gemüse
Adipöser Vogel verweigert Papaya-Diät
Hmm…! Vielleicht doch ein bisschen sehr reißerisch als Aufmachung für eine Geschichte über das krass einseitige Obstangebot in Sulawesi. Als Freund von Fernreisen bin ich auch Fan von solchen Märkten, die nicht mit „super“ beginnen, aber super sind. Dort spielt sich nicht nur ein wesentlicher Teil des Lebens in diesen Ländern ab, sie sind bunt, laut, abwechlungsreich und manchmal sehr gewöhnungsbedürftig (siehe Tomohon, Episode folgt), sondern es gibt dort Früchte! Plural! Viele Früchte! Großer Plural! Früchte, deren Namen ich nicht kenne, aber die ich alle probieren möchte. So kenne ich die Märkte, so sollen sie sein und so war er auch zumindest in Tomohon. Aber sonst ist Sulawesi eine Enttäuschung! Wo ist die Vielfalt der leckeren, stets gutgelaunten Früchte der Tropen? Warum fahre ich denn hier her?
Stattdessen Einfalt, genauer gesagt Zweifalt: Bananen und Papaya. Ausgerechnet Papaya! Im Ernst?!
Sechs Tage auf den Togians – traumhafte Inseln, keine Frage – gab es jeden Tag Papaya zum Frühstück, hin und wieder gemischt mit (richtig!) Banane!
Heute morgen in Tentena, Zentralsulawesi, – traumhafte Aussicht, keine Frage – gab es Banana-Pancake mit (richtig!) Papaya. Papaya ist sowas wie bei uns Zucchini. Die hören einfach nicht auf zu wachsen, bis sich der Nachbar beschwert, weil der Gartenzaun verschoben wurde. (Vgl. https://tommiboe.com/2015/03/20/zucchini-das-arschlochgemuse/)
Im Garten von unserem Hostel sitzt ein fetter Vogel im Baum, der morgens immer ganz elendig schreit. Ich hab mich schon gewundert, was mit dem los ist. Heute morgen konnte ich beobachten, wie er in seinem Baum gefüttert wurde. Er hat ein Schälchen und da kommt sein Futter rein. Daraufhin klettert er eilig runter und fängt an zu schreien, als er merkt, dass es heute auch wieder bloß Papaya gibt.
Mir geht’s beim Frühstück inzwischen ähnlich. Zumindest die Aussicht stimmt.
Ich weiß, die Geschichte erklärt nicht hinreichend, warum der Vogel so fett ist.
Bild1. Fetter Vogel
Bild2. Fetter Vogel im Papayabaum
Bild3. Mein Frühstück mit Aussicht
Bild4. Vogelfrühstück
Dein Ernst, Basilikum?!
Dein Ernst, Basilikum?!
Ihr kennt das Phänomen, alle! Man kauft im Supermarkt ein Töpfchen Basilikum mit gesunden, wohlduftenden Blättern, packt es ein und – zack – zu Hause ist das Ding tot!
Okay, das kann ja mal passieren. Ich hab auch nicht immer meinen besten Tag. Aber das mit dem Basilikum passiert einfach immer! Krasse Sache! Wie geht das? Wer kann Basilikum so programmieren, dass es genau dann kaputt geht, wenn ich es in meiner Küche aufs Fensterbrett stelle? Wie geht das?
Ich kenne das Prinzip der „geplanten Obsoleszenz“ aus der industriellen Produktion, also dass sich ein Kopierer nach einer gewissen Anzahl von Kopien geplant vom Schreibtisch stürzt und technischen Suizid begeht. Solch tragische Zwischenfälle konnte ich selbst schon beobachten und betrauern. Aber bei suizidale Gewürzen…?!
Könnte man solche ausgefuchsten Ingenieure und Fooddesigner nicht viel sinnvoller beschäftigen? Vielleicht gibt’s aber auch eine EU-Kräuter-Verordnung, wonach Basilikum nur eine Halbwertzeit von zwei Stunden haben und danach zerfallen darf. Es gibt ja die unsinnigsten Normen!
Aber ich merk schon, wie üblich, bin ich viel zu schlecht informiert!

Über die Entmännlichung des Grillens
Über die Entmännlichung des Grillens oder: Willkommen am Kastratengrill
Früher stand der Mann vor der Höhle und entfachte ein derart großes Feuer, damit auch der Nachbarclan Bescheid wusste, dass dort gerade ein amtliches Mammut gegrillt wurde. Erste Gräser wurden gesammelt und vergoren, um Bier zu brauen, und die Männer standen um das Mammut herum und redeten klug daher. Zugegeben, „klug“ ist relativ, und es wurde auch schon damals viel gerülpst und hier und da an den Eiern gekratzt. Aber auch das gehörte und gehört zum Grillen dazu. Bisher!
Letzte Woche war ich mit einem befreundeten Pärchen am See und es sollte auch gegrillt werden. Als neueste Errungenschaft wurde dort ein Lotus-Grill mitgebracht. Der ein oder andere mag jetzt gähnend wegklicken, weil er das Ding schon lange kennt. Mir hingegen war es neu. Zugegeben, ich bin nicht so der Griller! Jedenfalls wurde mir dieser rauchfreie Holzkohle-Grill als DIE Revolution überhaupt präsentiert. Und für Revolutionen habe ich mich ja schon immer interessiert.
Keine Angst, es folgt hier keine Produktwerbung (Ich bin ja kein Influencer! Deswegen fehlt an dieser Stelle auch der Link!) sondern eine kritische soziologische Auseinandersetzung über die „Entmännlichung des Grillens“.
So verspricht der Lotusgrill, dass „der Grillmeister nicht mehr abseits steht, sondern dort wo gemeinsam gegessen wird.“ Allerdings ist der Grillmeister, da der Grill ja alles alleine kann, auch weder ein Meister seines Faches noch ein Mann. Er ist austauschbar geworden. Seine über Jahrzehnte hinweg im Rauch, an der fernen Gartenkante zum Nachbarn erworbenen Fähigkeiten sind in dieser Welt nichts mehr Wert. Er ist ersetzt worden durch den/die kompetenz- und geschlechtslose/n Lotus-Griller*ix von heute. Und jetzt sitzen die Männer, die ehemaligen Grillexperten, gemeinsam mit ihren Familien am Tisch, müssen miterleben, wie plötzlich sogar ihre frisch geborenen Kinder grillen können, und denken wehmütig an früher zurück: an die Höhle und an die windige, ferne Gartenecke, wo die biertrinkenden Männer schweigend und rülpsend zusammen standen, während die Frauen Tische deckten, Gemüse schnibbelten, Tischdekorationen bewunderten und Salatrezepte austauschten.

All das, was dort am Tisch passierte, interessierte ihn nie und jetzt sitzt er selbst am Gartentisch, auf dem der tolle Kastratengrill thront, fühlt sich überflüssig und hasst sein Leben. Und so wird er noch schweigsamer, während die Frauen über den tollen Neuen schwadronieren, als wäre früher alles schlecht gewesen.
„Und schau mal, man kann den Grill sogar anfassen, ohne dass man sich daran verbrennt!“ – „Nein, toll! Und es stinkt auch gar nicht.“ – „Und Gemüse kann man auch drauf grillen!“- „Und den gibt’s auch in limettengrün!“ – „Nein! Toll!“
Dass sich die Selbstmordquote unter exgrillenden Männern signifikant erhöhen wird, ist nur ein weiterer Beweis für eine voranschreitende Entmännlichung unserer Gesellschaft. Schade, Jungs, ihr werdet mir fehlen. Ich hab immer gerne mit euch dort im Rauch am Gartenzaun ein paar Bierchen gezischt.

Auch sehr schön zum Thema Grillen:




