dümmer geht immer
Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!
Sind wir nicht alle ein bisschen postfaktisch…?!
Na, benutzt ihr auch schon regelmäßig den Begriff „postfaktisch“, das kommende Wort/ Unwort des Jahres? Postfaktisch beschreibt das Überwinden von Fakten. Herrlich! Manchmal wünschen wir uns das doch alle oder?
Die Partei „die Partei“ hat sich ja schon letztes Jahr mit dem großartigen Plakat „Inhalte überwinden“ beworben. Wer konnte, außer der Partei „die Partei“ natürlich, schon damals damit rechnen, dass so schnell aus Satire Ernst werden würde.
„Wenn aus Gefühlen Realität wird, wer braucht da noch Tatsachen…?“ Könnte auch aus einem Film von Rosamunde Pilcher stammen! Wurde aber, so ähnlich, von irgendeinem AfD-Dödel im Fernsehen geäußert.
*(Ich spare mir an dieser Stelle die Recherche, wer genau dieser nun Dödel war. Ist mir auch egal. Ein AfD-Dödel halt!)
**(okay hat mich doch interessiert: Georg Pazderski hat gesagt: „Es geht nicht nur um die reine Statistik, sondern es da drum, wie das der Bürger empfindet. Das heißt also: Das, was man fühlt, ist auch Realität.“ Na klar!)
Mein alter Freund T.H. aus M. an der L. beherrschte das Postfaktische schon vor über 20 Jahren. Dem konnte ich erzählen, was ich wollte. Er hatte stets ein entwaffnendes „Ja, aber trotzdem!“ parat, dem man nur schwer etwas argumentativ entgegnen konnte.
Das Blöde am Postfaktischen ist, dass statt Fakten jetzt Gefühle das Maßgebliche sind. Was theoretisch auch gut ausgehen könnte, wenn es positive Gefühle wären wie Freude, Nächstenliebe, Toleranz, Offenheit, Neugierde etc. Die stehen aber leider nicht auf dem Speiseplan der rechten Populisten. Hier geht es einzig um ANGST (immer fett und in Großbuchstaben) und immer gefühlt mit mindestens drei Ausrufezeichen!!!
Was helfen heutzutage Fakten, wenn Menschen in McPom das Gefühl der Überfremdung haben, dass sie tatsächlich in genau dem Bundesland mit den wenigsten Ausländern und Flüchtlingen leben? Nichts! Außerdem sind das ja ohnehin bloß Fakten der Lügenpresse!
Putzig, naja, fast putzig finde ich, dass in Sachsen auf die Frage „Woher beziehen Sie Ihre Nachrichten?“ die häufigste Antwort „Facebook“ war.
Au Mann! Wie postfaktisch kann man denn sein…?!
Und jetzt schauen wir alle mit Schrecken in die „US and A“ und fragen uns: Bekommen wir nun den ersten postfaktischen Präsidenten der Welt?

zum „Populisten-Blog“:
https://tommiboe.com/2016/10/06/im-zeitalter-der-populisten/
Im Zeitalter der Populisten
Im Zeitalter der Populisten
Dagegen sein ist einfach. Das weiß schon jeder Zweijährige in der Trotzphase. Und wenn Donald Trump als US-Präsidentschaftskandidat in einer Fernsehdebatte einfach immer nur wie ein 70jähriger Zweijähriger „Wrong! Wrong! Wrong!“ ins Mikro bellt und damit, jetzt kommt’s, auch noch Erfolg hat (noch immer würden ihn über 40% der US-Amerikaner wählen), dann wissen wir, was die Stunde geschlagen hat. Was dagegen nicht hilft, ist, Hillary Clinton zu feiern, falls sie sich gegen Trump durchsetzen sollte.
Genau so verfehlt ist, meines Erachtens, die Karikatur aus der Stuttgarter Zeitung, die Viktor Orbán als Verlierer seiner Volksabstimmung gegen die EU-Flüchtlingskontingente sieht. Das ist schlicht Bullshit, realitätsblind und damit gefährlich verharmlosend. Denn ganz im Gegenteil zeigt dieses Ergebnis, wie höchst erfolgreich Orbáns Hetze im eigenen Land ist.
Das einzige, was die totale Katastrophe verhindert hat, war, dass das Quorum von 50% Wahlbeteiligung nicht erreicht worden ist. Die Ablehnung gegen die europäische Flüchtlingspolitik hingegen hätte kaum deutlicher sein können. Denn 98% (!) der gültigen Stimmen sind gegen die EU-Quoten. Daher ist es absolut realitätsblind, das als Orbáns Niederlage zu feiern. Bei deutschen Landtagswahlen werden im Schnitt knapp 60% Wahlbeteiligung erreicht. Gäbe es ein 50%-Quorum, so wären die letzten Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sogar ungültig. In der Schweiz, wo es häufig zu Volksabstimmungen kommt, liegt die Wahlbeteiligung durchschnittlich bei 40%. In Kolumbien, wo es gerade um einen historischen Friedensvertrag nach über 50 Jahren Bürgerkrieg ging, wollten lediglich 37% darüber abstimmen.
In diesem Licht erscheinen die 40% der Ungarn, die zu 98% gegen die EU-Flüchtlingspolitik stimmten, kaum wie eine frohe Botschaft, ganz im Gegenteil. Und wenn man für die deutschen Nachrichten auf der Straße genau drei Ungarn vor die Kamera holt, die gegen Orbáns Politik sind, dann ist das leider nicht korrekt und spielt die politische Lage in Ungarn grandios herunter. Und das geht leider gar nicht. Denn diese Form der verharmlosenden Berichterstattung stärkt und bestätigt lediglich alle Lügenpresse-Schreihälse und die rechten Populisten.

A.Scheuer bleibt b.scheuert!
A.Scheuer bleibt b.scheuert!
– Ein Fortsetzungsroman
Dass die CSU eine Obergrenze für Vernunft und Verstand bei ihrem Personal eingeführt hat, ist schon lange vermutet worden.
Diese These hat nun wieder einmal mein Lieblings-Generalsekretär Andreas Scheuer mit seiner Senegalesen-Parabel bestätigt. Und nachdem er sich selbst rechts überholt hatte und dabei geblitzt worden war, hat er sich in allen Talkshows der letzten Woche als Weltmeister im Rückwärtsrudern der Relativitätstheoretiker präsentiert.
Schon unglaublich, wie die CSU gegen den Erfolg der AfD vorgehen will. Verbrüderung mit Victor Orban, täglichen Obergrenzen, Burkaverbot, Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, Beschneidungs- und Vollbartverbot. Was noch…?! Vielleicht wird ja demnächst auch noch Roland Koch exhumiert und in CSU-Farben umlackiert. Mit dem Erfolgskonzept „Wo kann man hier gegen Ausländer unterschreiben?“ wurde schließlich schon mal ein Wahlkampf gewonnen.
Immerhin kann sich ein Seehofer auch hinstellen und Sätze sagen wie „Wir sind weltoffen, aber nicht multikulti“, ohne dass ihm dabei das Hirn explodiert. Klingt für mich so balla balla wie: „Wir sind schon für Weltoffenheit, äh, aber in den Grenzen von 1938!“
Und unser Verkehrsoberdödel Dobrindt soll vom Erfolg der AfD so beleidigt gewesen sein, dass er rumgequengelt hat: „Menno! Rechts überholen ist voll daneben!“ Und er wolle sich beim ADAC erkundigen, ob das auf deutschen oder zumindest bayrischen Autobahnen nicht verboten oder zumindest mautpflichtig sei.
Nachdem die CSU jetzt Gegenwind für Ihre Flüchtlingspolitik von prominenten Katholiken bekommen hat, gab sich A.Scheuer genervt: „Schauen Sie sich meine Äußerungen und meine Politik doch einmal an. Glauben Sie wirklich, dass das „C“ in CSU für christlich steht!“
Wie auch immer: A.Scheuer bleibt b.scheuert und Blaukleid bleibt Brautkohl!
Und während ich Scheuer mit Sokrates zurufen möchte: „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selber bewegen!“, antwortet A.Scheuer: „Guter Mann, der Socrates, hat aber leider nie beim FC Bayern gespielt!“

Zum Teil 1 geht’s hier: https://tommiboe.com/2014/12/08/a-scheuer-ist-b-bescheuert/