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Über Wahrheit und Gehacktes

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Über Wahrheit und Gehacktes
Mit der Wahrheit ist es ein bisschen wie mit Gehacktem. Meist kriegt man nur halb und halb. Der Wahrheitsgehalt (ähnlich wie der Rindfleischgehalt) sagt zwar etwas über die Qualität der Information (bzw. des Hackfleisches) aus, aber nicht darüber, ob die Information oder das Gehackte gekauft werden.
Bei Informationen geht es nämlich darum, die Aussage so oft wie möglich zu wiederholen. In jeder Nachrichtensendung die gleichen Phrasen. In Endlosschleife. Getreu dem Motto: „Wer sich immer wiederholt, hat Recht!“ (Max Uthoff) Und tatsächlich glauben wir in Deutschland inzwischen, dass die Sparpolitik Südeuropas alternativlos und sogar erfolgreich sei und wir doch froh sein können, dass es uns in Deutschland noch immer noch sooo gut gehe. Auch wenn gegen beide Aussagen genügend Argumente sprechen und dies widerlegen. Das funktioniert wie bei Gebetsmühlen. Irgendwann glauben wir alles!
Einmal im Jahr wird von der Bundesregierung der „Armutsbericht“ veröffentlicht. Und schon darin liegt das nächste Gehackte. Denn dieser Bericht heißt eigentlich „Armuts- und Reichtumsbericht“. Komisch, gar nicht gewusst…? Aber wie auch, es wird ja nicht viel über den Reichtum in Deutschland berichtet. Vielleicht würde das zu sehr den sozialen Frieden gefährden, wenn mal Zahlen auf den Tisch gelangen würden, wie reich die reichsten Deutschen tatsächlich sind. Aber es ist auch schwierig, darüber etwas genaues zu sagen, denn es gibt kaum Zahlen dazu, da die reichsten 28000 deutschen Haushalte in den statistischen Erhebungen gar nicht berücksichtigt werden. So ein Zufall…! Sonst würden die Armen vielleicht nicht länger gegen noch Ärmere, wie Flüchtlinge, wettern (das Prinzip habe ich ohnehin noch nie verstanden!), sondern mal schnallen, dass es sinnvoller ist, bei den Reichsten Solidarität einzufordern und sich dort zu bedienen.
Heute möchte ich mich zwei typischen Indikatoren für die fortschreitende Umverteilung von unten nach oben widmen.
Erstens der Lohnquote, also dem Anteil der Lohnarbeit am Bruttoinlandsprodukt. Anfang der 80er Jahre fielen noch 75 Prozent des gesamten BIP per Lohnausschüttung an die Arbeitnehmer. Heute sind es nur noch 65%. Die übrigen 35% werden als Kapitalerträge an all die ausgeschüttet, die genügend Vermögen haben, um es für sie arbeiten zu lassen (wie man so schön und falsch sagt). Und in diese (sinkende) Lohnquote gehen sogar noch die wahnwitzigen Managergehälter und unverfrorenen Boni der Finanzindustrie mit ein.
Natürlich können auch Menschen mit einem Einkommen gleichzeitig Anteil am Vermögenszuwachs haben und davon profitieren – zumindest theoretisch. Aber dies ist die Ausnahme. Denn es besitzen das vermögendste 1% der US-Amerikaner 50% der Aktien (und damit auch deren Gewinne) und die ärmsten 50% satte 0,5% aller Aktien.

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(https://de.wikipedia.org/wiki/Lohnquote)
Zweitens, als wäre das nicht schon schlimm und ungerecht genug, werden Kapitalerträge in Deutschland pauschal mit nur 25% besteuert. Wer also seine Millionen mit Aktien macht zahlt dafür weniger Prozent Steuern als quasi jeder andere, steuerpflichtige Arbeitnehmer. Gewinne aus Kapitalerträgen können übrigens nur entstehen, wenn sie jemand anderes vorher erwirtschaftet hat – durch Arbeit zum Beispiel! Und wie kann es sein, dass diese tatsächliche Arbeit (quasi zum Dank) höher besteuert wird, als wenn jemand Geld darauf setzt, dass jemand anderes für ihn arbeitet und Gewinne erwirtschaftet?! Begreife ich nicht!
Fragt doch mal euren Bundestags- oder Landtagsabgeordneten, wie so etwas in einer Solidargemeinschaft möglich sein kann und womit man so eine Ungerechtigkeit erklären kann. Und warum er/sie nichts dagegen tut? Dazu würde ich gerne mal etwas hören!
Und, liebe Presse, warum wird nicht jeden Tag über diese grundlegenden (a)sozialen Ungerechtigkeiten berichtet, die unsere Gesellschaft soweit zerreißen, dass inzwischen zehn bis zwölf Prozent der Wähler so eine Scheißpartei wie die AFD wählen würden. Schießt doch endlich auf die, die auf unsere Solidargesellschaft scheißen, und nicht auf die, die sie nötig haben.
Widerstand ist alternativlos!

Wir brauchen mehr Berichterstattung über die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland!

Siehe Monitor:

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/sozialer-sprengstoff-100.html

 

Next Stop Liechtenstein!

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Next Stop Liechtenstein
Als wir auf unserer Fahrt zum Skischullandheim von Stuttgart nach Gaschurn fuhren und plötzlich durch das Fürstentum Liechtenstein kamen, wuchsen uns dann doch ein paar Fragezeichen in die Stirn – mal abgesehen von den Schülern, denen lediglich die zahlreichen Kreisverkehre unserer Überlandfahrt auf den Magen schlugen. Was war das denn für eine Reiseroute?! Sammelte der Busfahrer Bonusmeilen oder fehlten ihm noch Länderpunkte? Aprospos, dank dieser originellen Streckenwahl kann ich endlich auch mein Fähnlein in Liechtenstein hissen. Hier musste ich nämlich wirklich noch nie lang fahren. Und hätte ich das gewusst, hätte ich natürlich meinen Koffer voll Bargeld mitgenommen. Mist!
Natürlich hätten wir auch einen anderen Weg nehmen können. Aber immerhin dauerte es so länger… Vielleicht wurde der Fahrer ja pro Stunde bezahlt und, so betrachtet, lohnte sich natürlich jeder Umweg. Für ihn! Oder er hatte beim Routenplaner in sein Navi statt „kürzeste“ oder „schnellste“ Strecke versehentlich „Priorität möglichst viele Kreisverkehre“ oder „so viele unterschiedliche Länder, inklusive Fürstentümer, wie möglich“ eingegeben. Naja, kann ja mal passieren!
Wahrscheinlicher jedoch, dass er „auf Mautstrecken verzichten“ gewählt hat. Denn auf Rücksprache mit dem Busunternehmen, das wir anfragten, für den Rückweg bitte die Option „möglichst schnell nach Hause“ zu priorisieren, erfuhren wir, dass der Busfahrer wohl Mautstrecken umgehen wollte. Auf Schweizer Kreisverkehre liegt nämlich noch keine Gebühr und auch Liechtenstein darf man ohne Zusatzabgaben durchfahren, was ich nur konsequent finde, da die Straßen dort ohnehin weitestgehend durch deutsche Steuerflüchtlingsgelder finanziert werden.
Unser Bus fahrender Sparfuchs hat uns dadurch doch tatsächlich satte zehn Euro gespart! Bei 63 Insassen im Bus macht das stolze 20 Cent pro Person und da ist schon ein Trinkgeld von 2,60 € für den Busfahrer mit eingerechnet. Tja… So ist das nun mal mit Busfahrern, möchte man meinen. Immer für eine Überraschung gut.
Die nächste Überraschung (für mich jedenfalls) war, dass sechs Tage später bei unserer Rückfahrt der Busfahrer zu früh vor dem Hotel stand, gut gelaunt war und uns auf schnellstem Weg nach Stuttgart brachte. Huch! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Aber auch so etwas kann passieren!

 

Für weitere Geschichten aus der Rubrik „Spaß im Bus“ geht’s hier lang:

https://tommiboe.com/category/spas-im-bus/

 

Umbennungsmythus Hässliche Erdferkel

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Umbennungsmythus Hässliche Erdferkel

Bevor das Marburger Ultimate-Team den schönen und völlig verdienten Namen „Hässliche Erdferkel“ günstig und leicht angetrunken unter einem Kneipentisch erwarb, hieß es „Siebenschläfer“. Laaaaangweilig!!! Als ich im Wintersemestser 91/92 nach Marburg kam, hieß es schon so und zwar, weil das damalige Team bei seinem ersten Turnier überhaupt (ich schätze so 1888 oder 89. Oh, hab ich, sorry… ich meine natürlich 1988/89) nur zu siebt an den Start ging und nach einem anstrengender ersten Turniertag am nächsten Morgen seeeehr müde war. Und da das Team noch keinen Namen hatte, war an diesem Sonntagmorgen der Teamname geboren: Siebenschläfer! Das war natürlich schon damals (Bohr: zu siebt + ziemlich müde = Siebenschläfer!) sehr originell oder mit anderen Worten: Laaaangweilig!!! Und auch ein bisschen peinlich, besonders für alle Spieler, die erst später dazukamen und  mit der Entstehungsgeschichte keine persönliche, sondern nur jene Müdigkeit verbanden, die vom Namen selbst ausging.

Nachdem in den Folgejahren immer mehr neue Spieler in Marburg aktiv waren und kaum noch jemand ein wirklicher „Siebenschläfer“ war, kam es zu vermehrten Umbenennungsbemühungen. So wurden etliche großartige Vorschläge vorgebracht, die aber immer wieder von wertekonservativen Traditionalisten abgebügelt wurden. Hier folgt eine, nicht vollständige Liste damals vorgeschlagener Namen (wer kann sich schon an jeden Scheiß erinnern?). Es fehlen (aus rechtlichen Gründen) einige ebenfalls originelle Vorschläge:

„Fröhlicher Filmriss“, „Marburg Gnus“, „Marburg Popes“ (sogar mit einem Shirt-Entwurf, auf dem der Papst ein Kondom auf dem Kopf hat und eine Frisbee in die Eier bekommt und darunter steht „Marburg Popes – Kondome schützen!“) „Opossum 8“ (Verballhornung zweiten Grades von 7Schläfer, da Opossen ähnlich hässliche Viecher sind wie Siebenschläfer) und schließlich, wo wir schon bei hässlichen Tieren waren, „hässliche Erdferkel“, wobei uns NATÜRLICH von Anfang bewusst war, dass es sich dabei um einen Pleonasmus handelt, und uns eine zusätzliche Freude war, dass der Durchschnittsfrisbeehansel und -gretel gar nicht weiß, was das bedeutet. Auch das ist Teil der Marburger Hässlichkeit.

Zur bahnbrechenden und wegweisenden Umbenennung kam es dann erst 1997, als beim Bierchen nach einem Hallentraining  nun wirklich niemand mehr 7Schläfer war und die Revolutionsstimmung mit jedem Bier anstieg, sodass letztlich die anberaumte Abstimmung dann klar ausfiel mit: Hässliche Erdferkel : „Zeeeeehn!!“ – 7Schläfer : „Nuuuuullll!“ – Daaanke – Biiiitte!“

Die erste DM unter dem Namen Erdferkel fand in Straubing statt (1997): Meister Dritte Liga (damals hatten die Ligen noch je 7 Teams).

Das klingt also 2017 nach 20 Jahre Hässlichkeit. Glückwunsch Erdferkel!

Bis spätestens zum 4Ferkel 2016! (dem 15. übrigens!)

stay ugly!!

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Unglaublich hässlich! Aber irgendwie auch süß…

Mehr übers Klima in der Adventszeit

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Mehr übers Klima in der Adventszeit
Schon lange nichts mehr aus Paris gehört. Vor einer Woche wurde dort der UN-Klimagipfel eröffnet. 150 Regierungschefs ließen sich blicken. Noch nie zuvor hat es so viele an einem Ort gegeben. Damit nimmt dieser Kongress durchaus historische Ausmaße an. Zumindest wenn es darum geht, sich klima- und zukunftsbewusst der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Das gemeinsame Motto: „Sind wir nicht alle Klimafreunde?!“ Sicher, wenn’s ums Reden geht, dann schon. Da sind sich alle einig, verbrüdern sich und gehören kollektiv zu den Guten. Fast möchte ich mich fragen, wie es bei so viel Einsicht und Einigkeit überhaupt möglich sein kann, dass dann niemand tatsächlich etwas gegen den Klimawandel tut. Aber nur fast…! Denn natürlich handelt es sich bloß um die, für solche Anlässe übliche Verbalakrobatik der Politikdarsteller, die ja nie etwas mit Handeln zu tun hat.
Wie zum Beispiel Chef-Verbalakrobat Obama, der mit ernster Miene der internationalen Klimagemeinschaft offenbart: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann!“ Dieser Satz ist so schwergewichtig und gleichzeitig wohlklingend, dass ihn Obama mit seiner sonoren Stimme in jede Kamera säuselt. Aber was hat das mit dem zu tun, was er zu Hause umsetzen kann? Na…? Gar nichts! Noch immer möchte ich Obama sympathisch finden und wahrscheinlich ist er es auch. Aber was ändert das?! Was steckt hinter den warmen Worten?!
Zahlreiche US-Bundesstaaten haben bereits angekündigt, gegen die Versprechen ihres Präsidenten zu klagen. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten kritisieren Obamas Pläne als verfassungswidrig und im Kongress haben die Republikaner ohnehin die Mehrheit. Zumindest was die Klimapolitik angeht, ist Obama längst jene „Lame Duck“, die lahme, flugunfähige Ente, die nichts mehr auf den Weg bringen kann. Also was soll das?! Spar dir gefälligst deine Floskeln für die Zeit nach deiner Präsidentschaft auf!

 

hier geht’s zum ersten Teil:

https://tommiboe.com/2015/11/25/ubers-klima-in-der-adventszeit/

Übers Klima in der Adventszeit

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Übers Klima in der Adventszeit
Passend zur Adventszeit beginnt am 30. November die UN-Klimakonferenz in Paris. Da kommen in gemütlichem Kreise die wichtigen Staatsoberhäupter zusammen und halten Reden wie „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann…!“ Ein „Weckruf“ folgt dem nächsten. Gääähn! Fehlen nur noch die Kerzen!
Wie dramatisch und glaubwürdig ist es denn, wenn zur alljährlichen Klimakonferenz die Vorjahresreden recycelt werden. Praktisch für die Redenschreiber. Schließlich haben sich weder an der Ausgangslage noch an der politischen Bereitschaft, wirklich was zu tun, etwas Entscheidendes zum Vorjahr geändert. Und auch nicht zum Vorvorjahr und dessen Vorgängern.
Man möchte fast meinen, dass die warmen Worte metaphorisch sehr schön ins Thema Klimaerwärmung passen. Das Problemchen mit den warmen Worten ist, dass leider keine Taten folgen. Denn wirklich etwas passieren, tut schon lange nicht mehr. So stammt das Kyoto-Protokoll noch aus dem vergangenen Jahrhundert. Das war 1997 und seitdem hat es kein einziges Abkommen mehr gegeben. Und selbst dieses haben die USA bis heute nicht ratifiziert, für Schwellenländer wie China und Indien gelten die Maßnahmen nicht und Kanada ist sogar aus dem Abkommen ausgestiegen.
Was können wir nun von Paris erwarten? Zumindest ruhiger als in den letzten Jahren wird es werden. Denn nach den Terroranschlägen von Paris wurden bereits alle Großdemonstrationen verboten. Die Umweltorganisationen hatten in Monate langen Vorbereitungen bereits geschätzte 300000 Teilnehmer mobilisiert. Klingt vielleicht zynisch, aber der Wirtschaft und, wie es scheint, auch dem Großteil der Politiker wird es Recht sein. Ein paar Sonntagswetterreden und Zeigefinger werden geschwungen werden, dazu wichtige Gesichter, ernste Mienen, vielleicht werden auch ein paar zukunftslose Noch-Insulaner öffentlich bedauert und gestreichelt.
Aber, jetzt mal im Ernst, was sollte schon passieren? Da hilft auch nichts, dass mit 2015 gerade das nächste Klima-Rekordjahr zu Ende geht (vermutlich das wärmste je gemessene). Auch die eigenen Erfahrungen in Deutschland mit der Hitzewelle im Sommer (über 40°C!) werden nichts ändern. Gerade geht ein derart harmloser und milder November zu Ende, dass sogar die Selbstmordraten im sonstigen Rekordmonat November einbrechen. Es ist auf nichts mehr Verlass…
Aber glaubt tatsächlich irgendjemand daran, dass auf dieser Konferenz ein Weg in eine bessere Zukunft eingeschlagen werden könnte…? Im Ernst?! (Regieanweisung: Gelächter!) Ach ja, lustige, wenngleich sehr schöne Vorstellung.
Ich freue mich ausdrücklich, wenn ich falsch liegen sollte!