fundstücke in fernwest

Fundstücke in Fernwest – Mate

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Fundstücke in Fernwest – Mate

Okay, okay, darüber muss ich dann wohl doch ein paar Worte verlieren. Obwohl ich mich bisher davor gedrückt habe. Aber nach Argentinien/ Uruguay zu fahren, ohne etwas zu Mate zu sagen, geht nicht. Aber, auch wenn ich damit ein ewiges Einreiseverbot erwirke: Mate ist völlig überbewertet!
Ich weiß, andere Länder andere Sitten, Toleranz, Akzeptanz, blabla… In manchen Ländern sind Kühe, Froschschenkel, Autobahnen, im Erdboden vergrabener Käse, selbstgebrannter Slivovic oder gar die Todesstrafe heilig. Warum nicht auch Mate? Bitte, geschenkt! Also relativiere ich meine Aussage: Ich finde, Mate ist völlig überbewertet. Wenn das mal keine gescheite Ich-Aussage ist!
Ich hab’s probiert, bin ja kein totaler Ignorant. Aber diese ewige Rumgezuzel, Rumgesauge, Nachschenken, Saugen, Nachschenken, Rumsaugen, den ganzen Tag Raumlaufen mit Thermoskanne. Bah! Das nervt! Es schmeckt auch nicht (mir!), aber in erster Linie nervt’s einfach (mich!). Egal wo und wann: auf der Straße, im Bus, in der Schlange stehend, am Strand, beim Einkaufen, beim Begräbnis, beim Sex…! Ach, wie schrecklich gesellig das doch ist! Immer schön nachfüllen und weiterreichen, saugi saugi, weiterreichen, saugi saugi, weiterreichen, saugi saugi… Bah! Und ich finde nicht die Tatsache eklig, dass alle am gleichen Röhrchen saugen. Das ist sogar noch das Beste dran!
Und wenn ich jetzt noch sage, dass es eine „akzeptable“ Variante davon gibt, habe ich in Uruguay und Argentinien vermutlich endgültig verschissen: Tereré. So nennt sich die paraguayische Variante. Sie wird kalt getrunken und gerne mit Zitronenlimonade oder Orangensaft statt Wasser. Und das kann tatsächlich sehr erfrischend sein! Und schmeckt auch nicht so nach Mate!
Hoffentlich liest das niemand von der argentinischen Staatssicherheit. Ich wollte eigentlich noch einen Monat in Argentinien bleiben. Aber scheiß drauf! Es musste einfach mal gesagt werden: Mate nervt! Ja, doch: Mate nervt mich! So!

mate-zuzeln - kann man machen, muss man nicht!
Herr Boe beim traditionellen Mate-Zuzeln – kann man machen, muss man nicht!

Fundstück – Grüße aus Hollywood

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Fundstücke in Fernwest – Grüße aus Hollywood

Ich komme mir ein bisschen wie in dem Lied von Trio Rio „New York, Rio, Tokio!“ vor, nur das alles an einem Platz ist.
Ich befinde mich nämlich gerade in Palermo, genauer gesagt, in Palermo Hollywood. Hä…?! Doch, doch, nach wie vor bin ich in Südamerika und ich habe es auch nicht mit bewusstseinserweiternden und landkartenverändernden Drogen übertrieben. Bei Palermo Hollywood handelt es sich um ein richtig nettes Wohnviertel in Buenos Aires, in dem ich gerade eine Freundin aus gemeinsamen Marburger Studientagen besuche. (Man sagt das so „Studientage“, auch wenn damit viele, viele Jahre gemeint sind!) Sie wohnt mit Mann und Tochter in einem sehr gediegenen Wohnkomplex mit viel Grün drumherum und einem Pool. Hier wird Latte Macchiato statt Mate getrunken, als wäre das der wesentliche Schritt auf der gesellschaftlichen Evolutionsleiter. Immerhin werden hier ansprechende Kaffeemaschinen benutzt, die kulturelle Entfernung nach Italien ist in Argentinien und besonders Buenos Aires ja nicht so weit.
Nachdem ich mit der dreijährigen Tochter meiner Gastgeberin ein bisschen Bade- und Schwimmspaß betrieben habe, drehe ich selbst ein paar Runden im Pool und verfolge anschließend von einem schattigen Liegestuhl aus die private Trainingseinheit eines Oberschichtssprösslings und seines Personal Bademeisters. Der vergnügt sich, während der Junge seine Bahnen abreißt, am Beckenrand mit den, nicht berufstätigen Oberschichtsgattinnen.
Ansonsten ist Palermo eine nette Abwechslung zum hektischen Wesen Buenos Aires. Platanen säumen die Straßen und bewerfen sie mit Schatten, links wie rechts laden gemütliche Cafés und appetitliche Restaurants zum Verweilen ein. Und wenn ich eine Sache während meines Sabbatjahrs perfektioniert habe, dann das Verweilen. Was allerdings extrem nervend ist, dass sich das Viertel mit Leichtigkeit zum Wettbewerb um den Titel der Hundekothauptstadt Südamerikas qualifiziert hat. Deshalb kann man sich die Stadt gar nicht richtig anschauen, weil der Blick ständig vor die eigenen Füße gerichtet ist.

Was bietet (mir) Buenos Aires außerdem? Unter anderem:
– die „Subte“: eine U-Bahn im Stile eines „Öffentlichen-Personen-Nahverkehr-Saunabetriebes“!  Klingt nach einer super Geschäftsidee! in einer Zeit, in der Menschen keine Zeit mehr haben, kann man einfach schon den Heimweg mit dem Saunabesuch verbinden!

– eine Panasonic-Service-Niederlassung: So kann ich meine Kamera professionell von uruguayischem Sand befreien lassen. Allerdings verbirgt sich der Service hinter einer grünen Tür ohne Schild und ich bin jetzt von stolz wie Bolle (nicht der gleichnamige Frisbeespieler), dass ich den Laden überhaupt gefunden habe.

– Avenida 9 de Julio: die breiteste Straße der Welt, nachgemessen von einem argentinischen Forscherteam vom „Instituto para el Desarrollo del Orgullo Nacional Argentino“ („Institut zur Förderung des argentinischen Nationalstolzes“)

Wohnkomplex in Palermo Hollywood, mit Pool und Personal Bademeister
Wohnkomplex in Palermo Hollywood, mit Pool und Personal Bademeister
nette Cafés in Palermo Hollywood
nette Cafés in Palermo Hollywood

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"Subte" - rollender Saunabetrieb
„Subte“ – rollender Saunabetrieb

 

Fundstück- Robbenschlachten

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Fundstücke in Fernwest – Robbenschlachten

Nein, der Artikel hat nichts mit Fußball zu tun! Und Hoeneß muss auch gar nicht vor Wut rot anlaufen, denn dies ist kein Appell an alle Abwehrspieler der Welt, jetzt mal Ernst zu machen mit dem holländischen Flügelflitzer! So etwas muss jeder Abwehrspieler selbst entscheiden!
Ich bin in einem Ort gelandet, der Cabo Polonio heißt und ein ehemaliges Robbenschlächterdörfchen ist, was sehr wahr ist, aber viel weniger romantisch klingt als Fischerdörfchen. Dabei ist Robbenschlachten gegenüber dem Fischereiwesen ein wenngleich brutaler, aber doch ein Kindergeburtstag. Schon auf den Galapagosinseln hatte ich den Eindruck, dass man die trägen Tiere mit einem gemächlich über den Strand tuckernden Robbenvollernter einsammeln könnte, während die Fischer bei Wind und Wetter mitten in der Nacht aufs Meer hinaus müssen. Wie sehr es die Dorfbevölkerung verwirrt hat, dass sich die ersten Touristen lebende Robben anschauen wollten (Hä?!) und dafür großzügig bezahlten, in schäbigen Hütten zu nächtigen (Hä?!), ist nicht überliefert. Ebenso wenig, ob die Kinder nun deutlich mehr Prügel beziehen, seitdem sich ihre Eltern nicht mehr an den Robben austoben.
Der aufkommende Tourismus hat dafür gesorgt, dass sich der Bestand der Lobos Marinos (Südamerikanischer Seelöwe/ Mähnenrobbe) sehr gut erholt hat. Hin und wieder schaut auch mal ein Seeelefant vorbei. Die robben sich auch gerne mal durch den Ort und sind, nach Augenzeugen, bis zu mannsgroß, wenn sie sich aufrichten, und wiegen bis zu drei Tonnen. Mit Sicherheit ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man nachts aus einer Bar nach Hause torkelt und einem plötzlich ein grunzender Seeelefant gegenüber steht. Da stellt sich natürlich die spontane Frage, ob man den Drogenkonsum nicht vielleicht doch mal einschränken sollte.

"Lobos Marinos" in Cabo Polonio
„Lobos Marinos“ in Cabo Polonio
Kurz vor dem Einsatz mit dem Robbenvollernter. noch ist alles friedlich!
Kurz vor dem Einsatz mit dem Robbenvollernter. noch ist alles friedlich!
hochnäsiges Pack!
hochnäsiges Pack!

 

 

Fundstück – Tejo

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Fundstücke in Fernwest – Tejo

Tejo! Man nennt es auch das „Cross Country Boule für Arme“! Beim Tejo geht es wie beim Boule darum, möglichst nahe an ein Zielobjekt heranzukommen. Der grundlegende Unterschied ist, dass nicht mir Kugeln sondern mit Holzscheiben geworfen wird. Beide Spieler oder beide Teams haben je sechs Wurfscheiben und versuchen damit, den Gegner zu überbieten und so Punkte zu schreiben.
Natürlich kann Tejo dem guten alten Cross-Country-Boule nicht das Wasser reichen. Das wäre ja auch fatal. Denn dann hätten wir alle die Jahre das falsche Spiel betrieben. Aber um sich am Strand die Zeit zu vertreiben, geht Tejo ganz in Ordnung.
Der Selbstversuch hat auch ergeben, man kann das Ganze auch prima Cross-Dunes spielen, was den Unterhaltungswert enorm steigert. Der Fotobeweis fehlt an dieser Stelle, weil sich vorher meine Kamera aus geschätzten fünf Zentimetern Höhe in den Sand gestürzt hat und sich jetzt nicht mehr öffnen lässt. Bravo! Da hab ich mir wohl für Buenos Aires ein kleines Reparaturprojekt aufgehalst.

Annäherungsversuch von blau ans rote "Schweinchen" oder wie auch immer die Zielsau richtig heißt!
Annäherungsversuch von blau ans rote „Schweinchen“ oder wie auch immer die Zielsau richtig heißt!
Wurfscheiben mit dem roten Zielobjekt
Wurfscheiben mit dem roten Zielobjekt

Für alle, die nicht wissen, was Cross-Country-Boule ist („Schande über euch!“):

http://www.youtube.com/watch?v=SasI4QPlT-s

Fundstück – Surferbraut

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Fundstücke in Fernwest – Surferbraut

Bin ja grad mal wieder am Strand gelandet und mit mir auch etliche Surfer. Es handelt sich zwar um keinen Surfer-Hotspot, aber der Atlantik schmeißt regelmäßig Wellen an den Strand. Die meisten Surfer sind Männer, die da Tagelang auf dem Brett auf dem Meer ausharren und auf DIE Welle warten. Und die meisten Surfer sehen auch ganz knackig aus: schmale Hüfte, muskulöser Oberkörper, braungebrannt, vom Salzwasser ausgebleichte Haare… Logische Folge: Jeder Surfer hat seine Surferbraut (mindest im Singular). Andererseits so richtig viel Zeit, um Bräute aufzureißen hat er ja gar nicht, weil er den ganzen Tag auf dem Wasser sitzt. Deshalb übernehmen, wie auch sonst im richtig Leben, die Frauen die Auswahl.
Aber was machen die Surferbräute eigentlich den ganzen Tag? Zum Friseur gehen, sich die Nägel machen lassen, Chailatte trinken, Fitness-Salate essen und Shoppen gehen? Ach nee, jetzt bin ich bei den Spielerfrauen der Fußballer gelandet. Mist! Die werden ja doch ein bisschen besser bezahlt als diese Surfschlümpfe. Also zurück zur Frage: Was machen die Surferbräute den ganzen Tag? Surfen jedenfalls nicht. Sitzen am Strand, schmachten ihren Boy an und warten an Land, wie er auf dem Wasser auf die Welle wartet. Ähnlich spannend, wie jemandem beim Angeln zuzugucken! Hmmm, klingt toll, das Leben einer Surferbraut. Einige von ihnen passen unterdessen auf seinen Hund auf. Achtung Kalauer: Das kann er ja nicht, ist ja kein Seehund – Haha!
Hmmm, das ganze hatte sie sich wahrscheinlich auch anders vorgestellt. Gemäß einer grundlegenden weiblichen Logik schnappt sie sich nämlich den wildesten Tiger, weil er so wild/ stark/ potent/ unzähmbar/ und schön gestreift ist, zieht ihm dann alle Zähne, macht vielleicht eine schöne Kette draus, bügelt ihm die Streifen raus und kastriert ihn. Logisch! Was auch sonst!
Aber leider paddelt selbst ein kastrierter Surfer noch jeder Tag wieder raus und wartet auf die verfickte Welle, während sie auf seinen verkackten Hund aufpasst. Und ich sitze am Strand und schaue den Surferbräuten zu, wie sie ihren Surfern zuschauen. Herrlich dämlich das Leben manchmal!

Wenigstens muss ich mich um keinen Dreckshund kümmern! So, kleine Surferbraut, tschüssi für heute, ich hol mir jetzt was zu essen und zu trinken.