postfaktisch

Was können wir aus der US-Präsidentschaftswahl lernen – oder lieber doch nicht?

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Was können wir aus der US-Präsidentschaftswahl lernen – oder lieber doch nicht?

Das Positive vorweg: Hillary Clinton ist nicht die neue Präsidentin! Blöd nur, dass Trump jetzt Präsident ist!

Eine interessante Frage ist, ob wir überhaupt bereit und willens sind, etwas daraus zu lernen. Denn Politik und Medien haben es sich viel zu bequem gemacht in ihrer Larmoyanz den anderen, denen da unten gegenüber, die sie plötzlich nicht mehr gernhaben und die nicht mehr gewillt sind, ihnen zu folgen in eine ungewisse, unsichere, beängstigende Zukunft. Von Ernstnehmen oder etwas dagegen tun mal ganz zu schweigen.

Spätestens nach dieser Wahl wird es kein „Weiter so!“ mehr geben dürfen. Auch nicht bei uns! Sonst heißt unsere nächste Bundeskanzlerin Frauke Petry. Oder die übernächste! Oder – wahrscheinlicher – jemand aus dem gleichen Holz mit ein bisschen mehr Charme und Show-Talent. Oder wollen wir da auch nicht daran glauben, weil wir es uns nicht vorstellen und immer noch nicht erklären können, was Menschen dazu treibt… So wie bei Trump, beim Brexit, bei der Präsidentenwahl in Österreich, bei Le Pen in Frankreich oder bei uns mit der AfD…

Das darf nicht sein, also kann das nicht sein…?! Wie lange soll diese selbstgefällige, ignorante Einstellung gutgehen? Ach… naja… so ein bisschen „Weiter so!“ geht schon noch…

Zu lange den Konzernen und dem Kapital den Arsch geleckt und sich einen Scheiß um das Volk gekümmert und so die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriften lassen.

Und wir dürfen einfach nicht länger Ursache und Wirkung verwechseln. Trump ist doch nicht die Ursache des Übels! Er ist die, wenngleich perverse, Reaktion auf das politische System, wie es Clinton leider nur zu perfekt symbolisiert. Eine von der Realität des Wählers vollkommen entkoppelte Politik. Das ist die Ursache!

Und genauso sieht es auch in Deutschland mit der AfD aus. Sie ist doch nicht die Ursache des Übels, sondern die, leider auch hier sehr unappetitliche, Reaktion gegen die etablierte Alternativlosigkeit unserer Gesellschaftsspaltenden und -zerreißenden Elite aus Politik, Wirtschaft und leider auch Presse. Irgendwie doch gar nicht sooo schwer zu verstehen das Ganze. Auch wenn natürlich Art der Empörung und Richtung der Gesinnung höchst unerfreulich sind, die Ursachen dafür und auch die Verantwortung liegen doch woanders.

Aufwachen Freunde!

Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!

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Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!

Na, benutzt ihr auch schon regelmäßig den Begriff „postfaktisch“, das kommende Wort/ Unwort des Jahres? Postfaktisch beschreibt das Überwinden von Fakten. Herrlich! Manchmal wünschen wir uns das doch alle oder?

Die Partei „die Partei“ hat sich ja schon letztes Jahr mit dem großartigen Plakat „Inhalte überwinden“ beworben. Wer konnte, außer der Partei „die Partei“ natürlich, schon damals damit rechnen, dass so schnell aus Satire Ernst werden würde.

„Wenn aus Gefühlen Realität wird, wer braucht da noch Tatsachen…?“ Könnte auch aus einem Film von Rosamunde Pilcher stammen! Wurde aber, so ähnlich, von irgendeinem AfD-Dödel im Fernsehen geäußert.

*(Ich spare mir an dieser Stelle die Recherche, wer genau dieser nun Dödel war. Ist mir auch egal. Ein AfD-Dödel halt!)

**(okay hat mich doch interessiert: Georg Pazderski hat gesagt: „Es geht nicht nur um die reine Statistik, sondern es da drum, wie das der Bürger empfindet. Das heißt also: Das, was man fühlt, ist auch Realität.“ Na klar!)

Mein alter Freund T.H. aus M. an der L. beherrschte das Postfaktische schon vor über 20 Jahren. Dem konnte ich erzählen, was ich wollte. Er hatte stets ein entwaffnendes „Ja, aber trotzdem!“ parat, dem man nur schwer etwas argumentativ entgegnen konnte.

Das Blöde am Postfaktischen ist, dass statt Fakten jetzt Gefühle das Maßgebliche sind. Was theoretisch auch gut ausgehen könnte, wenn es positive Gefühle wären wie Freude, Nächstenliebe, Toleranz, Offenheit, Neugierde etc. Die stehen aber leider nicht auf dem Speiseplan der rechten Populisten. Hier geht es einzig um ANGST (immer fett und in Großbuchstaben) und immer gefühlt mit mindestens drei Ausrufezeichen!!!

Was helfen heutzutage Fakten, wenn Menschen in McPom das Gefühl der Überfremdung haben, dass sie tatsächlich in genau dem Bundesland mit den wenigsten Ausländern und Flüchtlingen leben? Nichts! Außerdem sind das ja ohnehin bloß Fakten der Lügenpresse!

Putzig, naja, fast putzig finde ich, dass in Sachsen auf die Frage „Woher beziehen Sie Ihre Nachrichten?“ die häufigste Antwort „Facebook“ war.

Au Mann! Wie postfaktisch kann man denn sein…?!

Und jetzt schauen wir alle mit Schrecken in die „US and A“ und fragen uns: Bekommen wir nun den ersten postfaktischen Präsidenten der Welt?

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zum „Populisten-Blog“:

https://tommiboe.com/2016/10/06/im-zeitalter-der-populisten/

Macht der Worte

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Macht der Worte

Ständig und überall ist von der Flüchtlingskrise die Rede. Von „Verteilungskrise“ oder „Ungerechtigkeitskrise“ hingegen wird überhaupt nicht berichtet, obwohl die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft (mit)verantwortlich für die derzeit so düstere Stimmung in Deutschland ist. Denn rational haben (durchaus berechtigte) Zukunftsängste wie Altersarmut wenig bis gar nichts mit den Flüchtlingen zu tun sondern mit der verfehlten Sozialpolitik der vergangenen Jahre. Der Zusammenhang mit den Flüchtlingen ist eher postfaktisch, wie man seit neuestem sagt.
Noch krasser indes finde ich, dass sich die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Flüchtlingskrise bei uns verkehrt hat. Denn inzwischen wird Flüchtlingskrise mit jenen Problemen verbunden, die wir in Deutschland mit den Flüchtlingen haben. Es ist also nicht mehr die Krise der Flüchtlinge, die vor Krieg, Tod, Hunger, Vertreibung und sonstigem Elend fliehen, sondern es ist unsere Krise. Welch eine perverse Verdrehung! Plötzlich sind wir die Opfer und wir leiden unter der Flüchtlingssituation! Krasse Sache!
Nur eine derart verblendete und kranke Sicht der Dinge lässt den behelfslogischen Schluss zu, auf Flüchtlinge zu schimpfen und sie als Schuldige auszumachen. Schuldig wofür…?! Für ihre erbärmliche Situation? Oder gar für unsere sozialen Ungerechtigkeiten…?
Dass die rechten Populisten von AfD und CSU das für ihre Stimmungsmache instrumentalisieren, mag nicht verwundern. Das ist der Job von Populisten. Wenn sich ein Arschloch wie ein Arschloch benimmt, so what? Das ist zwar scheiße aber durchaus authentisch. Aber was ist mit all den anderen? Den Parteien aber auch unserer Medienlandschaft? Was ist da los…?! Wer redet stattdessen  von Verteilungskrise, Ungerechtigkeitskrise, Arbeitsmarktkrise (Arbeit: ja; davon leben können: nein), Steuervermeidungskrise, Armuts- und Reichtumskrise, Klimakrise…?! Niemand! Anscheinend wird das alles nicht als Krise wahrgenommen. Komisch! Für mich sind DAS unsere Krisen, die für die derzeitige Situation und damit auch die Stimmung und die Ängste in Deutschland verantwortlich sind.
Wir brauchen dringend einen linken Populismus, der diese Begriffe so oft und so laut wiederholt, dass sie endlich Gehör finden. Auch die Linken müssen sich der Populistenweisheit bewusst werden: „Wer sich ständig wiederholt, hat recht!“ Die CSU hat dieses Prinzip übrigens schon lange verstanden.