meinungsoutsourcing

Drecks-Eon

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Drecks-Eon!!!

Aufregen macht nicht nur Spaß, sondern es stärkt auch das Herzkreislaufsystem und senkt gehörig den Cholerikerinspiegel (oder so ähnlich…). Wichtig gerade in der kalten Jahreszeit! Aber ich gehe noch weiter: Aufregen hilft nicht nur persönlich (dem privaten Wohlempfinden) sondern auch gesamtgesellschaftlich (der Volksgesundheit). Wir sind alle viel zu angepasst, zu gleichgültig und zu ruhig geworden.
Was interessiert uns schon noch wirklich? Was bewegt uns? Was regt uns auf…? Wir lassen uns einschläfern von der Berieselungsindustrie, den weichgespülten Einheitsmedien. Noch nie zuvor in der Geschichte gab es so viele Medien die so wenig Wesentliches berichtet haben. Wir lenken uns mit Youtube-Clips ab, posten, twittern, whatsappen unsere alltäglichen Banalitäten und liken die anderer, verdummen mit den Busenblitzern der Yahoo-Startseite (vgl. https://tommiboe.com/2014/01/07/du-bist-so-dumm-wie-die-yahoo-startseite/). Selber denken oder gar sich eine eigene fundierte Meinung bilden, dazu reicht’s da nicht mehr. Wozu auch? Es gibt doch schon so viele schöne, vorgefertigte und gut funktionierende Fremdmeinungen, die andere für uns „Probe getragen“ haben. Dieses Meinungsoutsourcing funktioniert super und spart ungeheuer viel Zeit. Und wer macht sich schon die Mühe, um herauszufinden, wessen Fremdmeinungen wir da nachkaspern? Wir würden uns wundern…!
Was niemals schaden kann, ist ein guter Grund, um sich gebührend aufzuregen. Aber wer mit offenen Augen durch die Welt läuft, findet sie an jeder Straßenecke. Jeden Tag!
Zum Beispiel dies hier: Eon spaltet sich auf! Sie wollen sich auf erneuerbare Energien konzentrieren! Klingt doch gut! Denkste, Schweinebacke. Warum macht Eon denn das? Weil sie gut sind? Weil sie eine bessere, saubere Energie wollen? Haha! Sie wollen die Gewinnsparte der Zukunft abspalten und die Atomkraft und die Kohlekraftwerke, die für Eon nun ausgesorgt haben, auslagern. Warum? Um finanzielle Risiken in Zukunft vom profitablen Geschäft abzutrennen. Denn keiner kann heute seriös voraussagen oder berechnen, was der Ausstieg aus der Atomkraft und deren Abwicklung einmal kosten wird. Zwar übergibt Eon dem neuen Konzern seine Atomrückstellungen in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro. Aber garantiert das, dass am Ende nicht doch Steuerzahler für die Entsorgung eben dieser Atomkraftwerke aufkommen muss, an denen Eon selbst über Jahrzehnte Milliarden verdient hat? Natürlich nicht! Und da Atommüll eine zu große Gefährdung für die Allgemeinheit, wird der Staat bzw. der Steuerzahler im Fall der Fälle einspringen (müssen).
Die Grüne Bärbel Höhn spricht in diesem Zusammenhang ahnungsvoll von der Gründung einer „Bad Bank“ für die Atomkraftwerke. Und da Atommüll mit Sicherheit als „systemrelevant“ einzustufen ist, müsste diese Bad Bank letztlich vom Staat gerettet werden, zumal in dieser neuen Gesellschaft hauptsächlich die absterbenden Geschäftsteile von Eon gebündelt sind, die kaum ausreichend Gewinne erwirtschaften würden, um sich selbst aus dem Atommüllsumpf zu ziehen. Aber das ist ja genau, was erreicht werden soll. Auch das folgt lediglich der bekannten neoliberalen Maxime „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!“
Und spätestens wenn sich unser Supidupi-Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der „Genosse der Bosse 2.0“, in seiner ersten Reaktion wohlwollend zu dieser Entwicklung von Eon äußert, muss allen klar sein, was das zu bedeuten hat! Nichts Gutes! Also, für Eon schon, natürlich! Nur nicht für uns! Aber wen wundert’s? Für wen wird schließlich Politik gemacht?
Apropos Atomausstieg: Kann den Gabriel auch mal jemand ins Abklingbecken schmeißen, ausschalten, runterfahren und endlagern? Bitte!

Mehr Anleitungen zum Aufregen in der Rubrik „Dümmer geht immer!“ unter:

https://tommiboe.wordpress.com/2014/10/27/dummer-geht-immer/

Gewerkschaftsbashing

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Diese Drecks-GDL

Aus der Rubrik: Dümmer geht immer!
Aber jetzt mal wirklich: Die spinnen doch oder?!
Diese Dreck-GDL! Was erlauben die sich eigentlich? Was denken die sich? Ungestraft streiken…?! In Deutschland…?! Was für eine Frechheit! Machen die jetzt einen auf Franzosen oder was?!
Die Lokführer verdienen nach 20 Dienstjahren doch 1750 Euro netto. Sollen die doch froh sein, dass die Bahn nicht einfach ins Ausland geht! Oder dass sie nicht durch Leiharbeiter oder Minijobber ersetzt werden…! Ach… die Bahn hat das schon versucht…? Tatsächlich…? Für 7,50 Euro die Stunde… Interessant! Diese sympathische DB, dieser Möchtegernprivatisierer, dieser Staatskonzern (!), der versucht, deutsches Gewerkschaftsrecht auszuhebeln, sich nicht an bereits geltendes Recht der Tarifpluralität zu halten…? Ja, genau: diese Deutsche Drecksbahn!
Aber der Buhmann ist ein anderer! Schon putzig das neue Hobby der Deutschen: „Gewerkschaftsbashing!“
Was sagt das über eine Gesellschaft aus…? Man müsste eigentlich direkt kotzen, wenn man das hört. Blöd nur, wenn es die eigene Gesellschaft ist.
Der Reallohn in Deutschland war 2013 niedriger als 2000. Zwischen 2000 und 2008 war die Reallohnentwicklung in Deutschland die schlechteste in der ganzen EU! Minus 0,8%! (Vergleichszahlen kann sich jeder selbst besorgen. Ich will ja nicht nerven!)
Aber wer wird von uns, auf Linie getrimmte Einheitsmenschen beschimpft…? Und soweit hat die Neoliberialisierung bereits das deutsche Denken erfasst. Und darum schimpfen wir nicht auf die Konzerne, die ihre Gewinne ins Ausland schaffen, und nicht auf das Kapital, das sich in der gleichen Zeit vorzüglich entwickelt hat. Nein, wir schimpfen artig auf die verfluchten Drecksgewerkschaften. Wie blöd geht’s eigentlich?!
Weselsky wird als „Bahnsinniger“ beschimpft. Es wird von den Medien eingefordert, die Arbeitsministerin Nahles solle den „Erpresser Weselsky“ stoppen! What…?!
Ich frage mich, wem dient diese Presse?Und welche Aufgabe hat sie? Welpenschutz für die arme kleine Deutsche Schmalspur-Bahn durchsetzen? Stumpf und linientreu der Wirtschaftslobby nach dem Maul reden?! Tja, sieht wohl so aus! Und wir fressen diese Scheiße und plappern sie unreflektiert nach. Denn wer reflektiert heute schon noch selbst?! Wo es so schöne vorgefertigte Fremdmeinungen zum Downloaden gibt. Sehr praktisch! Meinungsoutsourcing nennt man das! Wie viel dümmer geht’s eigentlich noch?

Was geht sonst noch dümmer? (siehe https://tommiboe.wordpress.com/2014/10/27/dummer-geht-immer/)

Massenindividualtourismus

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Massenindividualtourismus

Dass man beim Wandern auf dem Inka-Trail Leuten mit Rollkoffern begegnet, fehlt gerade noch. Aber wir sind nahe dran. Und schon bald darauf werde ich vermutlich von geländegängigen Elektrorollkoffern überholt werden.
Backpacker sterben zwar nicht aus, aber die Wege, auf denen sie sich bewegen, sind immer ausgelatschter, sodass man sie inzwischen auch bald mit Rollkoffern befahren kann. Der Soziologe spricht von „Ausdifferenzierung“, ich spreche von „Massenindividualtourismus“. (Ich hab mich ja schon mal an anderer Stelle über Gringoabsteigen ausgekotzt: https://tommiboe.wordpress.com/2013/10/31/gringoabsteige/)
Schon lange ist der Abenteuerurlaub kein Abenteuer mehr. Aber er besaß zumindest noch die Idee, den Duft vom Abenteuer. Inzwischen ist das Abenteuer nur noch eine industriell gefertigte Duftmarke. Die gefährlichen und anstrengenden Nebenwirkungen wurden erfolgreich rausgezüchtet. Dafür ist es nun benutzerfreundlich und seine Oberfläche mit mindestens 14,1 Millionen Pixeln glänzt, blinkt und lächelt in alle Richtungen. Wir kennen das Prinzip von der Tomate, deren Geschmack heute keinen mehr kümmert und auch kaum noch jemand kennt. Hauptsache, Farbe, Form und Konsistenz stimmen. Toll, dass man eine Tomate heute zehn Wochen im Kühlschrank liegen lassen kann. Wozu muss sie dann auch noch schmecken…?
Ich freue mich schon auf den (nicht mehr fernen) Tag, an dem ich mir die Tomate bequem zu Hause mit meinem 3D-Drucker ausdrucken kann. Mit freundlicher Unterstützung von Hewlett Packard und Nestlé. Kommt in meine Küche direkt neben den verfickten Nespresso-Automaten: der Nesgemüsé-Drucker.
Dabei wollte ich mich (dieses Mal) doch gar nicht über Nestlé aufregen sondern über die fürchterlichen Rollkoffer-Backpacker-Fuzzis. Wahrscheinlich gibt es bald schon Retro-Rollkoffer mit so putzigen Schulterriemen-Atrappen. Aber Backpacken kann heute wirklich jeder. Kinderleicht. Man muss selbst nichts mehr machen oder können oder selbst organisieren. Es gibt ja andere, die die wichtigsten Dinge für einen übernehmen.
Aber letztlich sind das natürlich nur Entwicklungen, die auch in anderen Bereichen stattfinden. Beim Wildwassersport gibt’s diese Ausdifferenzierung schon seit langem. Fürs Wildwasserkajak braucht man jahrelange Erfahrung, Raften kann jeder Dödel (so auch ich, yeah!), weil man das fehlende Können kaufen kann: „Kompetenz-Oursourcing“ nennt man das! Oder mathematisch: Geld + fremde Kompetenz = Abenteuer!
Die meisten machen das inzwischen auch beim Denken. Wofür sich in aufwendigen, zeitintensiven Prozessen eine eigene Meinung bilden, womöglich auch noch fundiert?! Wer hat dafür noch Zeit und Nerven?! Es gibt doch so viele schöne, vorgefertigte Meinungen an jeder Straßenecke, die prima funktionieren und uns das Leben vereinfachen: „Meinungs-Outsourcing“ nennt sich das. Wen kümmert’s da, von wem sie sind und wem sie dienen?
Ist vielen doch gar nicht mehr klar, dass sie längst eine völlig fremde Meinung haben. Fällt höchstens noch mal auf, wenn die Politiker-Marionetten zu blöd sind, die diktierten Worthülsen fehlerfrei aufzusagen.
Was wollte ich eigentlich sagen…? Ach ja: „Ballermann ist überall!“ – Ja, ich weiß, das ist Blödsinn. Nur weil sich Rollkoffer-Fuzzis in Gringoabsteigen treffen und mir die Aussicht, die Gedanken und die Freude am Reisen verderben, muss ich mich nicht immer so aufregen. Doch, verdammt! Natürlich muss ich mich darüber aufregen! Weil es zum Kotzen ist!