isla holbox

Fundstücke aus Fernwest – Schwimmen mit Walhaien

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstück – Schwimmen mit Walhaien

Dies wird wohl eine von diesen Geschichten, die auf Witz oder Ironie völlig verzichten, was mir schon bei dieser Einleitung ein bisschen wehtut. Aber ich muss dennoch darüber berichten. Denn es war einfach großartig. Das muss dieses Mal einfach reichen!

Ich war nämlich auf der Isla Holbox und hier ist gerade Walhai-Saison. Zwischen Juni und September durchkämmen die Walhaie, die größten Fische des Planeten, nämlich die hiesigen Krillgründe. Und das ist DAS Highlight dieser kleinen Insel. Abgesehen davon handelt es sich um ein paradiesisch-idyllisches Eiland, wo man Meeresfrüchte isst und mit einem Cocktail in der Hand auf Sonnenuntergänge wartet. Damit kriegt man schon ein paar Tage rum, sofern man auf Meeresfrüchte und Cocktails steht! Sonnengänge haben ohnehin weltweit die besten Umfragewerte.

Aber eigentlich ist Isla Holbox eine monothematische Walhai-Insel. Und das reicht auch! Denn das Schnorcheln mit den Walhaien ist einfach phänomenal. Neben diesen Riesen, die friedlich und gemütlich an der Meeresoberfläche „äsen“, begleitet von Hunderten kleiner Fische, die sich um die Krillabfälle kümmern, sich vor ihren Fressfeinden verstecken oder mit ihrem coolen großen Bruder angeben wollen, ja… und daneben paddel ich und kann meinem Walhai direkt aus zwei Metern ins Maul, ins Auge, in die Kiemen schauen. Dem Fisch selbst scheint das ziemlich egal zu sein.

Dreimal darf ich mit dem Fisch ins Wasser, der trotz eifrig wechselnder Badegesellschaft, denn es kreisen mehrere Boote mit Touristen um die Tiere, keinerlei Beschwerden äußert oder einfach das Weite sucht. Naja, so scheint es dem Laien zumindest und ich hoffe, dass den Tieren dadurch kein zu großer Stress entsteht. Aber wer weiß…?

Großartig war es in jedem Fall und eine spannende Abwechslung zu den in meinen Augen völlig überbewerteten Sonnenuntergängen!

DSC00062
Walhai im Anflug
DSC00069
DSC00082 Bereitmachen auf der Bootskante! Und nichts wie rein und hinterher!
DSC00058
Walhai beim Aesen an der Meeresoberflaeche! Es ist Krillsaison!

Fotolovestory aus dem Paradies

Gepostet am Aktualisiert am

Fotolovestory aus dem Paradies
Theaterstück für 4 Personen und 1 Zuschauer.
Isla Holbox ist ein Strand gewordenes Paradies, genau das Richtige für Verliebte. Schon gestern war ich auf meiner Walhai-Safari mit einem mexikanischen Pärchen unterwegs, das gerade auf seinem „Luna de Miel“-Trip (zu deutsch: Honigmond-Trip) war.

Gerade Platz genommen. Kann losgehen!
Gerade Platz genommen. Kann losgehen!

Und heute bin ich am Strand vor meinem Hotel, hab gerade einen großartigen Schattenplatz bezogen, als ich lautes, ironisches Männergebrüll höre. So richtig mehrfach übertriebenes Geschimpfe, wie wenn man sich unter Freunden und im Spaß als Hurensohn, Hackfresse oder ähnliches beschimpft.
Ich schaue auf und erkenne sofort den erregten Typen an seinem Ganzkörper-Ausdruckstanz. Allerdings schreit er keinen Mann sondern drei Frauen an, die gerade am Strand auftauchen. Aha! Und auch ohne großen mexikanischen Schimpfwortschatz wird die Deftigkeit seiner Brüllattacke deutlich. Und von wegen ironisch…! Inzwischen kann ich auch eine klare Adressatin unter den drei Frauen ausmachen: wohl seine Freundin, die arme. Ich weiß zwar natürlich nicht genau, was sie Schreckliches verbrochen hat, aber so ein Rumpelstielzchen hat niemand im Paradies verdient. Nicht mal die Schlange persönlich!
Aber schön, dass sie sich das nicht gefallen lässt, sondern ordentlich zurückschießt. Ihre beiden Freundinnen versuchen es sich unterdessen, am Strand gemütlich zu machen. Sofern es denn möglich ist, Gemütlichkeit mitten in einem unter heftigen Beschuss stehenden Schützengraben dramaturgisch glaubwürdig zu inszenieren. Und da die Freundin offensichtlich ihre/n Fehler nicht einsieht, eskaliert der Typ munter weiter. Schließlich schmeißt er sein ganzes Zeugs, Strandtasche, Rucksack, Decken…, fluchend und in großräumigen Bewegung schön nacheinander vor ihre Füße. Schade aus dramaturgischer Sicht, dass sich nichts Zerbrechliches oder Explosives darin befindet. Danach stapft er, (als hätte ihm der Regisseur zugerufen: Mehr! Mehr!) lauthals fluchend und großspurig rudernd, am Strand davon! Gerade mal 50 Meter! Was mir irgendwie ziemlich lächerlich erscheint. Seiner vorgeführten Wut hätte eher ein Marathonlauf entsprochen.

DSC00134
Die drei Mädels vorne, 50 Meter dahinter der Mann alleine im Sand!
DSC00136
Menno!!! Das Leben ist doof!

Er setzt sich in den Sand und verbirgt sein Gesicht, wie ein schmollendes Kleinkind, zwischen den Knien. Und wartet! Pause, Vorhang!
Vorhang zieht auf. Er in gleicher schmollender Pose, wartend. Auf Godot und wir wissen, das kann dauern! Oder vielleicht doch eher auf die Freundin, die endlich ihre Fehler/ Unpünktlichkeit/ generelles Versagen/ mangelnde Feinfühligkeit einem sensiblen Mann/Künstler gegenüber/ oder was auch immer/ einsieht und zu ihm kommt, um sich artgerecht zu entschuldigen?
Sie hingegen sitzt bei ihren Freundinnen, unterhält sich munter und hinterlässt keinen besonders schuldbewussten Gesamteindruck. Na, wann geht sie endlich? fragt sie der interessierte Zuschauer (ich!). Nach einer laaangen Viertelstunde (Widerspruch zwischen Echtzeit und gefühlter Zeit) steht ER schließlich auf – sie kommt ja nicht -, geht zurück und stellt sich ein Stück neben die sitzende Frauenrunde. Und schmollt mit verschränkten Armen weiter.

DSC00137
Immer noch schmollend…
DSC00138
… endlich steht sie auf… und es gibt doch wieder Streit
DSC00141
Die beiden Freundinnen verschwinden ins Wasser!
DSC00144
Ohhh wie süß!

Nach einer übertrieben langen und ebenso symbolträchtigen Pause, steht sie schließlich auf und stellt sich zu ihm. Na, endlich! Aber der Streit geht direkt weiter. Die beiden anderen Frauen zeigen Feingefühl (oder haben die Schnauze voll) und gehen eine Runde ins Wasser. Und tatsächlich setzt sich das Pärchen hin und redet ruhig. Kurz darauf lehnt er (heulend?) an ihrer Schulter. Ohh wie süß! will ich gerade schluchzen. Aber! Sie äußert wohl ein falsches Wort und schon springt er wieder an wie ein frisch geschmiertes Mofa. Er drückt sich explodierend aus dem Sand, während gerade die Mädels aus dem Wasser zurückkommen, und rumpelt und stielzt, als gäbe es kein Morgen.

DSC00148
Abgang! Vorhang! Applaus!

Möglichst umständlich und einzeln sammelt er seine Siebensachen ein und stapft los, dieses Mal weg vom Strand. Die drei Frauen folgen ihm mit gebührendem Abstand. Alle ab! Während der Vorhang fällt erklingt das Lied „Keine Sterne in Athen“ von Stefan Remmler (in einer geilen Version mit LaBrassBanda) mit der wundervollen Textzeile „Ich hab den Urlaub nicht gewollt. Du hast gesagt, es müsse sein!“ Aus dem Off schwebt eine Gedankenblase über den Mann: „Honeymoon mit Brautjungfern klingt irgendwie geiler als in echt!“
Vorhang! Ende! Applaus (von mir)!