Corona-Krise

Mit bunten Eiern aus der Krise!

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Mit bunten Eiern aus der Krise!

Mir geht gerade mächtig auf die Eier*stöcke, dass sich in der Corona-Krise alles ist in Schwarz-Weiß, Ja-Nein, links-rechts, Hü-Hott aufteilt. Entweder Krise als Chance oder Krise als Scheiß. Dabei gibt es doch so schöne Grautöne, so ein frisches Steingrau zum Beispiel, und zwischen dem Einerseits-Andererseits ist eben auch viel Vielleicht, Weiß-Nicht-So-Genau und Sowohl-Als-Auch zu erkennen, wenn man möchte. Aber Corona scheint, nichts für Mittelwege übrig zu haben. Entweder Vollbremsung oder Tempo 200. Aber nicht so schön mit 120 auf der Mittelspur, sodass man sich in ruhigem Ton sachlich mit einem Thema auseinandersetzen, Gefahren und Chancen erörtern kann und dabei mit Emotionen und Ausrufezeichen sparsam umgeht. Schwierig zurzeit…

Und ich weiß, einige kotzen bereits im Strahl, wenn irgendein privilegierter Dödel (wie ich) die Krise als Chance beschreibt. Und natürlich ist für sehr viele diese Krise einfach eine Katastrophe, ob gesundheitlich, wirtschaftlich, sozial… Keine Frage und keine Relativierung. Denn das ist die eine und auch die beherrschende Seite der Corona-Krise.

Aber für andere stellt sich die Frage, und ich gehe noch weiter, für andere (hier: Politiker*, Journalist*, Philosoph*, Soziolog*innen, Wirtschaftsheinis und andere, die Zeit und Muße zum Denken haben) sollte, ja, muss sich gerade jetzt die Frage stellen, was könnte oder sollte denn nach der Krise anders und vielleicht besser sein als vorher. Denn in dieser Zeit des Durchatmens, des Stillstandes, in der sich das Hamsterrad plötzlich nicht mehr wie gewohnt dreht und dreht, sich die globalisierten Werkbänke des Turbokapitalismus‘ in Superslomo befinden, öffnet sich ein seltenes Zeitfenster, in dem Fragen gestellt werden können, wie unser Danach eigentlich aussehen soll und ob das, was wie als Normalität kennen und zu der viele so schnell wie möglich zurück wollen, eigentlich normal oder gar wünschenswert ist.

Und diese Fragen beschäftigen sich nicht nur mit drängenden Veränderungen im Gesundheitssystem, sondern auch mit Verzicht und Konsum, Ökonomie und Ökologie, Verkehrs- und Energiewende, sozialer Gerechtigkeit, Umverteilung, Besteuerung von Großkonzernen (wie Amazon, dem großen Profiteur der Corona-Krise), Entprivatisierung von Grundversorgung und vielem mehr.

Und gerade jetzt höre ich schon einige Politiker*innen, manche leiser, manche lauter, die den Marsch zum Zurück zur Normalität blasen und die sagen, für andere Gedanken sei jetzt wirklich keine Zeit. Aber, stopp! Wann wenn nicht jetzt ist genau dafür Zeit…?

Nach der Finanzkrise 2008/9 gab es auch so einen einschneidenden Zeitpunkt, öffnete sich kurz ein Zeitfenster, als viele sagten: Moment mal, so kann das jetzt aber wirklich nicht weiter mit der Finanzspekulation, den Hochgeschwindigkeitstransaktionen… Wir erinnern uns vage.

Und selbst in dieser Situation, als die Schwächen, Fehler und Gefahren des Finanzsektors deutlich wurden, gab es kein beherztes Gegensteuern, keine weitgreifenden Reformen, Regulierungen. An den Spielregeln der Finanzmärkte änderten sich nur sehr wenig. Und so kehrte die Normalität, egal wie unsinnig und gefährlich sie war, zurück. Die Chance war vertan!

Das habe ich im Sinn, wenn ich über die Krise als Chance rede. Denn sie ist eine Chance und sie ist gleichzeitig auch eine Katastrophe. Aber darin liegt kein Widerspruch. Daher finde ich es schade, wenn sich Lager bilden, die sich beschimpfen und verunglimpfen.

Aber es gibt noch eine dritte Seite (und ich höre die Jungs und Mädels von der FDP schon tröten) und das sind diejenigen, die genau davon profitieren und die schon bisher davon profitierten, dass demnächst alles so schnell wie möglich zurück auf den Vorkrisen-Status gestellt wird, dass die oben genannten Aspekte nicht weiter thematisiert oder hinterfragt werden, dass die Sinnfrage nach unserer Normalität eben nicht gestellt wird.

Was wird bleiben? Was wird sich ändern? Kosmetische, schönheitschirurgische Veränderungen am Gesundheitssystem, ein steuerfreier Bonus für Pflegekräfte, Applaus vom Balkon…?

Wenn das alles ist… Wow!

Die Eier sind bunt und so ist das Leben, da kann auch das graue Shirt von Herrn Boe nicht drüber hinwegtäuschen!

Sonderabgaben auf Vermögen wegen Corona?

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Sonderabgaben auf Vermögen wegen Corona?

SPD-Chefin Saskia Esken fordert, wegen der Corona-Krise und der Belastungen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft, Sonderabgaben auf hohe Vermögen. Es gehe um eine „faire Lastenverteilung“. So könne der durch die Krise belastete Staatshaushalt auch auf die „starken Schultern“ in der Gesellschaft verteilt werden. Bernd Riexinger von der Linken hatte breits Ähnliches gefordert. Konkret wird von einer einmaligen Abgabe von fünf Prozent für Vermögen über einer Millionen Euro gesprochen.

Esken tut so, als würde es so etwas wie Solidarität wirklich geben – ein bisschen naiv, aber auch irgendwie putzig, sofern dies ernstgemeint ist. Sie sollte wissen, dass es in einer Groko niemals (NIE! Also so richtig gar nicht!) etwas wie Umverteilung von oben nach unten geben wird, Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine wirksame Vermögens- oder Erbschaftssteuer, weil… äh, weil: Das wäre ja noch schöner und da könnte ja jeder kommen! Und überhaupt!

Esken führt sich wie eine Oppositionspolitikerin auf, was ja auch irgendwie stimmt, sogar innerhalb ihrer Partei in gewissem Sinne…

Dass die Linken für eine solche Abgabe sind, ist einleuchtend und, meiner Meinung nach, auch völlig berechtigt. Denn diese neoliberale Logik, nach der, wenn der Laden gut läuft, alle Gewinne ständig privatisiert werden dürfen und in Krisenzeiten (Finanzkrise und jetzt Corona) die Verluste vergesellschaftet, also von allen Steuerzahler*innen getragen werden, die muss endlich beendet werden!

Und ich hör schon die FDP aufjaulen. Ausgerechnet die armen Milliardäre sollen solidarisch sein. Wie ungerecht! Die wissen doch gar nicht, wie das geht! Die haben Solidarität doch nie gelernt! Das steht in Steueroasen gar nicht auf dem Lehrplan!

Wie wäre es stattdessen mit so einer lustigen kleinen freiwilligen Selbstverpflichtung? Das funktioniert doch sonst auch ganz prima!

Traurig, dass der überwiegende Großteil der Bevölkerung nicht der Meinung ist, dass Reiche und Superreiche in Notzeiten einen finanziellen Sonderbeitrag zur Krisenbewältigung beisteuern sollten. Eine klare Mehrheit der Deutschen findet eine solche Maßnahme nicht gerecht. So fest ist die neoliberale Logik in unseren Köpfen schon eingebrannt.

Mehr zu Corona, Klopapier und Zwangsentschleunigung hier: https://tommiboe.com/category/corona/

Zwangsentschleunigung durch Corona

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Zwangsentschleunigung durch Corona

Keine Welt redet derzeit von Zwangsentschleunigung, noch nicht (bei Ecosia 2300 Treffer und auch bei Google gerade mal 5710 – mit anderen Worten: Null!). Gut also, dass ich das tue. Denn ich sehe diesen Begriff schon ganz groß in der zukünftigen Rückbetrachtung auf die aktuelle Corona-Krise.

Unser Leben testet gerade das Tempolimit!

Denn was gerade vielen passiert, ist eine zwangsverordnete Auszeit. Natürlich klingt Quarantäne nicht so sophisticated wie Sabbatical. Und selbstverständlich meine ich nicht diejenigen, die durch die Corona-Krise existenziell bedroht sind oder gerade unser Gesundheitssystem am Laufen halten. Die haben andere Probleme, das ist klar!

Aber viele von uns haben gerade viel Zeit, mehr Zeit als in der gewöhnlichen, fremd- und arbeitsbestimmten Alltagshektik. Wir führen quasi ein Leben im Tempolimit. Und vielleicht nutzen wir diese Zeit ja mal zum Nachdenken, was wir danach anders und besser machen können, anstatt nach diesem kollektiven Innehalten (Pause-Taste) einfach wieder auf business-as-usual schalten (Play-Taste). Denn vielleicht empfinden wir das, was vor Corona normal war, ja gar nicht mehr als so normal und wünschenswert. Vielleicht hilft dieses unfreiwillige Durchatmen klarer und mit ein bisschen Abstand vom eigenen Trubel mit seiner vermeintlichen Wichtigkeit zu erkennen, was uns wirklich etwas bedeutet. Auch auf die Gefahr hin, ins Esoterische zu driften, womöglich begegnen einige von uns, die ganz unverdächtig sind, mit Themen wie Verzicht und Achtsamkeit in engerem Kontakt zu stehen, genau diesen Fragen.

Schon jetzt dürfte man die Prognose wagen, dass Unternehmen, die derzeit auf Flüge zu Meetings verzichten und stattdessen vermehrt auf Videokonferenzen setzen (müssen), das auch in Zukunft als sinnvolle, kostensparende und umweltfreundliche Alternative betrachten.

Viele Vielleichts in einem Artikel. Aber das Thema Verzicht wird uns in Diskursen der Zukunft mit Sicherheit häufiger beschäftigen. Denn auf die Frage, wie eine Zukunft ohne unendliches Wachstum aussehen soll, ist Verzicht eine plausible Antwortmöglichkeit, wenngleich das für viele nicht sonderlich sexy klingt.

Wer gerade Zeit hat und zu viel sinnlose Artikel (wie diesen hier) im Internet liest, könnte sich ja auch mal kurz Gedanken darüber machen, seine Bank zu wechseln. Es gibt da nämlich inzwischen sehr sinnvolle Alternativen, bei denen mit deinem Geld kein Scheiß gemacht wird.

Und für alle, denen das zu komplex ist: Auf zum Spargelstechen!

Sehr interessant dazu: Matthias Horx: –

Wie sieht die Welt nach Corona aus?