Corona

Über Kuckucke und Arschkrampenkapitalisten

Gepostet am

Über Kuckucke und Arschkrampenkapitalisten

Vielen Dank, Adidas, für so viel Selbstentblößung! Das erlebt man ja auch selten!

Testfrage aus dem kleinen Einmaleins der Imagepflege: Wie verschaffe ich mir ein richtig geiles Image? Kreuze an!

  1. Ich fabriziere in meinen Nähereien Atemschutzmasken mit meinem Logo drauf und verteile sie in ganz Deutschland (in der ganzen Welt) umsonst!
  2. Ich verweigere, trotz Milliardengewinnen in den letzten Jahren, Mietzahlungen in meinen Einzelhandelsläden und fordere Milliardenunterstützung von der Regierung!

Tja, dafür braucht man eigentlich kein BWL-Studium. Andererseits, und das ist mein Verdacht, vielleicht verhindert das sogar eher eine vernünftige Beantwortung.

Denn wer sich noch wundert, wie unsolidarisch und, sagen wir es ruhig, wie asozial das Ganze ist, der hat einfach nicht das wirkliche Wesen des Kapitalismus‘ verstanden, in dem Gewinnmaximierung nun mal über allem steht. Aber dass Konzerne, die in den letzten Jahren von Milliardengewinn zu Milliardengewinn gesegelt sind (bei adidas in 2019: 1,9 Mrd €), derart ihre zügellose und unverschämte Gier (natürlich nur im Dienste und in der Verpflichtung ihren Anteilseigner*innen gegenüber) entblößen, das ist schon ganz großes Kino.

Mich erinnert die Nummer an ein Video über Kuckuckskinder. Darin sitzt das eine fette Kuckuckskind im Nest eines kleinen Teichrohrsängerpärchens und reißt sein Maul auf und schreit: „ICH! ICH! ICH!“, nur um kurz darauf die anderen Eier aus dem Nest zu schmeißen, um den ganzen Rettungsschirm seiner Eltern für sich zu beanspruchen. Und jetzt alle: „Ohhh, das arme Einzelkuckuckskind!“

Die traurige Wahrheit dahinter scheint zu sein, dass weder Kuckuck noch adidas (und andere Konzerne) anders können. Beiden steckt ihr skrupelloses Verhalten tief in ihrer DNA, wohingegen Anstand und Moral ihnen fremd sind. So gesehen sind Evolution und Kapitalismus beides Arschlöcher.

Sonderabgaben auf Vermögen wegen Corona?

Gepostet am

Sonderabgaben auf Vermögen wegen Corona?

SPD-Chefin Saskia Esken fordert, wegen der Corona-Krise und der Belastungen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft, Sonderabgaben auf hohe Vermögen. Es gehe um eine „faire Lastenverteilung“. So könne der durch die Krise belastete Staatshaushalt auch auf die „starken Schultern“ in der Gesellschaft verteilt werden. Bernd Riexinger von der Linken hatte breits Ähnliches gefordert. Konkret wird von einer einmaligen Abgabe von fünf Prozent für Vermögen über einer Millionen Euro gesprochen.

Esken tut so, als würde es so etwas wie Solidarität wirklich geben – ein bisschen naiv, aber auch irgendwie putzig, sofern dies ernstgemeint ist. Sie sollte wissen, dass es in einer Groko niemals (NIE! Also so richtig gar nicht!) etwas wie Umverteilung von oben nach unten geben wird, Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine wirksame Vermögens- oder Erbschaftssteuer, weil… äh, weil: Das wäre ja noch schöner und da könnte ja jeder kommen! Und überhaupt!

Esken führt sich wie eine Oppositionspolitikerin auf, was ja auch irgendwie stimmt, sogar innerhalb ihrer Partei in gewissem Sinne…

Dass die Linken für eine solche Abgabe sind, ist einleuchtend und, meiner Meinung nach, auch völlig berechtigt. Denn diese neoliberale Logik, nach der, wenn der Laden gut läuft, alle Gewinne ständig privatisiert werden dürfen und in Krisenzeiten (Finanzkrise und jetzt Corona) die Verluste vergesellschaftet, also von allen Steuerzahler*innen getragen werden, die muss endlich beendet werden!

Und ich hör schon die FDP aufjaulen. Ausgerechnet die armen Milliardäre sollen solidarisch sein. Wie ungerecht! Die wissen doch gar nicht, wie das geht! Die haben Solidarität doch nie gelernt! Das steht in Steueroasen gar nicht auf dem Lehrplan!

Wie wäre es stattdessen mit so einer lustigen kleinen freiwilligen Selbstverpflichtung? Das funktioniert doch sonst auch ganz prima!

Traurig, dass der überwiegende Großteil der Bevölkerung nicht der Meinung ist, dass Reiche und Superreiche in Notzeiten einen finanziellen Sonderbeitrag zur Krisenbewältigung beisteuern sollten. Eine klare Mehrheit der Deutschen findet eine solche Maßnahme nicht gerecht. So fest ist die neoliberale Logik in unseren Köpfen schon eingebrannt.

Mehr zu Corona, Klopapier und Zwangsentschleunigung hier: https://tommiboe.com/category/corona/

Zwangsentschleunigung durch Corona

Gepostet am Aktualisiert am

Zwangsentschleunigung durch Corona

Keine Welt redet derzeit von Zwangsentschleunigung, noch nicht (bei Ecosia 2300 Treffer und auch bei Google gerade mal 5710 – mit anderen Worten: Null!). Gut also, dass ich das tue. Denn ich sehe diesen Begriff schon ganz groß in der zukünftigen Rückbetrachtung auf die aktuelle Corona-Krise.

Unser Leben testet gerade das Tempolimit!

Denn was gerade vielen passiert, ist eine zwangsverordnete Auszeit. Natürlich klingt Quarantäne nicht so sophisticated wie Sabbatical. Und selbstverständlich meine ich nicht diejenigen, die durch die Corona-Krise existenziell bedroht sind oder gerade unser Gesundheitssystem am Laufen halten. Die haben andere Probleme, das ist klar!

Aber viele von uns haben gerade viel Zeit, mehr Zeit als in der gewöhnlichen, fremd- und arbeitsbestimmten Alltagshektik. Wir führen quasi ein Leben im Tempolimit. Und vielleicht nutzen wir diese Zeit ja mal zum Nachdenken, was wir danach anders und besser machen können, anstatt nach diesem kollektiven Innehalten (Pause-Taste) einfach wieder auf business-as-usual schalten (Play-Taste). Denn vielleicht empfinden wir das, was vor Corona normal war, ja gar nicht mehr als so normal und wünschenswert. Vielleicht hilft dieses unfreiwillige Durchatmen klarer und mit ein bisschen Abstand vom eigenen Trubel mit seiner vermeintlichen Wichtigkeit zu erkennen, was uns wirklich etwas bedeutet. Auch auf die Gefahr hin, ins Esoterische zu driften, womöglich begegnen einige von uns, die ganz unverdächtig sind, mit Themen wie Verzicht und Achtsamkeit in engerem Kontakt zu stehen, genau diesen Fragen.

Schon jetzt dürfte man die Prognose wagen, dass Unternehmen, die derzeit auf Flüge zu Meetings verzichten und stattdessen vermehrt auf Videokonferenzen setzen (müssen), das auch in Zukunft als sinnvolle, kostensparende und umweltfreundliche Alternative betrachten.

Viele Vielleichts in einem Artikel. Aber das Thema Verzicht wird uns in Diskursen der Zukunft mit Sicherheit häufiger beschäftigen. Denn auf die Frage, wie eine Zukunft ohne unendliches Wachstum aussehen soll, ist Verzicht eine plausible Antwortmöglichkeit, wenngleich das für viele nicht sonderlich sexy klingt.

Wer gerade Zeit hat und zu viel sinnlose Artikel (wie diesen hier) im Internet liest, könnte sich ja auch mal kurz Gedanken darüber machen, seine Bank zu wechseln. Es gibt da nämlich inzwischen sehr sinnvolle Alternativen, bei denen mit deinem Geld kein Scheiß gemacht wird.

Und für alle, denen das zu komplex ist: Auf zum Spargelstechen!

Sehr interessant dazu: Matthias Horx: –

Wie sieht die Welt nach Corona aus?

Und was hamstert Ihr so: Waffen oder Klopapier?

Gepostet am Aktualisiert am

Und was hamstert Ihr so: Waffen oder Klopapier?

[klopapier waffen]
Waffen oder Klopapier? Die Antwort ist: Ja!

Der Pessimist sagt: Es kann nicht schlimmer kommen. Aber der Optimist weiß: Schlimmer geht immer! Das gleiche gilt übrigens auch für dumm und dümmer!

Gerade noch machte ich mich über den dummen Deutschen lustig, der bei Klopapier neuerdings nur noch in Lkw-Ladungen rechnet (und ja, auch Dumme mit anderen Nationen decken sich mit Klopapier zu, äh, ein.). Hier eine praktische Seite für alle, die auf der sicheren Seite wollen: https://reichtmeinklopapier.de/

Aber jetzt erwischte mich die Nachricht, dass der US-Amerikaner sein Sicherheitsbedürfnis gegen das Virus ganz klassisch wie gegen alle anderen Gefahrenlagen auch löst, nämlich indem er Waffen kauft. Logisch! 68% mehr Schusswaffen (gegenüber dem Vorjahreszeitraum) kauft der Ami zurzeit. Der Besitzer eines Waffengeschäfts verkaufte gar fünfmal so viel Munition wie normalerweise!

Welches das richtige Kaliber gegen das Coronavirus ist, bleibt offen. Es wird sicherheitshalber alles gekauft, was Peng! Knall! und Bumm! macht. Denn vorerst scheint es, dass die Munition doch eher für potentielle Virusträger und -überträger gedacht ist. Getreu dem Motto: „Bleiinfusion schlägt Tröpfcheninfektion!“

waffen statt klopapier
Herr Boe ist natürlich bestens vorbereitet für Kampf gegen Gefährdungen aller Art!

Wer jetzt glaubt, die Amis würden Waffen statt Klopapier horten, ist allerdings falsch gewickelt. Denn der Soziologe in mir weiß, dass wir längst in der „Und“-Zeit leben, es regiert das Sowohl-als-auch. Der Ami nennt den Kauf von Waffen plus Klopapier daher „double protection“.

Und nachvollziehbar und praktisch ist das beim Einkauf durchaus. Eine überdurchschnittliche individuelle Bewaffnung kann nämlich auch bei der Beschaffung von, sagen wir einmal, Klopapier entscheidend weiterhelfen. Denn das wissen wir spätestens seit Al Capone:

Man kommt viel weiter mit einem freundlichen Wort und einer Pistole als mit einem freundlichen Wort allein.“

Was wird als nächstes gehamstert? Als wie dumm stellt sich unsere oder die US-amerikanische Gesellschaft morgen heraus? Die Nährwerte von Klopapier und Munition sollen ja gar nicht so hoch sein…

Nachdem die Bordelle zugemacht haben, würde mich zum Beispiel auch nicht wundern, wenn demnächst der Gummipuppenmarkt leergefickt, äh, leergefegt ist, sorry, es wird Frühling, bin auch schon ganz wuschig…!

 

 

Klopapier meets Corona – oder: Küchenpsychologie fürs Bad

Gepostet am Aktualisiert am

Klopapier meets Corona – oder: Küchenpsychologie fürs Bad

Die reichsten 10% besitzen 50% des Vermögens, die dümmsten 10% besitzen 50% des Klopapiers!

Es scheint so, dass der Deutsche in Corona-Zeiten zu Chuck Norris mutiert: „Wie viel Klopapier kaufen wir?“ – „ALLES!!1!

20200319_134456
Jedes Blatt hat seine zwei Seiten …

Neulich bei „dm“, als das Klopapier natürlich mal wieder ausverkauft war, vermutete die Kassiererin: „Ich glaube, die Leute fressen das!“

Auch ich hatte mir schon meine Gedanken gemacht, woher die deutsche Affinität zu Klopapier in Krisenzeiten kommt. Klar, es ist hübsch, perfekt perforiert und kuschelweich. Aber das bin ich auch…

Aber im Ernst, Psychologen und ich wissen, dass Klopapier ein Symbol für Sicherheit ist. Die Welt geht draußen unter, aber ich sitze auf dem Klo und der Blick zur Seite signalisiert mir „Ganz ruhig, Brauner! Es kann dir nichts passieren!“ und, da im Rückspiegel noch zwei Kubikmeter Klopapier erscheinen, weiß ich, das gilt bis deutlich nach dem Weltuntergang.

Nach der gleichen Logik müsste ich den Atomschutzbunker aber nicht nur in Klopapier einwickeln, sondern auch alles andere Notwendige dort einlagern. Und das würde ich auch, aber ich kann mir das nicht leisten. Küchenpsychologen sprechen vom Phänomen des „Zero-Risk-Bias“. Das bedeutet, wenn ich einen Zentner Mehl kaufe und das, weil dummerweise die Krise vorzeitig endet, nicht verzehre, dann muss ich das Mehl irgendwann wegschmeißen. Dann war das eine Fehlinvestition. Das versuche ich zu vermeiden. Daher kaufe ich – statt Mehl – zwei Kubikmeter Klopapier. Das hält! Also keine Fehlinvestition.

Andererseits bietet Klopapier in Zeiten von Nullzins und Krise womöglich interessante Renditechancen. Ähnliche Preissteigerungen gibt es bereits bei Desinfektionsmitteln, wo besorgte Bürger von fürsorgenden Bürgern im Internet abgezockt werden. Bitte denkt aber daran, bei aller Fürsorge, den Gewinn beim Finanzamt anzugeben, denn es sind 25% Kapitalertragssteuer fällig.

Vielleicht, und man kann nicht dumm genug denken (ich jedenfalls nicht), will der deutsche „Geiz ist geil“-Kunde auch nicht so viel Geld für überteuerte Atemschutzmasken ausgeben und wickelt sich stattdessen, bevor er das Haus verlässt, eine halbe Rolle Klopapier (reicht!) um Mund und Nase. Kann man auch gut auf der Höhe der Sutura Lambdoidea hinten am Schädel festtackern.

Vorteil: Wenn du so durch die Straßen oder den Supermarkt läufst, halten alle anderen garantiert ausreichend Sicherheitsabstand von dir! – Hat sich bisher leider noch nicht im Straßenbild durchgesetzt. Schade eigentlich…

20200319_135538
Frage: Gibt es auch ein Vermumienverbot?

Außerdem kann ich mit dem restlichen Klopapierpaketen im nächsten Winter meine Außentür dämmen!

Oder wie ein entfernter Bekannter sagte: „Ich kaufe ja nur so viel Klopapier wegen Home Office, weil ich sonst auf Arbeit scheiße!“ – Muss man nichts mehr zu sagen…

https://tommiboe.com/2020/03/13/was-wir-schon-jetzt-von-corona-lernen-koennen/

Was wir schon jetzt von Corona lernen können

Gepostet am Aktualisiert am

Was wir schon jetzt von Corona lernen können!

Eigentlich verbiete ich meinen Schüler*innen, Sätze mit „eigentlich“ zu beginnen. Aber eigentlich wollte ich hier einen launischen Artikel über Corona schreiben – von wegen: ein mäßig gefährlicher Virus in hysterischen Zeiten, während die Bedrohung durch den Klimawandel weiterhin überhaupt nicht ernstgenommen wird….

Okay, die Zeiten sind und bleiben hysterisch, aber das Virus und die Gesamtsituation (auch und gerade die unseres Gesundheitssystems) laden dann doch nicht zum Scherzen ein.

Selbst wenn man selbst nicht zur Risikogruppe zählt und daher die gesundheitlichen Gefahren als nicht lebensbedrohlich einzuschätzen sind, trägt doch jeder einzelne, egal wie alt und wie gefährdet, durch sein Verhalten dazu bei, wie schnell sich das Virus in Deutschland verbreitet und damit auch wie viele Menschen gleichzeitig mit dem Virus infiziert sind. Das erhöht letzten Endes auch die Zahl der sogenannten Risikopatienten und von denen hat vielleicht jeder einen oder eine in seinem Bekanntenkreis. Und wenn viele Menschen gleichzeitig intensivmedizinische Betreuung benötigen, dann werden wir wohl erfahren, wie stressfähig unser notorisch überlastetes, kaputtgespartes Gesundheitssystem tatsächlich ist. Und wollen wir das wirklich austesten…? – Natürlich nicht! Daher sollten wir alles tun, um die Verbreitung des Virus‘, so gut es geht, auszubremsen.

Vielleicht, und das sollte schon jetzt der erhobene Zeigefinger sein, zeigt uns die aktuelle Krise in aller Deutlichkeit, was in den vergangenen Jahrzehnten im Gesundheitswesen so alles schiefgelaufen ist, nämlich dass Patient*innen keine zu vermarktende Fallpauschalen sind, dass medizinisches Personal weit mehr als ein Kostenfaktor ist und dass Krankenhäuser, verdammt noch mal, kein renditeversprechendes Investment sein dürfen. Ist doch nicht so schwer!

Hoffentlich erinnern sich die Politiker*innen noch daran, wenn die Corona-Welle abgeebbt ist, und reparieren unser Gesundheitssystem. Die Stellschrauben sollten allen bekannt sein!