Gier versus Neid

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Gier versus Neid

Zwei Todsünden im ultimativen Endfight! Wer ist die größere Drecksau? Wer setzt sich beim moralischen Schlammcatchen durch? In der roten Ecke: der Neid, in der blauen Ecke: die Gier! Wer ist der größere Schurke?
Okay, beides sind Arschlöcher! Muss man da noch differenzieren? Ich meine: Ja! Denn einem der beiden wird, meines Erachtens, in der medialen Betrachtung viel mehr Be- und Verachtung geschenkt als dem anderen. Und die interessante Frage ist: Wenn schon beide Arschlöcher sind, warum redet man nur über den einen?!
So wird die Neiddebatte immer wieder gerne in den Ring geführt, wenn es um Forderungen nach mehr Gleichheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geht. Von einer öffentlichen Gierdebatte hingegen habe ich bisher noch gar nichts mitbekommen. Komisch eigentlich…! Bei Google erhält man für den Suchbegriff „Neiddebatte“ 278000 Treffer, für „Gierdebatte“ sind’s gerade mal 1550, mit der freundlichen Nachfrage: „Meinten Sie Bierdebatte?“ (Immerhin liegt der vorliegende Artikel bei der Google-Anfrage auf Platz 1!)
Zumindest ich finde den Zusammenhang zwischen Gier und Neid ganz interessant und mich wundert ein wenig, warum es sonst niemanden zu interessieren scheint und es niemand deutlich formuliert. Denn ist es nicht so, dass gerade die zügellose Gier einiger weniger zu einer immer größer werdenden Ungleichheit in unserer Gesellschaft führt und genau damit der Neid erst richtig angefeuert wird?

Denn Neid ist nicht bloß als bösartige Missgunst zu bewerten. Sie ist oft einfach Ausdruck von offensichtlich ungerechten Lebensverhältnissen.
In einer Gesellschaft mit Chancengleichheit und geringen sozialen Unterschieden ist der Neid, da ihm der Nährboden fehlt, schwächer ausgeprägt. Aber bei wachsender Ungleichheit, beim Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Unten und Oben, wächst und gedeiht auch der Neid.
So ist der Neid keineswegs das Übel selbst, sondern lediglich eine menschliche Reaktion auf das Übel, nämlich auf eine, von der Habgier angetriebene, auseinander driftende Gesellschaft. Und so lange den Gierigen und Vermögenden unserer Gesellschaft seitens der Politik weiterhin Geschenke gemacht werden (Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Höchststeuersatz, Kapitalertragssteuer; um mal die bekanntesten Geschenke zu nennen), wird sich an der Situation nichts verändern.
Das Vermögen hat mehr politischen Einfluss und dieser Einfluss wird durch die unstillbare Habgier nach noch mehr geleitet. Und das derzeit mit großem Erfolg, wie obige Reformen eindrucksvoll beweisen. Die Vermögen in Deutschland haben sich in den letzten, gerade mal 17 Jahren übrigens verdoppelt!
Hmm… Irgendwie ganz schön einfach und ganz schön eklig zugleich, dass das quasi widerstandslos und alternativlos funktioniert.

Also bitte: Wir brauchen keine Neiddebatte, wir brauchen dringend eine Gierdebatte!

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Auch heute geht es wieder nicht um Gemüse!

 

Erbschaftssteuervermeidungsreform

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Erbschaftssteuervermeidungsreform

Wozu darf man eigentlich „Reform“ sagen? Ist das ein geschützter Begriff? Gibt es da irgendwelche internationale oder moralische Standards? Oder kann ich mir einfach diese rhetorischen Sperenzchen als Einleitung sparen?
Auch eine interessante Frage: Wem dient diese unsere Regierung eigentlich, wenn sie schon nicht uns dient? Und mit uns meine ich, um Missverständnisse auszuräumen, nicht mich, da ich diese Regierung nicht gewählt habe, sondern diejenigen, die sie gewählt haben. Aber auch das sind natürlich alberne Spitzfindigkeiten!
Wie hat in diesem Zusammenhang Volker Pispers schon so treffend formuliert: Versuchen Sie mal, eine Politik durchzusetzen, von der 90% der Bevölkerung profitieren. Dafür finden Sie in Deutschland einfach keine Mehrheit!
Witzig, traurig und leider richtig! Und wir können so sehr darüber lachen und oder weinen, es scheint leider, dass eine Änderung dieser Politik nicht in Sicht sei.
Da kann Siggi Gabriel schon wahlkämpferisch ankündigen, die „soziale Gerechtigkeit“ im nächsten Wahlkampf zu exhumieren… Wer soll ihm das schon abkaufen, unserem TTIP-Siggi, wenn er mit seiner SPD Millionärswohlfahrtsgesetze wie gerade bei der Erbschaftssteuer erlässt? Geht’s noch SPD? Da dreht sich sogar die FDP im Grabe um. Denn die FDP braucht jetzt wirklich niemand mehr, wenn so dummdreiste Gesetze ganz ohne sie durchgedrückt werden. Denn mehr Klientelpolitik geht ja nun wirklich nicht. Dafür braucht man noch nicht mal Verschwörungstheorien.
Da kann man jetzt nur auf die Grünen und die Linken hoffen, um diesen Scheiß im Bundesrat zu entsorgen. Ansonsten muss es wohl mal wieder Karlsruhe richten.
Schon irgendwie peinlich das Ganze. Aber, naja, was haben wir denn anderes erwartet…?!

TADAC – „Throw and Drink and Catch“

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TADAC – „Throw and Drink and Catch“

Update mit Selbstversuch (Video siehe unten!)

Das bekannteste Marburger Frisbeeturnier der Welt steht vor der Tür: das 4ferkel! Glückwunsch schon im Vorfeld an alle Teilnehmer. Sorry für alle, die nicht kommen (können/dürfen/wollen).

Da es die 15. Auflage dieses Megaknallers ist, wird es wieder großartige Aktionen geben. Aber ich möchte hier gar keine Werbung machen (das haben Aldi und das 4ferkel ja nicht nötig), sondern lediglich vollmundige Versprechen.

Denn endlich nach Jahrzehnte langem ermüdenden, wenngleich hochklassigen „Stubby-Guts-Marathons“, das im übrigen weltweit nach den Marburger Standardregeln ausgetragen werden sollte, gibt es auf dem diesjährigen 4ferkel etwas Neues aus dem Köcher der Wurf-Trink-Disziplinen: „Throw and Drink and Catch“ oder kurz „TADAC“.

Die Spielbeschreibung ist denkbar einfach: Man haut die Frisbeescheibe so weit wie möglich in den Himmel, trinkt gemütlich ein Bier und fängt die Scheibe danach wieder. Fertig! Ganz so einfach wie die Beschreibung ist die Umsetzung leider nicht, aber um so spektakulärer, wenn’s klappt (siehe Video unten). Für die Durchführung empfehle ich ein handelsübliches Meer mit richtungsstabilem Wind. Zur Übung, falls gerade weder Meer noch starker Wind zur Hand, empfehle ich DDC- oder Guts-Scheiben, die bei schwächerem Wind aufgrund des geringeren Gewichts bessere Segeleigenschaften aufweisen und so eine längere Hangtime (Zeit, die die Scheibe in der Luft hängt) und damit längere Drinktime  (Zeit, die äh…, erklärt sich von selbst) ermöglichen.

Aber damit es klappt, muss schon einiges stimmen: Wind-, Wurf- und Trinkbedingungen müssen hinhauen. Klingt doch nach einer guten Aufgabe für alle 4ferkel-Freunde. Und so habe auch ich schon eifrig Wurf- und Trinkskills trainiert, wenngleich bisher noch getrennt voneinander. Es waren etliche erfolgversprechende Würfe dabei. Mit genug Hangtime, um mehrere Biere zu trinken (und sich zwischenzeitlich in die Hängematte zu hängen), sodass ich hoffnungsvoll und mit viel Vordurst aufs 4ferkel schaue, um dort krass zu performen.

 

Selbstversuch von Herr Boe auf dem Tempelhofer Feld. Sorry, das Bier war nur noch halb voll (ein Fehlversuch vorher!). Aber allemal besser, als wenn es halb leer gewesen wäre!

Stubby Guts ist bekannt. TADAC – „Throw and Drink and Catch“ – noch nicht so. Dies gilt es zu ändern! Also trainieren, Freunde!

Hier noch der Link zum Motivations-Video:

Fluchtwege bekämpfen

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Fluchtwege bekämpfen

Falschmeldung! Wie letzte Woche bekannt wurde, handelt es sich bei der Nachricht, die Bundesregierung wolle die Fluchtursachen bekämpfen, um eine Falschmeldung! So oft war davon die Rede, dass auch Herr Boe auf diese Nachricht reingefallen ist (vgl. https://tommiboe.com/2016/06/03/fluchtursachen-bekaempfen-am-arsch/).
Jetzt ist aber deutlich geworden, dass die „europäische Wertegemeinschaft“ (Klingt, wenn man es ein paar mal wiederholend vor sich hin murmelt, irgendwie lustig und traurig zu gleich, letztlich aber doch eher traurig…) nun doch nicht, wie vielfach kolportiert, Fluchtursachen, sondern aus pragmatischen Gründen doch bloß Fluchtwege bekämpfen will. Die böse, hinterhältige Balkanroute hat sich mit dem Türkei-Deal ja bereits hervorragend bekämpfen lassen.
Und wenn man endlich einmal Erfolg in der Flüchtlingskrise hatte, muss man dieses Erfolgsprinzip am besten gleich auf andere Fluchtwege ausweiten. Und wenn man seine abendländischen Grundwerte, auf die man bisher doch so verdammt stolz war, schon beim schmutzigen Deal mit der Türkei verkauft hat, dann kann man doch auch mit diesem Prinzip gleich weitermachen und ebenfalls mit Libyen einen, sicherlich noch viel schmutzigeren Deal machen. Dass Libyen zur Zeit gar keine richtige Regierung hat, sondern von unterschiedlichen verfeindeten Bürgerkriegsparteien kontrolliert wird… Egal! Wollen wir doch nicht immer so kleinlich sein! Auch dass die Flüchtlinge in Libyen zum Teil einkaserniert und gefoltert werden… Egal!
Mit wem soll den so ein Deal ausgehandelt werden…?! Auch egal! Hauptsache ist doch, wir müssen diese schrecklichen Bilder von ertrinkenden Flüchtlingen nicht mehr sehen (und es kommen keine Flüchtlinge mehr nach Europa)! Und wer kann sich schließlich noch an das Gefasel vom Bekämpfen der Fluchtursachen erinnern? Überhaupt, wie sollte das denn gehen?! Das wäre auch wirklich etwas zu komplex!

Wahrscheinlich lassen sich die Ausgaben, die mit diesem Deal nach Libyen fließen, auch noch als Entwicklungshilfe deklarieren, sodass wir endlich unserem in den 70er Jahren versprochenen Ziel einer Entwicklungshilfe, die 0,7% von unserem BNE entspricht, ein bisschen näher kommen. Ich gebe zu, es ist zwar fies das anzunehmen. Aber noch viel fieser ist, dass es wahrscheinlich genau so kommen wird.

 

https://tommiboe.com/2016/06/03/fluchtursachen-bekaempfen-am-arsch/

hier zum Monitor-Link:

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/schmutzige-deals-100.html

Fluchtursachen bekämpfen – Am Arsch!

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Fluchtursachen bekämpfen – Am Arsch!
Jaja, schon klar…! Fluchtursachen bekämpfen! Blabla… Mantrahaft tönt das gerade aus allen Politikern. Na, dann wird wohl alles gut! Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen! Jaja… Natürlich…! Vermutlich ist das alternativlos! Oder Systemrelevant! Mannmann! Dieses hohle Phrasendreschen! Als würde sich irgend etwas Grundsätzliches ändern. Tausende ertrinken im Mittelmeer und wir schwadronieren über Fluchtursachen, die wir vielleicht demnächst, also wenn’s irgendwie möglich sein sollte, unter Umständen, jedenfalls theoretisch aber mit gutem Willen… Blabla…!
Schon in den 1970ern hat sich die Bundesrepublik dazu verpflichtet, 0,7% des BNE (Bruttonationaleinkommens) für die die Entwicklungshilfe bereitzustellen (*Anmerkung). Mensch, das ist doch nett von uns. Entwicklungshilfe klingt ja auch so lieb. Wir helfen denen – freiwillig. Weil die so arm und wir so gut sind. Man könnte das Ganze ja auch als Entschädigung bezeichnen. Dafür dass die reichen Länder Jahrhundertelang die armen Länder ausgebeutet und ihrer Bodenschätze beraubt haben. Klingt dann aber nicht mehr so nett wie Entwicklungshilfe. Wäre aber vielleicht ein bisschen ehrlicher!
2014 hat Deutschland gerade mal 0,42% des BNE für Entwicklungshilfe aufgebracht. Kann ja jeder, der interessiert ist und mit großen Zahlen umgehen kann, mal ausrechnen, was bei einem BNE von 3000 Mrd. Euro da eingespart wurde. Ach so, und in all den Jahren davor natürlich auch. Also scheiß auf Fluchtursachen!
Nur fünf Länder halten sich an ihre 0,7%-Verpflichtung. Schweden, Norwegen und Luxemburg liegen bei ca. 1%, außerdem noch die Dänemark und seit neuestem Groß Brittanien.
In Deutschland ist im letzten Jahr der Anteil immerhin auf 0,52% gestiegen. Allerdings nur, weil die Bundesrepublik die Aufwendungen für die Flüchtlinge in Deutschland mit eingerechnet hat. Das ist zwar gemäß Berechnungsregeln der OECD in Ordnung, wirkt aber trotzdem ziemlich seltsam, wenn Deutschland Entwicklungshilfe in Deutschland leistet und sich damit auch noch die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte schönrechnet.
Richtig unangenehm wird’s, wenn man gleichzeitig die Entwicklung der Waffenexporte Deutschlands betrachtet. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden Waffenexporte für 6,35 Mrd. Euro genehmigt (für 587 Mio. davon in Arabische und Nordafrikanische Staaten). Der gesamte Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung steht 2016 bei 7,4 Mrd. Euro, hat also gerade mal den Gegenwert von Stuttgart21 (konservativ geschätzt).
Worum ging’s den Politikdarstellern noch mal…? Ach ja, richtig, Waffen exportieren, um damit in den Krisengebieten die Fluchtursachen zu bekämpfen. Oder so ähnlich… Sorry, ich muss jetzt aufhören, mir wird schlecht!

0,7% entwicklungshilfe02

(Grafik: ONE DATA report 2015)

*Anmerkung: Das 0,7 Prozent-Ziel wurde 1970 von der UN Generalversammlung beschlossen. Industrialisierte Länder verpflichteten sich damals dazu, die offizielle Entwicklungshilfe für Entwicklungsländer schrittweise zu erhöhen. Sie versprachen ihr Bestes zu geben, um einen Mindestnettobetrag von 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes bis zur Hälfte des Jahrzehnts zu erreichen.

„Ihr Bestes zugeben!“ Wie zynisch geht’s denn..?!