scheißeheiß

Hitzewelle in Montevideo

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Hitzewelle in Montevideo

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Aber es ist und bleibt scheißeheiß in Uruguay. Als wir gestern Nacht um 3:00 nach Hause laufen, werden noch 31° angezeigt. Wofür soll das gut sein? Das ist kein Sommer, das ist Folter! Mein innernes Team für Wetterprognostik versucht hochzurechnen, wie heiß es wohl tagsüber gewesen sein mag. Eine Zahl um und über 40° erscheint uns realistisch, für höhere Werte fehlt uns die persönliche Bemessungsgrundlage.
Meine beiden Gastgeber müssen am Morgen irgend etwas erledigen, rufen dann aber mittags an, dass sie doch den ganzen Tag unterwegs seien. Sie sitzen in einer hartnäckigen Warteschlange fest und kommen da nicht raus. Mir wird erklärt, wo ich den Schlüssel finde und wo das Katzenfutter für den Kater sei, und dann mache ich mich trotz Hitze auf eine Erkundungstour. Schließlich möchte ich mir nicht ins Poesiealbum schreiben: „Montevideo, 18. Jan. 2014, Tag vorm Ventilator verbracht!“ Andererseits…
Montevideo ist bei diesen Temperaturen einfach zu groß für zu Fuß! Ich weiß nicht, ob es dafür schon einen Koeffizienten gibt, der die Temperatur in den potenziell maximalen Bewegungsradius einbezieht – und die Luftfeuchtigkeit und die Windstärke (heute gleich Null) natürlich auch.
Ich lande sogar in einem Museum. Einfach um von der Straße zu kommen! Ist ganz putzig. Ich bin der einzige Patient, äh Kunde oder wie sagt man…? Schon zu lange nicht mehr im Museum gewesen… ah, Besucher heißt das, richtig! Auf der anderen Seite war ich auch quasi der einzige Patient auf der Straße, ne, äh, Fußgänger. Diese Hitze führt offensichtlich zu matschiger Birne und Wortschwindungsfierigkeiten. Denn die Stadt ist leer. Fehlen nur noch die Rolling Bushes...! Niemand ist so blöd, um bei diesen wahnsinnigen Temperaturen… Gut, niemand stimmt natürlich nicht. Ich bin ja unterwegs…!
Das Museum ist „interactivo“ und man kann in den unterschiedlichen Räumen sich durch die Themen „klicken“. Dazu gibt es 3D-Animationen. Das ganze zum Thema „Landwirtschaft in Uruguay“. So lerne ich, dass 80% der Landesfläche Weideland sind, was so etwas wie Weltrekord ist. Naja und viele andere spannende Dinge, die ich aber aufgrund der Hitze sofort wieder vergesse. Das Vergessen (oder das „gar nicht erst Merken“) ist übrigens ein Schutzreflex der Gehirns, weil, wenn das Gehirn bei großer Hitze zu stark oder sagen wir normal durchblutet werden würde, könnte es zu langfristigen Hirnschäden kommen. Warum das genau so ist und wie das zu erklären ist, hab ich leider vergessen. Diese Hitze!

gefühlte und gemessene 129°C! glaubt einem ja so kein Mensch!
Nachts in Montevideo : gefühlte und gemessene 129°C! Glaubt einem ja sonst kein Mensch!

Immer diese Wasserfälle

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Immer diese Wasserfälle

„Baños de Agua Santa“ heißt der Ort, in dem ich gerade bin. Doch jedermann sagt einfach „Baños „, was gleich weniger exotisch klingt, weil das Wort zwar „Bad“, aber eben auch soviel wie „Toilette“ bedeutet.

Ich habe mir ein Rad ausgeliehen und mache mich auf die „Ruta de las Cascadas“ (Straße der Wasserfälle). Hier reihen sich entlang eines Haupttals etliche Wasserfälle. Zum Teil fahre ich sogar auf einer Ciclovía, einem Fahrradweg, und Schilder am Straßenrand und Zeichen auf dem Asphalt weisen wiederholt auf die friedliche Koexistenz zwischen Autofahrern und Aliens (also Fahrradfahrern) hin. Im Vorbeiradeln lese ich „Comparta la Vida!“ (Teile das Leben!). Ist das als Aufruf gemeint, die Radfahrer doch nicht – wie üblich – zu überfahren, oder ist das Ganze eher philosophisch zu verstehen? Oder hab ich einfach nicht richtig gelesen? Aha! „Comparta la Vía!“ (Teile die Straße!) Das klingt weder wie ein lebensbejahender Aufruf noch sonderlich philosophisch!
Apropos philosophisch. Gibt es so etwas wie allgemein gültige Schönheit oder etwas, was alle (die meisten) Menschen mögen oder sie fasziniert…? – Wie wäre es mit Wasserfällen? Die sind doch toll? Oder? Oder nicht…?
Ich bin durchaus an die Grenzen meiner Bewunderungsfähigkeit gekommen. Auch Wasserfälle erschöpfen sich irgendwie – besonders heute! Links einer, rechts einer und da hinten…! Ich weiß, ich bin undankbar, abgestumpft! Aber so funktioniert Inflation nun einmal! Und an jedem (!) Wasserfall findet sich am Straßenrand mindestens eine Canopy-Station (Zipline/Seilrutsche), an der man über ein Stahlseil auf die andere Talseite „rüberfliegen“ kann (Foto). Für 10$ gönne ich mir den schnellen, käuflichen Spaß und komme mit einer alten, coolen Seilbahn (Foto) zurück. Aber auch hier Inflation, liebe Freunde!
Nach dem letzten Wasserfall lassen sich die meisten touristischen Radfahrer von passierenden Busen oder Jeeps nach Baños hochchauffieren. Ich bin der einzige, der wieder hoch fährt. Daher fehlen auch auf dieser Straßenseite die freundlichen Koexistenzhinweise und ich werde mehrfach an- und ausgehupt.
Es geht bergauf! Mein Ziel sind die Thermalquellen oberhalb der Stadt, wobei mir nicht ganz klar ist, wie sehr oberhalb diese Quellen tatsächlich sind. Denn das letzte Stück ist echt hart. Der erste Gang von meinem Mountainbike, den ich bisher gar nicht gebraucht habe und den ich jetzt dringend benötige, will nicht. Ich kämpfe, denn ich habe ein Ziel.
Ich erreiche das Ziel und es ist seit einer halben Stunde geschlossen. Die heißen Quellen, Hoffnung meiner erschöpften Beine, sind erkaltet. Mein verweist mich genauso kalt lächelnd an die Quellen im Zentrum. Genau die wollte ich eigentlich vermeiden. Denn dort soll immer richtig viel Volk sein! – Was soll’s? Was bleibt mir? Ich radel ins Zentrum zurück. Zumindest das geht schnell! Aber auch die Thermen haben zu (och nee!). Aber sie machen abend noch mal auf.
Die Thermen sind sooo voll, dass ich kaum ins erste Becken komme. Das Wasser ist trüb und warm (nicht heiß) und wir haben alle eine Einweg-Duschhaube auf! Hmmm! – Aber es gibt noch ein anderes Becken und das hat es in sich! Ich setze beide Füße auf die erste Treppenstufe und bin auch schon wieder draußen! Scheißeheiß! Richtig aua! Nebendran sind kalte Abklingbecken! Aha! Ich kühle mich erst mal richtig runter und gehe dann ins scheißeheiße Becken. Jetzt geht’s. Aber richtig schön ist das nicht! Aber meinen Muskeln gefällt das Wechselspiel.
Nach einigen Runden des Wechselbadens verlasse ich lächelnd die Thermen. Jetzt noch Essen und ein Weinchen… Was will ich mehr? – Nichts. Naja, vielleicht weniger Wasserfälle das nächste Mal. Inflation stumpft mich immer so schrecklich ab!

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