cuba libre

Cuba Libre

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Cuba Libre

Was macht eigentlich gute Freunde aus? Dass man mit ihnen Cuba Libre trinken kann, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Ich bring auch den Rum mit! – Was sonst noch?

Dass sie uns in schweren Zeiten zur Seite stehen! Aber auch dass sie uns die Wahrheit und die Meinung sagen, selbst wenn diese manchmal bitter schmecken können.

Warum reduziert sich Freundschaft zwischen Ländern dann immer nur auf den ersten Teil (jetzt nicht den Teil mit Cubra Libre)? Und was sagt das über Freundschaften aus, wenn man nur politischen Gegnern gegenüber ehrlich, streng und konsequent sein darf? Sollte man nicht zuerst vor der eigenen Türe und vor der von Freunden kärchern, äh, kehren?

Und solange die Amis mit ihrem Arsch auf Kuba sitzen (Welchem Völkerrecht entspricht das denn? Dem US-amerikanischen…?!), sollen die mal schön die Fresse halten, wenn sich die Russen die Krim einverleiben. Nicht dass ich das richtig finde…! Im Gegenteil! Aber ich darf mich darüber auch aufregen. Denn ich besetze ja auch nicht Guantanamo und tue so, als wäre das in Ordnung und völkerrechtlich etwas ganz anderes! Ist es das…?!

Bei der letzten UN-Abstimmung 2010 über die Fortführung des US-Embargos gegen Kuba stimmten 187 Mitgliedsländer dagegen und drei dafür. Mal raten, wer das dritte Land neben den USA und natürlich Israel war…? Ich wäre nicht drauf gekommen, wenn ich 300 Versuche gehabt hätte! Palau! Hä, wer was wie? Palau…?! Was machen die denn plötzlich in der Achse des Guten? Ab jetzt boykottiere ich alle palauischen, palaunesischen und palauesken Produkte. Verficktes Doppelmoralistenpack!

Hallo Obama, wolltest Du, gute Freunde darf man ja duzen, nicht mal einer von den anderen, besseren US-Präsidenten werden und irgend etwas leisten, woran man sich nach deinen zwei Amtszeiten positiv erinnern kann? Außer deiner Hautfarbe, die ja irgendwie auch nicht dein Verdienst ist. Da aus deiner großen Krankenversicherungsreform ja nur eine kleine geworden ist (Schade, nette Idee!), wie wär’s denn doch noch mal mit einem Befreiungsversuch von Guantanamo?! Na…? Muss ja nicht gleich mit freien Einreisegenehmigungen nach Cuba für alle Amis verbunden sein. Ist ja eigentlich ganz schön, dass die hier nicht auftauchen. Das darf also gerne so bleiben. Aber den Stützpunkt, den ihr euch selbst erlaubt habt, zuzumachen und sich von der Insel zu verpissen, das wär doch mal ganz schön für den Anfang! Wie wär’s damit, Obama? Ich lad dich dann auch auf einen Cuba Libre ein!

(Dazu auch Noam Chomsky!)

Cuba Libre im stilechten Originalambiete mit einem guten kubanischen Puro, wie die Zigarren hier heißen.
Cuba Libre im stilechten Originalambiete mit einem guten kubanischen Puro, wie die Zigarren hier heißen.

Der dicke fette Rio Paraná

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Der dicke fette Rio Paraná

Posadas, Argentina, der dicke fette Rio Paraná schiebt sich träge vorbei. Auf der anderen Flussseite liegt das paraguayische Encarnación. Religiöse und oder gebildete Menschen können das selbst übersetzen. Ja, der Ort heißt „Fleischwerdung“. Ich wünsche mir für 2014, dass wir in Deutschland auch so schöne Ortsnamen bekommen. Könnte man den Katholiken Seehofer mal nicht für so etwas begeistern? Das lenkt ihn vielleicht von anderen Dummheiten ab.
Ich will am Paraná entlang schlendern. Es ist 7 Uhr abends. Aber selbst an Schlendern ist nicht zu denken. Es ist FICKEN heiß! Und schwül und selbst am über einen Kilometer breiten Fluss nicht der Furz eines Lüftchens! Ich erkenne die Rettung. Da ist ein Licht! Das Licht einer Quilmes-Reklame an einem Restaurant. Kaltes Bier! Und es hilft! 1. Kühlung, 2. Schatten, 3. kein anstrengendes Schlendern mehr!
Später: Ein anderes Restaurant lockt mit dem Versprechen, dass ich in US$ bezahlen kann (1$=9Peso). Das ist durchaus ein Argument. In Argentinien lacht das Bargeld, besonders lachen Dollar. Denn dafür gibt’s den „dolar blue“ (so nennt sich der Schwarzmarktkurs, bis zu 10,5 Peso), während es aus dem Automaten oder per Kreditkarte nur den „dolar grey“ gibt (=6,60 Peso). Meine bisherigen Tauschraten in Puerto Iguazú waren 9 und 9,5 $P. Da ich heute aber schon meinen Nachtbus, den ich in drei Tagen nach Uruguay nehme, gelöhnt habe und noch mein Hotel begleichen muss, kann es nicht schaden, die verbleibenden Pesos in der Tasche zu behalten. Zudem huschen im Inneren des Restaurants extrem viele attraktive Bedienungen herum. (Das Menue und die Klimaanlage locken ebenfalls.)
Wenn man das 1,5 fache des normalen Kurs bekommt, darf man also dementsprechend mehr fürs Essen bezahlen. Das Prinzip nennt sich „Schwarzmarktlogik gemäß Milchmädchen“. Allerdings erwarte ich auch das 1,5fache. Aber die folgende Fleischwerdung auf meinem Teller ist eine Katastrophe, mit anderen Worten: eine ziemlich gottlose Veranstaltung. Ich kann kaum essbare Happen heraus sezieren, obwohl das Messer für solche Eingriffe am offenen Muskel durchaus geeignet ist.
Mir vergehen Spaß und Appetit. Schließlich lasse ich den Teller mit einem enttäuschenden Kommentar und entsprechendem Gesichtsausdruck abräumen. Mir wird zwar Ersatz angeboten, aber ich haben keinen Appetit mehr. Die Chefin schaut vorbei und bietet mir einen Nachtisch oder Kaffee an. Na gut: einen „Cortado“, was wir Pseudo-Italiener einen „caffe macchiato“ nennen. Kann ja nicht schaden. Der Kaffee schmeckt richtig scheiße! Bilde ich mir das jetzt ein? Bin ich auch schon so ein Kaffeenazi, der mit einem elektronischen Messgerät die Cremadichte eines Espresso bestimmt? Ich probiere noch mal und auch noch mit Zucker. Aber: BÄÄÄH!
Zumindest der Wein ist gut! Und nach all den Geschmackskatastrophen ist dies der letzte Geschmack, der mir den Tag versüßt, NEIN, nicht versüßt. Zum Glück das nicht! Ich trinke also meinen nicht süßen Wein, schreibe ein Geschichtchen über argentinisches Rindfleisch und schau den vorbeiflitzenden Bedienungen hinterher. Das Lächeln ist zurück. Doch gar nicht soooo schlimm das Leben!
Übermutig fordere ich mein Glück heraus: Mensch! denke ich mir. Einen Cuba Libre, den werden sie ja wohl hinbekommen! Oder muss ich heute noch mal ausrasten…?! Aus einem rhetorischen Gedanken wird eine traurige und zornige Wahrheit. Wie kann man einen Cuba Libre denn versauen? Ich weiß es nicht. Aber es geht.
Wie auch immer, der dicke fette Rio Paraná schiebt sich noch immer träge am Fenster vorbei und lässt sich durch NICHTS aus der Ruhe bringen! Vielleicht ist das alles auch eine Prüfung, damit ich meinen inneren Paraná finde!

Ich gehe  in die nächsten Kneipe und bestell mir noch ein Quilmes, auf dass auch ich fett und träge werde.

der dicke fette Paraná und drüben die "fleischgewordene" Stadt Incarnacion
der dicke fette Paraná und drüben die „fleischgewordene“ Stadt Incarnacion
der dicke fette Herr Boe auf der Suche nach seinem "Inneren Paraná"!
der dicke fette Herr Boe auf der Suche nach seinem „Inneren Paraná“!