Busreisen im Sozialismus

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Busreisen im Sozialismus
Am Montagvormittag bin ich am Terminal, um mir ein Ticket für den Nachtbus von Dienstag auf Mittwoch nach Coro zu kaufen, einem Ort an der venezolanischen Karibikküste. Die Schalter sind aber schon halb geschlossen, mit Schildern „no hay boletos“ im Fenster, also alles ausverkauft für den Abend. Nun gut, ich will ja erst am nächsten Tag aufbrechen. Hinterm Schalter sitzen noch immer zwei Frauen, die sich zwar mit sich bestens unterhalten können, aber mit mir nicht so richtig. Schließlich verweist mich die eine knapp auf ein anderes Schild in der Auslage: „se vende boletos solamente el día mismo del viaje!“ Heißt: Ich kann heute gar kein Ticket für morgen kaufen. Denn das geht nur am Tag der Reise! Klar, logisch…! Als ich noch mal nachfrage, weil sich mir der Sinn des Ganzen nicht erschließt, bekomme ich zwar keine Erklärung, aber immerhin den Tipp, morgen früh um zwei spätestens drei Uhr da zu sein, um mich anzustellen. Der Schalter macht dann um sieben Uhr auf. Bienvenido al socialismo del cieglo 21! Willkommen im Sozialismus des 21. Jahrhunderts.
Und die meinen das ernst! Und alle machen da mit! In Deutschland stellen die Leute nachts nur in eine Schlange, wenn man Tickets fürs Championsleague-Finale haben möchte oder wenn der neue Harry Potter rauskommt. Schlimm genug! Oder man braucht ein Busticket und lebt zufällig im real existierenden Sozialismus! Im real existierenden Kapitalismus sitzen die Nasskappen nächtelang fürs neueste Iphone auf der Straße. Weiß grad gar nicht, was schlimmer ist… Macht mich irgendwie beides traurig!
Am nächsten Tag stehe ich früh auf und fahr mit meinem Gepäck und einem Plan B zum Busterminal. Ich bin um halb sieben da – nicht etwa um zwei! Der Schalter ist noch nicht geöffnet, aber die Schlange reicht bereits durchs halbe Terminalgebäude – für 40 Plätze! Mit anderen Worten: Plan B tritt in Kraft!
Ich begebe mich direkt zum Bahnsteig und nehme einen Bus nach Barinas. Das liegt quasi auf dem Weg nach Maracay, und von dort geht’s dann weiter. Die Busse fahren regelmäßig los, wenn sie voll sind, und dann halt der nächste! Das funktioniert! In Barinas steige ich um nach Valencia, was die drittgrößte Stadt Venezuelas ist und nur etwa 30 Kilometer von Maracay entfernt ist, von wo ich dann nach Choroní möchte. Der aufmerksame Leser ermüdet zwar bei der Aufzählung böhmischer Dörfer, bemerkt aber, dass der Ort Coro nicht dabei ist. Plan B beinhaltet auch einen anderen Zielort. Obiges Choroní liegt auch an der Küste, wollte ich ursprünglich aber erst später besuchen. (So viel zur Planänderung!)
Nachteil von B ist natürlich, dass ich einen ganzen Tag in vollen Bussen bei lauter Musik verbringen, anstatt in einem bequemeren Nachtbus nachts zu reisen… Aber: Immerhin bin ich auch drin und komme voran!
Es ist halb fünf (nachmittags!), als mein Plan B scheitert. Ich stehe am Terminal in Valencia und will in den nächsten Bus nach Maracay. Die Idee hatten aber noch ein paar Hundert andere vor mir. Ich hatte während der Fahrt schon gehört, dass es heute – warum auch immer – keine Direktbusse nach Caracas gibt. Daher müssen sich alle, die nach Caracas wollen, etappenweise von Busbahnhof zu Busbahnhof hangeln. Und meine nächste Etappe liegt mitten auch auf dem Weg nach Caracas. Hatte ich erwähnt, dass die Ferienzeit in Venezuela zu Ende geht…?
Die Schlange ist jedenfalls so lang, dass mir kurz mein Zeitgefühl verloren geht. Ich wache wieder aus dem Sekundenschlaf auf und höre „Coro! Coro!“ rufe. Nein, es ist kein Papagei, der auf meiner Schulter gelandet ist! Es ist nämlich so, dass lateinamerikanische Busse, die noch nicht voll sind, sprechen können. Es laufen also Männer oder Frauen über die Bahnsteige und schreien diverse Zielorte aus. Das ist oft sehr hilfreich.
Einer der Buseinweiser, den ich frage, schätzt auf mindestens drei Stunden Wartezeit… Ich werfe noch mal einen kurzen Blick auf die Schlange, aber nur so lange, dass mir nicht wieder schwindelig wird, geh pullern und steige in den Bus nach Coro. Ich komme damit zwar an mein ursprüngliches Ziel, habe aber einen ordentlichen Zickzackkurs hingelegt und damit nochmals fünf Stunden Fahrt vor mir. Immerhin: Der Bus ist nur halb voll, ich hab also eine eigene Sitzreihe für mich und er ist klimatisiert. Zudem ist Coro die größere Stadt und ich werde dort auf alle Fälle, selbst wenn ich spät ankomme, noch etwas für die Nacht finden.
Auch im letzten Bus ist die Musik so laut, dass ich trotz Oropax noch die nach DIN genormte „deutsche Zimmerlautstärke“ mitbekomme.

Stellen sich mir folgende Fragen:
1. Bin ich ein Sensibelchen? Es scheint ja sonst niemanden zu stören.
2. Wird man im Alter geräuschempfindlicher? Ich dachte immer, man wird taub… So ein bisschen taub wäre manchmal gar nicht schlecht!
3. Gibt es auch Oropax „fuerte“ oder „deep inside“?
4. Habe ich gerade einen Erziehungsauftrag für mein Sabbatjahr gefunden? Da ich noch genügend Busreisen vor mir habe, nehme ich mir vor, fortan bei jeder Busfahrt den Busfahrer scheißfreundlich zu bitten, die Musik etwas leiser zu machen.

Und Reisende wissen: es ist immer gut, Aufgaben zu haben!

Los Llanos – Wildlife mit und ohne Federn

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Los Llanos – Wildlife mit und ohne Federn

Nach den ersten ruhigeren Tagen in Mérida führte mich mein erster Ausflug in den Llanos, eine riesige, tierreiche Tieflandebene, in der extensive Viehhaltung betrieben wird. Und die Viehwirtschaft ist tatsächlich so extensiv, dass die Artenvielfalt noch immer sehr hoch ist.
Von den 3500 Vogelarten Südamerikas leben doppelt so viele in den Llanos! Für genauere Zahlen siehe Wikipedia und den Bildband „Die Vögel Venezuelas“. Darin auch viel schönere Fotos als von mir. – Aber neben Vögeln gab es auch richtige Tiere zu sehen! Das klingt eventuell ein wenig abwertend gegenüber Vögeln, soll es aber auch! Ich meine, ein Seeadler, zum Beispiel, geht voll in Ordnung, oder ein Uhu. Aber das sind für mich auch echte Tiere und nicht bloßes Federvieh! Ihr versteht, was ich meine…? Ich kann mit so Flatterzeugs nichts anfangen. Einer Nachtigall kann ich schon mal eine laue Maiennacht lauschen. Und Kolibris sind toll. Aber das sind auch keine blöden Vögel, das sind ja eher vom Himmel gefallene Elfen. Aber das war’s auch!
Aber wenn der Guide nur noch einmal anhält und wichtigtuerisch „Savanna Hawk!“ sagt, dann raste ich aus! Der mag ein hübsches Gefieder haben, aber das ist ein dummer Habicht – mehr nicht! Hundertfach unterwegs! Was soll die Aufregung!
Kommen wir also zu etwas Erfreulichem. Denn es gab auch richtige Tiere zu sehen: Ameisenbär in gespreiztem Galopp mit wehendem Schweif, eine süße Baumboa, eine 3 Meter kleine, aber wunderschöne Anaconda, eine Tortuga mata mata, so eine Urzeitschildkröte mit langem, ungemein hässlichem Reptilienhals, obligatorische Brüllaffen und, meine Damen und Herren, schnallen Sie sich fest, sperren Sie Ihre Kinder weg, wir haben tatsächlich diese rosafarbenen Flussdelphine gesehen! – Nein! Doch! Oh! – Rosafarbene Flussdelphine – geht’s noch?! Dagegen können doch mal echt alle Vögel ihre Federn einpacken und sich in ihre Winterquartiere verziehen!

Was gab’s sonst noch auf der Tour:
„nette Leute“: ein supernetter Guide, Tillo, und dazu ein nettes Pärchen aus dem Stuttgarter Raum, Julia und Thomas.
„Carne en vara“ (für alle, die gerne Fleisch essen: So wird’s richtig lecker! Typisch für die Region „Los Llanos“: Das Fleisch aufgespießt in großen Teilen schräg übers Feuer gestellt und dann mal ein paar Stunden gewartet…)
„Piranhas füttern“: Schön immer wieder den Köder am Haken reingeworfen und von den Mistviechern abknabbern lassen. Hätten die Hühnchenstücke auch direkt ins Wasser werfen können – wäre schneller gegangen! Unser Guide hat aber drei recht dicke Piranhas rausgezogen, die wir dann abends verköstigt haben. Die Biester sind echt lecker!
„Sich auf Pferderücken bewegt“: „Reiten“ darf man aus begriffsnutzungsrechtlichen Gründen nicht dazu sagen!
„Rafting“: ein nettes, aber recht harmloses Flüsschen runtergeschippert.
„Fahrt durch die Anden“: Tja, die Anden reichen bis Venezuela! Schöne Fahrt durch die Sierra Nevada de Mérida, aufgrund des frischen Klimas das Hauptanbaugebiet Venezuelas für viele landwirtschaftliche Produkte.

carne en vara

tortuga mata mata - urzeitschildkröte
tortuga mata mata – urzeitschildkröte

 

anaconda, klein

 

capyvara (Wasserschwein, nicht lecker!!!) mit Vogel
capyvara (Wasserschwein, nicht lecker!!!) mit Vogel

 

piranha, ungefährlich weil tot, dafür lecker!!!
piranha, ungefährlich weil tot, dafür lecker!!!

 

caminando en cavallo
caminando en cavallo

Und sonst so:
In Mérida bei großartiger Gastfamilie untergekommen.
Schon einen Trainingstag im Ultimate mitgemacht. Jetzt darf ich auch gleich in zwei Wochen am Turnier in Mérida teilnehmen.

Bis dahin werde ich mich ein wenig an der Küste vergnügen!

Wünsche Euch alles Gute!

Busfahrt mit Vallenato

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Eine Busfahrt mit Vallenato
oder: „Bärchen, ich schwör, das hättest du nicht überlebt!“

Für alle, die Vallenato kennen: Ihr wisst ja Bescheid!

Für alle anderen:
Auch einem geübten Backpacker passiert mitunter mal ein Schnitzer. Also merkt Euch für alle Zeit (also besonders ich!): Oropax gehören, verdammt noch mal, ins Handgepäck! Da gibt es keine Ausreden.
Mir war es gelungen nach einem langen Flug und einer staureichen Busfahrt vom Flugplatz nach Caracas doch noch einen Platz im Nachtbus nach Mérida zu ergattern. Das klingt doch wie ein Erfolg. Erstmal! Aber, die Einleitung lässt die berechtigte Vermutung zu, dass sich die Oropax im Kulturbeutel im großen Rucksack befanden und nicht, da wo sie hingehörten, in meinen Ohren!
(Exkurs zum Thema „Stau in Caracas“: Was will man erwarten, wenn man in einer Fünfmillionenstadt den Sprit an die Bevölkerung verschenkt…?! En serio! Was soll da wohl passieren?! Und „verschenken“ ist hier ausdrücklich nicht metaphorisch gemeint, sondern soll heißen, dass er nichts kostet. Eine Tankfüllung kostet deutlich weniger als 1 Dollar! Offizieller Wechselkurs! Und wehe es fängt jetzt einer an, ja, aber das hängt ja davon ab, wie viel man verdient…)
Die Direktbusse nach Mérida waren schon ausverkauft. So musste ich froh sein, überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Auch wenn mir nicht so ganz klar war, wohin dieser Bus, ich den ich da geschoben wurde, denn nun genau fuhr. Ich konnte auch durch angestrengtes Suchen in meiner Karte keinen halbwegs ähnlich lautenden Ort in der groben Nähe von Mérida finden. Auch Nachfragen half nicht: Jaja, Umsteigen in Nuschelnuschel! Danke vielmals.
Ich fand einen Platz in der letzten Reihe des Busses, in der man die Rückenlehnen nicht verstellen kann. Immerhin saß dort ein Mitreisender, der auch nach Mérida wollte, was mich so sehr erleichterte, dass mir die korrekte Aussprache und geographische Lage von Nuschelnuschel plötzlich völlig egal waren. Denn so verkehrt konnte der Bus ja nicht sein!
Auch die hinterste Reihe füllte sich bis auf den letzten (5.) Platz, sodass es gemütlich wurde und eigentlich – gemäß lateinamerikanischer Busfahrerregel – hätte losgehen müssen. Es sei denn: man wartet auf noch mehr Passagiere, die sich in die Gänge zwängen. Was natürlich auch sehr beliebt ist… Aber nein! Es ging einfach ohne Grund nicht los. Die beiden Busfahrer erschienen und gingen immer mal wieder, setzten sich schon mal wichtig auf ihren Platz, um ihn aber wieder zu verlassen, was der Venezolaner aber kommentarlos verträgt.
Damit uns Wartenden nicht allzu langweilig wurde, lief bereits ein Actionfilm. Der Bildschirm war vorne über dem Fahrer und die Boxen, die praktischer Weise über der letzten Sitzreihe hingen, konnten einiges und waren so gut mit der Karosserie verschraubt, dass wir die Bässe auch mit dem Hintern hören konnten.
Es wäre alles halb so wild gewesen, wenn es nicht doppelt so laut gewesen wäre. Der durch den Sozialismus gestählte Venezolaner erträgt das ohne Murren. Denn er weiß, dass es in einer Planwirtschaft nicht immer alles gibt. Für uns konkret bedeutete das: Es gibt nur „laut“, denn „leise“ ist gerade aus!
Als wir endlich eine Stunde später los fuhren, lief bereits der nächste Film, zwar kein Action, aber genau so unerträglich laut. Ich fühlte schon den Wahnsinn in mir aufsteigen und es lagen noch 14 Stunden Fahrt vor mir. Wie war das noch mal mit der venezolanischen Ratifizierung der Genfer Konventionen…?
Nachdem der überlaute und überwitzige Film vorüber war, ging es mit der Musik los. In wechselnder Folge erklang Salsa (okay), Merengue (naja) und schließlich Vallenato (Oh mein Gott!). Im Kabinett des Grauens fehlte lediglich Reggeaton, der es in seiner Unerträglichkeit mit dem Vallenato tatsächlich aufnehmen kann. Vielleicht sollte der Verzicht auf Reggeaton als venezolanischer Versuch des Gottesbeweises herhalten… Wer weiß? – Auf jeden Fall wiederholte sich die Playlist einige Male, schließlich hatten wir ja Zeit.
Den „Vallenato“ muss ich kurz erklären. Eine Combo setzt sich zusammen aus einem möglichst verstimmten Akkordeon (fragt mich nicht, warum das so ist. Traditionen sind manchmal schwer zu erklären…), einer Trommel, einer Güira (einer Art Käsereibe, über die ununterbrochen hoch- und runtergeschrubbt wird) und einer wehklagenden Jammerstimme, die die immer gleiche Geschichte vom Mann erzählt, der sein geliebtes Tal (samt Familie, Geliebte und Esel) verlassen musste und darüber fürchterlich leidet und selbstverständlich nie nie glücklich werden kann. Doch anstatt einfach in sein verdammtes Tal zurückzukehren und endlich die Fresse zu halten, heult er einem in tausendfacher und doch immer gleiche Weise die Ohren voll. Unerträglichkeit erreicht durch den Vallenato eine ungeahnte Dimension.
Natürlich möge man einwenden, Musik sei Geschmacksache. Aber Toleranz muss auch seine Grenzen haben! Ich zum Beispiel kann rechtes Gedankengut weder tolerieren noch ertragen. Ebenso gehört, meines Erachtens, der Vallenato völkerrechtlich geächtet!
Aber irgendwie hatte diese Fahrt mit Null Stunden Schlaf und 12 Stunden Vallenato auch etwas Bezauberndes, was ich nur schwer erklären kann. Jedenfalls störten mich am Ende der Fahrt nicht mal mehr die komischen Blicke der Mitfahrenden, die mich beim lauten, klagenden Mitsingen trafen. So viel schlimmer konnte es schließlich gar nicht klingen!

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: „Bärchen, ich schwör, diese Fahrt hättest du nicht überlebt!“

Der Zyklopenarsch

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Die Zyklopenarschtheorie

Für die nun folgende Theorie verlange ich von Ihnen zuerst eine ordentliche Portion Phantasie und später womöglich ein wenig Toleranz.

Beginnen wir mit der Phantasiephase: Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien eine außerirdische Lebensform, die zufällig auf der Erde vorbeikommt. Die Gründe spielen keine Rolle: Bildungsreise, Navi versagt, Last-Minute-Angebot, Sex- oder Katastrophentourismus… völlig egal!

Stellen Sie sich des Weiteren vor, dass Sie nichts Wesentliches über die Menschheit wissen. Ach ja, ein bisschen über die griechische Mythologie könnte vielleicht nicht schaden. Ansonsten Sie sind völlig unvoreingenommen und vorurteilsfrei.

Und jetzt werde ich Ihnen, als vorurteilsfreiem, nichts über die Menschheit wissendem Außerirdischen mit Grundkenntnissen in der griechischen Mythologie, folgendes Szenario schildern. Und im Anschluss daran werde ich Ihnen eine einzige Frage stellen, auf die Sie dann, ohne lange zu überlegen, mit einer einzelnen Zahl antworten müssen. Es wird sich dabei um keine hohe Zahl handeln, keine Kommastellen… Keine Angst, Sie werden sich nicht blamieren. Einziges Problem: Sie müssen ganz ehrlich sein!

Es ist ein Sommertag auf dem Planeten Erde. Sie sind gerade mit Ihrem Shuttle gelandet und betrachten aus einem sicheren Versteck menschliche Wesen, die Sie bisher nur aus Ihrem Reiseführer kennen und aus den griechischen Sagen natürlich.

Aufgrund Ihrer Erfahrung mit anderen Lebensformen gelingt es Ihnen unterschiedliche Geschlechter auszumachen und Sie konzentrieren sich jetzt auf die Weibchen, die an Ihnen vorbeigehen. Da Sie eine neugierige Spezies sind, betrachten Sie die ungewöhnlichen menschlichen Formen – von vorne, von der Seite und auch von hinten. Beim Hinterherblicken stellen Sie fest, dass einige Weibchen dazu neigen, merkwürdige beinlose Kleidungsstücke zu tragen, die Sie von Ihrem Planeten nicht kennen.

Nun müssen Sie sich stark konzentrieren. Sie zoomen nah heran an dieses Kleidungsstück und stellen sich vor, dass es sich bei diesem Kleidungsstück um einen Jeansrock handelt. Knifflig… Woher sollen Sie als Außerirdischer wissen, was ein Jeansrock ist?

Ich weiß. Das klingt im ersten Moment nach einem gewissen Widerspruch. Sie müssen jetzt ganz kurz auf ihre menschliche Matrix zurückgreifen, Ihre Bilddatenbank öffnen, ein entsprechendes Bild kopieren und auf Ihre imaginäre Leinwand projizieren, die Sie sich nun wiederum als Außerirdischer anschauen können. Klar? – Das klingt für Sie als Mensch womöglich komplizierter, als es ist, denn zum Glück ist es für Sie als Außerirdischen technisch betrachtet quasi ein Außerirdischen-Kinderspiel, also überhaupt kein Problem, diesen Zugriff auf Ihr menschliches Wirtshirn zu realisieren. „Prism“ ist ein Fliegenschiss gegen Ihr außerirdisches Hackervermögen.

Sie sehen jetzt deutlich diese Frau in einem Jeansrock – von hinten! Konzentrieren Sie sich auf diesen Anblick. Denn wir kommen dem entscheidenden Moment näher. Gleich wird die Frage kommen, die Sie als unvoreingenommener Außerirdischer mit wenig Wissen über die menschliche Physiognomie spontan und ehrlich beantworten sollen.

Konzentrieren Sie sich! Haben Sie jetzt die Silhouette eines Jeansrockes auf ihre innere Leinwand gebrannt? Fokussieren Sie! Die Frage an Sie als Außerirdischen lautet: Wie viele Pobacken hat dieses Wesen? Und Ihre Antwort muss „Eine!“ lauten. Richtig! Mit einem selbstverständlichen Schulterzucken: „Natürlich eine! Wie viele denn sonst?“ Denn schauen Sie sich doch mal diese Hinternform an, wie sie sich in diesem Jeansrock präsentiert! Deutlich sehen Sie diese einheitliche Fläche – ohne wesentliche Konturen – ohne Senkungen zwischen links und rechts… Das, was dort in diesem Jeansrock wohnt, das ist ein einziges Wesen.

Und Sie erinnern sich noch gut an Ihren frühkindlichen Mythologieunterricht und daher vermuten Sie, worum es sich bei diesem Wesen handeln könnte… Nein, Sie sind sich sicher, worum es sich bei diesem Wesen handeln muss: um einen Zyklopenarsch!

Nun kommen wir zur Toleranzphase: Die Zyklopenarschtheorie mag im ersten Moment sexistisch oder frauenfeindlich klingen. Aber das ist sie gar nicht. In erster Linie ist sie nicht frauen- sondern jeansrockfeindlich. Das gebe ich zu! Aber das soll sie auch sein. Zurecht ist sie jeansrockfeindlich! Und ich gehe noch weiter: Jeder Frauenhintern sollte einen Jeansrock als seinen natürlichen Intimfeind betrachten. Denn es ist doch schrecklich und zutiefst bedauerns- und beklagenswert, was Jeansröcke etwas derart Attraktivem wie einem Frauenhintern antun können. Und die betroffenen Hintern, über die ich hier rede, sind hübsche, wohlgeformte, mitunter knackige Exemplare, ursprünglich bestehend aus zwei (!) Pobacken, die wie Ying und Yang nur gemeinsam ein sinnvolles Ganzes ergeben.

Und Frauen sollen ruhig weiterhin sagen: „Aber so ein Jeansrock ist total praktisch!“ Und ich zeige mich tolerant. Sollen sie das hundert Mal sagen. Und ich werde hundert Mal antworten: „Aber es sieht scheiße aus!“ – Ohh! Buhh! Böser Mann! – Aber das ist doch Blödsinn. Ich will den Frauen gar nichts Böses – im Gegenteil. Mit der Zyklopenarschtheorie geht es doch um Aufklärung. Ich möchte die Welt verbessern und sie nachhaltig von Jeansröcken befreien.

zyklopenärsche auch in colombia!!!
zyklopenärsche auch in colombia!!!

in den Norden, Teil 2

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In den Norden, Teil 2

Für alle, die schon mal auf den Lofoten waren, muss ich das ja nicht erklären… Für alle anderen: die Lofoten sind echt übertrieben!

Wo man hinschaut, überall steile Berge, die sich majestätisch und angeberisch ins Meer stürzen, hier Klippen mit vorgelagerten Inselchen, die sich klug Schären nennen, dort weiße Sandstrände. Oder anders ausgedrückt: eine fürchterlich eingebildete Landschaft, die sich ständig feiern lässt. Kleine Fischerdörfer mit rot angepinselten Holzhäusern hineingeschmiegt in natürliche Buchten gesäumt von Felswänden, ständig wechselnde Wetter mit einer unerträglichen Regenbogendichte und übertriebenen Sonnenuntergängen, sofern die Sonne nicht völlig aufs Untergehen verzichtet (Mitternachtssonne!). Wenigstens das wurde uns erspart, da wir zu spät im Jahr dort waren.

Mit anderen Worten: es war großartig! Aber schon irgendwie schon übertrieben…

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Nach einer sehr schönen Woche auf den Lofoten verabschiedeten Frauke und ich uns von unseren Eltern. Die zurückliegenden Tage waren wie eine Reise in die eigene Vergangenheit gewesen. Mein Vater könnte mir genau sagen, wie oft wir gemeinsam in Norwegen waren. Ich weiß die Zahl nicht. Meine gesamte Kindheit! Aber nun nach so langer Zeit nochmals zusammen hier zu sein, war schon ein tolles Familienerlebnis. (Mutter kannst du dem Vater bitte sagen, dass das als Ausdruck meiner Zufriedenheit und als Kompliment an die Reiseleitung zu verstehen ist!)

Mit einem putzigen Flugzeug ging es von Svolvaer (sehr übersichtlicher Parkplatz äh Flugplatz) nach Bodö!

Von Bodö weiter nach Oslo, wo ich noch ein paar schöne Tage mit meiner allerliebsten Schwester und meinen norvuegos-chilenos Hermanos verbrachte – inklusive einer tollen, geigenträchtigen Hochzeitsfeier!

Kurzer Zwischenstopp in Stuttgart! Und dann geht’s aber so richtig los!!!

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Herr Boe mit Schwester auf den Lofoten!

Klobuerste

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Der Tag, an dem mir beinahe der Kopf abgerissen wurde

Oder einfach: Die neue Klobürste!

Während meines Studiums wohnte ich eine Zeitlang in einer 7er-WG, was man sich wie das Leben in einer sonstigen WG vorstellen kann – nur schlimmer! Schlimmer durchaus auch im positiven Sinne. Denn es war immer etwas los. Irgendjemand hatte immer gerade etwas zu feiern, um Anlässe waren wir nie verlegen: Geburtstage, Besuche, bestandene Prüfungen, nicht bestandene Prüfungen, Semesterende, Semesteranfang, sogar christliche Feiertage wurden schamlos missbraucht… was auch immer!

Aber er war besonders im negativen Sinne schlimmer, weil es kaum bessere Gründe gibt, sich erfolgreich in die Haare zu geraten, als zusammenzuwohnen. Unterschiedlichste Interessen, (Ess-) Gewohnheiten, Hygienevorstellungen (, was oft auf dasselbe heraus­kommt), Haarlängen, (Musiklautstärken, Nachtaktivitätsgrade,) Urinierverhalten, ja gar Geschlechter prallen mitunter recht schwungvoll aufeinander. – Die charakteristische Diversität oder Artenvielfalt einer WG machen ihren Reiz, aber auch ihre Reibung aus. Penibel, pragmatisch, pubertär, gleichgültig, herrschsüchtig, zickig, beschwichtigend, provozierend, (stutenbissig) oder gar erzieherisch… Ein Molotovcocktail der Gefühle!

Die Sprengkraft dieser bunten Mischung steigt mit der Bewohnerzahl n, was ein mathematisches Phänomen ist, wie mir einer meiner Mitbewohner, ein Mathematikstudent, (einmal) vorgerechnet hatte. Allerdings steige diese Sprengkraft nicht unendlich, sondern sie kippe ab einer gewisse Zahl wieder ab. Er begründete dies so, dass die der Reibung zur Verfügung stehende Oberfläche einer jeden Person begrenzt sei. Das heißt, dass bei „n“ gleich 7 eine gewisse Sättigung eintrete und die anstehenden Konflikte nicht mehr optimal emotional ausgelebt werden könnten. Und damit sinke der PPSKK, der potenzielle Personensprengkraftkoeffizient. Aber genug dazu! Sollen sich damit unterbeschäftigte Mathematik-Nerds auseinandersetzen…!

Kommen wir zu dem Tag, an dem ich die potenzielle Sprengkraft unserer WG testete – mit maximalem Erfolg. Meine gute Tat des Tages war es gewesen, eine neue Klobürste für die WG zu besorgen. Unsere alte war – gelinde gesagt – ziemlich benutzt. – Als ich meinen Kauf im Klo austauschte, bemerkte ich, dass es sich bei der neuen und der alten um sehr ähnliche, kaum zu unterscheidende Modelle handelte. Und in diesem Moment ritt mich das Teufelchen! Eine kleine, aber gemeine Idee durchzuckte mein Gehirn und verlangte nach sofortiger Umsetzung, bevor irgendwelche Konsequenzen oder gar mögliche Personensprengkraftkoeffizienten ermittelt werden konnten.

Noch bevor mich ein Mitbewohner mit der neuen Bürste gesehen hatte, war ich in der Küche, hatte die Spülmaschine geöffnet, die neue Bürste im Geschirr platziert, die Maschine wieder geschlossen und den Spülvorgang gestartet. Pfeifend verließ ich die Wohnung und machte mich auf den Weg in die Uni.

Als ich abends nach Hause kam, brannte die Hütte! Die WG war vollzählig um den Küchentisch versammelt. Meine fröhliche Begrüßung löste eine neue Eiszeit aus, was in Zeiten der Klimaerwärmung womöglich eine metaphorische Fehlbesetzung ist. Aber jegliche Mimik um den Tisch war eingefroren. Nicht einmal Chris, dem eigentlich gar nichts zu peinlich oder zu dumm war und der immer unpassende Kommentare unters Volk streute, zuckte nicht mit dem Mundwinkel. – „He! Was ist los? Hat die Mensa die Preise erhöht?!“ Ein anderer Ausdruck für: „Ein plötzlicher Todesfall…?!“ – Als Antwort hielt mir die ohnehin etwas spaßfreie Miriam die Klobürste unter die Nase: „Sagt dir das etwas…?!“ – „Kann sie denn sprechen?“ – Chris rutschte aus Versehen ein Kichern heraus, wurde aber durch einen Blick der Kategorie „Ja zur Todesstrafe!“ zum Schweigen gebracht. Auch Manuel machte keinen amüsierten Eindruck: „Das hier ist echt nicht witzig!“ – „Was ist nicht witzig?“ – Miriam wedelte mit der Klobürste. „Das hier! Die war in der Spülmaschine!“ – „Ach!“ – Frostiges, tötendes Schweigen schlug mir entgegen! Spaßbereitschaft sah definitiv anders aus! Offensichtlich hatten schon alle anderen WG-Bewohner glaubhaft eidesstattliche Versicherungen abgegeben, nichts mit dieser Klobürstennummer zu tun zu haben. – Da blieb wohl nur noch ich übrig!

Ich schnüffelte an der Klobürste, die sich noch immer direkt vor meiner Nase befand: „Naja! Zumindest ist sie jetzt mal wieder richtig sauber!“ – Eines der heutzutage selten eintretenden Wunder sorgte dafür, dass meine Mitbewohnerin Miriam in diesem Moment nicht platzte, obwohl alle physikalischen Anzeichen daraufhin deuteten. „Du… du… du… du bist echt das Letzte!“ stammelte Miriam schließlich kaum hörbar hervor. Ehrlich gesagt, ich genoss dieses absurde Szenario. Es handelte sich um eine sogenannte „Fun-Omega-Situation“, die gerne mit „Schluss mit lustig“ übersetzt wird und ich besaß den Schlüssel, um die Hintertür (aus) dieser ausweglosen Lage zu öffnen.

Nachdem ich mich also wirklich gründlich versichert hatte, dass es sich bei unserer Küche um eine garantiert 100% humorbereinigte Zone handelte, versuchte ich mich auf einem fremdem Terrain: der Deeskalation! – Ich verzichtete auf Humor und gestand, jawohl, die Bürste in die Spülmaschine gesteckt zu haben und fügte, ganz ohne dramatische Pause, hinzu, dass es sich dabei aber um eine neue Klobürste handele und ausdrücklich nicht um unsere alte! – Weiterhin eisiges Schweigen. In den Blicken meiner WG-Genossen war keinerlei Erleichterung zu spüren, kein Aufatmen, kein Auflösen der Spannung!

Man glaubte mir nicht! – Miriam sprach den Gedanken aller aus: „Sicher!“ – Auch ein bekräftigendes „Ja, ehrlich!“ konnte die Geschworenen nicht überzeugen! Ich war ein ekliges, dummes Schwein, das die versiffte, Scheißetriefende Klobürste mit dem übrigen Geschirr in die Spülmaschine gesteckt hatte. – Ich war überführt, verurteilt und musste nur noch meine gerechte Strafe über mich ergehen lassen: die Entziehung sämtlicher Menschenrechte war vermutlich nur der harmlose Teil davon!

Meine politische Erkenntnis daraus war, dass demokratische Prozesse innerhalb einer WG recht schnell zu einer Abschaffung der Gewaltentrennung und vermutlich im nächsten Schritt zur Todesstrafe führen. Was in meinen Augen eindrucksvoll beweist, dass Demokratie eine weitestgehend überschätzte Angelegenheit ist.

Ihr glaubt mir nicht?“ – Blicke sagen mehr als Worte. „Ähm, was ist mit der Unschuldsvermutung?“ – „Pah!“ machte ausgerechnet Manuel, unser wertekonservativer Jurastudent, und ich machte mir eine gedankliche Fußnote, mal ein klärendes Gespräch mit seinem Juraprof zu führen.

Bettina, die bisher noch nichts gesagt hatte, räusperte sich: „Okay! Wenn das hier eine neue Klobürste ist, wo ist dann die alte? Auf dem Klo ist sie nämlich nicht…“ – Bettina musste sich einige missbilligende Seitenblicke gefallen lassen. „Naja, die alte habe ich weggeschmissen!“ – „Soso!“ Miriam natürlich: „Weggeschmissen…!“ – „Ja, weggeschmissen! Ich weiß nicht, ob du sie dir gewöhnlich einrahmst…? Aber ich werde sie, um euch alle zu beruhigen, wieder aus dem Müll holen! Und zwar jetzt gleich, bevor es zu selbstjustiziablen Übergriffen kommt.“ Ich nickte in die Runde und machte mich auf den Weg zu den Mülltonnen, wurde aber von Manuel gestoppt. „Keine Tricks!“ raunte er mir zu. – „Was…?!“ Ich verstand nicht ganz, worauf er hinauswollte. „Keine Tricks!“ – Was guckte der denn für Filme? Damit sollte er dringend aufhören. Ich wiederholte für Manuel langsam und deutlich: „Ich gehe jetzt runter und hole die Klobürste aus dem Müll!“ – „Gut, und ich komme mit!“ – Auf diese Weise lernte man seine Mitbewohner mal von einer ganz anderen Seite kennen. Manuel begleitete mich also auf meinem Weg zu den Mülltonnen und ich konnte es mir dieses Mal nicht nehmen lassen, ihn noch ein wenig vorzuführen. Ich sah also zuerst in der falschen Mülltonne nach und begann, begleitet von einigen nervösen „Das gibt’s doch gar nicht!“, in ihr zunehmend hektisch herumzuwühlen. Nachdem Manuel mein merkwürdiges Treiben einige Momente beobachtet hatte, erhob er hämisch seine Nase: „Na…?! – Ist sie nicht mehr da? – Wahrscheinlich geklaut worden, was?!“ – „Äh, ja, äh, vielleicht hat sie jemand, äh, in die andere Mülltonne getan…!“ – „Sicher! Schwer davon auszugehen! – Warte, ich schau mal für dich nach!“ – Herrlich!

Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie Manuel die Kontrolle über seine Gesichtsmuskulatur verlor, als er die Klappe der Mülltonne öffnete und gleichzeitig seine eigene zu Boden fiel. Denn dort war sie! Die alte, versiffte Klobürste! „Wie wär’s jetzt mit einem kleinen Lächeln?“ – „Du Arsch!“ – Naja, oder so! Ich klopfte ihm auf die Schulter: „Ich geh dann mal wieder hoch. Magst du die Bürste mit hochnehmen? Ich glaub, Miriam wollte sie sich noch einrahmen!“

Haben solche Geschichten nicht immer eine Moral? Ich glaube, ich habe gelernt, mich nicht mehr ausschließlich den Ideen meines Teufelchens hinzugeben, zumindest nicht völlig unreflektiert. Des Weiteren, erkenntnistheoretisch, eignet sich, meines Erachtens, dieses Klobürstenexperiment ausgezeichnet dafür, um die Mitbewohner einer WG besser kennenzulernen, auch was demokratische Prozesse angeht. Man sollte sich dabei bewusst sein, dass Experimente scheitern können. Aber dieses Scheitern kann schließlich auch als Chance betrachtet werden.

Die konkreten Folgen für unsere WG waren, dass kurze Zeit später Manuel und Miriam ausgezogen sind. Die beiden sind übrigens seitdem zusammen und ich weiß bis heute nicht, wen von beiden ich dafür beglückwünschen muss.

Von allen übrigen Beteiligten wird inzwischen herzlich über diese Geschichte gelacht. Und Chris nimmt seither auf jede WG-Party, auf die er geht, in seinem Rucksack eine neue Klobürste mit und warte auf den unbeobachteten Moment, sie in der Spülmaschine zu verstecken, was zur Folge hat, dass er sehr lange auf den Partys bleiben und dort viel trinken muss, da es auf WG-Partys kaum unbeobachtete Momente in einer Küche gibt, da sich dort, bekanntlich, immer die meisten Menschen aufhalten.

Na, und wenn Euch mal langweilig in Eurer WG ist, wisst Ihr jetzt ja, was zu tun ist!

In den Norden, Teil 1

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In den Norden, Teil 1

Vor 2 Wochen ging’s zum ersten Mal los! Ich hatte ein tolles Frisbee-Wochenende mit „quattro stazioni“ am Strand von Warnemuende: viel Sonne, Strand und nette Leute, sodass es mit ein bisschen Wehmut weiterging. Mein letztes Frisbeeturnier fuer lange Zeit (naja, zumindest in Europa).

Am Sonntagabend hab ich mich mit meinen Eltern getroffen, mit denen es am folgenden Morgen per Fæhre nach Trelleborg/ Schweden ging. Die Aufgabe fuer die folgenden Tage war es, so schnell wie møglich mit dem Wohnmobil in Richtung Norden zu gelangen. Ziel: die Lofoten, knapp 2000 km entfernt.

Næchster richtiger Halt war Steigen, Inselgruppe unweit der Lofoten, wo wir meine Schwester Frauke bei einem Freund, Vegard, einsammelten. Dort hatten wir einen tollen Tag. Ich habe gelernt, dass die Nordnorweger nicht Fisch „angeln“ sondern Fisch „holen“. Es geht das Sprichwort um: „Setz schon mal Kartoffeln auf, ich geh grad mal Fisch holen!“ – Æhnlich schnell ging es dann tatsæchlich. Praktischerweise hængen an der Angel gleich mehrere Haken, sodass sich die Fische, Seelachs in diesem Fall, nicht um die Haken streiten muessen. Genauer gesagt war es meine Aufgabe, den Fisch zu holen, wæhrend Vegard und Frauke mich breit angrinsten und voller Stolz ihre Frischgruende præsentierten. Und der Stolz war vøllig gerechtfertigt, wie die fette Beute belegen sollte.

Nach einem grossartigen Abendessen lernten wir noch den Hottub der Familie kennen. Ein mit Meerwasser gefuellter und Holzofen beheizter Jacuzzi, ein typisches norwegisches Mobiliar, das in Deutschland, vøllig zu unrecht, weitestgehend unbekannt sein duerfte. So sassen wir bis spæt in die nicht dunkel werdende nordnorwegische Nacht (nørdlich des Polarkreises) in bis zu 42 Grad heissem Wasser mit Wein und Aussicht auf Fjord und Lofoten. Herrlich!

Am Tag darauf ging es dann weiter auf die Lofoten!

Mehr demnæchst!

DSC00292 Herr Boe beim „Fisch Holen“DSC00335 DSC00361