fundstücke in fernwest
Fundstück – Viva Quito
Fundstücke in Fernwest – Viva Quito!
Wer nicht zählen kann, ist klar im Vorteil!
Ich breche nach nur zwei Nächten in Baños auf, da ich in Quito meine Amazonastour bezahlen und dort den Nachtbus nach Lago Agrio bekommen muss. Mein professionell erstellter Reiseplan (Foto) sagt mir, dass ich noch genau diese Zeit für einen 5-Tagetrip habe, bevor es von Quito per Flugzeug weiter nach Brasilien geht.
Im Reisebüro in Quito erfahre ich allerdings, dass ich noch einen Tag Spielraum habe, bevor die Tour losgeht. Hä? Aha! Da habe ich wohl irgendwo unterwegs einen Tag verloren beziehungsweise ihn gerade wieder gewonnen. Keine Ahnung, wer für diesen Planungsfehler zur Verantwortung zu ziehen ist. Wollen wir auch die Schuldzuweisungen nicht übertreiben. Immerhin muss ich nicht direkt in den Nachtbus hüpfen, sondern habe soeben einen Tag geschenkt bekommen – un día regalado!
Der Zufall (das Schicksal, die Vorsehung!) will es, dass genau dieser Tag großer Festtag in Quito ist. Unabhängigkeit und 479. Geburtstag der Stadt Quito. Es ist ordentlich Volk unterwegs, Musik (zum Teil echt schlimm!) in den Straßen, volle Restaurants, Bars und auch ein Haufen „Chivas“ (Foto), die typischen Partybusse, sind unterwegs, die man für 200-300$ pro zwei Stunden komplett mieten kann. Dann wird man zu lauter Humpta-Musik durch die City chauffiert. Je nach Größe passen 20-30 oder auch mehr rein. Es wird getanzt, getrunken (klar!) und gegröhlt (wichtig!). Ich lass mich am Straßenrand in ein Gespräch und ein paar Becher Candelazo (heißer Punsch) verstricken und lande schließlich auch in einer Chiva (Foto).
Die Plaza Grande ist mit Blumen geschmückt und die einheimischen Passanten fotografieren sich (und mich) begeistert gegenseitig. Ecuadorianische Fahnen hängen nicht nur an Balkonen herunter sondern auch an mir (Foto).
Zur Feier des Tags will ich noch zur „Virgen de Quito“ (Jungfrau von Quito) auf den Panecillo-Hügel hoch, von dem man einen schönen Blick auf die Stadt haben soll. Auf halbem Weg die Treppen hoch werde ich aber von zwei Polizisten gestoppt und darf alleine nicht weitergehen. Zu gefährlich sei das Viertel. Also nur Blick von halber Höhe (Foto).
Das Sympathische an dem Fest: Schon nachmittags sind alle Kneipen voll und es wird eifrig getrunken. Gut so! Da werde ich im Nachtbus wohl gut schlafen können!
Fundstück – Heiliger Rauch
Fundstücke in Fernwest – Heiliger Rauch
Heiliger Rauch!
Dass wir uns je persönlich begegnen würden…! Dabei kannte ich ihn schon seit langem – also eben nicht persönlich!
Ein guter alter Freund von mir, der große Westernautor G.F. Unger, erwähnte ihn in einem seiner legendären Tiervergleiche. G.F. Unger wird den meisten von Euch kein Begriff sein. Aber er schrieb so geniale Sätze wie: „Es gibt Fresser und Gefressene. Und so lange der Wolf das Schaft frisst, sollte man danach trachten, nicht das Schaf zu sein!“ Toll, nicht wahr?
Zu meinen Marburger Zeiten lasen wir Unger als Lückentext. Der Leser machte an besonders dramatischen und/oder dämlichen Stellen eine Pause und die Hörerschaft ergänzte einfach mit Worten wie „drittklassiger Revolverschwinger“ oder ähnlich Wahrscheinlichem. (Meine Leseempfehlung für alle Autofahrten mit einem grenzdebilen Frisbeeteam.)
Auf den Galapagos-Inseln schwebte er nun plötzlich über mir. ER, über den G.F. Unger so trefflich fabulierte: „Er stiehlt allen fliegenden Jägern die Beute. Und er fragte nicht, woher die Beute kommt.“ Natürlich fragt er nicht! Schließlich ist er kein Sing- oder Fragevogel. Es handelt sich um den Fregattvogel! Ein erbärmlicher Jäger, dessen jämmerliches Federkleid Salzwasser nicht verträgt, sodass er nicht zur Jagd ins Wasser eintauchen kann. Aber ansonsten ein liebenswürdiger Bursche, ästhetischer Flugkünstler und elender Räuber.
Liebe Birdies! Solche Vögel machen mir Spaß! Zwar nicht so tragisch wie die Pelikane, die auch schlechte Jäger sind und mit zunehmendem Alter erblinden, weil sie sich stets mit offenen Augen ins Salzwasser stürzen und das auf Dauer auch nicht vertragen können. Was hat sich die Evolution nur dabei gedacht…?
Aber Fregattvögel, die haben einen hübschen-hässlichen Charakter.
So viel aus der Tierwelt und morgen gleich los und einen spannenden G.F. Unger-Western kaufen! (Weihnachten ist ja auch nicht mehr weit!)


Fundstück – Bierzone
Fundstücke in Fernwest – Bierzone
Da freut sich das deutsche Biertrinkerherz, wenn es solche Schilder in Ecuador findet (siehe Foto!). „Zona cervezera“ lässt sich knapp und lässig mit „Bierzone“ übersetzen. Klare Ansage. Schöner Kneipenname auch! Da fühlt man sich sofort wohl und möchte verweilen…
Der Deutsche ist, was Namensgebung im Zusammenhang mit Bier angeht, kulturell natürlich etliche Schritte voraus. Die Bayern nennen ihre Bierbereiche Bierzelt oder Biergarten. Es gibt Bierbänke, Bierfeste, Bierdörfer und sogar ganze Bierbäuche! Aber mir gefallen kleine liebevolle Erfindungen noch besser wie: Bierdusche, Bierbong, Bierfurz, Bierseligkeit und nicht zu vergessen Bierdurst (für alle die das legendäre „Bierdurst“-Video nicht kennen, sei hier ganz uneigennützig dies hier empfohlen. Durchhalten und zu Ende schauen, ab 0:40! http://www.youtube.com/watch?v=iQtMUuF3dkE).
Zum Bierholen möchte ich folgende Episode zum Nachspielen ans Herz legen. Ich habe damit bisher eine ziemlich beeindruckende Erfolgsbilanz. Also bitte nicht kaputt machen!
Ich stehe auf einer Party ohne (oder mit wenig) Bier, während ein Freund mit einem frischen Bier von der Bar kommt. Ich sage: „Also, meine Oma hat mir ja beigebracht: Wer ein Bier holen kann, der kann auch zwei holen!“ Und schwupps – schon habe ich ein Bier in der Hand und der Freund sieht widerspruchslos ein, dass meine Oma da völlig Recht hatte, und holt sich oder mir ein neues.
Prost! Und viel Spaß beim nächsten Kneipenbesuch beim Nachspielen!
der Erdnussfink
Fundstücke in Fernwest – Der Erdnussfink
Die Anpassungsfähigkeit der Darwin-Finken ist berüchtigt. Ebenso ihre Fähigkeit, Nischen zu besetzen und sich darauf zu spezialisieren. Mit dem Einsetzen des Tourismus auf den Galapagos-Inseln wurden auch „neue“ Nahrungsmittel auf die Inseln importiert. Relativ unbekannt in der modernen postdarwinistischen Evolutionslehre ist der Erdnussfink, der sich in den letzten 50 Jahren auf die am Strand und in den Straßen vermehrt zurückbleibenden Erdnüsse spezialisiert hat. Vergleichsweise hoher Nährwert bei geringer Beschaffungskriminalität ließen diese Nische boomen.
Nach den ersten touristischen Phasen besann man sich auf den Galapagos-Inseln mehr und mehr auf nachhaltigen Tourismus. Schließlich war gerade die Unberührtheit der Natur der Tourismusmotor: Vermeidung von Müll, strikte Ruhezonen für die Tiere und strenges Fütterungsverbot. Was großen Nutzen für die meisten tierischen (Ur-)Bewohner der Inseln hatte, war eine einzige Katastrophe für den Erdnussfinken. Gerade hatte er eine höchst erfolgversprechende Nische gefunden, besetzt und sich daran angepasst, da verschwand diese Nische auch schon wieder wie vom Erdnussboden verschluckt.
Bei meinem heutigen Strandbesuch, zu dem ich natürlich völlig versehentlich die verbotene Frucht mitnahm, hatte ich das seltene Vergnügen, einige der letzten Erdnussfinken überhaupt auf meinen Füßen beobachten zu dürfen (siehe Fotos). Man erkennt auf den ersten Blick das außergewöhnliche Anpassungsgeschick des Erdnussfinken (pinzon de cacahuetes/ peanut finch): der kräftige Schnabel, mit dem theoretisch auch Kokosnüsse geknackt werden könnten; die filigranen Füßchen, um unbemerkt auf dem Bauch des schlafenden Touristen zu landen, um an die vergessenen Erdnüsse im Bauchnabel zu gelangen. Schon toll, zum Zeitzeugen des Darwinismus zu werden.
fundstück – volei
Fundstücke in Fernwest – Volei
Andere Länder, andere Sportarten…! Aber auch schön, als ich an der Mole von Ayora auf den Galapagos etwas entdecken durfte, was mir sehr bekannt und doch neu vorkam. Ich saß am Abend dort mit Zeitung und wurde von sportlichen Aktivitäten abgelenkt. Auf zwei verdächtig wie Volleyballfeldern aussehenden Feldern wurde „Volei“ gespielt. „Drei gegen Drei“ (nicht nur ein großartiger, wenngleich von der internationalen Fachpresse sehr unterschiedlich bewerteter Film von „Trio“, ja, der Punkband!) wurde hier auf Asphalt gespielt, was die Bagger-Dives sehr limitierte. Auch ansonsten hatte es trotz ähnlicher Spielidee einige Besonderheiten im Regelwerk. So wurden eigentlich alle Zuspiele „geführt“ und nicht gepritscht! Das erinnerte mich stark an den Anfängerunterricht im Sportunterricht, wo nach (stark) vereinfachten Regeln gespielt wird, damit überhaupt so etwas wie ein Spiel zustande kommt, was beim Volleyball im Schulsport ja nicht (!) unbedingt selbstverständlich ist. Auch Angriffsschläge gab es keine, sondern es wurde der Ball auch hierbei geführt auf die andere Seite gedrückt/geworfen. Auch lustig anzuschauen, wie sich der Angriffsspieler hochschraubte und dann eben nicht voll drauf semmelte, sondern den Ball irgendwie rüberschob… Gepunktet werden konnte nur beim eigenen Aufschlag (old-school) und ein Spiel ging bis 12 Punkte. Erstaunlicher weise gab es Schiedsrichter, die auf einer Holztafel mit Steckhölzchen den Punktestand notierten (Foto).
Das Ganze machte auf mich den Eindruck eines Turniers. Um die Felder herum beobachteten etliche Zuschauer die Spiele und auf den Plätzen ging es engagiert und sehr emotional zu. Im Anschluss an die Spiele jedoch konnte ich beobachten, wie der Schiedsrichter zur Siegermannschaft ging und einen Stapel Geldscheine überreichte. Und dabei wurden 20-Dollarscheine – im entschiedenen Plural (!) – ausgeteilt (Fotobeweis!). Am kommenden Tag fragte ich nach meinem Tauchgang den einheimischen Taxifahrer, was es denn damit auf sich hätte. Ja, tatsächlich würde dort an jedem Wochenende um Geld gespielt sowie natürlich von den Zuschauern gewettet, und dabei ginge es durchaus um einige 100 Dollar pro Spiel!
Da schlägt einem Sportfan doch das Herzchen höher! Wenn das nicht herrlich ist: Profis mit Bolzplatzregeln!









