„tommi boe“

Fundstück – Argentina’s Next Top Model

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Fundstücke in Fernwest – Argentina’s Next Top Model

Punta del Diablo war einmal ein kleines gottverlassenes Fischerdörfchen am Ende der Welt, schlappe 7000 Kilometer vom südafrikanischen Kapstadt entfernt, und selbst für die Fischer, die schwimmen konnten, war das kein attraktives Ziel.
Wer im Mittelalter im Übrigen als Fischer schwimmen gelernt hatte, wurde, weil er damit gegen die göttliche Vorsehung anging, wegen Gotteslästerung auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das führte übrigens dazu, was die wenigsten wissen, dass im Mittelalter mehr Fischer verbrannten als ertranken. Das wiederum muss als heutiger Gottesbeweis genügen. – Das alles trifft natürlich nicht auf Uruguay zu. Denn hier gab es ja bekanntlich gar kein Mittelalter.

Aber wie das mit verschlafenen Fischerdörfern manchmal so ist, sie wachen auf oder richtiger: Sie werden aufgeweckt, weil sie, ehrlich gesagt, von alleine nie aufgewacht wären. Aber Punta del Diablo wurde von keinem daherreitenden Prinzen wachgeküsst sondern von, in VW-Bussen daherkommenden Hippies (Ja, auch das gibt’s in Uruguay. So sagt es zumindest die Legende). Nachdem diese Hippies neben der Einsamkeit auch die Schönheit mit den verborgenen Stränden entdeckt hatten, in denen man prima in Ruhe kiffen konnte, und blöder Weise im bekifften Kopp anderen Hippies davon erzählt hatten, die auch wiederum anderen davon erzählten… Ihr kennt ja das Prinzip von Kettenbriefen und wisst, warum die verboten sind. Denn so etwas kann einfach nicht gut gehen!
Jedenfalls ist Punta del Diablo inzwischen einer der angesagtesten Strandorte Uruguays. Rudelweise Argentinier fallen hier ein. Noch immer gibt es zwar keine modernen Hotelkomplexe, aber überall werden Cabañas gebaut. Dennoch bleibt der Ort auch für den kleineren Geldbeutel attraktiv, im Gegensatz zu Punta del Este, dem Schickimicki-Ferienort Uruguays. Und so bin ich in einem Hostel mit Dormitorios (Schlafsälen) gelandet, die ihre Betten für 15-20 $ anbieten. Wer dem einheimischen Teufel seine Seele verhökert, bekommt sogar ein Zimmer, in dem sich schon fünf attraktive Argentinierinnen befinden.
Auf diese Art und Weise bin ich direkt in das Casting zu „Argentina’s Next Top Model“ geraten und habe der Jury gerne meinen Sachverstand zur Verfügung gestellt. Schließlich darf man nicht egoistisch sein, wenn einem die Möglichkeit zu helfen geboten wird.
Andererseits, ein kleiner Tipp: Falls ihr mal mit einem Rudel Argentinierinnen zum Essen ausgeht, dann esst besser vorher schon mal, weil es RICHTIG lang dauern kann, bevor es losgeht und ihr tatsächlich zum Essen kommt! Das ist im übrigen ein Rat von mit, den ich sogar selber in Zukunft beherzigen werde.

"meine Mädels". tja, der positive Nebeneffekt, wenn man sein Seele verkauft.
„Argentina’s Next Top Modell“. tja, der positive Nebeneffekt, wenn man dem Teufel sein Seele verkauft hat.

Punta del Diablo – Wenn der Teufel es gut mit einem meint!

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Punta del Diablo – Wenn es der Teufel gut mit einem meint!

Nach drei Wochen Brutkasten Südamerika hab ich meine Weiterreise an die uruguayische Atlantikküste nach „Punta del Diablo“ erfolgreich in den Sand gesetzt. Okay, der Sonnenuntergang ist auf der falschen Seite. Aber schließlich könnte ich ja kaum richtig zufrieden sein, wenn ich nicht irgendetwas (Überflüssiges) zu beanstanden hätte. Soviel Deutschsein gehört dazu.
Aber es zieht ein schicker Wind vom Meer zum Strand, Wolken verdecken die Gelbe Sau und ich bin geneigt dazu, mein T-Shirt nicht direkt auszuziehen. Im Gegenteil stellt ein unnötiger Teil meines Hirns Nachforschungen an, wo sich wohl mein langärmliges Shirt befindet. Trottel! Außerdem ist die Hochsaison wohl gerade vorbei und gar nicht mehr so schlimm (Weihnachten und die ersten zwei Januarwochen muss es hier die Hölle sein, was ja ganz gut zum Ortsnamen passt!) und der Strand wirkt dementsprechend entschleunigt. Mein Hostel hat mir ein Bett in einem 6er-Zimmer mit fünf netten und hübschen Argentinierinnen angeboten, sodass sich eine andere, mir bislang unbekannte Region meines Hirns Fragen stellt, ob es womöglich doch einen Gott gibt. Ein übergeordnetes Hirnzentrum (bezüglich Kompetenz und Einfluss) verteilt aber sofort die Devise „Demut“ und „Dankbarkeit“ reichen aus und ansonsten: „Genieß den Augenblick und halt die Fresse da hinten!“ So geht man in meinem Gehirn mit Untergebenen um! Gut so!
Außerdem, um die Gottesdebatte abzuschließen, befinde ich mich in Punta del Diablo. So gesehen, meint es Teufel eigentlich ganz gut mit mir!

"meine Mädels". tja, der positive Nebeneffekt, wenn man sein Seele verkauft.
„meine Mädels“. tja, Jungs, das hier ist der positive Nebeneffekt, wenn man seine Seele verkauft.

Hitzewelle in Montevideo

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Hitzewelle in Montevideo

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Aber es ist und bleibt scheißeheiß in Uruguay. Als wir gestern Nacht um 3:00 nach Hause laufen, werden noch 31° angezeigt. Wofür soll das gut sein? Das ist kein Sommer, das ist Folter! Mein inneres Team für Wetterprognostik versucht hochzurechnen, wie heiß es wohl tagsüber gewesen sein mag. Eine Zahl um und über 40° erscheint uns realistisch, für höhere Werte fehlt uns die persönliche Bemessungsgrundlage.
Meine beiden Gastgeber müssen am Morgen irgend etwas erledigen, rufen dann aber mittags an, dass sie doch den ganzen Tag unterwegs seien. Sie sitzen in einer hartnäckigen Warteschlange fest und kommen da nicht raus. Mir wird erklärt, wo ich den Schlüssel finde und wo das Katzenfutter für den Kater sei, und dann mache ich mich trotz Hitze auf eine Erkundungstour. Schließlich möchte ich mir nicht ins Poesiealbum schreiben: „Montevideo, 18. Jan. 2014, Tag vorm Ventilator verbracht!“ Andererseits…
Montevideo ist bei diesen Temperaturen einfach zu groß für zu Fuß! Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen Koeffizienten gibt, der die Temperatur in den potenziell maximalen Bewegungsradius einbezieht – und die Luftfeuchtigkeit und die Windstärke (heute gleich Null) natürlich auch.
Ich lande sogar in einem Museum. Einfach um von der Straße zu kommen! Ist ganz putzig. Ich bin der einzige Patient, äh Kunde oder wie sagt man…? Schon zu lange nicht mehr im Museum gewesen… ah, Besucher heißt das, richtig! Auf der anderen Seite war ich auch quasi der einzige Patient auf der Straße, ne, äh, Fußgänger. Diese Hitze führt offensichtlich zu matschiger Birne und Wortschwindungsfierigkeiten. Denn die Stadt ist leer. Fehlen nur noch die Rolling Bushes...! Niemand ist so blöd, um bei diesen wahnsinnigen Temperaturen… Gut, niemand stimmt natürlich nicht. Ich bin ja unterwegs…!
Das Museum ist „interactivo“ und man kann in den unterschiedlichen Räumen sich durch die Themen „klicken“. Dazu gibt es 3D-Animationen. Das ganze zum Thema „Landwirtschaft in Uruguay“. So lerne ich, dass 80% der Landesfläche Weideland sind, was so etwas wie Weltrekord ist. Naja und viele andere spannende Dinge zum Thema Weidewirtschaft, die ich aber aufgrund der Hitze oder wegen des Themas Weidewirtschaft sofort wieder vergesse. Das Vergessen (oder das „gar nicht erst Merken“) ist übrigens ein Schutzreflex der Gehirns, weil, wenn das Gehirn bei großer Hitze zu stark oder sagen wir normal durchblutet werden würde, könnte es zu langfristigen Hirnschäden kommen. Warum das genau so ist und wie das zu erklären ist, hab ich leider vergessen. Diese Hitze!

gefühlte und gemessene 129°C! glaubt einem ja so kein Mensch!
Nachts in Montevideo : gefühlte und gemessene 129°C! Beweisfoto! Glaubt einem ja sonst kein Mensch!

Fundstück – Frischer Hund

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Fundstücke in Fernwest – Frischer Hund

Ein kleiner abendlicher Spaziergang durch Carmelo bringt mich zu meinem nächsten Fundstück. Carmelo liegt am schmalen, vielleicht 2 km breiten Beginn des Rio de la Plata, der sich im weiteren Verlauf auf eine Breite von über 100 Kilometer auswächst, während sich immer mehr Atlantikwasser einmischt, was aber mit der Geschichte nur unwesentlich zu tun hat. Wer sich denkt, kann der Hund nicht mal aufhören, immer so belehrend zu sein, bringt die Geschichte allerdings wieder in die Spur.
Denn das, was ich heute entdeckt habe, hat tatsächlich etwas mit Hunden zu tun! Ich komme auf meinem Weg durch Carmelo an einer Carniceria/ Metzgerei vorbei, an der folgendes Schild befestigt ist: „Vendo perros cimarrones!“ Während die ersten beiden Worte sich für mich noch recht leicht übersetzen lassen „Verkaufe Hunde!“, habe ich keine Idee, was das dritte heißen soll. Aber: Führen solche Schilder an einer Metzgerei nicht zwangsläufig zu Missverständnissen? Oder geht nur mir das so?
Ich googletranslate zu Hause den Ausdruck „perros cimarrones“ und je nach dem, ob in Ein- oder Mehrzahl kommen ganz unterschiedliche Resultate heraus. Google-Translator ist aber wirklich zu lustig! Das muss man denen schon lassen:
perro cimarrón = Dickhorn Hund
perro cimarrones = entlaufender Hund
perros cimarrónes = Wildhunde
Ich frage die hübsche Frau von der Rezeption, ob die „perros cimarrones“ beim Schlachter nun so etwas wie „perro caliente“ (Hotdog) seien. Nein, das sei eine Hunderasse und wahrscheinlich sei damit nicht das Fleisch gemeint sondern lebend am Stück. Muss man dann wohl zu Hause selber die Sauerei machen.
Wenn man „perro cimarrón“ bei der Bildersuche eingibt, sieht man Bilder von hässlichen Boxern, den Hunden wohlgemerkt. So viel noch als Aufklärung. Über Zubereitungsarten „a la uruguaya“ finde ich allerdings nichts mehr. Überlassen wir das den Christen auf Flores/ Indonesien, die übrigens einen ganz hervorragenden Straßenköter zubereiten.

besagte carniceria
besagte carniceria

„vendo perros cimarrones!“

Fundstück – 36 Grad

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Fundstücke in Fernwest – 36 Grad
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, kein Ventilator! Das Leben kommt mir gar nicht hart vor!“
Meint Inga Humpe!
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, Klimaanlage! Rausgehen kommt nicht in Frage!“
Meint Tommi Boe!
Es ist natürlich nicht ganz unproblematisch, eine Geschichte über eine Hitzewelle im mitteleuropäischen Januar zu platzieren. Von Beileidsbekundigungen ist daher abzusehen. In der Zeitung habe ich gelesen, dass es selbst in Patagonien deutlich über 30° hat, für Neuquén, das „Tor nach Patagonien“, wurden im Internet sogar 40° angesagt (ja, auch in Argentinien meinen die damit „im Schatten!“).
Aber es ist nicht so, als würde das nicht normal sein. Die Zeitung in Posadas meinte, dass würde sich für die Jahreszeit in den „normalen Parametern“ bewegen. Und die meinen damit 40,8°C! (siehe Foto)!
Heute (in Carmelo/Uruguay) bin ich erst um 19:30 an den Strand des Rio de la Plata gegangen. Davor war’s einfach zu heiß, liebe Freunde. Die Frau von der Rezeption meint allerdings, dass es diesen Sommer in Uruguay extrem sei. Na, immerhin. Das Wasser verspricht keine große Abkühlung. Es ist bis 100 Meter weit noch nicht mal hüfttief und dementsprechend aufgewärmt. Zumindest das Bier wird eiskalt serviert. Nicht so wie in Deutschland! Denn das eine wissen die Menschen in Südamerika über Deutschland. Und ständig werde ich darauf angesprochen, in Deutschland trinke man das Bier doch „caliente“, nicht wahr? Wobei „caliente“ warm oder auch heiß bedeuten kann. Ich muss daraufhin ganz Südamerika aufklären, dass wir unser Bier NICHT warm trinken. Apropos Bier: das war mein Stichwort! Prost!

40,8°C sind innerhalb der "normalen Parameter".
40,8°C sind innerhalb der „normalen Parameter“.

Sonnenuntergang in der Fresse, eiskaltes Bier dazu. So lässt es sich aushalten!
Sonnenuntergang in der Fresse, eiskaltes Bier dazu. So lässt es sich aushalten!