„tommi boe“

„Inklusive Politik“ – Eine tolle Idee

Gepostet am

„Inklusive Politik“ – Eine tolle Idee
„Inklusion“ wird seit Jahren in der Pädagogik in Deutschland diskutiert und inzwischen auch an vielen Schulen praktiziert und gelebt. Allerdings halten bisher besonders die Konservativen gerne an segretativen Modellen mit getrennten, wenig durchlässigen Schulformen fest.
In der Politik, wie man aktuell sehr schön sehen kann, ist man hingegen, was Inklusion angeht, schon ein paar Schritte weiter. Was einerseits sehr überraschend ist, da die derzeitige Regierung ja aus drei mehr oder weniger konservativen Parteien besteht, aber andererseits ist genau dies die Voraussetzung, wenn man mit einer Partei wie der CSU eine Koalition bildet.
Irgendwie schön also, wenn die Inklusion geistig benachteiligter oder besonders herausgeforderter Politiker mit (bayrischem) Migrationshintergrund selbst auf Regierungsebene gelingt. Anderswo würde man Menschen wie Seehofer, Söder, Dobrindt oder Herrmann exkludieren, stigmatisieren oder gar in geschlossenen Einrichtungen aufbewahren.
In unserer freien, offenen Gesellschaft hingegen dürfen sie in Festzelten oder auf Pressekonferenzen ihren Schmarrn verzapfen. Da ist es doch schön, dass es bei uns eine heterogene Regierung gibt, und manchmal ist es sogar (unfreiwillig) lustig. So wie das neueste Comedy-Projekt Seehofers, der jetzt quasi seiner eigenen Partei mit Verfassungsklage droht. Denn die sitzt schließlich auch in Berlin in der Regierung. Ob Seehofer das bei all seinem Bayerntum irgendwie verdrängt hat?
Naja, kann schon mal passieren beim inkludierten Regieren! Übrigens man muss gar nicht viel von den üblichen (pädagogischen) Inklusionsslogan ändern und schon passen sie auch für die CSU:
„Es ist normal, verschieden zu sein“, „Vielfalt macht stark“, „Alle sind behindert!“, „Jeder Politiker ist besonders!“

Bayrische Milliardenverbrennung

Gepostet am Aktualisiert am

Bayrische Milliardenverbrennung
Wer hat’s mitbekommen? Wer hat aufgepasst? Diese Woche gab es einen Kabinettsbeschluss zum „Vorrang für Erdkabel-Stromtrassen“. Das wurde nämlich gerade durchgewunken, ohne dass irgendjemand sonderlich Notiz davon genommen hat.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere. Die Bayern haben sich ja tierisch über die herkömmlichen Stromtrassen aufgeregt, die ihnen den Strom aus dem Norden liefern sollen. Anstatt sich zu bedanken, dass dem energetisch strukturschwachen Süden geholfen wird und saubere Windenergie die dreckigen bayrischen Atommeiler ersetzt, kennen die Bayern keinen Dank. Im Gegenteil. Sie haben protestiert und ihr Oberbayer, Horst Seehofer, hat klar gemacht, dass das schöne Bayern nicht durch riesige Stromtrassen verschandelt wird.
Und die große und gütige Koalition hat das Thema jetzt begraben und unter die Erde gelegt. Denn der Kabinettsbeschluss verspricht, die Stromtrassen unter der Erde zu verlegen. Mehrkosten gegenüber herkömmlichen Freileitungen: drei bis acht Milliarden Euro! Nach Schätzungen der Bundesregierung, wohlgemerkt! Und wir sind ja schon groß und wissen, das unschätzbare Kostenexplosionen noch dazu kommen werden. Zumindest das ist sicher!
Schön, wenn man sich’s leisten kann. Auch wenn das in Deutschland bisher ganz ohne Erdkabel ging. Aber das schöne Bayern braucht mal wieder eine weißblaue Extrawurst. Ist aber gar nicht so schlimm, weil die Mehrkosten ja nicht über Steuern finanziert, sondern natürlich direkt über die Stromkunden umgelegt werden. Und zwar von allen Deutschen, nicht nur von den Bayern. So solidarisch sind wir mit den Bayern. Da soll der Seehofer auch mal schön die Fresse halten, bevor er wieder mit seinem Märchen vom Länderfinanzausgleich kommt. Ich kann’s nicht mehr hören. Ohne Länderfinanzausgleich wäre sein schönes Bayern noch immer ein riesiger Bauernhof.
Außerdem kann vielleicht mal jemand dem Seehofer vorrechnen, was seine politischen Schnapsideen den deutschen Steuerzahler eigentlich kosten? Ich kann mit so großen Summen leider nicht umgehen.
Schön, dass einige seiner Hirnrisse im Nachhinein noch repariert und zurückgepfiffen werden. Wie zum Beispiel seine Herdprämie, die den (deutschen, nicht bayrischen!) Steuerzahler alleine 2015 schlappe 900 Millionen Euro kosten wird.
Blöd, dass die Regierung selbst keine solchen Reparaturmechanismen besitzt. Im Gegenteil! Selbst die SPD spielt artig mit, wenn dem quengelnden Kleinkind CSU, das mal wieder auf dem Kinderspielplatz durchdreht, zur Beruhigung Süßigkeiten versprochen werden. Doch in dieser Strategie liegen gleich zwei entscheidende Missverständnisse: Erstens wissen wir alle eigentlich besser, dass Süßigkeiten wegen des vielen Zuckers bei Kindern selten zur Beruhigung führen. Zweitens funktioniert die Metapher Süßigkeiten nicht, wenn dabei jedes Mal Hunderte Millionen Euro verbrannt werden.
Und das alles nur damit der nervende Penner von Seehofer mal wieder für ein paar Monate die Fresse hält…? Den Gedanken kann ich prinzipiell verstehen. Aber drei bis acht Milliarden Euro Mehrkosten…?!

Und auch wenn sich alle anderen wundern, was für hirnkalte Projekte man in Bayern durchsetzt, spricht man in Bayern anerkennend von „politischer Geradlinigkeit“!
Gegenvorschlag: Ich sehe hier einen konkreten Anlass, der für die Liberalisierung von weichen Drogen spricht. Wie wäre es denn, wenn man Seehofer einfach mit ein paar gut gebauten Joints beruhigt, anstatt ihm bei jedem seiner bajuwarisch-cholerischen Anfälle Milliarden zusichert, um damit irgendwelche politischen Hirnfürze umzusetzen?
Schluss mit diesem GroKo-Scheiß! Zündet dem Seehofer mal ein ordentliches Pfeifchen an. Und das nächste Mal, wenn der bayrische Stammtisch krakelt „Kasperl, ein Krokodil!!!“, dann lehnt sich Seehofer entspannt zurück, nimmt das Krokodil auf seinen Schoß und streichelt es lächelnd: „Ja mei, ist sie nicht herrlich, diese bayrische Artenvielfalt?!“

In diesem Sinne: Seid laut und unangenehm!
WIDERSTAND IST ALTERNATIVLOS!

Wer soll das bezahlen?!

Gepostet am Aktualisiert am

Wer soll das bezahlen?! Wir – und zwar mit einem Lächeln!

Geschätzte 10 Milliarden Euro kosten die Flüchtlinge Deutschland im Jahr 2015. Das entspricht 20 Milliarden DM oder 164 Billionen indonesische Rupien. Wahnsinn!
Wäre der deutsche Mob besser gelaunt, könnte er mit seinem Alkoholpegel zusammen schunkeln und singen: „Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer hat so viel Pinke Pinke? Wer hat so viel Geld?“
Schade, dass er es nicht tut. Denn die Antwort ist ganz einfach: Wir! Wir haben so viel Geld!

Schön wäre es allerdings, wenn unsere Politiker und unsere unabhängigen Qualitätsmedien vielleicht mal genau das sagen würden: Wir haben das Geld! Stattdessen gewinnt man häufig den Eindruck, dass wir entweder für Flüchtlinge ODER für Kitas das Geld haben. So wie sich Schäuble auf die frei gewordene Herdprämie gestürzt hat, um akute Löcher im Haushalt zu stopfen, anstatt sie dem Familienministerium zum Kita-Ausbau zu überlassen, muss sich keiner wundern (auch kein Politiker!), dass die Rechten zu krakelen beginnen. „Für unsere Kinder ist kein Geld da, aber für die!“ Muss sich keiner drüber wundern. Wenn man einen Hund füttert, dann frisst der auch! Komisch? Nee! Gar nicht komisch!
Aber da lässt sich doch vermuten, dass genau das beabsichtigt ist. Weil so blöd ist dieser Schäuble gar nicht. Ein Unsympath, sicher! Aber sooooo blöd gewiss nicht!
Ich finde es traurig. Denn irgendwie bleibt alles beim Alten: Die armen Deutschen hetzen gegen die noch ärmeren Flüchtlinge. Wie wäre es denn mal, wenn man gegen die reichen Deutschen hetzen würde? Warum geht das eigentlich nicht?! Schätzungen zufolge werden jährlich 50 bis 100 Milliarden Euro Steuern hinterzogen, am Fiskus vorbei geschleust. Übrigens meist von sehr wohlhabenden Menschen! Kann man nicht mal was gegen diese Steuerflüchtlinge machen? Das liegt begrifflich auch gar nicht so weit entfernt. Vielleicht mal Steuerflüchtlingsheime niederbrennen! Kann man den Steuerschleusern nicht auch das Handwerk legen?
Und für Seehofer hätte ich auch noch einen Job. Er könnte doch mal die Finanzgrenzen in Richtung Schweiz dicht machen und diese ein bisschen seriöser kontrollieren. Oder ist das mit unserer christlich-abendländischen Finanzkultur nicht zu vereinbaren?
Mit den zusätzlichen – oder auch: den eigentlichen – Steuereinnahmen könnten wir Kitas UND Flüchtlingsheime bauen UND Autobahnen UND Schulen sanieren UND endlich die längst versprochene Entwicklungshilfe von 0,7% vom BIP bezahlen. Das wurde in den Milleniumszielen vereinbart (Deutschland liegt bei 0,38%). Auf diesem Wege würde man nämlich auch einen angemesseneren Anteil zur Verbesserung der Situation in den Herkuntsländern vieler Wirtschaftsflüchtlinge beitragen.

Ach, was reg ich mich wieder auf…!
Weil: Widerstand ist alternativlos!

DSC00588

Kleiner Grenzverkehr – Welcome to Belize

Gepostet am Aktualisiert am

Kleiner Grenzverkehr – „Welcome to Belize!“

Fotolovestory: heute ohne Liebe!
Ich nehme den Grenzübergang zwischen Chetumal, Mexico, und Corozal, Belize. Dafür steige ich in Chetumal in einen „Chickenbus“, einen alten US-amerikanischen Schulbus. Der Bus ist voll und ich ergattere einen der letzten Plätze ganz hinten. Was ein gutes Zeichen dahingehend ist, dass ein voller Bus nicht mehr warten muss, sondern gleich losfährt. So passiert es aus. Alle Fensterchen sind auf, sodass das bisschen Zugluft einen sonstigen Hitzetod verhindert.
An der Grenze müssen alle raus und zum mexikanischen Grenzhäuschen. Da ich ganz hinten im Bus sitze, bin ich auch der letzte in der Schlange und der einzige, der mit einem Reisepass unterwegs ist und am Grenzposten seine Ausreisegebühr abdrücken muss. Ich reiche zwei Scheine nach innen und warte auf mein Wechselgeld, meinen Stempel und meinen Reisepass. Aber es dauert. Was macht der Typ?! Er lächelt und kramt hinter dem Schalter rum. Alle anderen sind längst wieder im Bus. Ich werde gefragt, ob es mir in Mexico gefallen, natürlich, ob ich bald wiederkomme, si claro, und reicht mir nach einer weiteren Ewigkeit strahlend zwei Hände voll (ungefähr ein Kilo) Wechselgeld über den Tresen. Muchas gracias!
An der belizischen, belizianischen, beliziösen Grenze (wie auch immer!) steige ich durch die Ladeluke hinten aus, bin also dieses Mal weiter vorne in der Schlange. Allerdings pfeift mich der Busfahrer zurück, da ich auch meinen Rucksack durch das Grenzgebäude bringen muss. Zudem bin ich natürlich wieder der einzige, der Einreiseformular und Zollerklärung ausfüllen muss. Das müssen Mexikaner und Belizen nämlich nicht tun. Hoffentlich wartet der Bus auf den Gringo und lässt mich nicht an der Grenze zurück. Machen sie nicht.
Dafür passiert etwas anderes Lustiges. Als ich in den vollen Bus einsteige, tobt im Bus bereits ein fetter Streit. Ein Mann und eine Frau schreien sich und bewerfen sich mit übelsten Flüchen. Dank ihrer Staatsbürgerschaft (belizianisch) sind einige ungehobelte englische Schimpfworte dabei. Der Bus als große Bühne. Ich setze mich vergnügt, hol die Kamera raus und bestelle Popcorn. Der Streit geht im weitesten Sinne um die Sitzplätze und der Mann am Fenster fühlt sich durch die dicke Frau belästigt. Die Frau steht im Gang und brüllt ihn an, während der Rest der Insassen sich teils amüsiert, teils aufregt, da es wegen der beiden Schreihälse nicht weitergeht. Daher versuchen einige, auf die beiden beruhigend einzuwirken, was allerdings genau das Gegenteil bewirkt. Denn jetzt flippt der Mann gegenüber den Friedensstifter komplett aus und beschimpft nun diese quer durch den Bus. Er kriegt sich gar nicht mehr ein. Jeder Kommentar macht ihn noch wilder. Er eskaliert vollkommen, zum Glück nur sprachlich!
Ein großer Spaß! Meine Nebensitzer grinsen mich an: „Welcome to Belize!“
Einige Insassen rufen jetzt nach dem Busfahrer. Der solle mal endlich eingreifen. Wir wollen schließlich weiter. Aber der Busfahrer hat sichtlich wenig Lust, sich in diesen Streit einzumischen. Durchaus verständlich, denn der Typ kommt ziemlich assi/aggro rüber. Und so verlässt der Busfahrer schließlich den Bus und geht rüber zum Grenzpersonal und kommt kurz darauf mit zwei Polizisten wieder. Diese befördern, unter lautem Prostestgeschrei auf der einen und großem Applaus auf der anderen Seite, die beiden Streitäxte schließlich aus dem Bus. Hämische Kommentare begleiten die beiden nach draußen. Der Mann schreit noch wilde Drohungen zurück, die im Bus aber eher locker aufgenommen werden: „Yeah, but we’re still in the bus!“
Abschlussgelächter. Polizist mit Krakeelheinis ab. Bus fährt los in den Sonnenuntergang. Vorhang! Applaus!
Herrlich! Manchmal muss man gar nichts machen, um was zu erleben! Nur die Fotos natürlich!

 

Zur nächsten Fotolovestory geht’s hier entlang!

DSC00336
Der Typ (sitzend) mit der Base-Cap im grünen Shirt, der eine Akteur. Seine Partnerin wird leider gerade von Zuschauern verdeckt, steht schreiend im Gang.
DSC00339
Abgang. Er flucht noch wild in den Bus zurück. Hämische Antwort aus dem Inneren: „Yeah! But we’re still in the bus!“

Fundstück – Seegras

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstück – Seegras
Ein besonderes, wenngleich nicht besonders schwer zu findendes Fundstück an der Ostküste Mexikos und Belizes ist das Seegras. Besonders entlang der Costa Maya schwappen täglich Unmengen davon an die Strände. Und so schlimm wie in diesem Jahr war die Plage noch nie.
Dummer Weise werden die Seegrasmassen genau an die Postkartenstrände gespült und ruinieren damit ziemlich das Postkartenmotiv und, zugegeben, auch den Postkartengeruch, falls es so etwas gibt… Blöd für den Tourismus, deren Zugpferd Nummer eins nun mal genau diese Strände sind. Die Regierung der mexikanischen Provinz Quintana Roo hat schon Hunderte von Arbeitskräften zur Reinigung an die Strände abkommandiert, um den Schaden zu begrenzen. Aber täglich schwappt neues Seegras an die Strände und das betrifft allein in Mexiko an der Costa Maya eine rund 500 km lange Strandlinie.
Ich konnte in Mahahual, im Süden Mexikos, jeden Tag beobachten, wie die Männer mit Forken und Schubkarren das Seegras ernteten, mit Baggern wurden die Berge vom Strand und später auf Lastwagen weiter transportiert. Jeden Tag aufs Neue schwappte die grüne Suppe ans Ufer!
Wie kommt es zu dieser Plage? Folgen der Erderwärmung? Naja, guter Ansatz, würde ich meinen. Auch interessant, was sind die Auswirkung auf das Gleichgewicht der Meere? Denn in dem Seegras sind Unmengen von Nährstoffen gebunden! Wer weiß…? Auch mit wenig Sachverstand ist kaum anzunehmen, es hätte keine Auswirkungen.
Jedenfalls leidet der Badespaß gewaltig unter diesem blöden, ekligen Seegras. Übel auch, dass das an Land gespülte Seegras unter der Tropensonne natürlich unmittelbar zu verrotten und extrem zu stinken beginnt. Die Seegrasformationen sind mittlerweile so groß, dass man sie aus dem Flugzeug sehen kann.
Nicht das Imperium, die Natur schlägt zurück. Dieses Jahr trifft es den Karibikraum! Was kommt als nächstes…?
Ach ja. Hitzewelle in Deutschland 2015. Sagt der eine: „Uh, war das übel, diese Hitze!“ – Antwortet der andere: „Immer noch besser, als im Winter Skifahren zu müssen!“

DSC00308 DSC00327

DSC00326