„tommi boe“
Parklets – Ja, leck mich am A***
Parklets – Ja, leck mich am A***
Auf inzwischen elf Flächen wurden in der Stuttgarter Innenstadt so genannte „Parklets“ errichtet. Darunter versteht man die Erweiterung des öffentlichen Gehweges, wodurch mehr Raum für den Menschen geschaffen werden soll, z.B. durch Begrünung und oder Schaffung von Sitzmöglichkeiten.
Das Ganze auf Kosten von Parkplätzen! Und sowas in Stuttgart…! Einer der Autostädte Deutschlands! Hier hat man sich bisher nicht einmal getraut, Fahrradwege ins Straßenbild aufzunehmen – wozu auch?! Denn hier dominiert das Auto! Und jetzt sowas, im Ernst?! Erst steigt der VfB ab und jetzt verlieren die Autofahrer auch noch mit 11-0 gegen diese (sorry, aber es muss mal gesagt werden) Parklet-Schwuchteln. Denn in der gleichen Zeit wurde ja nicht ein einziger (in Zahlen: Null!) Parkplatz für die Autos zurückgewonnen.
Und so ergoss sich ein Shitstorm aufgeregter, Parkplatz suchender Autofahrer über die neu eingerichteten Parklets. Und diese Aufregung ist natürlich berechtigt! Denn, wenn ich abends auf Parkplatzsuche durch den Westen (von Stuttgart) fahre, dann ist es doch egal, ob es 5 oder 11 oder 20 Parkplätze mehr oder weniger gibt. Es geht um den einen (also MEINEN!) Parkplatz, der da gerade von so einem Parklet zweckentfremdet wird. Meiner Wahrnehmung und Aufregung sind es doch egal, wenn da bloß ein anderes Auto steht. Das fällt nicht weiter auf. Denn davon stehen ja noch Hunderte, Tausende andere in der Stadt herum. „Aber dieses eine Drecks-Parklet, auf dem zufällig kein Auto steht, wäre ja frei!“ (Auszug aus der Präambel von „Behelfslogik für Autofahrer“)
Wer wird sich schon über all die Autofahrer aufregen, die den Verkehr in und um Stuttgart herum Tag für Tag kollabieren lassen und die dafür sorgen, dass Stuttgart die schlechtesten Luftwerte in Deutschland hat, solange ich wegen diesen Scheiß Parklets keinen Parkplatz finde. Verf*** Sch***!
Es kann nicht mehr lange dauern, bis die ersten frustrierten Parkplatzsucher ausrasten und das erste Parklet demolieren und oder anzünden. ZU RECHT! Wo ist eigentlich mein Beißring, verdammt!!
Ach, herrlich! Manchmal macht es einfach Spaß, sich über etwas aufzuregen, was einen eigentlich gar nicht aufregt!
Milf in meinem Portemonnaie…
Milf in meinem Portemonnaie…?!
Heute hatte ich mal wieder einen dieser „Bächarschmand-Momente“ (vgl. https://tommiboe.com/2013/10/06/bacharschmand/), also so einen Augenblick, in dem man einfach life dabei ist, wenn das Schicksal neben einem zuschlägt. Nichtsahnend öffnete ich mein Portemonnaie und, aber schaut selbst, was ich da gefunden habe!

Das Hirn ist ein Hund! Es lässt dem Auge nicht mal jene zwei Zehntelsekunden, um die Buchstaben zu ordnen, und mal nachzuschauen, ob da nicht sogar womöglich ein paar Zahlen dabei sind. Nein! Das Hirn erkennt sofort. Das steht: Milf! – Feierabend, keine Widerrede!
Aber „warum“ steht da Milf auf einem Zettel in meinem Geldbeutel? Jetzt nicht gleich wieder abschalten, liebes Gehirn! Du bist noch immer dran! Also: Warum? Und „Hä…?! Naja gut!“ lassen wir nicht als zufriedenstellende Antwort gelten.
Und dann erschließt sich selbst meinem Hirn, das anscheinend immer bereits irgendeine unausgereifte Idee parat hat, ehe ihm ausreichend Informationen zur Verfügung stehen, dass es sich bei besagtem Zettel um den Abholschein von meinem Radladen handelt und dort handschriftlich der Abholtermin eingetragen ist: „Mi 17“, nix mit Milf!
Also erlaubt das Gehirn den Augen, noch mal genau hinzuschauen: Mittwoch, 17 Uhr! Was haben wir denn heute? Ah, Mittwoch! Na, dann mal los!
Über die Entmännlichung des Grillens
Über die Entmännlichung des Grillens oder: Willkommen am Kastratengrill
Früher stand der Mann vor der Höhle und entfachte ein derart großes Feuer, damit auch der Nachbarclan Bescheid wusste, dass dort gerade ein amtliches Mammut gegrillt wurde. Erste Gräser wurden gesammelt und vergoren, um Bier zu brauen, und die Männer standen um das Mammut herum und redeten klug daher. Zugegeben, „klug“ ist relativ, und es wurde auch schon damals viel gerülpst und hier und da an den Eiern gekratzt. Aber auch das gehörte und gehört zum Grillen dazu. Bisher!
Letzte Woche war ich mit einem befreundeten Pärchen am See und es sollte auch gegrillt werden. Als neueste Errungenschaft wurde dort ein Lotus-Grill mitgebracht. Der ein oder andere mag jetzt gähnend wegklicken, weil er das Ding schon lange kennt. Mir hingegen war es neu. Zugegeben, ich bin nicht so der Griller! Jedenfalls wurde mir dieser rauchfreie Holzkohle-Grill als DIE Revolution überhaupt präsentiert. Und für Revolutionen habe ich mich ja schon immer interessiert.
Keine Angst, es folgt hier keine Produktwerbung (Ich bin ja kein Influencer! Deswegen fehlt an dieser Stelle auch der Link!) sondern eine kritische soziologische Auseinandersetzung über die „Entmännlichung des Grillens“.
So verspricht der Lotusgrill, dass „der Grillmeister nicht mehr abseits steht, sondern dort wo gemeinsam gegessen wird.“ Allerdings ist der Grillmeister, da der Grill ja alles alleine kann, auch weder ein Meister seines Faches noch ein Mann. Er ist austauschbar geworden. Seine über Jahrzehnte hinweg im Rauch, an der fernen Gartenkante zum Nachbarn erworbenen Fähigkeiten sind in dieser Welt nichts mehr Wert. Er ist ersetzt worden durch den/die kompetenz- und geschlechtslose/n Lotus-Griller*ix von heute. Und jetzt sitzen die Männer, die ehemaligen Grillexperten, gemeinsam mit ihren Familien am Tisch, müssen miterleben, wie plötzlich sogar ihre frisch geborenen Kinder grillen können, und denken wehmütig an früher zurück: an die Höhle und an die windige, ferne Gartenecke, wo die biertrinkenden Männer schweigend und rülpsend zusammen standen, während die Frauen Tische deckten, Gemüse schnibbelten, Tischdekorationen bewunderten und Salatrezepte austauschten.

All das, was dort am Tisch passierte, interessierte ihn nie und jetzt sitzt er selbst am Gartentisch, auf dem der tolle Kastratengrill thront, fühlt sich überflüssig und hasst sein Leben. Und so wird er noch schweigsamer, während die Frauen über den tollen Neuen schwadronieren, als wäre früher alles schlecht gewesen.
„Und schau mal, man kann den Grill sogar anfassen, ohne dass man sich daran verbrennt!“ – „Nein, toll! Und es stinkt auch gar nicht.“ – „Und Gemüse kann man auch drauf grillen!“- „Und den gibt’s auch in limettengrün!“ – „Nein! Toll!“
Dass sich die Selbstmordquote unter exgrillenden Männern signifikant erhöhen wird, ist nur ein weiterer Beweis für eine voranschreitende Entmännlichung unserer Gesellschaft. Schade, Jungs, ihr werdet mir fehlen. Ich hab immer gerne mit euch dort im Rauch am Gartenzaun ein paar Bierchen gezischt.

Auch sehr schön zum Thema Grillen:
Gier versus Neid
Gier versus Neid
Zwei Todsünden im ultimativen Endfight! Wer ist die größere Drecksau? Wer setzt sich beim moralischen Schlammcatchen durch? In der roten Ecke: der Neid, in der blauen Ecke: die Gier! Wer ist der größere Schurke?
Okay, beides sind Arschlöcher! Muss man da noch differenzieren? Ich meine: Ja! Denn einem der beiden wird, meines Erachtens, in der medialen Betrachtung viel mehr Be- und Verachtung geschenkt als dem anderen. Und die interessante Frage ist: Wenn schon beide Arschlöcher sind, warum redet man nur über den einen?!
So wird die Neiddebatte immer wieder gerne in den Ring geführt, wenn es um Forderungen nach mehr Gleichheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geht. Von einer öffentlichen Gierdebatte hingegen habe ich bisher noch gar nichts mitbekommen. Komisch eigentlich…! Bei Google erhält man für den Suchbegriff „Neiddebatte“ 278000 Treffer, für „Gierdebatte“ sind’s gerade mal 1550, mit der freundlichen Nachfrage: „Meinten Sie Bierdebatte?“ (Immerhin liegt der vorliegende Artikel bei der Google-Anfrage auf Platz 1!)
Zumindest ich finde den Zusammenhang zwischen Gier und Neid ganz interessant und mich wundert ein wenig, warum es sonst niemanden zu interessieren scheint und es niemand deutlich formuliert. Denn ist es nicht so, dass gerade die zügellose Gier einiger weniger zu einer immer größer werdenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft führt und genau damit der Neid erst richtig angefeuert wird?
Denn Neid ist nicht bloß als bösartige Missgunst zu bewerten. Sie ist oft einfach Ausdruck von offensichtlich ungerechten Lebensverhältnissen.
In einer Gesellschaft mit Chancengleichheit und geringen sozialen Unterschieden ist der Neid, da ihm der Nährboden fehlt, schwächer ausgeprägt. Aber bei wachsender Ungleichheit, beim Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Unten und Oben, wächst und gedeiht auch der Neid.
So ist der Neid keineswegs das Übel selbst, sondern lediglich eine menschliche Reaktion auf das Übel, nämlich auf eine, von der Habgier angetriebene, auseinander driftende Gesellschaft. Und so lange den Gierigen und Vermögenden unserer Gesellschaft seitens der Politik weiterhin Geschenke gemacht werden (Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Höchststeuersatz, Kapitalertragssteuer; um mal die bekanntesten Geschenke zu nennen), wird sich an der Situation nichts verändern.
Das Vermögen hat mehr politischen Einfluss und dieser Einfluss wird durch die unstillbare Habgier nach noch mehr geleitet. Und das derzeit mit großem Erfolg, wie obige Reformen eindrucksvoll beweisen. Die Vermögen in Deutschland haben sich in den letzten, gerade mal 17 Jahren übrigens verdoppelt!
Hmm… Irgendwie ganz schön einfach und ganz schön eklig zugleich, dass das quasi widerstandslos und alternativlos funktioniert.
Also bitte: Wir brauchen keine Neiddebatte, wir brauchen dringend eine Gierdebatte!
