dümmer geht immer
Fjordgespräche – Kopftransplantation
Fjordgespräche – Kopftransplantation
Für alle, die sich gelegentlich (bis regelmäßig) überfordert fühlen in einer Zeit der Unübersichtlichkeit, des Konsumwahnsinns, der multiplen Verwirklichungsmöglichkeiten und der sich immer weiter beschleunigenden Beschleunigung: Dies ist erst der Anfang! Und ebenfalls für alle mit der Hoffnung, dass irgendwo hinter all diesem Wahnsinn eine bessere, vernünftigere, überschaubare Wahrheit steckt: Hinter dem Wahnsinn kommt nur noch mehr Wahnsinn! (Gut für alle die eh schon schizophren sind!)
Zum Glück beschäftigen sich die Fjordgespräche auch mit drängenden Zukunftsfragen und schaffen es auf diese Art, ein wenig die Angst vor dem Morgen zu nehmen – oder, wenn es gut läuft, sie zu schüren.
In einem unserer thematisch höchst variablen Fjordgespräche geht es heute um Kopftransplantationen. Ein Thema, das gewaltig nach Frankenstein klingt, aber dennoch brandaktuell ist, zumindest für Zukunftsforscher wie uns. Denn bei Kopftransplantationen handelt es sich keineswegs um Zukunftszauber oder Hexenwerk, sondern es ist lediglich ein weiterer logischer Schritt im Bereich der Organverpflanzungen. Und in einer immer älter werdenden Gesellschaft entsteht ein großer kapitalkräftiger Markt für solche Eingriffe. Einem geistig fitten 90jähriger in einem zusehend vom Verfall betroffenen Körper hilft eine Hüft-OP auch nicht mehr langfristig über den Berg, zumal auch andere Gelenke längst verkalkt sind, Knochen mürbe, Organe geschädigt, Lunge verrußt, Leber ruiniert, Herzchen geschwächt und so weiter. Da kommen viele Baustellen zusammen, während schon die nächste Sollbruchstelle naht und die meisten organische Halbwertszeiten längst abgelaufen sind.
Also ist der Gedanke gar nicht so abwegig, sich, wenn denn möglich, für eine Kopftransplantation zu entscheiden. Je nach dem, im Sinne des Sender-Empfänger-Prinzips, ist der Begriff „Körper-“ oder „Ganzkörper-Transplantation“ sogar stimmiger. Denn der Empfänger wird in den meisten Fällen wohl eher der Kopfbesitzer (Head Owner) und nicht der Körpereigentümer (Body Owner) sein.
Aber woher sollen die möglichst jungen und gesunden Körper kommen? Die meisten sonstigen Organspender kommen dafür nicht in Frage, da die zu spendenden Körper häufig bereits an irgend etwas gestorben sind, womit sie keine perfekten Spenderkörper darstellen. Das gilt insbesondere für sie sonst so beliebte Organspendergruppe der Motorradfahrer.
Eine geeignete, aber leider sehr kleine Gruppe stellen die „Kopfschuss-Selbstmörder“ dar. Hier bleibt quasi der ganze Körper heile und transplantierbar. Aber, wie gesagt, sehr kleine Gruppe…
Eine sehr interessante Spendergruppe hingegen sind die Strafgefangenen, die auf die Todesstrafe warten. Auch terminlich sehr praktisch! Denn hier kennt man schon frühzeitig den exakten Spendetermin und könnte daher alle sonstigen notwendigen Transplantationsvorbereitungen treffen. In Zukunft sollte man allerdings auf körperschädigende Tötungsverfahren verzichten. Logisch, dass sich ein vergifteter oder durch elektrischen Stuhl völlig verbrutzelter Körper schlecht für eine Transplantation eignet.
Daher setzt sich die „IHTG“ („International Head Transplant Group“) in Zusammenarbeit mit Gilette (bzw. Procter & Gamble) für die Wiedereinführung eines sehr erfolgreichen, wenngleich veralteten Verfahrens ein, das Kopftransplanteure das Herz höher schlagen lässt: die gute alte Guillotine! Gillette arbeit derzeit schon an einer sauberen und präzisen Technik, die schon in einigen Jahren unter der Produktbezeichnung „Gillettine“ einsatzbereit sein soll.
Schon jetzt taucht allerdings eine soziale Problematik im Spender-Empfänger-Kontext auf. Zu viele Schwarze warten derzeit in Todeszellen (vor allem in den USA), während der Großteil des Empfängerklientels Weiße sind. So könnte es, nach derzeitigen Erwartungen von der IHTG, zu Fällen von sogenanntem „körperinternen Rassismus“ kommen. Michael Jacksons persönlicher Hautaufheller sieht dabei in der heutigen und, vor allem, morgigen Technik aber noch großes Entwicklungspotential, auch schwarze Haut entschieden weißer darzustellen. Er selbst bezeichnet sein, wie er findet erfolgreiches, Verfahren als „Schwarz-Weiß-Malerei“.
Kleines techniches Problemchen derzeit noch: die OP selbst! Hmmm…! Zwar lassen sich in OPs an Ratten schon einwandfrei Kopf vom Rumpf trennen und auch erfolgreich transplantieren. Inzwischen überleben sogar einige Ratten diesen Eingriff. Allerdings hatte bisher noch kein Rattenkopf tatsächlichen Zugriff auf den Spenderkörper, konnte ihn also nicht bewegen. Was, zugegeben, schon ein bisschen blöd ist. Aber wir sind ja erst am Anfang des Wahnsinns! Ich bin sicher, unsere Enkel werden sich über solche OPs gemeinsam mit ihren Klonen kaputtlachen.
Vielleicht besser, gar keine Enkel in diese Welt zu setzen (oder so ähnlich…)!
(Wer übrigens glaubt, der Herr Boe dreht mal wieder völlig durch, für den dieses: Neurowissenschaftler Sergio Canavaro plant eine Kopftransplatation für 2017. Und es hat sich sogar schon ein freiwilliger Kopf gefunden, nämlich der von Valery Spiridonov, der an einem unheilbaren und tödlichen Muskelschwund leidet! So viel für heute zum Wahnsinn!)
Gewerkschaftsbashing, next round!
Gewerkschaftsbashing, next round!
„Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen!“ sagt Siggi Gabriel, unsere gepresste Deutschländer-Bahn-Wurst, und spricht damit nicht die Deutsche Bahn an. Oh Mann!
Arbeitgeberministerin Andrea Nahles bereitet gerade „für uns alle“ ihr „Tarifeinheitsgesetz“ vor. „Tarifeinheit“ klingt doch prima, süß und total positiv oder…? Einheit ist doch toll! Und mit „für uns alle“ meint Nahles uns Arbeitgeber, die, wie die Bahn, Ärger mit lästigen kleinen Gewerkschaften haben. Eine nette tarifpolitische Fliegenpatsche! Patsch patsch! Das war’s, GDL! Schluss mit dieser nervenden Tarifpluralität. Bäh! Und ein lautes Ja zur Kuschelgewerkschaft!
Lustig! Beide Politiker gehören zur SPD. Wo kam diese Partei doch noch mal her? Und wo ist sie gelandet? Naja… Doch nicht lustig!
Wem gehört doch noch mal die Deutsche Bahn? Und wer bereitet jetzt dieses Tarifeinheitsgesetz vor? Schon praktisch, wenn das so geht! Und durch eine hörige Presse lässt man das Volk auch noch wissen, wer die Guten sind, die kapitalismusgeile Bahn, und wer die Arschlöcher sind, diese verschissenen Drecksgewerkschaften, die ja wohl noch an allem Schuld gewesen sind.
Vielen Dank, Deutsche Bahn, liebe Regierung und ganz tolle SPD für soviel dringend benötigte Kapitalismusförderung. Der Verein darbender Milliardäre wird’s Euch danken! Politik für die oberen zehn Prozent. Im Ernst, SPD? Naja, zumindest ein Platz im sozialdemokratischen Fegefeuer ist Euch dafür sicher!
Man sollte dir, liebe SPD, wegen Verrat am eigenen Volk, an der eigenen Vergangenheit und den eigenen Idealen eigentlich ins Gesicht spucken. Aber irgendwie ist mir meine Spucke dafür zu schade!
(vgl. 1.Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2014/11/09/gewerkschaftsbashing/)
Selbst schuld
Selbst schuld
Ja, doch! Ich weiß! Ich bin selbst schuld! Natürlich! Ja, doch…!
Mein Leben lang auf Flugmangos schimpfen (zu Recht!) und dann am 22. April ein Erdbeertörtchen kaufen wollen, nur weil es lecker aussieht. Pah! Aber „lecker aussehen“ ist auch nur der kleine, noch hässlichere Bruder von „gut gemeint“ und bedeutet das genaue Gegenteil! Das weiß doch jedes Erstsemester! Au Mann! Das ist so peinlich!
„Don’t do Erdbeertörtchen in April!“ hat mir schon meine Oma gesagt! Und wie immer hat sie Recht!
Da hilft auch nichts, dass ich die Bäckereifachverkäuferin an der Theke gefragt habe, ob denn die Erdbeeren „schon etwas können“. Auch Bäckereifachverkäuferinnen haben ihre Rhetorikseminare besucht und sagen lächelnd „aber natürlich!“, anstatt auf das heutige Datum zu verweisen.
Den besten Wert erreichen „meine“ Erdbeeren übrigens in der Rubrik „Knusprigkeit“, was eher einem Möhrchen als denn einer Erdbeere als Kern- und Knackkompetenz zugeordnet wird.
Was bleibt noch zu sagen? Der Mürbeteig ist einfach große Klasse, obwohl „mürbe“ ja in meinen Ohren nur wenig positiv klingt. Mürbe, so wie alte, brüchige Knochen. Aber der Teig ist super! Auch die Sahnecreme darüber richtig lecker. Blöd nur diese albernen Erdbeeren obendrauf. Vielleicht sollte ich sie einfach entsorgen oder für ein, zwei Tage mit Zucker bestreut in den Kühlschrank sperren und sie dann mit guter „Vorzugsmilch“ in den Mixer schütten. So heißt Milch heute, die früher mal Frischmilch hieß.

(Mehr zu „Frischer Frischmilch“ unter: https://tommiboe.wordpress.com/2015/04/16/frische-frischmilch/ !)
Frische Frischmilch
Frische Frischmilch
Stuttgart, April 2015. Als ich am Montagmorgen meinen Kaffee zubereitete, öffnete ich den Kühlschrank und fand eine angebrochene Tüte Frischmilch. Sicher, das kann schon mal passieren. Aber diese Milch stand dort schon, bevor ich in meinen Osterurlaub aufgebrochen war, also seit circa 14 Tagen. Hmm… konnte, ja, durfte diese Milch noch gut sein? Wie auch immer – sie war es! Und sie ist es auch noch heute, Mittwoch.
Soll ich das gut finden…?! Frischmilch ist jetzt „länger haltbar“, erklärt mir meine Milchtüte. Das ist eine neue Kennzeichnung. Raider heißt Twix und H-Milch heißt jetzt Frischmilch, aber sonst ändert sich nix! Ist klar! Warum man so was macht, ist einfach: Frischmilch ist viel positiver besetzt als H-Milch. Wie H-Milch alleine schon klingt…*! Als hätte es weder für A-, B- noch für C-Milch gereicht. Das Blöde an Frischmilch war, dass sie einem immer schlecht geworden ist. Aber der Name war top! Also nennen wir doch einfach die H-Milch Frischmilch. Hat doch jeder was davon! Wollt ihr mich eigentlich verarschen…?!** Ja, natürlich! Was für eine Frage…?
(*Anmerkung 1: Bis vor kurzem gab’s im Supermarkt oft nur harte Avocados, die man erst eine Woche, nachdem man Lust auf sie hatte, essen konnte. Jetzt gibt’s „essreife Avocados“. Die sind zwar genauso hart, heißen aber „essreif“, weil das positiver klingt als „harte“ Avocados. Oder was?!)
(**Anmerkung 2: Die Troika wird inzwischen ja auch nicht mehr Troika genannt, sondern „die Institutionen“, weil die Leute mit Troika etwas Negatives verbinden. Zu Recht! Theoretisch könnte man auch an den Inhalten etwas verändern, wenn der Ruf ruiniert ist. Aber das wäre politisch wiederum völlig abwegig. Denn dafür müsste man sich erstens eingestehen und zweitens zugeben, dass die Troika-Politik falsch gewesen und gescheitert wäre. Und wie abwegig ist das denn…?! Also nennt man die Troika nicht mehr Troika, aber sonst ändert sich nix!)
Aber zurück zum Thema! Die Frage bleibt: Warum darf man Milch einfach so umbenennen…?!
Frischmilch ist ein Kulturgut, verdammt! Ich hab sie als Kind samstags per Rad vom Bauern Strampe abgeholt. Mit „sie“ meine ich „frische Milch“! Frisch! In einer Kanne! Wer heute echte Frischmilch will, muss schon sehr aufs Kleingedruckte achten. Auf diesen Tüten steht „traditionell behandelt“. Noch nicht aufgefallen? Das liegt daran, dass sie in manchen Supermärkten gar nicht mehr auftaucht. Denn dort wird hauptsächlich die neue „ESL-Milch“*** angeboten, bei der im Gegensatz zur alten Frischmilch, pasteurisiert (5-7 Tage haltbar), und zur H-Milch, ultrahocherhitzt (3-6 Monate haltbar), keine gesetzlich-verbindliche Herstellungsmethode definiert ist. Was passiert also mit dieser ESL-Milch…? Und was überlebt diese Methode…?
(***Anmerkung 3: Bei „ESL“ handelt es sich, liebe Cleopatra-Freunde, im Übrigen nicht um Esel-Milch, sondern dies steht für „extended shelf life“! Im Ernst! Das habe ich mir nicht ausgedacht! So was Blödes gibt’s wirklich: „Längeres Regal Leben“! Na, wünschen wir uns das nicht irgendwie alle?)
Opa Miele hatte dereinst den Kühlschrank nur erfunden, damit sich Frischmilch zwei Tage länger halten konnte und wir die Milch NICHT bis zur Unkenntlichkeit und zum völligen Geschmacksverlust erhitzen mussten. Wird jetzt die Erfindung des Kühlschranks nachträglich für ungültig erklärt? Muss ich mal mit meinem Patentanwalt klären. Bis zur Antwort nage ich derweil ein bisschen an meiner „essreifen“ Avocado!
