Bettenstreit in den Bergen

Bettenstreit in den Bergen, Teil 2

Gepostet am Aktualisiert am

Bettenstreit in den Bergen, Teil 2

Zurück in Sucre landen wir wieder im Basislager der Condor Trekker. Unsere Führerin bittet uns dem Chef/Gründer Randell, einem Australier, von unseren Erfahrungen zu berichten (siehe Teil 1: https://tommiboe.wordpress.com/2014/04/24/bettenstreit-in-den-bergen/).

Er zeigt sich nicht sonderlich schockiert, was allerdings nicht daran liegt, dass es ihm egal ist oder ihn nicht ärgert, sondern weil er es inzwischen gewohnt ist. Seit fünf Jahren ist er in Bolivien und er hat genug davon! Und das obwohl er in Ländern wie Guatemala und Nicaragua tätig war. Aber dagegen ist es in Bolivien wohl einfach noch viel schwieriger, etwas zu bewegen.
Randell erzählt ein paar Episoden. Daraus die Essenz: Auf die Leute in Marawa, der Comunidad, in der wir waren, ist kein Verlass! So ist der ehemalig Verantwortliche für die Cabañas Alkoholiker und versäuft alles Geld, das er in die Finger bekommt. Falls irgendwo ein Fest ist, rennt das ganze Dorf da hin und keiner kümmert sich um die Cabañas und die eintreffenden Touristen. Es passiert auch, dass die Schlüssel nicht auffindbar sind. Randell selbst musste auch schon mal zwei Stunden durchs Dorf laufen, um die Schlüssel zu finden. Bei den regelmäßig stattfindenden Reuniones ist immer jemand anderes Schuld.
Am zweiten Tag kamen wir an Dinosaurier Footprints vorbei. Ein Ort der Comunidad, für den Touristen Eintritt zahlen müssen. Jahrelang hat der Typ, der das Geld eingenommen hat, die eigene Gemeinde beschissen und sich, vor aller Augen, ein schönes neues Haus gebaut. – Für eine andere Gemeinde hat der Verein eine Wasserpumpe gekauft. Doch die war im nächsten Jahr einfach verschwunden.
Randell redet sich in Fahrt. Auch die bolivianische Bürokratie muss selbst für südamerikanische Verhältnisse reinstes Afrika sein. Von ihm wurden zur Gründung seines Unternehmens zum Teil Papiere verlangt, die es überhaupt nicht gab. Er musste von einem Amt zum nächsten. Niemand war zuständig und irgend etwas fehlte immer. So wurde er immer weiter geschickt. Er hat eineinhalb Jahre gebraucht, bis er endlich loslegen konnte. – Nach jeder Wahl werden ALLE Verwaltungsposten neu besetzt. 1. Folge: Parteifreunde werden in Ämter gehievt, von denen sie keine Ahnung haben. 2. Folge: Die Amtsvorgänger räumen „ihre“ Büros komplett aus, das heißt, Computer, Akten und sonstiges verschwinden. Kleines Highlight der Erzählung: Randell erzählt, dass drei der letzten City-Councils (Stadträte) zurzeit im Gefängnis sitzen.
Zum Schluss lobt er gar noch die deutsche Bürokratie. Die sei zwar auch aufwändig, aber wenigstens sei am Ende dann alles zuverlässig geregelt. Hört man auch selten solche Sätze!

Bettenstreit in den Bergen

Gepostet am Aktualisiert am

Bettenstreit in den Bergen

Ich schlendere durch Sucre, als ich zufällig vor einem vegetarischen Restaurant zum Stehen kommee. Eine meine Teilzeitreisebegleiterinnen ist Vegetarierin. Also inspiziere ich den Laden, der einen sehr netten Eindruck macht und zudem noch eine Reiseagentur beinhaltet, die sich mit dem Attribut schmückt, 100% der Gewinne in den beteiligten Kommunen zu belassen. Also etwas für die Leute, die hin und wieder mal ein gutes Gewissen brauchen. Ich informiere mich über die angebotenen Touren, Trekking in den Bergen um Sucre und entschließe mich für den übernächsten Tag, Montag, bei einer Tour mitzumachen. Außerdem erfahre ich, dass der australische Gründer von „Condor Trekkers“ vor etlichen Jahren einen ähnlichen Verein, die Quetzaltrekkers, in Quetzaltenango/ Guatemala aufgemacht hat und mit dem ich sogar vor sechs Jahren einen Trek gemacht hatte. Deren Gewinne setzte das Projekt für Straßenkinder ein. Also hier hiken und trekken die Gutmenschen. Da wollte ich dabei sein!
Am erster Nachmittag der Wanderung erreichen wir einen „Krater“, der aber kein Vulkankrater ist, aber verdächtig so aussieht. Leider ist die Erklärung über die Entstehung („Es ist eine geologische Form“) nicht ganz hinreichend. In diesem wunderschönen Nicht-Krater liegt umgeben von Feldern Marawa, ein kleines Dörfchen. Dort befinden sich die Cabañas, die der Comunidad/ Gemeinde gehören. Auf diese Weise kommt die Gemeinde zu regelmäßigen Einkünften durch den Tourismus. Die Cabañas sind überraschend geräumig und ausgesprochen hübsch. Da hat sich offensichtlich jemand neben Mühe auch noch Gedanken gemacht. Wir legen eine kleine Siesta ein, bevor es Abendessen geben soll.
Beim Essen kursieren dann plötzlich Gerüchte, wir müssen unsere Cabañas wieder verlassen. Aha! Natürlich ist es inzwischen dunkel. Vor unserem Haus ist schon ein nervöses Volk am Start: Israelis! Das ist ja klar, dass die wieder Ärger machen.
Was ist passiert? Eine Gruppe von einer anderen Agentur, die zwar deutlich später gekommen ist, hat ebenfalls „gebucht“ („Buchen“ im eigentlichen Sinne kann man hier gar nicht!). Dabei ist unser Anbieter der einzige, der mit der Gemeinde ausdrücklich ein Abkommen geschlossen hat, das sicherstellen soll, dass die Gruppen dann auch unterkommen. So etwas haben die anderen Touranbieter nicht. Allerdings hat diese Konkurrenz schon durch einen anderen Tourguide die Unterkunft für den heutigen Tag bezahlt. Das Problem indes ist, dass die Comunidad das bezahlte Geld der anderen Gruppe nun nicht wieder rausrücken will. Sie beruft sich dabei wohl auf die Formel „Bezahlt ist bezahlt, wieder ist gestohlen!“ Damit hatte die andere Gruppe nicht die Möglichkeit, eine Unterkunft zu beziehen. Also gut, zumindest sind die Israelis dieses Mal gar nicht Schuld. Auch wenn sich einer von ihnen unmöglich emotionalisiert und derart aufregt, dass man mit ihm das ganze Dorf für ein halbes Jahr mit Energie versorgen könnte.
Natürlich ist es eine Sauerei von der anderen Agentur, trotz besseren Wissens, die Unterkunft zu bezahlen. Andererseits ist es an der Community , sich an ihre Absprachen mit den Condor Trekkers zu halten und nicht ausgerechnet diese zu verärgern, die sich ja letzten Endes in den Gemeinden engagieren und keine eigenen ökonomischen Interessen verfolgen wie die anderen privaten Anbieter. Aber die Verlockung des Geldes ist wohl auch hier einfach stärker als die Verlockung der Vernunft.
Immerhin gibt es noch eine andere, allerdings private Unterkunft im Ort. Wir ziehen also weiter. Unsere Führerin klopft lange an eine Haustür, bis endlich ein Mädchen aufmacht und erklärt, ihr Vater sei nicht da. Bravo! Wir gehen direkt zur Herberge, die friedlich im Dunkeln liegt und, zum Glück, nicht abgeschlossen ist. Die Nacht ist gesichert.

Tolle Wanderung, wunderschöne Landschaft, klasse Projekt und blöder Beigeschmack!

kleiner Junge mit noch kleinerem Zicklein
kleiner Junge mit noch kleinerem Zicklein! Bäääähääää!
hier wandern wir auf dem "Camino de Incas", einem über 500 Jahre alten, von den Incas angelegten Weg.
hier wandern wir auf dem „Camino de Incas“, einem über 500 Jahre alten, von den Incas angelegten Weg.
Nicht-Krater mit dem Örtchen Marawa.
Nicht-Krater mit dem Örtchen Marawa.