Hipstertum

Prenzelgemüse – oder: über den Steckrübenwinter 16/17

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Prenzelgemüse – oder: über den Steckrübenwinter 16/17

Mittwochs treffe ich mich regelmäßig mit meinem Lieblings-Exkollegen und seiner Kleinstfamilie zum Essen. Und selbst hier im biederen Stuttgart bieten inzwischen etliche kleine Restaurants als Mittagstisch echt hippen Scheiß an. Ich nenne das „Prenzel-Gemüse“. Ihr wisst, was ich meine. Wer etwas auf sich hält, sollte mindestens einmal pro Woche Quinoa essen und mindestens dreimal am Tag davon erzählen und Bilder posten. Und sollen sie doch! Sollen sie. Allerdings nervt’s mich kolossal, dass ich keinen normalen Salat mehr bestellen kann, ohne dass überall diese elende Rote Bete drin ist. Und ich will nichts von Antioxidantien hören! Ich bin selbst Atheist und brauch keine hippen Gemüse, die mir meine gottlose Welt erhellen. Aber wir hatten früher, in der bösen Zeit, nun mal nichts anderes als Rote Bete, jeden Tag in jeder Mahlzeit, sodass mich meine Eltern sogar mal zum Arzt brachten, weil sie dachten, ich hätte Blut im Urin!

Da ich weniger Hipstertum in mir habe, mache ich mich lieber über solche affektierten Affen lustig und, anstatt mir die Pastinakensuppe oder den Amaranth-Bratling zu bestellen, erzähle ich, wie schlimm der Steckrübenwinter 16/17 gewesen ist, wo wir außer Steckrüben (neben der elenden Roten Bete natürlich) nichts außer dem Kitt im Fensterbrett zu fressen hatten, und ich daher, aus biographischen Gründen, auf dieses Vollbartträgergemüse verzichten darf. Stattdessen schimpfe ich auf solche Pastinakenfressen und Topinamburgesichter und empfehle Rosenkohl und Sellerie, während ich auf den Spargel warte. Ich steh einfach auf ehrliche, bescheidene, unaufgeregte Gemüse, die nicht mit so einer belehrenden und bekehrenden Gut-Gemüse-Attitüde daherkommen, dass ich schon vor dem Essen kotzen könnte.

„Ja, aber Quinoa kann man auch total lecker zubereiten.“ Jaja…!! Du mich auch!

 

 

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Man kann doch auch mal auf dem Teppich bleiben. Es gibt doch so schöne, ehrliche Gemüse. Und nur weil man an keinen Gott mehr glaubt, muss man doch nicht plötzlich so seltsames Prenzelgemüse anhimmeln. Oh Mann!

Mal ganz zu schweigen von Zucchini, dem Arschlochgemüse überhaupt!

 

(vgl.: https://tommiboe.com/2015/03/20/zucchini-das-arschlochgemuse/ )

Das Hipster-Spiel

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Das *Hipster-Spiel*
Stuttgart, 17. Oktober 2015. Ein neues großes Spiel ist geboren. Und ich durfte Geburtshelfer sein. Ein großer Moment für mich, ein relativ unbedeutender für die Menschheit. Aber, wer weiß…? Vielleicht wird die Geschichte des Hipstertums einmal neu geschrieben werden müssen.
Für alle Spielefreunde, schnallt euch an: Es handelt sich beim „Hipster-Spiel“ um ein Spiel für das man keinerlei Materialien braucht, kein Spielbrett, keine Würfel, Karten, auch keine halbstündige Gebrauchsanweisung. Es wird in freier Wildbahn, auf offener Straße gespielt (ähnlich wie das sympathische Erfolgsspiel „Bring!!!“). Das einzige, was ihr braucht sind passende Momente und die müsst ihr dann aktiv nutzen.
Als ich gestern in meinen Supermarkt ging, sah ich einen Freund meiner Lieblingsmitbewohnerin an der Bäckertheke stehen. Ich näherte mich von hinten und sprach ihn an. Er drehte sich um, schaute mich fragend an und mir wurde klar, dass er es gar nicht war. Dabei trug er auch eine Baseball-Kappe, einen Fünftagebart und eine Hipsterbrille.
Ich zuckte entschuldigend mit den Achseln und sagte etwas wie: „Sorry, ein Freund sieht dir total ähnlich“ oder etwas in der Art. Schon im Weitergehen wunderte ich mich bereits über meine Naivität. Wie konnte ich eine randomisierte Person einfach so ansprechen? Nur weil sie „zufällig“ so aussah wie 100000 andere Hipster auch? Da könnte ich ja in Prinzip jeden ansprechen!
Offensichtlich hatte ich nicht genügend Hipster in meinem Bekanntenkreis, um schon auf andere Merkmale achten zu können, an denen man Hipster voneinander unterscheiden kann. Ich litt ich an einem Ambivalent zum so genannten „Asiaten-Syndrom“, bei dem der Beobachter Asiaten nicht voneinanader unterscheiden kann, weil ihm die dafür notwendige kulturelle Grundlage fehlt. Dem Gehirn liegen also nicht genügend Informationen vor, um asiatische Gesichter voneinander zu unterscheiden. Und seine „europäische“ Herangehensweise funktioniert bei asiatischen Gesichtern einfach nicht. Asiaten geht das übrigens bei Europäern genauso und das obwohl wir doch total unterschiedlich aussehen (wie wir finden und natürlich abgesehen von Hipstern).
Als ich nach dem Einkauf den Supermarkt verließ, lief ich an der Bushaltestelle noch mal in den gleichen Freund meiner Mitbewohnerin, natürlich wieder in eine andere Version. Meine automatische Gesichtserkennung sprang sofort an „Hee, da vorne: Freund von Mitbewohnerin!“ Aber der Rest meiner Reflexions-Software war inzwischen upgedatet und hatte diesen Systemfehler erkannt und schickte eine Hipsterwarnung raus: „Nee, stopp! Ist er gar nicht. Sieht bloß so aus!“
Ich ging trotzdem zu dem Typen und begrüßte ihn genauso selbstverständlich wie jenen an der Bäckertheke. Freundlich und kollegial klopfte ich ihm auf die Schulter und sagte: „Na wie geht’s, alles klar?“ Der Typ drehte sich um und glotzte wie ein Uhu: „Ähh, ähh, kennen wir uns?“ Und ich, immer noch freundlich lächelnd: „Na klar, du bist doch ein Freund von… nee, warte mal oder?“ Der Typ schaute noch immer wie ein Nachtgreifvogel. Und dann sagte ich mit ein bisschen genervter Stimme folgenden Satz, den auch ihr benutzen müsst, wenn ihr das *Hipster-Spiel* spielen wollt: „Au Mann! Ihr seht aber auch echt alle gleich aus!“ Ich schüttelte meinen Kopf drehte mich um und ließ ihn stehen.
Und das ist es auch schon! Eine geniale Spielidee für alle, denen es auch so geht, wenn sie einen Hipster sehen. Geht einfach auf ihn zu, sprecht ihn ganz selbstverständlich an, verstrickt ihn in ein Gespräch und wenn er sagt, dass er euch nicht kennt, dann haut ihm genervt den Satz um die Ohren: „Au Mann! Ihr seht aber auch echt alle gleich aus!“
Und das Tolle ist, man muss nicht extra in die Hipster-City nach Berlin reisen, sondern kann das inzwischen auch wunderbar in Stuttgart oder sonstwo spielen.
So, liebe Hipster- und Spielefreunde, gleich raus auf die Straße und spielen. Nach jedem erfolgreichen „Au Mann! Ihr seht aber auch echt alle gleich aus!“ könnt ihr euch einen Punkt notieren oder macht ein Selfie mit ihm, dann gibt’s zwei Punkte. Wenn ihr den Hipster besonders lange in ein Gespräch verwickelt und ihn besonders hübsch verwirrt zurücklasst, gönnt euch noch einen Zusatzpunkt!
Wer Spaß an Hipster-Spielen hat: Auf folgendem Link kann man seinen eigenen Hipster stylen (das ganze mit sehr lustiger Musik).
http://www.spielaffe.de/Spiel/Hipster-Stylen

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