehr von den Vermögenden einzufordern, als es in anderen Länder ganz selbstverständlich üblich ist. So liegt Deutschland weit unter dem OECD-Durchschnitt, was Steuern aus Vermögen angeht (siehe Grafik!). Aber von solchen Vergleichen will Lanz gar nichts hören, was auch eine beachtlich postfaktische Einstellung (für einen Öffentlich-Rechtlichen) ist. Im Gegenteil besteht er sogar darauf, dass das Verharren auf Vermögenssteuer „grüner Populismus“ sei. Und spätestens jetzt wird mir wirklich schlecht! Und genau deshalb muss man sich über solche Schlümpfe wie Lanz aufregen. Weil genau die es schaffen, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung der Konsens manifestiert, dass hohe Einkommen und hohe Vermögen nicht (noch) stärker (als ohnehin schon) belastet werden dürften. Und genau diese Ansicht unterstützt doch die Realitätsblinde Politik unserer Eliten, die zu Ungleichheit führen und (Achtung) auch dazu, dass sich die Ungleichheit noch weiterhin verschärfen wird.

Als ginge es darum die armen Reichen zu belasten! Es geht um eine faire Belastung aller Gesellschaftsschichten. Und wenn man nicht mal mehr so grundlegende Prinzipien zu einer solidarischen Gesellschaft äußern kann wie „Wer wenig hat, gibt weniger; wer viel hat, gibt mehr!“, dann wird’s in der Tat eng.

 

Fun fact:

In 2015 konnten Milliardäre ihre Vermögen um 7% vermehren, während der Otto-Normal-Sparer mit ca. 0% (realer Negativzins) dafür gesorgt hat, dass das überhaupt möglich ist.

Seit 2009 haben sich die Milliardärs-Vermögen mehr als verdoppelt. Ist schon klar, dass man diese Vermögen unmöglich belasten kann…!

(vgl.: http://www.finews.ch/themen/high-end/13554-von-krise-keine-spur-die-reichen-werden-mehr-und-reicher)

Die aktuell herrschende Umverteilung hat eine klare Richtung, nämlich von unten nach oben und nicht umgekehrt, wie uns so Vollpfosten wie Lanz weismachen wollen. Und dabei ist mir sogar egal, ob der Trottel das selbst glaubt, weil er es so oft gesagt bekommen und dann selbst wiederholt hat, oder nicht.

 

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(aus: http://steuermythen.at/vermoegenssteuern-bringen-nichts-ein/)

 

Und hier noch ein paar unkommentierte Fakten in Zeiten des Postfaktischen:

2012 trugen Einnahmen aus Kapitaleinkünften rund 16 Prozent zu den gesamten Steuereinnahmen bei. Allerdings kommen die Bezieher von Kapitaleinkünften in Deutschland trotz des Anstiegs noch immer glimpflich davon. EU-weit lagen die Einnahmen aus Kapitalsteuern bei durchschnittlich 20,8 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Während die Steuern auf Arbeit innerhalb der EU im Schnitt nur 51 Prozent des gesamten Steueraufkommens ausmachen, waren es in Deutschland 56,6 Prozent.

(vgl.: https://www.welt.de/wirtschaft/article129134877/Arbeitnehmer-sind-das-Melkvieh-der-Nation.html)

Auch lustig:

http://www.vermoegensteuerjetzt.de/vermoegensuhr/

Was können wir aus der US-Präsidentschaftswahl lernen – oder lieber doch nicht?

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Was können wir aus der US-Präsidentschaftswahl lernen – oder lieber doch nicht?

Das Positive vorweg: Hillary Clinton ist nicht die neue Präsidentin! Blöd nur, dass Trump jetzt Präsident ist!

Eine interessante Frage ist, ob wir überhaupt bereit und willens sind, etwas daraus zu lernen. Denn Politik und Medien haben es sich viel zu bequem gemacht in ihrer Larmoyanz den anderen, denen da unten gegenüber, die sie plötzlich nicht mehr gernhaben und die nicht mehr gewillt sind, ihnen zu folgen in eine ungewisse, unsichere, beängstigende Zukunft. Von Ernstnehmen oder etwas dagegen tun mal ganz zu schweigen.

Spätestens nach dieser Wahl wird es kein „Weiter so!“ mehr geben dürfen. Auch nicht bei uns! Sonst heißt unsere nächste Bundeskanzlerin Frauke Petry. Oder die übernächste! Oder – wahrscheinlicher – jemand aus dem gleichen Holz mit ein bisschen mehr Charme und Show-Talent. Oder wollen wir da auch nicht daran glauben, weil wir es uns nicht vorstellen und immer noch nicht erklären können, was Menschen dazu treibt… So wie bei Trump, beim Brexit, bei der Präsidentenwahl in Österreich, bei Le Pen in Frankreich oder bei uns mit der AfD…

Das darf nicht sein, also kann das nicht sein…?! Wie lange soll diese selbstgefällige, ignorante Einstellung gutgehen? Ach… naja… so ein bisschen „Weiter so!“ geht schon noch…

Zu lange den Konzernen und dem Kapital den Arsch geleckt und sich einen Scheiß um das Volk gekümmert und so die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriften lassen.

Und wir dürfen einfach nicht länger Ursache und Wirkung verwechseln. Trump ist doch nicht die Ursache des Übels! Er ist die, wenngleich perverse, Reaktion auf das politische System, wie es Clinton leider nur zu perfekt symbolisiert. Eine von der Realität des Wählers vollkommen entkoppelte Politik. Das ist die Ursache!

Und genauso sieht es auch in Deutschland mit der AfD aus. Sie ist doch nicht die Ursache des Übels, sondern die, leider auch hier sehr unappetitliche, Reaktion gegen die etablierte Alternativlosigkeit unserer Gesellschaftsspaltenden und -zerreißenden Elite aus Politik, Wirtschaft und leider auch Presse. Irgendwie doch gar nicht sooo schwer zu verstehen das Ganze. Auch wenn natürlich Art der Empörung und Richtung der Gesinnung höchst unerfreulich sind, die Ursachen dafür und auch die Verantwortung liegen doch woanders.

Aufwachen Freunde!