Monat: Oktober 2016

Alternative für die Alternative

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AfdA – Alternative für die Alternative

Was mich wirklich ärgert, ist, dass die AfD mit ihrer Polemik so schöne und wichtige Worte wie „Alternative“ und „Widerstand“ für sich beansprucht und damit völlig ruiniert hat. Das ist schon deshalb ärgerlich, da eine Alternative zur derzeitigen Politik der Alternativlosigkeit von der GroKo dringend angebracht wäre. Aber der Begriff ist jetzt irgendwie verschmutzt. Fraglich, ob man je wieder sachlich und ohne Schaum vorm Mund von Alternativen sprechen kann. Zumal uns suggeriert wird, es gäbe nur diese eine Alternative. Schließlich hält sich die AfD für DIE Alternative und nicht für irgendeine ziemlich dämliche Alternative. Aber das ist natürlich alternativloser Bullshit. Denn ein Kennzeichen unserer pluralisierten Welt ist es, dass es quasi unendlich viele Möglichkeiten, also auch Alternativen gibt. Das macht unsere Welt auch so kompliziert und so unübersichtlich, dass sich viele Menschen nach einfachen Antworten sehnen und oft auch nach einem Früher, als vieles noch einfacher und übersichtlicher war. Und man kann vieles Kritische über die AfD sagen aber nicht, dass sie keine einfache Antwort ist. Antwort jetzt nicht im Sinne von Lösung. Aber das versteht sich ja von selbst.

Und auch der Widerstand, eine urlinke Tugend, wird jetzt von der AfD für sich beansprucht. Und sie beruft sich sogar, mit viel Phantasie, auf das Grundgesetz. Siehe GG Artikel 20 Absatz 4: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Einerseits irgendwie putzig dieses Rechtsverständnis. Andererseits kann man kaum noch zu berechtigtem Widerstand gegen unsere Obrigkeits- und Kapitalhörige Politik aufrufen, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden.

Und das hatte ich mir unter Widerstand bisher jedenfalls nicht vorgestellt!

 

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Herr Boe möchte weiterhin Worte wie Alternative und Widerstand benutzen dürfen, ohne deshalb in die rechte Ecke gedrängt zu werden!

 

Söder heiratet Apple

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Söder heiratet Apple

„Es war Liebe auf den ersten Steuerbescheid!“ witzelte Söder selbst. Ja, es ist offiziell: Bayern und Apple sind ein Herz und eine Weißwurst!

Deshalb hat Söder auch kurzentschlossen, ohne sein eigenes oder andere CSU-Hirne zu befragen, keine öffentliche Meinung zu Steuervermeidungdeals (a la Irland) und beruft sich, als Ehepartner, auf sein Aussageverweigerungsrecht.

Bayern als IT-Standort möchte es sich natürlich nicht mit seinen internationalen Partnern verscherzen und sich seine schönen bajuwarischen Standortfaktoren ruinieren, die hauptsächlich auf einem unschlagbaren „Mia san mia“ beruhen. Da darf man auch nicht so kleinlich, wenn der Steuerbescheid mal ein bisschen kleiner (oder vollends) ausfällt, solange die schönen Arbeitsplätze gesichert sind. Aber – Moment! – ist das denn zulässig? Widerspricht das nicht dem Wettbewerbsrecht? Vorteile für Großkonzerne gegenüber anderen, kleineren Unternehmen mit weniger Marktmacht einräumen…?

„Naja, mei…!“ ist das offizielle Statement aus der bayrischen Staatskanzlei. Söder geht noch weiter und warnt „vor einem Handelskrieg mit den USA!“ Wie wenig versteht Söder eigentlich von multinationalen Unternehmen? Handelskrieg mit den USA? Im Ernst?! Apple ist doch schon längst nach Irland geflüchtet. Großkonzerne haben weder Moral noch Nationalität. Sie suchen sich lediglich Länder, in denen sie so viele steuerliche Vorteile wie möglich geltend machen können. Sie sind es, die mit den Nationalstaaten spielen und sie verarschen. Liebes Söderlein, man sollte also den Spieß umdrehen und fragen: „Wer hat denn mit dem Scheiß und dem Bescheißen angefangen?“

13 Milliarden € soll Apple in Europa nachzahlen und die deutsche Apple GmbH sitzt in München. Auch hier wären saftige Nachzahlungen fällig. Aber Söder, lustiger Weise neben seiner beruflichen Tätigkeit als Bayer auch noch Jurist, nennt die Forderungen „überzogen“! Ich hingegen halte das Steuervermeidungsverhalten der großen Konzerne, die sich anscheinend alles herausnehmen dürfen, für völlig überzogen, unverschämt und gesellschaftsgefährdend. Aber blöd, dass man mit moralischen Argumenten einem Konzern nicht kommen kann. Einem Söder natürlich schon lange nicht. Beide sind sozusagen „postmoralisch“.

Schön allerdings, dass es in dieser Zeit auch anders geht und ganz andere Worte aus der Politik kommen. Und zwar aus Österreich! der (noch-) Kanzler Christian Kern ließ den schönen Satz verlauten: „Starbucks and Apple pay less tax than a sausage stand!“

Da frage ich mich doch: Was ist eigentlich mit der deutschen Wurst…?

Aber letztlich gilt für Söder wie für viele andere Politiker auch: „Wie willst du dem Volk dienen, wenn du im Arsch der Wirtschaft steckst?!“

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Wurstladen – bezahlt Steuern!

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Apple – bezahlt keine Steuern!

Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!

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Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!

Na, benutzt ihr auch schon regelmäßig den Begriff „postfaktisch“, das kommende Wort/ Unwort des Jahres? Postfaktisch beschreibt das Überwinden von Fakten. Herrlich! Manchmal wünschen wir uns das doch alle oder?

Die Partei „die Partei“ hat sich ja schon letztes Jahr mit dem großartigen Plakat „Inhalte überwinden“ beworben. Wer konnte, außer der Partei „die Partei“ natürlich, schon damals damit rechnen, dass so schnell aus Satire Ernst werden würde.

„Wenn aus Gefühlen Realität wird, wer braucht da noch Tatsachen…?“ Könnte auch aus einem Film von Rosamunde Pilcher stammen! Wurde aber, so ähnlich, von irgendeinem AfD-Dödel im Fernsehen geäußert.

*(Ich spare mir an dieser Stelle die Recherche, wer genau dieser nun Dödel war. Ist mir auch egal. Ein AfD-Dödel halt!)

**(okay hat mich doch interessiert: Georg Pazderski hat gesagt: „Es geht nicht nur um die reine Statistik, sondern es da drum, wie das der Bürger empfindet. Das heißt also: Das, was man fühlt, ist auch Realität.“ Na klar!)

Mein alter Freund T.H. aus M. an der L. beherrschte das Postfaktische schon vor über 20 Jahren. Dem konnte ich erzählen, was ich wollte. Er hatte stets ein entwaffnendes „Ja, aber trotzdem!“ parat, dem man nur schwer etwas argumentativ entgegnen konnte.

Das Blöde am Postfaktischen ist, dass statt Fakten jetzt Gefühle das Maßgebliche sind. Was theoretisch auch gut ausgehen könnte, wenn es positive Gefühle wären wie Freude, Nächstenliebe, Toleranz, Offenheit, Neugierde etc. Die stehen aber leider nicht auf dem Speiseplan der rechten Populisten. Hier geht es einzig um ANGST (immer fett und in Großbuchstaben) und immer gefühlt mit mindestens drei Ausrufezeichen!!!

Was helfen heutzutage Fakten, wenn Menschen in McPom das Gefühl der Überfremdung haben, dass sie tatsächlich in genau dem Bundesland mit den wenigsten Ausländern und Flüchtlingen leben? Nichts! Außerdem sind das ja ohnehin bloß Fakten der Lügenpresse!

Putzig, naja, fast putzig finde ich, dass in Sachsen auf die Frage „Woher beziehen Sie Ihre Nachrichten?“ die häufigste Antwort „Facebook“ war.

Au Mann! Wie postfaktisch kann man denn sein…?!

Und jetzt schauen wir alle mit Schrecken in die „US and A“ und fragen uns: Bekommen wir nun den ersten postfaktischen Präsidenten der Welt?

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zum „Populisten-Blog“:

https://tommiboe.com/2016/10/06/im-zeitalter-der-populisten/

Im Zeitalter der Populisten

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Im Zeitalter der Populisten

Dagegen sein ist einfach. Das weiß schon jeder Zweijährige in der Trotzphase. Und wenn Donald Trump als US-Präsidentschaftskandidat in einer Fernsehdebatte einfach immer nur wie ein 70jähriger Zweijähriger „Wrong! Wrong! Wrong!“ ins Mikro bellt und damit, jetzt kommt’s, auch noch Erfolg hat (noch immer würden ihn über 40% der US-Amerikaner wählen), dann wissen wir, was die Stunde geschlagen hat. Was dagegen nicht hilft, ist, Hillary Clinton zu feiern, falls sie sich gegen Trump durchsetzen sollte.

Genau so verfehlt ist, meines Erachtens, die Karikatur aus der Stuttgarter Zeitung, die Viktor Orbán als Verlierer seiner Volksabstimmung gegen die EU-Flüchtlingskontingente sieht. Das ist schlicht Bullshit, realitätsblind und damit gefährlich verharmlosend. Denn ganz im Gegenteil zeigt dieses Ergebnis, wie höchst erfolgreich Orbáns Hetze im eigenen Land ist.
Das einzige, was die totale Katastrophe verhindert hat, war, dass das Quorum von 50% Wahlbeteiligung nicht erreicht worden ist. Die Ablehnung gegen die europäische Flüchtlingspolitik hingegen hätte kaum deutlicher sein können. Denn 98% (!) der gültigen Stimmen sind gegen die EU-Quoten. Daher ist es absolut realitätsblind, das als Orbáns Niederlage zu feiern. Bei deutschen Landtagswahlen werden im Schnitt knapp 60% Wahlbeteiligung erreicht. Gäbe es ein 50%-Quorum, so wären die letzten Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sogar ungültig. In der Schweiz, wo es häufig zu Volksabstimmungen kommt, liegt die Wahlbeteiligung durchschnittlich bei 40%. In Kolumbien, wo es gerade um einen historischen Friedensvertrag nach über 50 Jahren Bürgerkrieg ging, wollten lediglich 37% darüber abstimmen.
In diesem Licht erscheinen die 40% der Ungarn, die zu 98% gegen die EU-Flüchtlingspolitik stimmten, kaum wie eine frohe Botschaft, ganz im Gegenteil. Und wenn man für die deutschen Nachrichten auf der Straße genau drei Ungarn vor die Kamera holt, die gegen Orbáns Politik sind, dann ist das leider nicht korrekt und spielt die politische Lage in Ungarn grandios herunter. Und das geht leider gar nicht. Denn diese Form der verharmlosenden Berichterstattung stärkt und bestätigt lediglich alle Lügenpresse-Schreihälse und die rechten Populisten.

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Wie falsch eine Karikatur liegen kann, beweist die Titelseite der Stuttgarter Zeitung! Schade, deutsche Presse! Schade! Leider sehr realitätsblind!