„tommi boe“

Demoskopenversagen

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Demoskopenversagen

Jetzt wird 2016 nach dem Bienensterben auch noch als das Jahr des großen Demoskopenversagens in die Geschichtsbücher eingehen. Wohl selten haben so viele Experten in allen möglichen Ländern derart einhellig falsch gelegen wie in diesem Jahr. Aber zu einer ignoranten, abgehobenen und die Lebensrealitäten der Bürger missverstehenden Politik gehört eben auch eine solche Journaille. Das kommt eben davon, wenn Politiker und Journalisten zulange miteinander im Bett gelegen haben. So ist das bei Verliebten. Die bekommen von der Außenwelt ja auch nichts mit!

Tja… Und die Annahme, dass die Hälfte aller US-Amerikaner weiße dicke alte sexistische ausländerfeindliche ungebildete männliche Idioten aus dem Mittleren Westen sind, überzeugt leider auch nicht so richtig. Auch wenn es noch so schlüssig erscheint…

Aber jetzt haben alle, die bisher nichts verstanden haben, plötzlich alles verstanden und das Problem erkannt. Natürlich! Schwierig nur, dass es nichts hilft, bloß zu glauben, dass man etwas verstanden hat, wenn man dann doch einfach so weitermacht wie bisher, weil die Alternativlosigkeit der letzten Jahre alle Phantasie, dass tatsächlich ein anderes Leben möglich wäre, längst getötet hat. Stattdessen merkeln wir weiter! Und das ist nur wirklich die fleischgewordene Alternativlosigkeit!

Ich habe da ein schönes Zitat von Jakob Augstein gefunden: „Offenbar ist die Demokratie in ihrem derzeitigen Zustand kein geeignetes Instrument, um für Gerechtigkeit zu sorgen!“ Denn genau darin versagt sie, bei stetig wachsender sozialer Ungleichheit, seit zwanzig Jahren!

Wir brauchen ein lautes Ja zu Alternativen! Dann erkennen wir vielleicht, dass es neben der Alternative für Deutschland noch andere echte Alternativen für ein besseres Deutschland gibt! Linksblinker setzen!

Atomare Morallosigkeit

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Atomare Morallosigkeit

Wie heute bekannt wurde, muss die Regierung, laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts, an die Atomkonzerne Entschädigungen zahlen. Forderungen seitens der Konzerne von bis zu 19 Milliarden Euro stehen dabei im Raum! Ach, sagte ich, die Regierung muss zahlen…? Sorry, mein Fehler, Merkels Haftpflicht übernimmt den Schaden dann doch nicht. Dann müssen wir Steuerzahler das natürlich übernehmen.

Ich will mich auch gar nicht darüber aufregen (das habe ich ja schon an anderer Stelle), sondern genauer gesagt darüber, dass die gleichen Konzerne gerade erst die Regierung weichgekocht haben, damit sie aus ihrer Endlagerungspflicht für den Atommüll rauskommen. Da stellten sich die Konzerne als die armen Würstchen dar, die sich unmöglich um den ganzen atomaren Müll selbst kümmern können. Auch wenn sie Jahrzehntelang Milliardengewinne aus dem Atomstrom erwirtschaftet haben, welche dann natürlich artig privatisiert wurde. Wer hätte auch schon ahnen können, was diese blöde Sache mit der Endlagerung kosten könnte? Also wirklich… Da müsste man ja Hellsehen können oder gar vom Fach sein…! Und überhaupt!

Aber nachdem sich die Bundesregierung auf diesen, für uns Steuerzahler extrem teuren Deal eingelassen hat, was rechtlich überhaupt nicht notwendig gewesen wäre, dass jetzt die Atomkonzerne ihrerseits, nachdem die Regierung ihnen gerade etliche Milliarden quasi geschenkt hat, auf Entschädigungszahlungen gegenüber dem Bund bestehen, zeigt leider mal, wie verkommen die Welt unserer Konzerne ist. Moral hat da nichts verloren. Und jeder, der so tut, als könne man auf moralischer Ebene mit multinationalen Unternehmen diskutieren, hat es nicht geblickt! Denn das moralische Konzept eines Haifisches funktioniert ganz ähnlich. Komisch nur, dass das die meisten bei Haifischen begreifen und bei Konzernen nicht.

 

Mehr über diese Atomarschgeigen:

https://tommiboe.com/2015/01/18/atomarschgeigen/

Morgen, Kinder, wird’s nichts mehr geben!

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Morgen, Kinder, wird’s nichts mehr geben!

Die kindliche Vorfreude auf ein Morgen, Kinder, da wird’s was geben, hat unsere Gesellschaft verlassen. Alle bisherigen Nachkriegsgenerationen konnten sich auf ein Morgen freuen, ein besseres, schöneres Morgen voller Aufstiegschancen und Sicherheiten.

Das beste Morgen, das uns von den Regierenden heute versprochen wird, ist ein mühsam verlängertes Heute, bar jeder Vision! Klingt und schmeckt ähnlich attraktiv wie ein lauwarmes Resteessen. Ein schönes, besseres Morgen scheint gerade nicht im Warenkorb der etablierten Parteien verfügbar zu sein. Also heißt es: Weiter so!

Und hier und jetzt in diese ernüchternde Zukunftsleere kommen die Populisten. Denn die haben klare und laute Visionen, die malen ihr Morgen, auch wenn es uns dumpf und grau und erschreckend und unheimlich gestrig erscheint, und schreien es hinaus in eine Welt, in der viele darauf warten, dass es endlich wieder in eine andere Richtung gibt.

Und wir denken: Puh! So ein reaktionäres und gestriges Morgen das kann es doch wohl auch nicht sein! Aber solange wir es nicht schaffen, aus der Mitte der Gesellschaft heraus endlich wieder eine wirkliche Version zu zeichnen, wie unsere Zukunft denn aussehen soll, scheint vielen auch die schlechteste Alternative immer noch die vermeintlich beste Alternative gegen das elende „Weiter so!“ zu sein.

Nur blöd, dass weder Politik noch Medien Ideen für ein solches Morgen haben. Noch schlimmer, dass diejenigen, die Visionen für ein anderes Morgen haben, solange als „Gutmenschen“ diffamiert werden, dass man sich inzwischen fast rechtfertigen muss, wenn man ein bisschen quer denkt und die neoliberale Alternativlosigkeit in Frage stellt. Die Grünen wurden im letzten Wahlkampf für ihren „Veggie-Day“ regelrecht fertig gemacht und zwar nicht von den Populisten sondern von den Etablierten und unserer sogenannten Qualitätspresse!

morgen-kinder
wo ist bloß die Zukunft hin…?

Yes, you can – zumindest wenn du willst!

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Yes, you can – zumindest if you want!

Yes you can – zumindest if you want! Und zwar jeder einzelne of you! Und nur mal so zur Klärung: Schuld sind nicht einfach die anderen. Erst mal ist man immer selber schuld. Und danach die anderen vielleicht auch noch!

Was ich sagen will, ich kann mich nicht immer hinter den anderen verstecken. Das ewige Gejammer, ich kann ja doch nichts ändern, es hilft ja doch nichts, ist leider (lieber Adressat) der Anfang des Übels.

Denn, wenn ich mir Mühe gebe, finde ich genügend Bereiche meines täglichen Lebens, in denen ich sehr wohl etwas ändern kann bzw. etwas ändern muss, wenn ich weiterhin rumjammern möchte. Denn das Recht zu meckern, erlangen, meiner Ansicht nach, nur diejenigen, die tatsächlich selbst etwas tun.

Tja, und da haben wir das Problem, nicht wahr?! Denn nun sind wir das Problem bzw. unsere Bequemlichkeit, Trägheit, Faulheit, unsere gesamte Lebensweise!

Aber dabei ist es gar nicht so schwer. Heute, für den Anfang, schlage ich mal vor, dass wir uns fragen, ob wir unser Geld einer Bank anvertrauen, der wir auch tatsächlich vertrauen können und von der wir sicher sind, dass sie mit unserem Geld nicht die Dinge unterstützt, die wir eigentlich nicht möchten. Soll meine Bank mit meinem Geld zum Beispiel Rüstungskonzerne unterstützen oder in Spekulation mit Lebensmitteln stecken? Okay, lässt sich erwidern, ich weiß ja gar nicht so genau (und ich möchte es auch gar nicht so genau wissen), was meine Bank mit meinem Geld so alles treibt. Mann! Dann informiere dich darüber! Hängst doch sowieso den ganzen Tag im Internet!

Ich hab mein Geld zur GLS-Bank gebracht, die gerade zum wiederholten Mal den „Fair Finance Guide“-Test gewonnen hat.

Andererseits muss natürlich niemand sein Geld zu einer transparenten, verantwortungsbewussten Bank schaffen. Das darf jeder schön für sich selbst entscheiden. Er sollte dann aber zumindest die Fresse halten und nicht rummeckern, man könne ja eh nichts tun! Oder man habe davon nichts gewusst. Dann informier dich halt! So ein Bankwechsel geht übrigens ganz schnell und tut auch nicht weh!

Yes, you can! – Zumindest if you want!

fair-finance-guide-deutschland

(Erklärungen und Erhebungsverfahren auf: http://www.fairfinanceguide.de/)

 

 

Revolution – oder doch erst mal weiter so?!

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Revolution – oder doch erst mal weiter so?!

Nach dem großen Demoskopenversagen waren sich plötzlich genau jene Prognoseversager wieder einig, der Brexit sowie die Wahl Trumps seien eine Backpfeife für die etablierten Parteien. Die alternativlose Politik, das ewige „Weiter so“, die zunehmende Entfremdung der Eliten vom Volk. Und Parteiübergreifende Einigkeit herrschte, es dürfe kein „Weiter so!“ mehr geben, man müsse die Unerhörten anhören, die Missverstandenen verstehen und die Abgehängten wieder anhängen. Öffentlich-rechtliche Sendezeiten wurden gefüllt, Talkshows waren mit hochkarätigen Sorgenverstehern und Emotionenexperten bestückt.

Blablabla!!!

Und wie sich alle in ihrer neuen „Wir haben jetzt endlich verstanden“-Rolle gefielen und sich kein bisschen vor ihrem Wendehalssyndrom bei gleichgebliebenem Besserwissermodus ekelten, zeigte mal wieder in aller Deutlichkeit, dass das bloße so Tun und davon Reden, als hätte man verstanden, rein gar nichts ändern wird.

Ohnehin schauen gerade jene Leute, die Ihr angeblich so plötzlich verstanden habt und ab sofort total ernst nehmt, Eure blöden Talkshows gar nicht an. Dafür beleidigt Euer doppelmoraliges Kasperletheater eigentlich nur alle anderen, die Euch die hohlen Phrasen sowieso nicht mehr abkaufen.

Und die Gewissheit bleibt: Nichts wird sich ändern bei den Etablierten. Der Motor des „Weiter so!“ ruckelte zwar ein wenig, aber er wird dann wieder, wie gewohnt, Fahrt aufnehmen. Denn was sollte sich ändern? Plötzlich soziale Gerechtigkeit einführen…? Im Ernst?! Das hieße ja: Vermögen besteuern, Reichtum umverteilen, Armut bekämpfen! Im Ernst…?! In Deutschland…?!

Oder wie sagt Volker Pispers so schön und wahr: „Versuchen Sie mal eine Politik durchzusetzen, die 90% der Bevölkerung zugutekommt. Dafür bekommen Sie in Deutschland keine Mehrheit!“

So sieht’s leider aus. Naja, dann eben doch „Weiter So!“ Und wie passend, dass wir dafür Angela Merkel für noch mal vier Jahr vorgesetzt bekommen. Da wird sich sicher ganz schön was ändern…!