Fundstück – Waffenverbot
Fundstücke in Fernwest – Waffenverbot
Auf dem internationalen Flughafen von Caracas habe ich Folgendes vor der Sicherheitskontrolle gefunden (Foto).
Während man sich in Deutschland darüber aufregt, wenn einem aus dem Handgepäck die Nagelschere, die Sonnencreme oder das Badesalz aus dem Toten Meer rausgefischt werden, wird in Caracas darauf hingewiesen, dass, nach Artikel 73 des Gesetzes zur zivilen Raumfahrt, das Mitführen von Waffen VERBOTEN ist. Nein! Tatsächlich!
Muss man sich mal vorstellen, was bei der Einführung dieses Gesetzes in Venezuela losgewesen ist. Es gab vermutlich schwere Unruhen. Mit Schießereien versteht sich! Wo soll das hinführen, wenn man die Dreckswaffen jetzt nicht mal mehr ins Flugzeug mitnehmen darf…?!

Waffenverbot!
Viel Spaß mit der VISA Check Karte in Kuba!
Viel Spaß mit der VISA Check Karte in Kuba!
„Cuba is a cash country!“ sagt mein Guidebook so schön. Kuba ist ein Bargeldland. Und wenn mir eine Sache so richtig leicht gefallen ist in letzter Zeit, dann die, an Bargeld ranzukommen. Ich hatte ja schon in Peru ausreichend Probleme mit meiner Ersatz-Notfall-Drecks-Visa-Karte (Es leben die Bindestriche!). Das würde in Kuba ja ein richtiger Spaß werden.
Mein Zwischenstopp in Venezuela würde dahingehend auch nicht sonderlich hilfreich sein. Dort kommt man mit der Kreditkarte nur an Bolivares und zwar zum offiziellen Kurs, der derzeit etwa ein Sechstel bis ein Achtel vom Schwarzmarktkurs beträgt. Den kriegt man allerdings nur gegen Cash, ist klar! Und wie herzlich man Bolivares in Kuba begrüßen und tauschen würde, das wollte ich nun wirklich nicht austesten.
Also habe ich am Freitag in Piura vor meinem Rückflug nach Lima noch in einer bewährten BCP-Filiale Geld geholt. Hat zwar wieder fast eineinhalb Stunden gedauert (fragt nicht!), war aber erfolgreich!
Am nächsten Tag, meinem Weiterflug nach Caracas, hab ich es dann noch mal direkt gegenüber vom Flughafen versucht. Auch hier gab’s eine BCP-Filiale. Hier noch mal den Tagessatz abgreifen und dann müsste ich genügend Cash für meinen Kuba-Aufenthalt haben, ohne besonders sparsam sein zu müssen.
Wenn eine Geschichte so anfängt, muss ein Aber kommen. Richtig! Gut beobachtet! Aber dieses Mal gab es auch bei der BCP kein Geld, weil die zuständige Telefonseelsorge, die überprüft, ob meine Karte nun was taugt oder nicht, nur von Montag bis Freitag Bereitschaft hatte, während die Banken auch samstags geöffnet hatten. War ja klar. Irgendwas ist ja immer!
Immerhin konnte ich meine angesparten peruanischen Soles in der benachbarten Casa de Cambio zu einem erstaunlich guten Kurs in Euro tauschen.
Das Ganze brachte mich zurück zum Thema „Visa und Kuba“. In meiner „Casa Particular“ in Havanna, wie in Kuba die von Familien geführten Privatunterkünfte heißen, wurde mir heute morgen ein Tipp gegeben, wo ich „wahrscheinlich“ mit der Visa-Karte Geld bekommen würde. Wenn Worte wie wahrscheinlich in Anführungsstrichen oder in Kursivschrift daherkommen und wir uns gleichzeitig in Kuba befinden, muss man nicht viel erwarten.
Ich testete das gleich an meinem ersten Morgen in Havanna. Ich wollte schließlich wissen, wie ich in den nächsten zwei Wochen hauszuhalten hätte.
Es war nicht mal eine richtige Bank! Drei Schalterchen und ein Sicherheitstyp, naja… Wenigstens musste ich nicht warten. Meine Schalterfachkraft wusste mit meiner Karte und meinem Problem gar nichts anzufangen und so reichte sie die Karte zu ihrer Kollegin rüber. Sie hingegen wusste überhaupt nicht, wo das Problem sein sollte. Keine drei Minuten später hatte ich mein Geld. What…?!! Was ging denn hier…?!
Yeah Cuba! Hasta la victoria siempre! Darauf ein paar Cuba Libre!
Fundstücke in Fernwest – Heuchelärsche
Fundstücke in Fernwest – Heuchelärsche
Es ist ja inzwischen in vielen Ländern üblich, dass Zigaretten und alkoholische Getränke auf ihren Verpackungen darauf hinweisen müssen, dass ihr Genuss gesundheitsschädlich ist (der Genuss der Verpackungen meistens auch). So habe ich folgenden Satz auf einer peruanischen Bierflasche gefunden: „Tomar bebidas alcohólicas en exceso es dañino.“ Tatsächlich…? „En exceso“…? Exzessiv…? Was hat wohl die Alkohollobby für diese Zusatzformulierung gezahlt? Freibier für die Regierung?
Was soll denn dieses „en exceso“? Das sagt uns doch: Ach, na klar, diese Assis, dieser Abschaum, diese gemeingefährlichen Profi- und Vollkontaktalkoholiker! – Die gesamtgesellschaftlichen Rest- und Teilzeitalkoholiker werden völlig verniedlicht. Ach, ist er nicht süß…?! Drollig der Kleine…! Klingt ein bisschen wie: „Der will doch bloß spielen!“ Na sicher! – „En Exceso“…? Da hätten sie auch gleich noch „vielleicht“ oder „angeblich“ vors „dañino/ schädlich“ einfügen können.
Aber mal im Ernst. Bei dieser Formulierung ist doch nicht nur Alkohol sondern auch Bier geflossen, äh, Geld natürlich. Da kommt doch niemand nüchtern und oder unbestochen drauf. Aber wenn man sich dazu äußert und sich drüber aufregt, wird man direkt als „Verschwörungstheoretiker“ beschimpft. Das Fiese daran ist, dass das inzwischen gesellschaftlich als vorverurteilende Beleidigung zugelassen ist. Völlig egal, worum es inhaltlich geht und wie berechtigt die Vorwürfe sind. „Bah! Verschwörungstheorien!“ Und weg sind die Einwände. Ohne weitere Argumentation oder gar Prüfung! Aufklärung ist ohnehin überbewertet und schrecklich lästig. Da kommen doch immer nur hässliche Sachen bei raus…!
Eine andere schöne Beschimpfung ist „Konsumverweigerer“. Erst die Sozialsysteme zusammen streichen, den Niedriglohnsektor ausbauen und dann das Volk beschimpfen, den guten alten Konsum zu verweigern. Schon eine freche Nummer! Aber es funktioniert. Weil das Volk immer noch diesen neoliberalen Drecksäcken glauben schenkt. Die mögen vielleicht auch wissen, was das Beste fürs Volk ist. In erster Linie wissen sie aber, was das Beste fürs Kapital ist. Und das ist meist nicht deckungsgleich! Fangt ihr kapital- und obrigkeitshörigen Heuchelärsche doch endlich damit an, das Vermögen zu besteuern. Und hört mit den einfallslosen Lügen auf, dass so ein Gesetz die Mittelschicht und Omas Tafelsilber beträfe. Damit soll doch bloß, wie üblich, Angst gemacht werden! Aber solange auch diese stumpfe Angstmasche funktioniert, muss man sich anscheinend keine neue Strategien überlegen. Aber das Besteuern der Vermögen ist eine simple und äußert effektive Aktion und schon hätten wir Geld für Kitas, neue Straßen, schnelles Internet, menschenwürdige Löhne und Überlandtrassen. Ach ne, die sollen die Stromkonzerne schön selber zahlen, diese blöden Fortschrittsverweigerer. Diese sympathischen Konzerne habe ja unlängst der Regierung vorgeschlagen, auf eine Klage wegen des Atomausstiegs zu verzichten, wenn der Staat sich bereit erklärt, dafür ihren Atommüll zu übernehmen, mit dem sie sich Jahrzehntelang den Arsch vergoldet haben. Ist doch mal ein faires Angebot. Sag mal, geht’s noch?!
Und wie darf man eigentlich ungestraft von „Ökodiktatur“ (und „Windenergiemafia“) sprechen? Was soll denn überhaupt ein Ökodiktator sein…?! Wie wär’s denn noch mit „Atomkraftmörder“ oder „Kohlekumpelkiller“? Geht’s noch blöder…?! Dann darf ich doch auch im Gegenzug völlig unreflektiert und inhaltsleer JEDEN CSU-Politiker als Nazischwein bezeichnen. Das ist doch ähnlich abwegig und übertrieben.
Da steckt doch ein System dahinter!
Und warum gibt’s in Peru im Flugzeug keinen Tomatensaft?! Das kann doch alles kein Zufall sein! Alter, ich verschwöre…!
Fundstück – Kokosnussmorde und Deppentöter
Fundstücke in Fernwest – Kokosnussmorde und Deppentöter
“Es werden jährlich mehr Menschen von Kokosnüssen getötet als umgekehrt!”
Genau solche oder meist ähnliche Sätze muss man sich ständig anhören. Muss man denn alles ins Lächerliche ziehen? Ich kenne persönlich niemanden, der jemals einen Hai gebissen hat oder umgedreht, geschweige denn der an einer Kokosnuss erstickt wäre. Warum sagt man das dann immer? Gibt’s denn da empirische Studien zu? – Ja! Gibt es! In Indonesien starben 2012 13 Menschen in Folge eines “Kokosnussunfalls”. Inwieweit auch Erstickungsopfer oder Allergiker dabei waren, wird hingegen nicht ausdifferenziert.
Ach, wie komme ich darauf? Meinem Surflehrer fehlt der linke Arm, nachdem ihm ganz blöd eine Kokosnuss, neh ein Hai, neh Blödsinn! Ich sitze am Strand und genieße meinen letzten pazifischen Sonnenuntergang, als einen halben Meter neben mir eine Kokosnuss im Sand einschlägt! Ungelogen! (Fotobeweis mit besagter Kokosnuss!) Glück gehabt! In einem anderen Raum-Zeit-Kontinuum, etwa ein Dreivierteljahr später und etwas weiter rechts, müssten sich die Haie ganz schön anstrengen, um ihre Statistik gegenüber den blöden Nüssen aufzupolieren. Die armen Haie werden inzwischen von nahezu allen anderen Fischen gemobbt, weil selbst Fallobst gefährlicher sei als sie (Woher die Fische eigentlich wissen, dass die Kokosnuss gar keine Nuss sondern Obst ist, ist mir unbekannt. Das war mir selbst gar nicht klar gewesen, hätten mich die Fische nicht aufgeklärt!)
Hier in Peru gilt allerdings gar nicht die Kokosnuss produzierende Palme als Mörderbaum sondern der “Leberwurstbaum” (gehört übrigens zur Familie der Trompetenbaumgewächse, ist klar!). Seine Früchte, bis zu sieben Kilo schwer und ungenießbar, erinnern an riesige Leberwürste. Allerdings nicht in Peru, hier sind Leberwürste weniger bekannt. Deshalb heißt der Baum auch nicht “Árbol del Embutido de Hígado”, wäre ja auch ziemlich sperrig, sondern “Matacojudos”, was ich persönlich sogar noch schöner finde als den herzallerliebsten Namen Leberwurstbaum. Denn Matacojudos heißt “Deppentöter”. Na, wenn das mal nicht großartig ist…!
Nachschlag:
In meinem letzten Hostel in Peru durfte ich Zeuge werden, wie hinreichend betrunkene und geisteskranke Touristen versuchten, Kokosnüsse zu ernten. Dazu hatten sie einen wackligen Plastiktisch unter die Palme gestellt, auf den Tisch einen ebenso wackligen Plastikstuhl und obendrauf turnte einer von ihnen mit einem langen Holzstock herum, mit dem er versuchte, eine große, genau über seinem Kopf baumelnde Kokosnuss zum Runterfallen zu überreden. Seine Kollegen standen ebenfalls unter der Palme und hielten Tisch und Stuhl fest und warteten darauf, dass Kokosnüsse oder Erntehelfer herunter fielen.
Ich meine, wenn hier etwas passiert wäre, hätte man kaum der Kokosnuss die Schuld dafür geben dürfen und ebenso wenig wäre es als Kokosnussunfall zu bezeichnen sondern eher als Selbstmordversuch. So wie sich andere vor eine S-Bahn werfen.
Genauso wenig dürfte man von einem Haiunfall sprechen, wenn sich jemand den Finger aufschlitzt, bevor er in ein Haifischbecken springt (ein reelles und kein metaphorisches!). Denn dem Wort Unfall wohnt eigentlich etwas Unvorhersehbares bei.
Und die Ausrede, die Jungs bräuchten die Kokosnuss aber dringend für die nächste Runde Piña Colada, ließ ich auch deshalb gelten, weil sie mich im Anschluss an ihre überraschend verletzungsfreie Ernte auf einen frisch gepressten Kokosnusscocktail einluden.

Fundstück – Der Drecks-HSV
Fundstücke in Fernwest – Der Drecks-HSV
Dass die WM vor der Tür steht, ist klar. Aber nicht vor meiner. Hab extra gerade noch mal nachgeschaut. Pazifik, so weit das Auge reicht! Und auch in die andere Richtung ist verdammt wenig von der WM zu spüren, hören oder zu sehen. Und auch an dem Ort, an dem ich zum WM-Start dann sein werde, schlägt bekanntlich nicht gerade das Herz des Fußballs: Kuba. Man sagt, dass hier nicht mal das Schlagen jenes Herzens so hören ist. Die Hauptsportarten Kubas sind Boxen, Rum und Beísbol (Baseball). Sonst… naja! Kuba hat 1984 die Olympischen Spiele in Los Angeles übrigens nicht vorrangig aus politischen Gründen boykottiert, sondern hauptsächlich weil Beísbol nicht im olympischen Programm stand.
Jedenfalls befinde ich mich nicht gerade in einem vor Vorfreude taumelnden Örtchen, ansonsten aber ganz passabel! Um so mehr überraschte mich dann, quasi auf fußballnüchternen Magen, der Ecuadorianer am Pool meines Hostels. Denn der steckte in einem HSV-Trikot. Musste sich mein Magen schon arg zusammenreißen, dass sich die Meeresfrüchte nicht wieder Richtung Pazifik bewegten. Der Typ war sich aber keiner Schuld bewusst. So konnte ich ihn schnell davon überzeugen, in meiner Gegenwart auf das Tragen dieses Trikots zu verzichten. Es war auch bloß ein Geschenk und er hatte keinerlei fehlgeleitete emotionale Verbindung zum Drecks-HSV. Erst später fiel mir ein, dass Paolo Guerrero ja mal ein paar Jahre für den Scheißverein anschaffen gegangen ist. Das erklärt die Verbindung von Peru und… aber dann bemerkte ich, dass der Mann aus Ecuador kam.
Naja… Und so betranken wir uns friedlich am Pool, bevor es zum Fotoshooting kam. Dass ich dann im HSV-Trikot landete, sollte ein trunkener Witz sein und wer mich an dieser Stelle falsch verstehen oder mir etwas unterstellen möchte, der muss sich nur das nächste Foto anschauen, mit dem ich meine Ehre wieder herstellen möchte. Und ja! Natürlich habe ich hinterher geduscht!

