WG gesucht – Lahngarten, 2.Teil

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WG gesucht – Lahngarten, Teil 2 (

zum ersten Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2015/05/05/wg-gesucht-lahngarten-1-teil/)

An meinem dritten Tag, es war ein Freitag, fand ich ein Päckchen vor meiner Zimmertür. Als Aufschrift stand lediglich „Lahngarten / Zimmer 3“ drauf. Okay! Das war mein Zimmer. Aber wer schickte mir ohne richtige Adresse und völlig ohne Absender ein Päckchen? Richtig: niemand! Denn es war offensichtlich nicht für mich, sondern für meinen Vormieter. Ich stellte das Päckchen in mein Zimmer und nahm mir vor, bei meiner Rückkehr die Pfanne, äh, Jochen, mal zu interviewen, wo und wie ich meinen Vormieter erreichen könnte beziehungsweise was es nun genau mit dem Vogel auf sich hatte.

Nachdem ich abends in der Stadt mit ein paar meiner neuen Bekannten etwas getrunken hatte, kam ich spät nach Hause. Beim Betreten meines Zimmers fielen mir sofort zwei Dinge auf. Erstens mein Licht ging nicht. Das war ärgerlich aber nicht ungewöhnlich. Denn anscheinend hatten es sich meine neuen Flurmitbewohner zum Hobby gemacht, mir, in meiner Abwesenheit, die Glühbirnen zu klauen, was zwar nur mäßig originell, aber wenigstens einfach umzusetzen war, da sich meine Zimmertür nach wie vor nicht abschließen ließ. Andererseits war ich froh, dass sie sich vorerst auf das Entwenden der Glühbirnen – und das Entleihen der Bratpfanne natürlich – beschränkten.

Zweitens roch es nach Gras! Und zwar nicht nur latent sondern so auffällig, als hätte man in meinem Zimmer Gras geraucht! – Das ging jetzt wirklich zu weit! Ich musste etwas unternehmen. Okay, nicht jetzt – ich war müde -… und ich wusste auch noch nicht was, aber es musste etwas getan werden! – Gleich morgen!

Nachdem ich festgestellt hatte, dass auch die Schreibtischlampe nicht brannte, zog ich mich im Dunkeln aus, tapste zum Bett und legte mich hinein. „Ahhhh!“ Ich schreckte zurück und purzelte aus dem Bett. Unter meiner Decke befand sich bereits etwas, was dort absolut nicht hingehörte! – Definitiv ein menschlicher Körper! Wenigstens war er noch warm! Wie um alles in der Welt…?!

„Was’n los?“ kam eine wenngleich verschlafene, jedoch eindeutig weibliche Stimme aus meinem Kissen. „Hallo?! Äh… wer äh… wie äh… was ähh?!“ Ich gebe zu, meine Fragestellung war nicht besonders originell. Fehlte nur noch „wieso weshalb warum“ und ich konnte direkt bei der Sesamstraße anfangen.

Ich rappelte mich schreckhaft auf und stolperte in Richtung Tür, tastete nach dem Lichtschalter: Ach, ja richtig! Da war doch was…! „Hallo? Wer ist denn das da in meinem Bett?“ fragte ich eine Frage, die sonst wohl eher in die Kategorie „Männerfantasien“ gehörte. Aber irgendwas musste ich ja fragen! – „Ich bin Betty und wer bist du?“ – Sicher! In meinem Bett lag Betty. Sonst noch was?! Kam sie aus Bethlehem, war auf Betablockern und stand auf Beethoven oder was?!

„Was machst du in meinem Bett? Warum riecht es hier so nach Gras und wo sind schon wieder meine Glühbirnen hin?!“

Ich sah zu, wie ein Streichholz entflammte und eine Kerze in meinem Bett angezündet wurde. In seinem Schein tauchte ein Frauengesicht auf, ein recht hübsches sogar.

„Und woher hast du die Kerze?“ – „Stellst du immer so viele Fragen?“ – „Nein, äh, aber vielleicht erhoffe ich mir einfach ein paar Antworten.“ – „Suchen wir nicht alle nach Antworten…?“

Das war nach meinem Geschmack für diese Uhrzeit und diese schräge Situation dann doch ein wenig zu philosophisch! Eine Viertelstunde später waren die drängendsten Fragen geklärt und ein formschöner Joint gebaut und entzündet.

Sie hieß also tatsächlich Betty und war auf der Suche nach meinem Vormieter Benjamin über meinen Mitbewohner Jochen, die Pfanne, sowie das Päckchen in meinem Zimmer gestolpert, in dem sich eine größere Ladung Gras für besagten Benjamin befand. Der vertickte also Gras und so auch an Betty. Daraufhin hatten es sich Betty und Jochen in seinem, äh meinem Zimmer gemütlich gemacht. Jochen hatte sogar Streichhölzer und eine Kerze in meinen Kartons gefunden und sogar einen Korkenzieher. Damit kannte sich Jochen entschieden besser in meinem Zimmer aus als ich selbst. Ich würde ihn das nächste Mal befragen, wenn ich etwas nicht finden konnte.

Jochen und Betty hatten eine Flasche Wein (von mir natürlich) getrunken und das Päckchen geöffnet, um sich einen Joint zu bauen, da Betty offenbar wusste, was sich darin befand. Nach der Flasche Wein hatte sich Jochen dann verabschiedet und nach dem zweiten Joint war Betty in meinem Bett eingeschlafen. – Soweit ihre Geschichte!

Nachdem Betty und ich den Joint geraucht hatten, fragte sie mich, ob sie den Rest der Nacht bleiben könnte, und ich wusste nicht, was ich dagegen hätte unternehmen können. Denn ganz offensichtlich hatte ich hier in meinem Zimmer ohnehin nichts zu sagen!

Als ich am folgenden Morgen aufwachte, waren Betty und das Paket mit dem Gras verschwunden. Manche Probleme lösten sich also doch ganz einfach im Schlaf auf – immerhin! Erleichtert drehte ich mich um und schlief noch einmal ein.

zum ersten Teil: https://tommiboe.wordpress.com/2015/05/05/wg-gesucht-lahngarten-1-teil/)

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