„tommi boe“
Plastikmüll im Pazifik
„Throw and Drink and Catch“
Plastikmüll im Pazifik
Auch ich bin schuldig, zur Plastikvermüllung des Pazifiks beigetragen zu haben. Heute sind ziemlich genau 175 Gramm von meinem Plastik im Ozean gelandet. Ausgerechnet heute, wo ich etwas mit dem Müll vorgehabt hatte. Mein ganzer heutiger Tagesplan hing an dieser Frisbee-Scheibe.
Gestern nachmittag habe ich mich schon mal eingeworfen. Ordentlicher, richtungsstabiler Wind. Das heißt, Scheibe aufs Meer rausfeuern und acht, neun Sekunden warten und die Scheibe am gleichen Fleck wieder fangen. Das brachte mich auf die Idee mit dem Video. Als ich im Dezember einen Video-Clip postete, in dem ich mit zwei Bierdosen durch den tosenden Atlantik kraulte, wurde mir aus Frisbee-Kreisen ein Clip geschickt, wie ein Typ am Strand eine Frisbee hinaus aufs Meer feuerte, dann eine Dose Bier geschossen hat, um danach die Scheibe zu fangen. Coole Nummer, ohne Frage! Bei der WFCF (World Flying Disc Federation) wird diese Disziplin übrigens offiziell unter TADAC, „Throw and Drink and Catch“, geführt, hat aber nur einen Bruchteil der Aktiven von anderen Wurf-Trink-Disziplinen wie „Stubby-Guts“, das im übrigen weltweit überwiegend nach den Marburger Standardregeln ausgetragen wird! (Vergleiche: http://www.mathematik.uni-marburg.de/~michael/4ferkel/index.php?id=stubby) Zu bewundern und auszuüben natürlich auch dieses Jahr wieder beim 4ferkel in Marburg.
Aber zurück zum „Throw and Drink and Catch“. Da muss schon einiges stimmen: Wind-, Wurf- und Trinkbedingungen müssen hinhauen. Klang nach einer guten Aufgabe für mich. Und so übte ich gestern Wurf- und Trinkskills noch getrennt voneinander. Es waren etliche erfolgversprechende Würfe dabei. Genug Zeit mehrere Bier zu trinken (und sich zwischenzeitlich in die Hängematte zu hängen), sodass ich hoffnungsvoll und mit Vorfreude auf den kommenden Tag schaute.
Währenddessen wurde ich von einer ecuadorianischen Familie aus meinen Hostel beobachtet. Zwei Jungs, der eine 18 und der andere 14 Jahre, kamen und fragten mich, ob sie das auch mal probieren könnten und so hab ich noch eine Weile am Strand mit ihnen geworfen. Schon mit der ausdrücklichen Warnung vor dem bösen Meer, das sich hin und wieder mit einer besonders besitzergreifenden Welle schon mal die ein oder andere Scheibe schnappen konnte, sodass die Scheiben trotz eigentlich guter Schwimmeigenschaften nicht mehr auftauchten.
Ich selbst durfte schon zweimal trauriger Zeuge davon werden, wie sich der Pazifik eine Scheibe von mir holte. In Mexiko, weil eine dicke Amitussi zu langsam war, um die Scheibe zwischen ihren Füßen (!) aufzuheben. Aber da war schon eine krasse Strömung. Aber eine Scheibe zwischen den eigenen (!) Füßen kann JEDER aufheben. War wohl die Wampe im Weg! – Die zweite Scheibe habe ich in Panama wenigstens selbst versenkt.
Die dritte Scheibe lag heute Morgen noch auf meiner Terrasse. Als ich so gegen 8 Uhr meine Terrassentür öffnete, fragte mich einer der Jungs, ob er sich die Scheibe ausleihen könnte. Si claro, kein Problem. Ich wollte dem peruanischen Nachwuchs-Frisbee natürlich nicht im Weg stehen. Eine Viertelstunde später kam er kleinlaut wieder zurück. Da hatte sich der Pazifik auch schon die Scheibe geholt. Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich etwas mit der Scheibe vorgehabt hatte! Gutes Timing!
So ganz ohne Scheibe würde sich der „Throw and Drink and Catch“-Clip bestimmt ganz schön blöd machen. Andererseits… Ist das schon wieder blöd genug, um… ?
Naja, ist halt ein ganz schmaler Grat zwischen Wahnsinn und Blödheit!
Zur Übung, falls gerade kein Meer und starker Wind zur Hand, empfehle ich DDC- oder Guts-Scheiben, die bei schwächerem Wind aufgrund des geringeren Gewichts bessere Segeleigenschaften aufweisen und so eine längere Hangtime (Zeit, die die Scheibe in der Luft hängt) und damit längere Drinktime ermöglichen.
Stubby Guts ist bekannt. TADAC – „Throw and Drink and Catch“ – noch nicht so. Also trainieren, Freunde!
Hier noch der Link zum Video:
Eine Mail an Jogi Löw
Eine Mail an Jogi Löw
Lieber Jogi Löw,
ich schreibe dir diese Mail eigentlich auch im Namen meines Bruders.
Aber erst einmal vorweg will ich Dich was fragen: Was entscheidet so ein Finale? Okay, alles mögliche kann so ein Finale entscheiden. Richtig! – Wahrscheinlich hast du das Championsleague-Finale gesehen. Was hat das Finale entschieden? Und ich will jetzt keine Franz Beckenbauer Gedächtnis-Antworten hören „jaa gut eh!“ sondern einen analytischen Blick auf die spielentscheidende Szene. Ecke Tor! Ein Klassiker. Kann man ja mal bei den Bayern nach dem Finale dahoam nachfragen. Dazu muss man sagen, so einen Drogba kann man wahrscheinlich nicht Hundertprozentig im eins zu eins verteidigen. Vielleicht ist ja auch schon allein der Gedanke, dass man es könnte, ein taktischer Fehler…
Und was war nun der taktische Fehler im CL-Finale und ich kann meinen Bruder aus dem 10000km entfernten Hintergrund brüllen hören: „Wenn da einer im Pfosten gestanden hätte, wäre der nicht rein gegangen!“ Und richtig, Athletico hätte wäre könnte! Ätschbätsch! Dann eben nicht. Hat halt das Scheißreal die CL gewonnen! Stell da doch so einen popligen, kleinwüchsigen Außenverteidiger neben den Pfosten, du Pfosten! Der Zwerg sieht doch da im Strafraum eh keinen Ball!
Und wenn ich mir die Pfosten bei Ecken im Nationalteam so anschaue…! Die Älteren erinnern sich. Einst hat da am Pfosten unser Teeniezwerg Philipp Lahm sein Nationalmannschaftspraktikum abgelegt und hat Dutzende Bälle von der Linie gebolzt. Und wer steht da heute? Niemand.
Wer, lieber Jogi, ist eigentlich dafür verantwortlich/ später mal verantwortlich zu machen? Entscheidet das der Torwart, der Torwarttrainer, der Jogi selbst, oder der Jogi mit dem Torwarttrainer und dem Hansi per Schnickschnackschnuck? Oder hatte der Philipp genug davon, blöd am Pfosten zu stehen und ständig die Bälle von der Linie zu kloppen, weil das schlecht für seine Passstatistik war und er ja außerdem gar kein Praktikant mehr ist?
Der Bundestorwarttrainer selbst hatte übrigens immer seine Leute am Pfosten (vorne und hinten!). Zu Köpkes Zeit stand da das Kopfballungeheuer Icke Hässler rum, wenn ich mich nicht irre. So genau weiß ich das nicht. Aber bei Interesse, lieber Jogi, kannst ja mal den Andi fragen. Der erinnert sich bestimmt noch, wie (und mit wem) er das früher gelöst hat.
Und die Antwort, lieber Jogi, lautet nicht: „Äh, das wurde damals anders verteidigt. Das wird heute modern im Raum gelöst.“ Aber nicht der Raum um die Pfosten, ihr Vollpfosten. Den lässt man modern offen oder was? Schon mal Fußball geguckt und drauf geachtet, wo der moderne Durchschnittsball nach einer Ecke im Tor so einschlägt?
Warum gibt’s dafür eigentlich keine Statistik?! Oder eine Liste der Spieler, die die meisten Bälle von der Linie gekratzt haben? Stellt doch mal kurz was zusammen, liebe Statistiknerds, und schickt das ganze schnell dem Jogi und seinen Jungs und helft so dem deutschen Fußball. Ich würde nämlich gerne sehen, wie unser Philipp, nicht mehr als Praktikant sondern als Kapitän, in der Nachspielzeit des Finales den wuchtigen Kopfball von Sergio Ramos nach der Ecke von der Linie auf die Tribüne bolzt.
Also schreibt alle an Jogi!

Kein Bier vor elf!
Kein Bier vor elf!
Manchmal ist die Zeitverschiebung ja sehr hilfreich. Zum Beispiel wenn es um die Beugung deutscher Weisheiten geht. „Kein Bier vor 4!“ entspricht in meiner Zeitzone 9 Uhr vormittags. Man muss es ja nicht übertreiben. Aber 11 Uhr geht dann schon. Aber wie hat mir meine Oma so schön beigebracht. Wann man das erste Bier trinke, das sei nicht so entscheidend. Denn: „Lieber ein erstes Bier mehr und dafür ein letztes weniger trinken!“ Wenn da mal nichts Wahres dran ist, liebe Freunde des Biergenusses. Übrigens die gleiche Oma, die auch gesagt hat: „Wer ein Bier holen kann, kann auch zwei holen!“
Ich komme gerade von meiner morgendlichen Surfstunde (meiner zweiten). Was ich von gestern gelernt habe. 1. Sonnenschutz auf dem Rücken war absolut nicht ausreichend. Also heute ein langärmliges Oberteil angehabt. 2. die Surfer, die neben aufs Brett steigen, greifen scheinbar auf eine andere Zeit zu oder anders: ich kann nur auf Zeitlupe zugreifen. 3. Der Muskelkater in den Armen macht mich heute ganz schön müde.
Als wir aus dem Wasser gehen, wird gerade für einen Surfwettbewerb aufgerufen, an dem ich noch nicht teilnehmen kann. Immerhin bin ich heute schon ganz gut aufs Brett gekommen und konnte einige Wellen, na, nennen wird es mal nicht reiten, aber zumindest runter fahren. Schon coole Sache. Und da ich noch ein paar Tage hier rumlungern werde, werde ich wohl noch die ein oder andere Wellen in Angriff nehmen (müssen).
Darauf kann man auch schon mal um elf ein Bier trinken. Zumal ja, in meinen Augen und Kehlen, Bier ein ausdrückliches Sommererfrischungsgetränk ist (Biergärten sind ja auch im Winter geschlossen) und der Sommer und der Drang nach Erfrischung beginnen hier jeden Tag einfach schon verdammt früh…





