Kleiner Grenzverkehr, Teil 3

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Kleiner Grenzverkehr, Teil 3

Auch wenn ich mich wiederhole: Die Einreise nach Paraguay war wieder nicht das Problem!
Mein Nachtbus von Posadas/ Argentina nach Uruguay fährt erst um 21:45 Uhr los. Da bleibt mir also ein ganzer Tag. Zuerst besichtige ich die bedeutenden Ruinen der Jesuitenmission in Trinidad, ca. 45 min. von Encarnacion (Paraguay) entfernt (siehe:  https://tommiboe.wordpress.com/2014/01/15/fundstuck-auf-den-spuren-der-jesuiten/). Danach verbringe ich noch ein Stündchen am neuen Strand des aufgestauten Paraná und hole gegen 18:00 in meinem Hotel mein Gepäck ab. Ich nehme ein Colectivo, das mich direkt zum Terminal in Posadas bringen soll. Hab also genügend Zeit für die vielleicht 10-15 km. Nach einer knappen halben Stunde kommt der Bus, der sich so lange durch Encarnacion müht, bis auch jeder, der auch nur im Entferntesten mal überlegt hatte, über die Grenze zu fahren, die Gelegenheit ermöglicht wurde zuzusteigen.
Ich sitze mit meinem Gepäck direkt hinter dem Fahrer, um ihn fragen zu können, wann ich aus dem Bus springen muss, um meinen Pass abstempeln zu lassen. Auf der Hinfahrt war alles so schrecklich einfach und schnell gegangen. Aber man weiß ja nie… Und dieses Aber kommt natürlich nicht zufällig oder versehentlich daher. Wir passieren die paraguayische Seite. Der Bus verlangsamt seine Fahrt. Es steigt aber niemand aus. Ich frage den Busfahrer, ob hier nicht die „Inmigración“ sei – die Antwort: Nein – und ob ich hier nicht für meinen „Salida“ (Ausreise)-Stempel  raus müsse – wieder: Nein! – „Hä…?!“ denke ich mir. Und während ich noch zwei-, dreimal „Hä…?!“ denke, fährt der Bus schon weiter. Und spätestens als wir auf die große Länder verbindende Brücke über den Rio Paraná biegen, wird mir klar, dass das soeben natürlich doch die Inmigracion war und dass ich dort sehr wohl meinen Stempel hätte abholen müssen. Ich frage also schnell zwei Männer, die neben mir stehen und: Ja! – FUCK! In dem Moment wird der Bus in der Mitte der Brücke langsamer. Fetter Rückstau bei der argentinischen Einreise. Das gibt mir einen Augenblick, um die Dinge zusammenzufassen. Ich erkläre dem Busfahrer kurz und unhöflich die Ausreisemodalitäten für Touristen mit internationalem Reisepass. Er meint, dann müsse ich eben mit dem nächsten Colectivo wieder zurück. „Toller Tipp, du Arsch!“ Der Stau macht nicht den Eindruck, als würde hier demnächst etwas passieren. Also steige ich mitten auf der Brücke aus.
Auf der Gegenseite ist kein Stau. Hin und wieder kommen Autos vorbeigesaust. Zu schnell, um sie gefahrlos anhalten zu können. Da stehe ich wortwörtlich im Niemandsland auf der Brücke und fluche auf den dämlichen Busfahrer. Ich mache mich auf den Weg zurück. Es ist eine sehr lange Brücke! Immer wieder blicke ich mich um. Vielleicht kommt ja mal ein langsames Auto oder tatsächlich ein Colectivo? Oder vielleicht auch ein Motorrad…? Genau so eines hält tatsächlich neben mir. Für 20 Peso nehme er mich mit, so sein Angebot. Für 10 Peso steige ich mit meinem kompletten Gepäck hinten auf und lass mich wieder zur paraguayischen Seite bringen. Das wäre ein sehr langer mit Flüchen übersäter Fußmarsch geworden.
Ich bekomme meine Stempel und steige in das nächste Colectivo, das nur fünf Minuten später vorbeikommt. Wir fahren bis zum Ende der Schlange auf der Brücke, wo ich wieder aussteige und an den wartenden Autos vorbeilaufe. Ein paar Minten später überhole ich auch „meinen“ ersten Bus und winke dem Fahrer lächelnd zu. „In your face, Arschnase!“ Inzwischen haben etliche andere das Colecivo verlassen und so marschiert ein ganzes Grüppchen über die Brücke auf die argentinische Grenzstation zu. Die Argentinier nehmen ihren Job offenkundig etwas ernster und kontrollieren tatsächlich jedes Fahrzeug, was bei uns Fußgängern zum Glück viel schneller geht.
So! Wie jetzt zum Terminal? „Mein“ Colectivo wird wohl noch mindestens ein Stündchen brauchen oder zwei. In dem Moment hält auf der anderen Straßenseite ein einzelnes Taxi, das ich mir mit einem netten paraguayisch-argentinischen Pärchen teile, die mir sogar noch zu einem ansprechenden (Schwarz-)Kurs meine restlichen Guaraní in Peso zurücktauschen.
Wir sind rechtzeitig am Terminal und ich bin schon gespannt auf meinen nächsten Grenzwechsel, der ja schon morgen kommt, dann nach Uruguay.

"Grenzstau auf der Brücke über den Rio Paraná im Abendrot; in Öl" schöner Gemäldetitel

„Grenzstau auf Brücke über Rio Paraná im Abendrot; in Öl“ schöner Gemäldetitel

kleiner Grenzverkehr mit Herrn Boe!
„kleiner Grenzverkehr“ mit Herrn Boe! – Heute mal zu Fuß!

Ein Kommentar zu „Kleiner Grenzverkehr, Teil 3

    Kleiner Grenzverkehr, Teil 4 | tommiboe sagte:
    Februar 4, 2014 um 12:44 pm

    […] liegt. Und ihnen ist so etwas Ähnliches wie mir zwischen Paraguay und Argentinien passiert (siehe https://tommiboe.wordpress.com/2014/01/14/kleiner-grenzverkehr-teil-3/). Der grenzübergreifende Bus hielt zwar auf der brasilianischen Seite zum Pässestempeln aber […]

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