freiwillige Selbstverpflichtung“

Klöckner heiratet Nestlé

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Klöckner heiratet Nestlé

Einige haben es geahnt, andere nur vermutet. Nach einem kurzen aber heftigen Flirt wurde nun bekannt gegeben, dass sich Julia Klöckner und Nestlé verlobt haben. Einer großen, romantischen Traumhochzeit steht nun nichts mehr im Wege.

Nachdem das Video der Verliebten viral gegangen ist, hält sich die Überraschung über die anstehende Hochzeit in Grenzen. Ob man sich aus Imagegründen die ewige Treue nächstes Jahr am Zuckerfest schwören wird, steht noch offen.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft steht als Brautjungfer jedenfalls nicht zur Verfügung. Sie hält nämlich den deutschen Sonderweg der freiwilligen Selbstverpflichtung für unzureichend, dadurch habe das Gremium der Ministerin zu wenig Einfluss auf die Ziele zur tatsächlichen Reduzierung von Zucker, Salz und Fett in Fertiglebensmitteln.

Weder bei Zuckersteuer noch Lebensmittelampel hat sich Klöckner getraut, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern (wir berichteten), der Industrie klare Vorgaben zu machen und Gesetze zu erlassen. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse lässt sich Klöckner auch nicht beeinflussen. Schließlich hat sie dafür den Bauernverband und die Lobby der Lebensmittelindustrie…

Blöd, dass jetzt die Verbraucherzentrale Hamburg in einer internen Untersuchung an Nestlé-Produkten feststellen konnte, dass die so stolz präsentierten Ergebnisse von Nestlé zudem noch geschönt waren. Denn weder die 10%ige Reduktion von Zucker noch Fett konnten erreicht werden.

Putzige Antwort von Nestlé, warum die Reduktion nicht schneller vorangehe, man müsse „aus Rücksicht auf die Konsumenten behutsam vorgehen“. Daher könne man die Rezepturen nur langsam verändern.

Sehr rücksichtsvoll, Nestlé! So kennt man Euch gar nicht!

Was geht, Andi Scheuer?

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Was geht, Andi Scheuer?

Hä…?! Was durfte ich da in der Zeitung lesen? Andi Scheuer hat der Autobranche einen zu langsamen Wandel zu sauberen Motoren vorgeworfen. Hä…?! Andi Scheuer… der Autobranche… vorgeworfen…?!  Musste erst mal gegoogelt (über Ecosia, versteht sich!), ob es noch einen anderen Andreas Scheuer in der Politik gibt, bei den Grünen oder so… Aber nein, nein, unser Verkehrsoberdödel A.Scheuer war’s tatsächlich und persönlich. Was geht denn da?

Ist er beim letzten Furz der Autokonzerne aus deren Enddarm geflutscht? Denn dort steckte er doch bisher recht klaglos…

Bei einer Mobilitätskonferenz in Berlin kam jetzt raus, dass der Bund seit 2009 satte 5,2 Mrd. Euro für „technologieoffene“ Förderung für Antriebstechnologie an die Automobilindustrie rausgehauen hat. Autsch! Technologieoffen war wohl ein Fehler. Hätte man vielleicht geschickter formulieren sollen, so mit klarer Anweisung zur Verwendung. Naja… 5,2 Mrd. Euro später sind wir um die Erfahrung reicher, dass technologieoffen in etwa genauso scheiße ist eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ seitens der Industrie. Das hat ja jahrzehntelang auch ganz hervorragend zu nichts geführt: hübscheste Selbstverpflichtungen bei anhaltender Handlungsstarre.

Weiter so! ist halt nicht nur ein Politik- sondern auch ein Konzernproblem! Veränderungen kosten. Und bei lästigen oder gar langwierigen Anpassungsprozessen steht oft die schöne Gelddruckmaschine im Keller still. Und die muss nun mal laufen und laufen und laufen – trotz oder wegen freiwilliger Selbstverpflichtung!

Aber zurück zum Anfang und mal ganz im Ernst: Fängt Andi Scheuer jetzt etwa an Politik zu machen…?! – Verwirrende Zeiten!

 

Mehr zu Andi Scheuer:

https://tommiboe.com/2018/09/15/neues-aus-dem-enddarm-der-automobil-lobby/

https://tommiboe.com/2014/12/08/a-scheuer-ist-b-bescheuert/

https://tommiboe.com/2016/09/23/a-scheuer-bleibt-b-scheuert/

 

Abendländische Werte in Zeiten der Morallosigkeit

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Abendländische Werte in Zeiten der Morallosigkeit

Seid Ihr auch so besorgt, dass durch den Zustrom von Flüchtlingen unsere Werte bedroht sind? Und dass wir unsere Werte verteidigen müssen? Mit „Werte vorleben“, wäre ich, glaube ich, eher gedient. Aber um welche wichtigen Werte soll es eigentlich gehen? Wie wär’s denn mit Moral…?

„Moral… hä…?!“ Kann sich noch jemand entfernt erinnern…?! Ich finde es schon ziemlich putzig (vorsichtig ausgedrückt), muezzingleich eine abendländische Wertedebatte auszurufen, während sich weite Teile unserer Gesellschaft längst von Moral befreit haben.

Werfen wir doch mal einen Blick auf unsere Wirtschaft. Ein Unternehmen (nehmen wir die kleineren Familienbetriebe mal raus) ist einzig seinen Anteilseignern, seinen Aktionären gegenüber verpflichtet. Das ist ihre quasi-göttliche Verpflichtung. Ihre Aufgabe ist es, Gewinne zu maximieren – egal mit welchen sozialen Kollateralschäden. Gewinnmaximierung ist ein Euphemismus für Ausbeutung und Umverteilung. Anders lassen sich Gewinne heute gar nicht maximieren. Denn die Zeiten mit großem Wirtschaftswachstum sind längst vorbei. Damit ließen sich nämlich Vermögen und Einkommen steigern. Zugegeben auf Kosten anderer Länder. Aber immerhin. Und das waren wir ja seit dem Kolonialismus gewöhnt.

Die heutigen Wachstumsraten reichen natürlich noch immer dafür aus, die Vermögen zu vermehren, im Gegensatz zu den Einkommen. Das werden sie auch noch bei Nullwachstum, aber eben auf Kosten unserer Gesellschaft. Und während die Politik der Wirtschaft und den Banken im Krisenfall zur Seite springt, ist der umgekehrte Fall undenkbar. Haifischkapitalismus kann nicht moralisch sein. Das passt nicht ins Konzept!

Manchmal frage ich mich: Wieso ist eigentlich nicht der Bürger systemrelevant?

Wie auch immer! Das Gleiche gilt für die Banken. Ich bin über einen lustigen Artikel aus der SZ (von 2014) gestolpert, in dem das Konzept „Virtuous Banking“ vorgestellt wurde, also vom „Tugendhaften Banking“. Demzufolge sollten sich alle Banker, entsprechend dem hippokratischen Eid der Mediziner, zu tugendhaftem Banking verpflichten.

Lustig, gell? Noch nie was davon gehört…? Kein Wunder! Wenn man „virtuous banking“ googelt, erhält man lächerliche 515 Treffer. (Zum Vergleich: bei „Penispumpe“ sind es 283000!) Denn es interessiert sich, obwohl es eine großartige Idee ist, keine Sau für Virtuous Banking!

Die Folgen der Entmoralisierung von Wirtschaft und Finanzwesen schlagen natürlich auch auf die Gesellschaft durch. Wer kann schon von seinen Bürgern verlangen, sich moralisch korrekt zu verhalten, solange die Wirtschaft machen kann, was sie will, und ihr zur Zügelung so schmutzige Deals wie „freiwillige Selbstverpflichtungen“ angeboten werden, die, ich habe recherchiert und nachgezählt, in keinem einzigen verschissenen Fall JEMALS etwas bewirkt haben. „Freiwillige Selbstverpflichtung“…? Am Arsch! Gedankenexperiment: Man überließe dem Steuerzahler, auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung seine Steuern zu begleichen. Würde bestimmt super klappen!

Moral, Verzicht und Demut sind in unserem vollkapitalistischem Konsumtempel nicht vorgesehen und sogar, wie uns unsere Wirtschaftshörigkeit souffliert, Wohlstandsgefährdung und Zukunftsverweigerung!

Äh… was wollte ich noch mal sagen? Welche Werte wollte ich doch gleich verteidigen…?! Naja… egal… irgendetwas Abendländisches, glaube ich…!

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Herr Boe fragt sich: „Werte…? Moment mal..? Da war doch was…! Warte, ich hab’s gleich! Nee, doch nicht. Hmm, Werte…? Verteidigen? Wir jetzt…?! Hää?! Verstehe ich doch nicht!“

 

Mindestverarschlohn

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Mindestverarschlohn

Mensch, du, toll! Jetzt haben wir doch tatsächlich seit dem 1.1.15 einen Mindestlohn. Obwohl das wissentlich unsere gesamtdeutsche Wirtschaft auf schwarzafrikanisches Niveau ruinieren wird oder schlimmer: griechisches! Ich werde mir wahrscheinlich nie mehr leisten können, zum Frisör zu gehen (zugegeben nicht mein Problem!). Oder ich werde mir nie mehr einen zu fairen Preisen gestochenen Spargel gönnen. Vermutlich werden alle Putzkolonnen ab sofort in anderen, billigeren, noch schmutzigeren Ländern putzen gehen müssen. Habt Ihr auch so eine Mordsangst vorm Mindestlohn? Denn was wird aus meiner schönen Dividende? Wird sich die deutsche Armut, über die es jährliche Verlogenheitsberichte gibt, womöglich auf die Vermögenden ausweiten. Oh, du verfluchte Millionärsarmut!
2000 Familien in Griechenland besitzen 80% des griechischen Vermögens. Man stelle sich vor, die würden jetzt auch noch verarmen. Dann würde es Griechenland noch schlechter gehen! Das dürfen wir nicht zulassen!
Zurück zum Mindestlohn. Was passiert jetzt, einen Monat nach seiner Einführung? Erste Erfolge sind erkennbar – egal wie lächerlich 8,50 € nun sind. (Aber dieses Fass will ich hier nicht auch noch aufmachen!) Aber erste Erfolge sind bereits jetzt sichtbar. Ist das ein gutes Zeichen? Na klar! So gut, dass die CSU schon die ersten „Verbesserungen“ ankündigt. Doch Verbesserungen für wen? Das ist natürlich keine ernstgemeinte, sondern nur eine rhetorische Frage… Also: Ein klares Ja zum Mindestlohn. Aber natürlich mit Ausnahmen, weil, äh, weil, ja, weil, äh, weil weil das besser ist, sinnvoller, logischer, vernünftiger, ähh, ähh, weil halt! Ist doch klar!
Denn es ist doch klar, dass nicht jeder hergelaufene Langzeitarbeitslose sofort den vollen Mindestlohn bekommt, sondern erst mal einen Minimindestlohn oder nennen wir es doch einfach Mindestverarschlohn.
Und weitere Ausnahmen liegen doch auf der Hand, erklären sich doch von selbst: Frisöre, Taxifahrer, Putzfrauen, Saisonkräfte, Leiharbeiter… Naja, dann irgendwie vielleicht doch das ganze Niedriglohnsegment. Aber für den Rest gilt dann der Mindestlohn. Aha! Für wen sollte noch mal der Mindestlohn sein? Und, liebe SPD, lass dich nicht wieder so billig über den Tisch ziehen wie üblich! Ich weiß, ich wiederhole mich: Für wen sollte der Mindestlohn sein?! Für alle…?! Oder hab ich naives Dummchen mal wieder etwas falsch verstanden…?!
Aber da ist ja noch dieser neue Buhmann, dieser neue fiese Bösewicht: das „Bürokratiemonster“, entfernt verwandt mit allen Wutbürgern und Konsumverweigerern. Dieses gemeine Bürokratiemonster möchte nämlich die Arbeitszeiten kontrollieren. Was?! Warum das denn? Ist das nicht illegal?! Könnte man sich nicht vielleicht stattdessen auf eine kleine süße „freiwillige Selbstverpflichtung“ einigen? Das ist doch immer diese Königsverarsche der Politik, wenn man der armen kleinen Wirtschaft keine bösen Vorschriften machen möchte. Dann einigt man sich auf eine freiwillige Selbstverpflichtung, die Wirtschaft zeigt öffentlich Einsicht in die Wichtigkeit des Thema. Und, ach ja, nichts passiert…
Komisch, dass man diese vom Volk gewählten Wirtschaftsmarionetten noch immer „Volkstreter“ nennen darf. Ob man so einen Begriff nicht auch mal schützen könnte? Vertretet Euer Volk, Ihr Arschgeigen! Wer wählt Euch eigentlich? Seltsam, dass man solche Fragen immer wieder stellen muss…
Aber was soll man erwarten…?! Wenn Gabriel nur halb so viel Arsch in der Hose wie Wampe in der Weste hätte, dann müssten sich die Christlichen Parteien warm anschnallen. Aber leider sind in Zeiten, in denen die Christlichen längst nicht mehr christlich sind, die Sozialen auch schon lange nicht mehr sozial.
Der einzigen Partei, der man in dieser Hinsicht noch beipflichten kann, sind, ob man will oder nicht, die Linken. Aber das geht ja gar nicht. Denn das sind ja alles Nazis. Nee, oder so ähnlich! Oder noch schlimmer! – Schon klar! Dann schon lieber den übrigen Wirtschaftsmarionetten vertrauen…! Die wollen sicher unser Bestes!