Busfahren in Norwegen
Busfahren in Norwegen
Wer die Rubrik „Spaß im Bus!“ aus meinem Blog kennt, der wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Denn dieses Mal ist gar nichts Schlimmes oder Nervendes passiert. Ich war nämlich bloß in Norwegen.
Trotzdem, wie ich finde, durchaus berichtenswert. Auf unserem jährlichen Pfingstbesuch in Oslo verließen Herr Bär und Herr Boe das Flughafenterminal auf der Suche nach dem richtigen Bus, der uns zu meiner Schwester an den Oslofjord bringen sollte. Nach nur kurzer Orientierungslosigkeit fanden wir Bahnsteig und Bus – leider ein paar Minuten zu spät. Der Bus, der einmal pro Stunde den Flughafen verlässt, war abfahrtbereit und leider voll, und vor dem Bus standen noch über 20 Personen, die zum Teil bereits ein Ticket in den Händen oder auf ihren Smartphones hatten. Aha! Overbooking gibt es nicht nur im sondern auch vorm Flughafen.
So weit, so gewöhnlich. Aber wir waren ja in Norwegen! Jetzt traten zwei Personen mit Leuchtwesten und Headsets in den Vordergrund, die sich durch die wartenden Leute fragten, während der volle Bus abfuhr. Und die beiden Servicekräfte vertrösteten die Wartenden nicht auf den nächsten Bus in einer Stunde, sondern telefonierten Extra-Busse heran. Und schon ein paar Minuten später fuhren die ersten Kleinbusse und Taxis vor, um je nach gewünschtem Zielort die Passagiere abzuholen. Das Spektakel dauerte zehn, vielleicht fünfzehn Minuten und dann waren alle ver- und entsorgt. Bis auf uns natürlich, da wir erst ein paar Minuten nach regulärer Abfahrt am Bahnsteig gewesen waren. Womit uns keine besondere Anwendungen und Transportmittel zustanden.
Ach, und natürlich gab es in dem Bus dann nicht nur den Hinweis auf kostenloses WLAN, sondern es funktionierte auch vernünftig.
Für alle, die Interesse an der Rubrik „Spaß im Bus“ haben, geht es hier lang: https://tommiboe.com/category/spas-im-bus/
Und für alle, die Interesse an Geschichten am Fjord haben, bitte: https://tommiboe.com/tag/fjordgesprache/
Über Kärcher und den VfB

Über Kärcher und den VfB
Ich muss schon sagen: „Lieber Kärcher, das ist mal eine mutige Werbung!“ Also, keine Frage, Kärcher ist schon ein Markenprodukt, das weit über sein schwäbisches Stammhaus hinweg bekannt ist. Und schön auch, dass Ihr euch zu Euer Heimat bekennt. So weit alles gut.
Wer sich jedoch in dieser Fußballsaison etwas intensiver mit dem VfB beschäftigt hat, der wird erkennen, dass Euer Werbeslogan viel unpassender kaum sein könnte. Denn bei einem Torverhältnis von 49:72, womit der VfB die Schießbude der Liga ist, kann man, in meinen Augen, nur schwer mit „Vorne abstauben, hinten sauber halten!“ werben.
Im Gegenteil wirft das eher ein schlechtes Licht auf Kärcher-Produkte, die weder vorne abstauben noch hinten sauber halten können. Es sieht momentan eher stark danach aus, als würde der VfB aus der ersten Liga rausgekärchert werden.
Eine andere Frage ist, ob Krombacher, wenn es sich für ein erstklassiges Bier hält, auch nächstes Jahr noch in diesem Stadion werben will. Hmm… mal sehen!
Abendländischer Kommerz
Abendländischer Kommerz
Eines muss man der Commerzbank ja lassen: Sie wird ihrem Namen gerecht. Denn „Kommerz“ bedeutet im heutigen Sprachverständnis: „Allein auf Gewinnerzielung gerichtetes Interesse“ (nach Wikipedia). Vielleicht sollte man sich da gar nicht wundern, wenn diese Commerzbank so handelt, wie sie handelt. Scheiße und unverfroren ist es trotzdem! Und es erklärt auch nicht, warum die zuständigen (Finanz-)Politiker (selbstverständlich auch der Typ im Rollstuhl!) vor diesen fragwürdigen Deals Jahrelang die Augen verschlossen haben. Für den Fiskus bedeutet dies jährlich Milliardeneinbußen (zur räumlichen Vorstellung der Summe: 1.000.000.000 €!) .
Das ist die geschätzte Summe, die allein durch die von der Commerzbank eingefädelten Steuervermeidungsdeals, sogenannten Cum-Cum-Geschäften, dem Fiskus entgeht. Dabei werden Aktien im Milliardenbereich kurz vor dem Zeitpunkt der Dividende „verliehen“, sodass die für ausländische Investoren in Deutschland verpflichtende Kapitalertragssteuer umgangen (nach Deutschland ausgelagert) werden kann. Nach Ausschüttung der Dividende gehen die Aktienpakete dann wieder zurück. Der Gewinn, hier die nicht gezahlte Kapitalertragssteuer, wird dann zwischen Bank und Investor aufgeteilt. Damit ist Cum-Cum also Win-Win. Allerdings natürlich auf Kosten der Allgemeinheit, auf unsere Kosten!
Besonders unverfroren dabei, dass sich die Commerzbank vom deutschen Steuerzahler nach der Bankenkrise noch für 18 Mrd. Euro retten ließ, um jetzt den gleichen Steuerzahler jedes Jahr 1 Mrd. Steuern zu prellen. Damit ist die Commerzbank für den Steuerzahler eine klare Lose-Lose.
Da der Bund mit 15% der größte Anteilseigner ist und damit auch im Aufsichtsrat der Bank sitzt, muss man sich schon fragen, wer wann was von diesen Deals gewusst hatte. Was sagt das Bundes-Finanzministerium dazu? Hallo, Herr Schäuble, jemand zu Hause? Vermutlich schon lange nicht mehr!
Ebenfalls hochgradig erbärmlich, dass diese Drecksbanker dann auch immer versuchen, damit durchzukommen und wie ein ertapptes Kleinkind behaupten, sie hätten doch nichts Verbotenes getan. Dass von legitimem oder moralischem Handeln in einer Bank nicht die Rede ist, versteht sich von selbst.
Und natürlich ist am Schluss niemand verantwortlich und niemand hält den Kopf oder den Rollstuhl hin. Und da es ja nur um Milliarden geht, kann die Zeche außer uns ohnehin keiner begleichen. Na super!
Kleiner Tipp für alle, die ihr Geld bei der Commerzbank haben oder der Deutschen oder Targo (ehemals Citibank) oder wo auch immer, nehmt es den Bankern weg und geht damit zu einer Genossenschaftsbank (z.B. die GLS)!
Mehr zum Thema „Entmoralisierung“ des Abendlandes:
https://tommiboe.com/2016/04/20/abendlaendische-werte-in-zeiten-der-morallosigkeit/
Abendländische Werte in Zeiten der Morallosigkeit
Abendländische Werte in Zeiten der Morallosigkeit
Seid Ihr auch so besorgt, dass durch den Zustrom von Flüchtlingen unsere Werte bedroht sind? Und dass wir unsere Werte verteidigen müssen? Mit „Werte vorleben“, wäre ich, glaube ich, eher gedient. Aber um welche wichtigen Werte soll es eigentlich gehen? Wie wär’s denn mit Moral…?
„Moral… hä…?!“ Kann sich noch jemand entfernt erinnern…?! Ich finde es schon ziemlich putzig (vorsichtig ausgedrückt), muezzingleich eine abendländische Wertedebatte auszurufen, während sich weite Teile unserer Gesellschaft längst von Moral befreit haben.
Werfen wir doch mal einen Blick auf unsere Wirtschaft. Ein Unternehmen (nehmen wir die kleineren Familienbetriebe mal raus) ist einzig seinen Anteilseignern, seinen Aktionären gegenüber verpflichtet. Das ist ihre quasi-göttliche Verpflichtung. Ihre Aufgabe ist es, Gewinne zu maximieren – egal mit welchen sozialen Kollateralschäden. Gewinnmaximierung ist ein Euphemismus für Ausbeutung und Umverteilung. Anders lassen sich Gewinne heute gar nicht maximieren. Denn die Zeiten mit großem Wirtschaftswachstum sind längst vorbei. Damit ließen sich nämlich Vermögen und Einkommen steigern. Zugegeben auf Kosten anderer Länder. Aber immerhin. Und das waren wir ja seit dem Kolonialismus gewöhnt.
Die heutigen Wachstumsraten reichen natürlich noch immer dafür aus, die Vermögen zu vermehren, im Gegensatz zu den Einkommen. Das werden sie auch noch bei Nullwachstum, aber eben auf Kosten unserer Gesellschaft. Und während die Politik der Wirtschaft und den Banken im Krisenfall zur Seite springt, ist der umgekehrte Fall undenkbar. Haifischkapitalismus kann nicht moralisch sein. Das passt nicht ins Konzept!
Manchmal frage ich mich: Wieso ist eigentlich nicht der Bürger systemrelevant?
Wie auch immer! Das Gleiche gilt für die Banken. Ich bin über einen lustigen Artikel aus der SZ (von 2014) gestolpert, in dem das Konzept „Virtuous Banking“ vorgestellt wurde, also vom „Tugendhaften Banking“. Demzufolge sollten sich alle Banker, entsprechend dem hippokratischen Eid der Mediziner, zu tugendhaftem Banking verpflichten.
Lustig, gell? Noch nie was davon gehört…? Kein Wunder! Wenn man „virtuous banking“ googelt, erhält man lächerliche 515 Treffer. (Zum Vergleich: bei „Penispumpe“ sind es 283000!) Denn es interessiert sich, obwohl es eine großartige Idee ist, keine Sau für Virtuous Banking!
Die Folgen der Entmoralisierung von Wirtschaft und Finanzwesen schlagen natürlich auch auf die Gesellschaft durch. Wer kann schon von seinen Bürgern verlangen, sich moralisch korrekt zu verhalten, solange die Wirtschaft machen kann, was sie will, und ihr zur Zügelung so schmutzige Deals wie „freiwillige Selbstverpflichtungen“ angeboten werden, die, ich habe recherchiert und nachgezählt, in keinem einzigen verschissenen Fall JEMALS etwas bewirkt haben. „Freiwillige Selbstverpflichtung“…? Am Arsch! Gedankenexperiment: Man überließe dem Steuerzahler, auf der Basis einer freiwilligen Selbstverpflichtung seine Steuern zu begleichen. Würde bestimmt super klappen!
Moral, Verzicht und Demut sind in unserem vollkapitalistischem Konsumtempel nicht vorgesehen und sogar, wie uns unsere Wirtschaftshörigkeit souffliert, Wohlstandsgefährdung und Zukunftsverweigerung!
Äh… was wollte ich noch mal sagen? Welche Werte wollte ich doch gleich verteidigen…?! Naja… egal… irgendetwas Abendländisches, glaube ich…!

16.3
16.3
Nein, es geht nicht um den 16. März. Auch wenn gerade der 16. März womöglich endlich mal eine persönliche, würdigende Geschichte verdient hätte. Bei Interesse, was am 16. März so alles passiert ist, empfehle ich dieses Internet, von dem neuerdings alle reden.
Die Überschrift „16.3“* bezieht sich auf meine Lieblingsregel im Ultimate, die, meines Erachtens nach, nicht nur sehr gut die Besonderheit von Ultimate Frisbee und seinem Regelwerk zeigt, sondern über dies hinaus eine schöne Anregung zur Verbesserung des Miteinanders im Leben allgemein darstellt.
Die Regel 16 kümmert sich um „das Weiterspielen nach einem Call“. Ein Call ist das Ansagen einer Regelverletzung seitens eines Spielers/ einer Spielerin. Da es keine Schiedsrichter*innen im Ultimate gibt, kümmern sich die Spieler*innen selber um das Leiten des Spielgeschehens, beziehungsweise eigentlich verhält es sich genau anders herum: Da sich die Spieler*innen eigenständig und selbstverantwortlich um das Regeln des Spiels kümmern, bedarf es keiner Schiedsrichter*innen.
16.3* besagt nun, dass man, wenn ein Call keine Bedeutung für den Spielzug gehabt hat (z.B. ein Foul abseits vom eigentlichen Spielgeschehen), so weiterspielt, als hätte es diesen Call gar nicht gegeben. Damit erlaubt man also einem unwesentlichen Vergehen nicht, wesentlich zu werden.
Diese Regel und, besser noch, dieses gesunde und weise Bewusstsein dahinter, kann man, meines Erachtens, auch prima im normalen Leben jenseits des Sportplatzes anwenden. Wenn man sich z.B. mit seinem Partner*in oder einem Freund*in streitet und der Streit zu keinem guten Ende kommt, dann ruft man, anstatt sich immer weiter zu streiten, einfach laut „16 Punkt 3!“. Das hat zum einen den Effekt einer paradoxen Intervention („Schau mal, ein Heißluftballon!“), die vom konkreten Streitanlass ablenkt und den Ausstieg aus einer verfahrenen Streitsituation bietet, und zum anderen besinnt man sich stattdessen auf die Wichtigkeit der Partnerschaft oder der Freundschaft und freut sich daran, dass sich die Bedeutung der Beziehung nicht durch einen so blöden, unbedeutenden Streit beschädigen lässt.
So gesehen, hilft die Einhaltung des Ultimate Regelwerks auch in anderen Lebenssituationen weiter. Daher ein Hoch auf 16.3! Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn ich zufällig einmal Zeuge werden dürfte, wie zwei fremde Streitende auf der Straße plötzlich innehalten und einer von ihnen „16.3“ zum anderen sagt und so den Streit beendet. Sind das nicht tolle Aussichten? Dies ist hier also ein Plädoyer für ein bisschen mehr 16.3 in uns allen.
*16.3 Weiterspielen nach einem Call
„Unabhängig davon, wann ein Call gemacht wurde, bleibt das Ergebnis des Spielzugs bestehen, sofern sich die Spieler beider Mannschaften einig sind, dass das Foul, die Violation oder der Call dieses Ergebnis nicht beeinflusst haben.“
( file:///C:/Users/thomas/Downloads/wfdf_rules_of_ultimate_2013_german%20(2).pdf)
