bolivia

Zu Besuch am Takatukasee

Gepostet am Aktualisiert am

Auf den Spuren der Inkas – Zu Besuch am Takatukasee

Man kann es sich als Deutscher schwer vorstellen, wie man auf die Idee kommen kann, eines seiner größten Heiligtümer Titicaca zu nennen. Hätte man ja gleich Takatukasee draus machen und seine Gottheit Pipilotta nennen können. Aber Titicaca heißt auf Aymara ja eigentlich Pumapisse, äh Pardon, Pumafelsen. Und dieser Felsen wird heute als „Isla del Sol“, Sonneninsel, bezeichnet, die größte, wichtigste und allerheiligste Insel der Inkas.
Aber ich möchte mich gar nicht länger über die putzigen Namen lustig machen (aber welche Gottheit fordert schon ein: „Gib mir Tiernamen!“). Jedenfalls wurden hier vom Inkagott Inti die ersten Inkas geschaffen und aus einem Felsen Sonne und Mond gezimmert und dann vermutlich mit einem gezielten Fußtritt ins Universum geschossen. Ob Inti für das Ganze weniger oder mehr als sieben Tage gebraucht hat, ist entweder nicht überliefert, vergessen oder nur flüchtig übersetzt.
Aber auch das ganze religiöse Gedöns kann mir nicht den Eindruck vermasseln, dass das alles hier (Titicaca, Takatuka, Copacabana) einfach wunderwunderschön ist, sodass einem quasi hinter jeder Kurve und Kuppe ein begeistertes „qué liiiiiiindo!“ herausrutscht. Und da kommt man auch nicht umher, diesem Ort etwas Magisches abzugewinnen. Denn diese Kulisse auf 3800 Höhenmeter hat etwas Einzigartiges. Sandstrände laden zum Baden ein (Vorsicht: Wassertemperatur 10-12°C), im Hintergrund rahmt die mächtige Kordillere Real mit ihren schneebedeckten 6000ern die Szenerie ein. Und der Titicacasee erfüllt allein mit seinen Ausmaßen (15mal der Bodensee) alle Ansprüche an ein amtliches Gewässer!
Ich übernachte mit meiner neuen Reiseabschnittsgefährtin an der Südseite der Insel in Yumani in einem Hostel mit einer einfach lächerlich großartigen Panorama-Terrasse, die man durchaus als etwas übertrieben bezeichnen dürfte. Deshalb auch kein Panorama-Foto!
Nach diesem großartigen Inselaufenthalt schenke ich mir die berühmten „Islas Flotantes“, die schwimmenden Inseln, auf denen noch einige wenige, längst nicht mehr ganz reinrassigen Uros leben und nur darauf warten, Touristen über ihre Schilfinseln zu schleusen, auf Schilfbooten einmal um die Inseln zu flößen und kleine gebastelte Schilfboote zu verhökern. Das Ganze soll inzwischen ziemlich abgeschmackt sein (sollte ich mir besser an diese Stelle den billigen Wortwitz „Schilfbürgerstreich“ sparen…? Ach nöh!). Also geht’s, ohne Uros, direkt nach Cusco/ Peru! Und dann zum „alten Berg“, nach Machu Picchu!

Titcacasee mit Codillera Real im Hintergrund.
Titicacasee mit Codillera Real im Hintergrund.
Burrito lindoooo!
Burrito liiiiiindo!
Blick von der lächerlichen Aussichtsterrasse vom Hotel an Yumani!
Blick von der lächerlichen Aussichtsterrasse vom Hotel in Yumani!
puesta del sol / Sonnenuntergang überm Titicacasee!
puesta del sol / Sonnenuntergang überm Titicacasee!

Fundstücke in Fernwest – Lamaföten

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Lamaföten

Wenn man so ein bisschen durch den Altiplano gereist ist, dann hat man sich daran gewöhnt, dass links und rechts der Piste Lamas herumturnen. Und man freut sich jedes Mal, sie zu sehen. Hübsch, oft im Familienverbund und mit farbigen Stofffetzen im Ohr.
In La Paz habe ich jetzt auch ganz viele Lamas gesehen. Noch ganz kleine! Die hängen hier getrocknet auf dem so genannten Hexenmarkt rum, zum Teil als frisch geschlüpfte und noch mit Eierschalenresten im Fell, zum Teil noch winzigkleine, fellfreie Lamaföten. Der erste mitteleuropäische Gedanke, der einem einschießt, ist: Ohhh süß, ein Plüschlama von Steiff. Aber nein, weit gefehlt! Sie haben keinen Knopf im Ohr und zum Kuscheln sind sie auch nicht!
Aber wofür ist so ein Lamafötus denn nun gut?!
Klar, man kann sie als originellen Duftbaum lässig am Rückspiegel baumeln lassen. Frauen reißt man mit der Masche vermutlich auf keinem Kontinenten der Welt auf.
Ich frage also eine Lamaföten-Fachverkäuferin und sie erklärt mir bereitwillig (und gar nicht so maulfaul wie viele andere Bolivianerinnen), dass Lamas der Pachamama (Mutter Erde) geopfert würden, um sie zu besänftigen. Übrigens besonders zu Monatsanfang und freitags. Muss ich also nächsten Freitag mit der Schlachterschürze vors Haus treten.
Beliebt ist es auch, einen getrockneten Lamafötus unter der Schwelle der Haustür zu vergraben. Das bringt Glück für das neu errichtete Heim. Na bravo! Bei uns macht man das mit der Schwiegermutter. Muss man sich jetzt genau überlegen, was ethisch-moralisch vernünftiger ist.

Aber müssen wir uns immer vom Entweder-Oder tyrannisieren lassen? Nein! Mein Tipp daher: Warum nicht beides?

"Ohhhhh Plüschlamas! wie süüüüß!" Von wegen!
„Ohhhhh Plüschlamas! wie süüüüß!“ Von wegen!
da hängen sie noch! doch schon morgen könnten sie der Pachamama geopfert oder unter einer Türschwelle vergraben werden. Na ja, jetzt auch egal...
da hängen sie noch! doch schon morgen könnten sie der Pachamama geopfert oder unter einer Türschwelle vergraben werden. Na ja, jetzt auch egal…
Für diese zeitlose Kopfbedeckung plus Schal musste kein Lama sterben. Zumal es sich natürlich um Alpaca-Wolle handelt!
Für diese zeitlose Kopfbedeckung plus Schal musste kein Lama sterben. Zumal es sich natürlich um Alpaca-Wolle handelt!

 

Bettenstreit in den Bergen, Teil 2

Gepostet am Aktualisiert am

Bettenstreit in den Bergen, Teil 2

Zurück in Sucre landen wir wieder im Basislager der Condor Trekker. Unsere Führerin bittet uns dem Chef/Gründer Randell, einem Australier, von unseren Erfahrungen zu berichten (siehe Teil 1: https://tommiboe.wordpress.com/2014/04/24/bettenstreit-in-den-bergen/).

Er zeigt sich nicht sonderlich schockiert, was allerdings nicht daran liegt, dass es ihm egal ist oder ihn nicht ärgert, sondern weil er es inzwischen gewohnt ist. Seit fünf Jahren ist er in Bolivien und er hat genug davon! Und das obwohl er in Ländern wie Guatemala und Nicaragua tätig war. Aber dagegen ist es in Bolivien wohl einfach noch viel schwieriger, etwas zu bewegen.
Randell erzählt ein paar Episoden. Daraus die Essenz: Auf die Leute in Marawa, der Comunidad, in der wir waren, ist kein Verlass! So ist der ehemalig Verantwortliche für die Cabañas Alkoholiker und versäuft alles Geld, das er in die Finger bekommt. Falls irgendwo ein Fest ist, rennt das ganze Dorf da hin und keiner kümmert sich um die Cabañas und die eintreffenden Touristen. Es passiert auch, dass die Schlüssel nicht auffindbar sind. Randell selbst musste auch schon mal zwei Stunden durchs Dorf laufen, um die Schlüssel zu finden. Bei den regelmäßig stattfindenden Reuniones ist immer jemand anderes Schuld.
Am zweiten Tag kamen wir an Dinosaurier Footprints vorbei. Ein Ort der Comunidad, für den Touristen Eintritt zahlen müssen. Jahrelang hat der Typ, der das Geld eingenommen hat, die eigene Gemeinde beschissen und sich, vor aller Augen, ein schönes neues Haus gebaut. – Für eine andere Gemeinde hat der Verein eine Wasserpumpe gekauft. Doch die war im nächsten Jahr einfach verschwunden.
Randell redet sich in Fahrt. Auch die bolivianische Bürokratie muss selbst für südamerikanische Verhältnisse reinstes Afrika sein. Von ihm wurden zur Gründung seines Unternehmens zum Teil Papiere verlangt, die es überhaupt nicht gab. Er musste von einem Amt zum nächsten. Niemand war zuständig und irgend etwas fehlte immer. So wurde er immer weiter geschickt. Er hat eineinhalb Jahre gebraucht, bis er endlich loslegen konnte. – Nach jeder Wahl werden ALLE Verwaltungsposten neu besetzt. 1. Folge: Parteifreunde werden in Ämter gehievt, von denen sie keine Ahnung haben. 2. Folge: Die Amtsvorgänger räumen „ihre“ Büros komplett aus, das heißt, Computer, Akten und sonstiges verschwinden. Kleines Highlight der Erzählung: Randell erzählt, dass drei der letzten City-Councils (Stadträte) zurzeit im Gefängnis sitzen.
Zum Schluss lobt er gar noch die deutsche Bürokratie. Die sei zwar auch aufwändig, aber wenigstens sei am Ende dann alles zuverlässig geregelt. Hört man auch selten solche Sätze!

Fundstück – Panini-Bilder

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Panini-Bilder

Ja, ich geb’s zu: Ich habe nie Panini-Bilder gesammelt. Zwar habe ich als Kind vor den Weltmeisterschaften überdurchschnittlich viel Hanuta und Duplo gegessen. Aber das zählt unter leidenschaftlichen Sammler natürlich gar nichts.
Beim ersten Schlendern durch Cochabamba, Bolivien, fällt mir auf, dass die WM nicht mehr so weit weg sein kann (räumlich wie zeitlich). Überall auf der Straße werden Panini-Bilder und -Alben angeboten. Die bekannten Tütchen, aber auch die noch fehlenden Spieler können direkt gekauft werden. Nun, da mir noch alle Spieler fehlen, hole ich mir doch mal die deutsche Mannschaft. Komplett mit Mannschaftsfoto und DFB-Wimpel für 18 Bolivianos (1,80 €). Dabei scheint Deutschland auf der bolivianischen Straße kein Favorit. Denn zwei Spieler werden für 1,50 Bolivianos angeboten, während man für zwei Spieler von Brasilien, Spanien und Holland schon 2 Bolivianos (0,20 €) berappen muss.
Ergänzend zum deutschen WM-Team finde ich noch die passende Bierdose, mit der ich dann schon mal mit mir auf den vierten Titel anstoße!

So, hier mein vorläufiges WM-Team. mal gucken, ob Khedira noch fit wird und ob Özil in Form kommt.
So, hier mein vorläufiges WM-Team. mal gucken, ob Khedira noch fit wird und ob Özil in Form kommt.
bravo! so was findet man in Bolivien. Deutschland-Bierdose mit den drei Titeln!  Na, da ist doch noch Platz für einen vierten...!
bravo! so was findet man in Bolivien. Deutschland-Bierdose mit den drei Titeln! Na, da ist doch noch Platz für einen vierten…!
kleiner Junge auf der Suche nach den übrigen Panini-Bildern!
kleiner Junge auf der Suche nach den übrigen Panini-Bildern!

Spaß mit Busfahrplänen

Gepostet am Aktualisiert am

Spaß mit Busfahrplänen

„Santa Cruz, Santa Cruz, Santa Cruuuuuuz!!!“
„Alapaz, Alapaz, Alapaaaaaaz!!!“
„Santa Cruz sale! Santa Cruuuuuuuuuuz!“
Es ist 4:15 Uhr morgens! Das ist eigentlich gar keine Uhrzeit! Okay, ich weiß, dass sie rechnerisch existieren muss. Logisch! Es muss schon irgendwie auch 4:15 Uhr morgens geben…! Zugegeben, ich kenne 4:15 nachts. Ist mir schon mal vorgekommen. Aber morgens gehen die Uhrzeiten für mich erst um 6:00 Uhr los – wenn’s blöd läuft!
Ich sitze in Cochabamba im Terminal und lausche im Halbschlaf den Marktschreiern/ Busticketverkäufern im Nebenerwerb: „Buscama, Buscama, Santa Cruuuuz!“ Aber ich will gar nicht nach Santa Cruz, und ich will auch nicht nach La Paz La Paz La Paz. Aber was sitze ich dann hier? Senile Bettflucht ist es (noch) nicht. Auch nicht die bolivianische Marktschreier/Busticketverkäufer im Nebenerwerb-Meisterschaft. Nein! Ich bin gerade mit dem Bus aus Sucre angekommen. Ich bin in die normale bolivianische Nachtbusfalle gestolpert. Die besagt nämlich, dass ein Nachtbus nicht nur nachts fährt, sondern auch garantiert zu einer völlig unbrauchbaren Zeit ankommt. Ist gar nicht so leicht zu organisieren. So fuhr mein Bus in Sucre um 19:00 Uhr los, damit er pünktlich um 4:00 Uhr in Cochabamba ist.
Eine singende Frau schiebt ihr Wägelchen vorbei: „MateLecheTeCaffe, MateLecheTeCaffeeeee!“ Auch sie kann die Frage nicht beantworten. Aber sie steht natürlich im Raum: „Warum fährt der Drecksbus nicht einfach um 21:00 Uhr los, dann wäre er um 6:00 da? Na…?“! Mit dieser Uhrzeit könnte man schon eher etwas anfangen.
Aber es steckt ein System dahinter! Ich hab nur noch nicht herausgefunden warum! Denn seit ich in Bolivien bin, werden mir ständig solche Busverbindungen angeboten. Von Tupiza nach Tarifa fahren die Busse täglich nur zu einer Uhrzeit und die bringen einen um 03:30 Uhr nach Tarifa. Das hab ich dann gelassen und bin direkt nach Potosí-Potosí-Potosíííí gefahren. Jene Nachtbusse kommen zwar auch zwischen 3 und 4 Uhr an, aber bei dieser Strecke konnte ich auf die Busse tagsüber ausweichen.
Ich beobachte die Marktschreierinnen/ Busticketverkäuferinnen im Nebenerwerb. Die neu erscheinenden potenziellen Fahrgäste werden persönlich abgefangen und auch nur halb so laut und schallend informiert.
In einer kleine Bude, in der die üblichen Tickets für die Terminalnutzung verkauft werden, sitzt eine Frau und stempelt in einem irren Tempo, ständig umblätternd, die Tickets in einem Zettelblock ab. Wow! Und das um diese Uhrzeit! Und zum ersten Mal überhaupt denke ich: Schade, dass es kein „Wetten dass…?“ mehr gibt! Markus Lanz moderiert bolivianisches Wettstempeln, während sich Hollywoodgrößen neben deutschen Comedians auf einer Couch zu Tode langweilen. Ist doch ein tolles Konzept!

Ich kaufe eine Zeitung, trinke einen MateLecheTeCaffe, löse ein bolivianisches Sodoku, nehme mir ein Taxi zum Hotel, checke ein und schlafe erst mal eine Runde. Was war noch mal der Sinn für einen Nachtbus…?

Marktschreierin/ Busticketverkäuferin im Nebenerwerb und im Profil vor ihrem Busticketschalter!
Marktschreierin/ Busticketverkäuferin im Nebenerwerb und im Profil vor ihrem Busticketschalter! 4:15 in Cochabamba!

Bettenstreit in den Bergen

Gepostet am Aktualisiert am

Bettenstreit in den Bergen

Ich schlendere durch Sucre, als ich zufällig vor einem vegetarischen Restaurant zum Stehen kommee. Eine meine Teilzeitreisebegleiterinnen ist Vegetarierin. Also inspiziere ich den Laden, der einen sehr netten Eindruck macht und zudem noch eine Reiseagentur beinhaltet, die sich mit dem Attribut schmückt, 100% der Gewinne in den beteiligten Kommunen zu belassen. Also etwas für die Leute, die hin und wieder mal ein gutes Gewissen brauchen. Ich informiere mich über die angebotenen Touren, Trekking in den Bergen um Sucre und entschließe mich für den übernächsten Tag, Montag, bei einer Tour mitzumachen. Außerdem erfahre ich, dass der australische Gründer von „Condor Trekkers“ vor etlichen Jahren einen ähnlichen Verein, die Quetzaltrekkers, in Quetzaltenango/ Guatemala aufgemacht hat und mit dem ich sogar vor sechs Jahren einen Trek gemacht hatte. Deren Gewinne setzte das Projekt für Straßenkinder ein. Also hier hiken und trekken die Gutmenschen. Da wollte ich dabei sein!
Am erster Nachmittag der Wanderung erreichen wir einen „Krater“, der aber kein Vulkankrater ist, aber verdächtig so aussieht. Leider ist die Erklärung über die Entstehung („Es ist eine geologische Form“) nicht ganz hinreichend. In diesem wunderschönen Nicht-Krater liegt umgeben von Feldern Marawa, ein kleines Dörfchen. Dort befinden sich die Cabañas, die der Comunidad/ Gemeinde gehören. Auf diese Weise kommt die Gemeinde zu regelmäßigen Einkünften durch den Tourismus. Die Cabañas sind überraschend geräumig und ausgesprochen hübsch. Da hat sich offensichtlich jemand neben Mühe auch noch Gedanken gemacht. Wir legen eine kleine Siesta ein, bevor es Abendessen geben soll.
Beim Essen kursieren dann plötzlich Gerüchte, wir müssen unsere Cabañas wieder verlassen. Aha! Natürlich ist es inzwischen dunkel. Vor unserem Haus ist schon ein nervöses Volk am Start: Israelis! Das ist ja klar, dass die wieder Ärger machen.
Was ist passiert? Eine Gruppe von einer anderen Agentur, die zwar deutlich später gekommen ist, hat ebenfalls „gebucht“ („Buchen“ im eigentlichen Sinne kann man hier gar nicht!). Dabei ist unser Anbieter der einzige, der mit der Gemeinde ausdrücklich ein Abkommen geschlossen hat, das sicherstellen soll, dass die Gruppen dann auch unterkommen. So etwas haben die anderen Touranbieter nicht. Allerdings hat diese Konkurrenz schon durch einen anderen Tourguide die Unterkunft für den heutigen Tag bezahlt. Das Problem indes ist, dass die Comunidad das bezahlte Geld der anderen Gruppe nun nicht wieder rausrücken will. Sie beruft sich dabei wohl auf die Formel „Bezahlt ist bezahlt, wieder ist gestohlen!“ Damit hatte die andere Gruppe nicht die Möglichkeit, eine Unterkunft zu beziehen. Also gut, zumindest sind die Israelis dieses Mal gar nicht Schuld. Auch wenn sich einer von ihnen unmöglich emotionalisiert und derart aufregt, dass man mit ihm das ganze Dorf für ein halbes Jahr mit Energie versorgen könnte.
Natürlich ist es eine Sauerei von der anderen Agentur, trotz besseren Wissens, die Unterkunft zu bezahlen. Andererseits ist es an der Community , sich an ihre Absprachen mit den Condor Trekkers zu halten und nicht ausgerechnet diese zu verärgern, die sich ja letzten Endes in den Gemeinden engagieren und keine eigenen ökonomischen Interessen verfolgen wie die anderen privaten Anbieter. Aber die Verlockung des Geldes ist wohl auch hier einfach stärker als die Verlockung der Vernunft.
Immerhin gibt es noch eine andere, allerdings private Unterkunft im Ort. Wir ziehen also weiter. Unsere Führerin klopft lange an eine Haustür, bis endlich ein Mädchen aufmacht und erklärt, ihr Vater sei nicht da. Bravo! Wir gehen direkt zur Herberge, die friedlich im Dunkeln liegt und, zum Glück, nicht abgeschlossen ist. Die Nacht ist gesichert.

Tolle Wanderung, wunderschöne Landschaft, klasse Projekt und blöder Beigeschmack!

kleiner Junge mit noch kleinerem Zicklein
kleiner Junge mit noch kleinerem Zicklein! Bäääähääää!
hier wandern wir auf dem "Camino de Incas", einem über 500 Jahre alten, von den Incas angelegten Weg.
hier wandern wir auf dem „Camino de Incas“, einem über 500 Jahre alten, von den Incas angelegten Weg.
Nicht-Krater mit dem Örtchen Marawa.
Nicht-Krater mit dem Örtchen Marawa.

Zwischen den Welten

Gepostet am Aktualisiert am

Zwischen den Welten

Zwischen den Welten! So fühle ich mich wieder, seit ich in Bolivien bin. Das meine ich weder positiv noch negativ. Aber nach den letzten Monaten in doch relativ gut entwickelten Ländern, ist die Umstellung in Bolivien riesig: auf der einen Seite das touristische Leben mit entsprechenden Ansprüchen und Angeboten und auf der anderen die spürbare Armut, durch die man mit dem Fotoapparat spaziert, als wäre es ein Erlebnispark.
In Chile, Argentinien und auch in Uruguay und Brasilien traf ich immer wieder auf einheimische Touristen, die die Highlights ihres Landes besuchten. Das fehlt in Bolivien komplett. Tourismus bedeutet hier internationaler Tourismus!
Gestern bin ich zum Mirador Recoleta gelaufen, von wo es die beste Aussicht auf Sucre geben soll. Dort befindet sich eine alte Kirche, davor ein Platz mit einem kleinen Markt, auf dem sich viele Indios befanden und, man muss schon sagen, auch etliche lagen dort herum. Viele von ihnen in Trachten. Auch das natürlich ein großer Unterschied zu den zuvor bereisten Ländern. Bolivien ist das Land Südamerikas mit der deutlich höchsten Indio-Dichte. Weder die europäischen Besatzer oder ihnen folgende Einwanderer noch afrikanische Einflüsse haben sich in der bolivianischen Bevölkerung nachhaltig eingemischt. Zwar versuchten die Spanier, wie auch in anderen Regionen, afrikanische Sklaven einzusetzen und auszunutzen. Allerdings kamen diese mit der Mischung aus körperlicher Ausbeutung und extremen Höhenbedingungen überhaupt nicht zurecht (z.B. in Potosí im Silberbergbau) und starben ihrer Ausbeutern einfach weg.
Auf der anderen Seite des Platzes (quasi nur durch eine Mauer getrennt) befindet sich mit Blick auf die Stadt das „Café Gourmet Mirador“. Der Name ist Programm! Dort residieren die internationalen Touristen – so auch ich. Denn unsere Vorstellung von „mal gemütlich einen schönen Kaffee trinken“ existiert in Bolivien einfach nicht. Punkt! Gemütlich Kaffee trinken ist Touristensache. Und schon ist man auf seinem vorgesehenen Platz! Kaffee mit Milchschaum dazu internationale Essenkarte… Die Preise sorgen dafür, dass Gringos und Artverwandte reinrassig ihre Aussicht genießen können. Da hilft es auch nicht, dass sich seit Beginn der Präsidentschaft von Evo Morales, seit acht Jahren also, die Durchschnittslöhne um 175% gesteigert haben.

Natürlich hätte ich mich auch oben auf den Platz vor die Kirche fläzen können. Vielleicht hätte ich sogar eine nette Unterhaltung geführt und ein paar Worte Quechua gelernt. Ging es nicht darum beim Reisen…? Aber…! Tja, hier ist der Unterschied zwischen den Welten so hart zu spüren, dass er Beklemmungen auslöst. Zu hart! Also bleiben wir (und ich) bequem auf „unserer“ Seite der Mauer. Der einzige Begegnungspunkt zwischen den Kulturen bleibt, wenn hin und wieder, bei ungünstigem Wind, ein Hauch von Urin (in der Bandstärke von Hundert Pumas) von der anderen Seite herüber zieht. Denn die andere Seite der Mauer dient dort als kostenloses Urinal.
Dann taucht auch noch eine verkleidete Kapelle auf, um für ein bisschen Kulturaustausch zu sorgen. Das mag der Bildungsbürger natürlich gerne. Hach, Kultur! Herrlich! klatscht er in die Hände und bewirft anschließend die Indios noch hübsch mit Indianergeld und darf sich auch noch gönnerhaft fühlen! Meiner Ansicht nach ist das völlig überbewertet und die kulturrevolutionäre Panflöte kann sich gerne selber einen blasen und mich solange in Ruhe lassen. Der Bildungsbürger ruft mir „Pfui! Interkulturelle Intoleranz!“ entgegen. Und wenn schon! Panflöten sind fast so große Nervtöter wie Dudelsäcke und Jürgen Drews. Das hat doch nichts mit Intoleranz zu tun, wenn mir das weh tut! Wenn Panflötisten und Dudelsackgänger (ja, und auch Jürgen Drews!) selber auch nur einen Funken Resttoleranz vor ihrer Umwelt hätten, würden sie ihr Tun einfach lassen!

Was wollte ich noch mal sagen? Ach, auch egal…! Frohe Ostern weiterhin!