Fernwest

Fundstücke in Fernwest – Lamaföten

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Fundstücke in Fernwest – Lamaföten

Wenn man so ein bisschen durch den Altiplano gereist ist, dann hat man sich daran gewöhnt, dass links und rechts der Piste Lamas herumturnen. Und man freut sich jedes Mal, sie zu sehen. Hübsch, oft im Familienverbund und mit farbigen Stofffetzen im Ohr.
In La Paz habe ich jetzt auch ganz viele Lamas gesehen. Noch ganz kleine! Die hängen hier getrocknet auf dem so genannten Hexenmarkt rum, zum Teil als frisch geschlüpfte und noch mit Eierschalenresten im Fell, zum Teil noch winzigkleine, fellfreie Lamaföten. Der erste mitteleuropäische Gedanke, der einem einschießt, ist: Ohhh süß, ein Plüschlama von Steiff. Aber nein, weit gefehlt! Sie haben keinen Knopf im Ohr und zum Kuscheln sind sie auch nicht!
Aber wofür ist so ein Lamafötus denn nun gut?!
Klar, man kann sie als originellen Duftbaum lässig am Rückspiegel baumeln lassen. Frauen reißt man mit der Masche vermutlich auf keinem Kontinenten der Welt auf.
Ich frage also eine Lamaföten-Fachverkäuferin und sie erklärt mir bereitwillig (und gar nicht so maulfaul wie viele andere Bolivianerinnen), dass Lamas der Pachamama (Mutter Erde) geopfert würden, um sie zu besänftigen. Übrigens besonders zu Monatsanfang und freitags. Muss ich also nächsten Freitag mit der Schlachterschürze vors Haus treten.
Beliebt ist es auch, einen getrockneten Lamafötus unter der Schwelle der Haustür zu vergraben. Das bringt Glück für das neu errichtete Heim. Na bravo! Bei uns macht man das mit der Schwiegermutter. Muss man sich jetzt genau überlegen, was ethisch-moralisch vernünftiger ist.

Aber müssen wir uns immer vom Entweder-Oder tyrannisieren lassen? Nein! Mein Tipp daher: Warum nicht beides?

"Ohhhhh Plüschlamas! wie süüüüß!" Von wegen!
„Ohhhhh Plüschlamas! wie süüüüß!“ Von wegen!
da hängen sie noch! doch schon morgen könnten sie der Pachamama geopfert oder unter einer Türschwelle vergraben werden. Na ja, jetzt auch egal...
da hängen sie noch! doch schon morgen könnten sie der Pachamama geopfert oder unter einer Türschwelle vergraben werden. Na ja, jetzt auch egal…
Für diese zeitlose Kopfbedeckung plus Schal musste kein Lama sterben. Zumal es sich natürlich um Alpaca-Wolle handelt!
Für diese zeitlose Kopfbedeckung plus Schal musste kein Lama sterben. Zumal es sich natürlich um Alpaca-Wolle handelt!

 

Fundstück – sozialistische Patentverweigerer

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Fundstücke in Fernwest – sozialistische Patentverweigerer

Gerne werden sozialistische Länder als unterlegen im internationaler Vergleich angesehen. Und in Lateinamerika lässt sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Linksruck erkennen. Kuba ist ja schon etwas länger dabei, auch Venezuela blickt schon auf über ein Jahrzehnt Revolution, Chavismus und Sozialismus zurück. Gerade aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Schieflage kam es dort in den zurückliegenden Monaten zu Demonstrationen und Unruhen mit etlichen Todesopfern.
Aber auch in anderen Ländern ist dieser Linksruck zu beobachten: Ecuador, Bolivien, Argentinien und Uruguay, alle haben linke Regierungen.
Neulich habe ich in einer chilenischen Zeitung einen Artikel über einen besonderen Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung und deren Zukunftschancen gelesen. Es ging um die Anmeldung von internationalen (Wirtschafts-)Patenten. Darin wurde die relativ niedrige Anzahl von internationalen Patenten in Lateinamerika gegenüber anderen Ländern beklagt. So hat Südkorea zum Beispiel mit 12400 Patenten (pro Jahr) zehnmal so viel wie ganz Lateinamerika, obwohl es weniger als ein Zehntel der Bevölkerung aufweist. Und besonders verheerend sieht dies in den sozialistischen Ländern aus, die ganz unten auf dieser Liste auftauchen. Argentinien mit 26 internationalen Patenten im zurückliegenden Jahr. Dahinter liegen noch Kuba mit neun und Venezuela mit einem (1!) Patent im zurückliegenden Jahr.
In kaum einem anderen Land der Welt ist es auch so schwierig, ein eigenes Unternehmen zu gründen wie in Venezuela. Es gibt derart viele Auflagen, die das freie Unternehmertum so sehr behindern, dass es quasi ausstirbt. Das hat auch dazu geführt, dass viele junge Venezolaner gar kein Interesse mehr daran haben, selbstständig zu werden, eigene Ideen zu realisieren und damit auch der venezolanischen Wirtschaft neue Impulse zu versetzen. Na, wenn das das Ziel der Regierung gewesen ist, ist ihnen das zumindest prima gelungen. Und wenn dann Produkte des täglichen Bedarfs wie Klopapier, Milch, Maismehl, Eier oder auch Holzkleber fehlen, bitte, liebes Volk, mal nicht aufregen. Denn den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!
Nachdem das zurückliegende Jahrzehnt für die meisten Länder Lateinamerika wirtschaftliche und dadurch auch zum Teil soziale Verbesserungen mit sich gebracht haben, sehen die Wirtschaftsprognosen für die Zukunft leider nicht mehr in allen Ländern so rosig aus. Ob sich das nun ausgerechnet durch sozialistische Regierungen bessern wird…? Diese Bewertung überlasse ich der Phantasie des Betrachters.

Fundstück – Tenedor Libre

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Fundstücke in Fernwest – Tenedor Libre

Die südamerikanische Version des „All you can eat“ nennt sich „Tenedor Libre“, sprich „freie Gabel“ für freie Bürger! Man darf also so lange zulangen und reingabeln, bis die Fressnarkose einsetzt. Das Taxi oder den Arzt muss man dann allerdings wieder selbst bezahlen. Den fälligen Verdauungsschnappes im Übrigen auch.
Das Prinzip ist einfach. Wer viel isst, macht man ein gutes Geschäft! Naja, und das Essen muss halt richtig billig sein! Für alle, die das nicht verstehen, siehe „Dreisatz/ Wikipedia“!
Der Tenedor Libre „Caro Pepe“ in Mendoza wurde mir schon in Valparaiso/ Chile empfohlen. Ich bin eigentlich nicht so der Fan dieser Fressveranstaltungen. Aber als in meinem Hostel in Mendoza diese Empfehlung wiederholt wird und der Laden nur ein paar Quadras entfernt ist, gebe ich Pepe eine Chance.
Es gibt viele gute Gründe, seinen Fleischkonsum einzuschränken oder ganz aufzugeben. Der Besuch bei Pepe allerdings ist ein SEHR guter! Er führt einem die ganze Diskussion noch mal intensiv und anschaulich vor Augen.
Kleines Paradoxon: Als ich vor 16 Jahren das erste Mal nach Argentinien kam, war ich Vegetarier und hab wieder mit dem Fleischessen angefangen. 16 Jahre später, wieder in Argentinien, streift mich mit Wucht eine übergeordnete Ernährungsvernunft, vielleicht doch einfach auf Fleisch zu verzichten! Schließt sich hier der Würfel? Brauchte ich 16 Jahre, um zu dieser Einsicht zu gelangen, oder genügt einfach ein Besuch bei Pepe?
Aber wirklich, liebe Freunde und Freundinnen des Fleischverzehrs: Das war schon eklig! In Argentinien bekommt man ja in der Regel gutes bis sehr gutes Fleisch vorgesetzt. Aber bei Pepe…! Es gibt ein großes Buffet mit Salat, Beilagen, Fleisch in Soßen und zusätzlich das Herzstück, die Asado-Ecke. Dort wird gegrillt, bis der Arzt kommt!
Ich bekomme so einen fettigen, sehnigen Klumpen auf den Teller, woran Messer und Zähne verzagen und versagen. Schwer zu sagen, welches Tier mit so etwas leben konnte. Aber längst nicht erkenntlich, warum dafür ein Tier getötet werden musste. Gut, vielleicht ist aufgrund von Herzverfettung von alleine gestorben. Aber ansonsten lässt sich das nicht erklären. Denn so etwas kann definitiv niemand essen! Niemand…? Tatsächlich…? Ich blicke mich im Restaurant um und erkenne etliche Gestalten, die das durchaus können! Und leider sehen diese Gestalten (mir fällt es schwer, ein anderes Wort dafür zu finden. Deshalb die Wiederholung!) auch genau so aus, als würden sie das hier regelmäßig machen. Das hat folgende Wirkung: feiste Wangen, fleischige Weiber, fette Wampen, fiese W… Sie alle legen ein Fressverhalten wie ein Großmaulpinguin an den Tag. Die können nämlich auch nicht stoppen. Allerdings müssen sie auf diese Weise auch nur zweimal pro Jahr fressen!
Beim dicken Mädchen am Nachbartisch hat bereits die Fressnarkose eingesetzt. Der Blick ist schon in Wachkomastellung gekippt, während die Mama stolz den prallen Bauch der Kleinen streichelt und ihr Leise zumurmelt: „Gekotzt wird erst, wenn das Buffet leer ist!“ Ich könnte jetzt schon…!
Dabei wissen wir doch alle Bescheid über Massentiervergewaltigung. Aber wir wollen der Fleischindustrielobby glauben, die uns mit medialem Irrsinn das romantische und grenzdebile Bild von der glücklichen Kuh vorführt, die am Ende eines herrlichen Sommertages von der schönen Sennerin von der Alm geholt und zum Schlachthaus auf der anderen Seite des Jordans gerudert wird. Ach ja, ich vergaß: und dabei wiederkauend lächelt – also nicht die Sennerin!
Im Gegenteil regen wir uns sogar, via CSU, aber letztlich doch wir alle, über die „Öko-Diktatur“ der Grünen auf, die uns vorschreiben wollen, was richtig und falsch auf unserem Teller ist. Und scheiß drauf, dass von einem Tag die Rede und das alles eher symbolisch als Aufruf zum Nachdenken gemeint ist. Bevormundung! Öko-Diktatur! schreien die Konservativen! Ja, geht’s noch ’ne Nummer dümmer…?! – Nachdenken vom Volk einfordern…?! Wo kommen wir denn da hin?! Das wäre ja noch schöner…! Ein nachdenkendes Volk…?! Braucht kein Mensch!
Und es waren noch nicht einmal provokante Gedanken wie, für Vegetarier die Krankenkassenbeiträge zu senken oder umgedreht sie für Fleischesser zu erhöhen. Wäre doch mal interessant…! Nur mal zum Nachdenken, liebe CSU. Habt ihr wieder etwas an den Stammtischen, was die Weißwurst in euch zum Explodieren bringt!
Denn auf der anderen Seite der Vernunft und der Moral (zwei Tugenden, die sich in der heutigen Welt anscheinend niemand mehr leisten kann oder will) lachen sich die Rentenkassen ins Fäustchen über jedes vorzeitige Ableben einer Fettleber. Ach, ist das zynisch?
Wo ist die FDP, die den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Hühnchenmast am Hühnchenstandort Deutschland einfordert. Wo ist die Pharmaindustrie, die aus Angst vor Umsatzeinbußen in der Massentierhaltung, nachts bei Mutti anruft? Das ist zynisch!
Ach, halt doch endlich die Fresse, Herr Boe! Das will doch eh keiner hören, du Öko-Nazi-Sau! Dass ich mich auch immer nach dem Verzehr von rotem Fleisch so aufregen muss…!

das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
das Herzstück: Asado, argentinischer Volkssport. Kann gut sein, muss nicht!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der "tenedor libre" voll ausgezahlt!
stolze Mama streichelt den prallen Bauch des Kindes. Da hat sich der „tenedor libre“ voll ausgezahlt!

Fundstück – Heiße Schokolade

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Fundstücke in Fernwest – Heiße Schokolade

Das letzte Mal, als ich eine heiße Schokolade getrunken habe, ist gefühlte 25 Jahre her.
Ich sitze in diesem historischen Moment in den Bergen vor Pucón. Gerade bin ich aus den Termas Geométricas (Hot springs) als zufriedene Ursuppe zurück an Land geschwappt. Materialisiere mich gerade wieder entgegen dem überzeugenden Gedanken, dass wir eigentlich doch alle bloß Wasser sind und ins Wasser gehören, bei 38-40°C versteht sich, geschüttelt und nicht gerührt.
Ein nettes Café mit Feuerkorb und Glasfront zu den Thermalquellen lädt ein, sich etwas zu gönnen. Einem Kaffeetrinker wie mir kommt Kaffee in den Sinn. Ich weiß längst, dass das ein fehlerhafter Gedanke in Südamerika ist, und ich bin natürlich selber Schuld. Aber hin und wieder lauern positive Überraschungen. In Buenos Aires gibt’s nette Cafés mit gutem Kaffee. Italienischer Einfluss macht sich hier bezahlt, neulich in Puerto Varas konnte ich einen Ristretto bestellen und ihn auch bekommen. Aber sonst…?! Abwarten und Teetrinken.
Aber ausgerechnet Chile, das bestentwickelte Land des Kontinents, muss es völlig übertreiben. What’s wrong with you?! Sollt ihr doch das verfickte Nestlé-Logo direkt in eure Fahne mit aufnehmen. Die stellen einem in Restaurants (!) neben den Becher mit heißem Wasser eine Instant-Kaffee-Dose auf den Tisch. Und das ist keine dieser merkwürdigen Metaphern von Herrn Boe, die keine Sau versteht! Nein, sondern tatsächlich eine Dose mit Instant-Kaffee! Das ist so entwürdigend. Greift hier nicht das Völkerrecht! Die blöde UN beschimpft Uruguay, weil sie Marihuana erlauben, aber was unternimmt sie gegen Chile…?!
Bolivien zerrt Chile ja gerade wegen des in den Salpeterkriegen (im 19. Jahrhundert wohlgemerkt) verloren/geklauten Meereszugangs vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das Gleiche sollte man mit Chile wegen Verachtung der Würde des Kaffees machen!
Aber, aber… Ich bin viel zu entspannt und gut gelaunt und so bestelle ich mir eine heiße Schokolade. Natürlich ist auch das eine Fertiglösung und natürlich nicht mit Milch und natürlich viel zu süß für meinen Geschmack und natürlich auch von Nestlé (ich bin ja immer noch in Chile!). Aber trotzdem einfach herrlich! Heiß und süß und einfach mal kein schlechter Kaffee! Manchmal ist das so einfach. Hat sieben Monate gedauert. Da hätte ich Depp auch schon mal früher drauf kommen können!

das bekommt man im Restaurant auf den Tisch gesetzt, wenn man dummerweiser Kaffee bestellt! Na, dann viel Vergnügen...!
das bekommt man im Restaurant auf den Tisch gesetzt, wenn man dummerweiser Kaffee bestellt! Na, dann viel Vergnügen…!

Fundstück – ein Trottel am Fluss

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Fundstücke in Fernwest – ein Trottel am Fluss

Da sitzt er nun, der Trottel, und schaut sich die Torres del Paine an. Und er sitzt am Fluss und schaut und sitzt und schaut – immerhin am Rio Paine. Aber warum wandert er nicht? Weil der Trottel am Eingang des Parkes, wo man sich registrieren lassen muss, seine Regenjacke plus Mütze im verfickten Bus vergessen hat. Er hat noch seinen Rucksack aus der Ladeluke rausgeholt und dann das gemacht, was Trottel am besten können: das Denken eingestellt.
Der Bus ist dann artig weiter in den Park gefahren, wo es noch zwei zusätzliche Haltestellen gibt. Der einzige Plan: Warten auf den Bus, der hier um 14:30 auf seinem Rückweg wieder hier am Eingang vorbeikommt. Der Trottel hat also Zeit und setzt sich an den Fluss, um sich dort mit Flüchen einzudecken.
Immerhin ist die Aussicht schön und sogar das Wetter lächelt dem Trottel zu.

ein Trottel am Fluss!
ein Trottel am Fluss!
Die Aussicht entschädigt natürlich: Im Hintergrund die berüchtigten Torres del Paine, im Vordergrund ein Stoff-Guanaco am Rio Paine.
Die Aussicht entschädigt natürlich: Im Hintergrund die berüchtigten Torres del Paine, im Vordergrund ein Stoff-Guanaco am Rio Paine.