tommiboe

Fundstück – 36 Grad

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Fundstücke in Fernwest – 36 Grad
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, kein Ventilator! Das Leben kommt mir gar nicht hart vor!“
Meint Inga Humpe!
„36 Grad und es wird noch heißer! Mach den Beat nie wieder leiser! 36 Grad, Klimaanlage! Rausgehen kommt nicht in Frage!“
Meint Tommi Boe!
Es ist natürlich nicht ganz unproblematisch, eine Geschichte über eine Hitzewelle im mitteleuropäischen Januar zu platzieren. Von Beileidsbekundigungen ist daher abzusehen. In der Zeitung habe ich gelesen, dass es selbst in Patagonien deutlich über 30° hat, für Neuquén, das „Tor nach Patagonien“, wurden im Internet sogar 40° angesagt (ja, auch in Argentinien meinen die damit „im Schatten!“).
Aber es ist nicht so, als würde das nicht normal sein. Die Zeitung in Posadas meinte, dass würde sich für die Jahreszeit in den „normalen Parametern“ bewegen. Und die meinen damit 40,8°C! (siehe Foto)!
Heute (in Carmelo/Uruguay) bin ich erst um 19:30 an den Strand des Rio de la Plata gegangen. Davor war’s einfach zu heiß, liebe Freunde. Die Frau von der Rezeption meint allerdings, dass es diesen Sommer in Uruguay extrem sei. Na, immerhin. Das Wasser verspricht keine große Abkühlung. Es ist bis 100 Meter weit noch nicht mal hüfttief und dementsprechend aufgewärmt. Zumindest das Bier wird eiskalt serviert. Nicht so wie in Deutschland! Denn das eine wissen die Menschen in Südamerika über Deutschland. Und ständig werde ich darauf angesprochen, in Deutschland trinke man das Bier doch „caliente“, nicht wahr? Wobei „caliente“ warm oder auch heiß bedeuten kann. Ich muss daraufhin ganz Südamerika aufklären, dass wir unser Bier NICHT warm trinken. Apropos Bier: das war mein Stichwort! Prost!

40,8°C sind innerhalb der "normalen Parameter".
40,8°C sind innerhalb der „normalen Parameter“.
Sonnenuntergang in der Fresse, eiskaltes Bier dazu. So lässt es sich aushalten!
Sonnenuntergang in der Fresse, eiskaltes Bier dazu. So lässt es sich aushalten!

Fundstück – Auf den Spuren der Jesuiten

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Fundstücke aus Fernwest – Auf den Spuren der Jesuiten

Ich bin ja nicht so der Hobby-Archäologe vor dem Herrn. Aber die kulturhistorisch herausragenden Ruinen der Jesuiten-Mission Trinidad in der Nähe von Encarnación (das alles in Paraguay) habe ich mir dann doch angeschaut. Und was soll ich sagen? Es sind Ruinen! Laaaaaaangweilig!
Andererseits muss ich doch anerkennen, dass die Jesuiten mit ihren Reducciones, wie diese Siedlungen hießen, gegenüber den sonstigen Besatzern und Ausbeutern Südamerikas wahre Christen (im überraschend positiven Sinne) waren und neben dem Bekehren (ist ja klar!) die einheimischen Guaraní in diesen Gebieten vor der Versklavung durch die Kolonialisten bewahrt haben. (Mal abgesehen davon, dass auch die Jesuiten natürlich kleine Hilfsleistungen bei ihren Bauarbeiten benötigten.) Im Gegenteil flüchteten sogar viele Guaraní vor den Sklavenjägern in die Reducciones, wo sie in Sicherheit waren.
So entwickelte sich im heutigen Paraguay ein weitgehend eigenständiger Jesuitenstaat, bis die Jesuiten schließlich Ende des 18. Jahrhunderts endgültig vertrieben wurden. Aber schon 1811 später erlangte Paraguay als erstes Land des Kontinents ihre Unabhängigkeit. Durch diese relative kurze Belagerungszeit ist die Bedeutung der Guaraní im heutigen Paraguay immer recht groß geblieben, im Gegenteil zu anderen südamerikanischen Ländern. So ist Guaraní in Paraguay noch heute neben Spanisch die Amtssprache.
Als die Guaraní zum ersten Mal einen aus Europa „importierten“ Hund sahen, hielten sie ihn für eine Art Katze und nannten ihn „Jagua“ und so heißt heute im Guaraní der Hund „jagua“, während Jaguar „jaguarete“ heißt. Süß oder?

Trinidad - Jesuitensiedlung
Trinidad – Jesuitensiedlung
Schöner  Buntsandstein vor blauweißem Himmel
Schöner Buntsandstein vor blauweißem Himmel

Kleiner Grenzverkehr, Teil 3

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Kleiner Grenzverkehr, Teil 3

Auch wenn ich mich wiederhole: Die Einreise nach Paraguay war wieder nicht das Problem!
Mein Nachtbus von Posadas/ Argentina nach Uruguay fährt erst um 21:45 Uhr los. Da bleibt mir also ein ganzer Tag. Zuerst besichtige ich die bedeutenden Ruinen der Jesuitenmission in Trinidad, ca. 45 min. von Encarnacion (Paraguay) entfernt. Danach verbringe ich noch ein Stündchen am neuen Strand des aufgestauten Paraná und hole gegen 18:00 in meinem Hotel mein Gepäck ab. Ich nehme ein Colectivo, das mich direkt zum Terminal in Posadas bringen soll. Hab also genügend Zeit für die vielleicht 10-15 km. Nach einer knappen halben Stunde kommt der Bus, der sich so lange durch Encarnacion müht, bis auch jedem, der auch nur im Entferntesten mal überlegt hatte, über die Grenze zu fahren, die Gelegenheit ermöglicht wurde zuzusteigen.
Ich sitze mit meinem Gepäck direkt hinter dem Fahrer, um ihn fragen zu können, wann ich aus dem Bus springen muss, um meinen Pass abstempeln zu lassen. Auf der Hinfahrt war alles so schrecklich einfach und schnell gegangen. Aber man weiß ja nie… Und dieses Aber kommt natürlich nicht zufällig oder versehentlich daher. Wir passieren die paraguayische Seite. Der Bus verlangsamt seine Fahrt. Es steigt aber niemand aus. Ich frage den Busfahrer, ob hier nicht die „Inmigración“ sei – die Antwort: Nein – und ob ich hier nicht für meinen „Salida“ (Ausreise)-Stempel  raus müsse – wieder: Nein! – „Hä…?!“ denke ich mir. Und während ich noch zwei-, dreimal „Hä…?!“ denke, fährt der Bus schon weiter. Und spätestens als wir auf die große Länder verbindende Brücke über den Rio Paraná biegen, wird mir klar, dass das soeben natürlich doch die Inmigracion gewesen war und dass ich dort sehr wohl meinen Stempel hätte abholen müssen. Ich frage also schnell zwei Männer, die neben mir stehen und: Ja! – FUCK! In dem Moment wird der Bus in der Mitte der Brücke langsamer. Fetter Rückstau bei der argentinischen Einreise. Das gibt mir einen Augenblick, um die Dinge zusammenzufassen. Ich erkläre dem Busfahrer kurz und unhöflich die Ausreisemodalitäten für Touristen mit internationalem Reisepass. Er meint, dann müsse ich eben mit dem nächsten Colectivo wieder zurück. „Toller Tipp, du Arsch!“ Der Stau macht nicht den Eindruck, als würde hier demnächst etwas passieren. Also steige ich mitten auf der Brücke aus.
Auf der Gegenseite ist kein Stau. Hin und wieder kommen Autos vorbeigesaust. Zu schnell, um sie gefahrlos anhalten zu können. Da stehe ich wortwörtlich im Niemandsland auf der Brücke über den Paraná und fluche auf den dämlichen Busfahrer und ein bisschen auf mich selbst. Ich mache mich auf den Weg zurück. Es ist eine sehr lange Brücke! Immer wieder blicke ich mich um. Vielleicht kommt ja mal ein langsames Auto oder tatsächlich ein Colectivo? Oder vielleicht auch ein Motorrad…? Genau so eines hält tatsächlich neben mir. Für 20 Peso nehme er mich mit, so sein Angebot. Für 10 Peso steige ich mit meinem kompletten Gepäck hinten auf und lass mich wieder zur paraguayischen Seite bringen. Das wäre ein sehr langer mit vielen Flüchen übersäter Fußmarsch geworden.
Ich bekomme meine Stempel und steige in das nächste Colectivo, das nur fünf Minuten später vorbeikommt. Wir fahren bis zum Ende der Schlange auf der Brücke, wo ich wieder aussteige und an den wartenden Autos vorbeilaufe. Ein paar Minten später überhole ich auch „meinen“ ersten Bus und winke dem Fahrer lächelnd zu. „In your face, Arschnase!“ Inzwischen haben etliche andere das Colecivo verlassen und so marschiert ein ganzes Grüppchen über die Brücke auf die argentinische Grenzstation zu. Die Argentinier nehmen ihren Job offenkundig etwas ernster und kontrollieren tatsächlich jedes Fahrzeug, was bei uns Fußgängern zum Glück viel schneller geht.
So! Wie jetzt zum Terminal? „Mein“ Colectivo wird wohl noch mindestens ein Stündchen brauchen oder zwei. In dem Moment hält auf der anderen Straßenseite ein einzelnes Taxi, das ich mir mit einem netten paraguayisch-argentinischen Pärchen teile, die mir sogar noch zu einem ansprechenden (Schwarz-)Kurs meine restlichen Guaraní in Peso zurücktauschen.
Wir sind rechtzeitig am Terminal und ich bin schon gespannt auf meinen nächsten Grenzwechsel, der ja schon morgen kommt, dann nach Uruguay.

"Grenzstau auf der Brücke über den Rio Paraná im Abendrot; in Öl" schöner Gemäldetitel

„Grenzstau auf Brücke über Rio Paraná im Abendrot; in Öl“ schöner Gemäldetitel

kleiner Grenzverkehr mit Herrn Boe!
„kleiner Grenzverkehr“ mit Herrn Boe! – Heute mal zu Fuß!

Der dicke fette Rio Paraná

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Der dicke fette Rio Paraná

Posadas, Argentina, der dicke fette Rio Paraná schiebt sich träge vorbei. Auf der anderen Flussseite liegt das paraguayische Encarnación. Religiöse und oder gebildete Menschen können das selbst übersetzen. Ja, der Ort heißt „Fleischwerdung“. Ich wünsche mir für 2014, dass wir in Deutschland auch so schöne Ortsnamen bekommen. Könnte man den Katholiken Seehofer mal nicht für so etwas begeistern? Das lenkt ihn vielleicht von anderen Dummheiten ab.
Ich will am Paraná entlang schlendern. Es ist 7 Uhr abends. Aber selbst an Schlendern ist nicht zu denken. Es ist FICKEN heiß! Und schwül und selbst am über einen Kilometer breiten Fluss nicht der Furz eines Lüftchens! Ich erkenne die Rettung. Da ist ein Licht! Das Licht einer Quilmes-Reklame an einem Restaurant. Kaltes Bier! Und es hilft! 1. Kühlung, 2. Schatten, 3. kein anstrengendes Schlendern mehr!
Später: Ein anderes Restaurant lockt mit dem Versprechen, dass ich in US$ bezahlen kann (1$=9Peso). Das ist durchaus ein Argument. In Argentinien lacht das Bargeld, besonders lachen Dollar. Denn dafür gibt’s den „dolar blue“ (so nennt sich der Schwarzmarktkurs, bis zu 10,5 Peso), während es aus dem Automaten oder per Kreditkarte nur den „dolar grey“ gibt (=6,60 Peso). Meine bisherigen Tauschraten in Puerto Iguazú waren 9 und 9,5 $P. Da ich heute aber schon meinen Nachtbus, den ich in drei Tagen nach Uruguay nehme, gelöhnt habe und noch mein Hotel begleichen muss, kann es nicht schaden, die verbleibenden Pesos in der Tasche zu behalten. Zudem huschen im Inneren des Restaurants extrem viele attraktive Bedienungen herum. (Das Menue und die Klimaanlage locken ebenfalls.)
Wenn man das 1,5 fache des normalen Kurs bekommt, darf man also dementsprechend mehr fürs Essen bezahlen. Das Prinzip nennt sich „Schwarzmarktlogik gemäß Milchmädchen“. Allerdings erwarte ich auch das 1,5fache. Aber die folgende Fleischwerdung auf meinem Teller ist eine Katastrophe, mit anderen Worten: eine ziemlich gottlose Veranstaltung. Ich kann kaum essbare Happen heraus sezieren, obwohl das Messer für solche Eingriffe am offenen Muskel durchaus geeignet ist.
Mir vergehen Spaß und Appetit. Schließlich lasse ich den Teller mit einem enttäuschenden Kommentar und entsprechendem Gesichtsausdruck abräumen. Mir wird zwar Ersatz angeboten, aber ich haben keinen Appetit mehr. Die Chefin schaut vorbei und bietet mir einen Nachtisch oder Kaffee an. Na gut: einen „Cortado“, was wir Pseudo-Italiener einen „caffe macchiato“ nennen. Kann ja nicht schaden. Der Kaffee schmeckt richtig scheiße! Bilde ich mir das jetzt ein? Bin ich auch schon so ein Kaffeenazi, der mit einem elektronischen Messgerät die Cremadichte eines Espresso bestimmt? Ich probiere noch mal und auch noch mit Zucker. Aber: BÄÄÄH!
Zumindest der Wein ist gut! Und nach all den Geschmackskatastrophen ist dies der letzte Geschmack, der mir den Tag versüßt, NEIN, nicht versüßt. Zum Glück das nicht! Ich trinke also meinen nicht süßen Wein, schreibe ein Geschichtchen über argentinisches Rindfleisch und schau den vorbeiflitzenden Bedienungen hinterher. Das Lächeln ist zurück. Doch gar nicht soooo schlimm das Leben!
Übermutig fordere ich mein Glück heraus: Mensch! denke ich mir. Einen Cuba Libre, den werden sie ja wohl hinbekommen! Oder muss ich heute noch mal ausrasten…?! Aus einem rhetorischen Gedanken wird eine traurige und zornige Wahrheit. Wie kann man einen Cuba Libre denn versauen? Ich weiß es nicht. Aber es geht.
Wie auch immer, der dicke fette Rio Paraná schiebt sich noch immer träge am Fenster vorbei und lässt sich durch NICHTS aus der Ruhe bringen! Vielleicht ist das alles auch eine Prüfung, damit ich meinen inneren Paraná finde!

Ich gehe  in die nächsten Kneipe und bestell mir noch ein Quilmes, auf dass auch ich fett und träge werde.

der dicke fette Paraná und drüben die "fleischgewordene" Stadt Incarnacion
der dicke fette Paraná und drüben die „fleischgewordene“ Stadt Incarnacion
der dicke fette Herr Boe auf der Suche nach seinem "Inneren Paraná"!
der dicke fette Herr Boe auf der Suche nach seinem „Inneren Paraná“!

Fundstück – Im Rachen des Teufels

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Fundstücke aus Fernwest – Im Rachen des Teufels

So einen Namen muss man übersetzen! Denn heute war ich in der Garganta del Diablo, den zentralen und spektakulärsten Wasserfällen der Cataras (Katerakte) de Iguazú/ do Iguaçu. So genau muss man die Schreibweise schon nehmen, schließlich ist es ein binationales Wasserspektakel.
Über ein anderes zweistaatliches Wasserfallheiligtum hat die damalige First Lady der Vereinten Staaten Eleanor Roosevelt beim Anblick der Iguazú-Fälle ja so schön gesagt: „Poor Niagara!“
Alles andere als erbärmlich sind die Iguazu-Fälle. Während sich die Brasilianer zurecht rühmen, dass sie die bessere Aussicht haben, haben die Argentinier eindeutig das bessere Spektakel. Denn dort wird man, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag, mit einem Boot direkt in den Rachen des Teufels gefahren, bis letztlich von allen Seiten nur noch Wasser ist. Das ganze Boot ist geflutet, alle sind klatschnass! Yieha!! brülle ich in den Rachen, doch das Donnern des Teufels ist nicht zu übertönen. Der blanke Wahnsinn!
Und wenn man sich jetzt mal ganz vorsichtig vorstellt, was sich wohl beim „singenden Stein“, dem Itaipú, gleich um die paraguayische Ecke, abgespielt hat. Die Wassermassen des Iguazú würde nämlich gerade mal für zwei der 20 Turbinen des Itaipú-Staudamm ausreichen! Also ein lächerliches Zehntel. „Poor Iguazú“ fällt mir dazu ein. Aber vielleicht würden auch die menschlichen Synapsen implodieren bei den zehnfachen Wassermassen. Wahrscheinlich ganz gut, dass sie lieber einen Staudamm errichtet haben.
Aber was mecker ich eigentlich schon wieder rum?! Kann ich nicht mal andächtig und demütig den Rachen halten? – Doch, denn das war so was von geil heute!

Mit dem Boot in den Teufelsrachen! Yeaha!
Mit dem Boot in den Teufelsrachen! Yeaha!
Aussichtplattform in Augenhöhe mit dem Teufelsrachen
Aussichtsplattform in Augenhöhe mit dem Teufelsrachen
Iguazú-Fälle (Ausschnitt)
Iguazú-Fälle (Ausschnitt)