Yes, you can – zumindest wenn du willst

Verwenden statt Verschwenden

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Verwenden statt Verschwenden

Da war sie wieder, meine Lieblingsweinkönigin. Nett lächelnd, wie immer, mit einem billigen Slogan auf den Lippen, wie von einer sehr teuren Beratungsfirma zurechtgereimt: „Verwenden statt Verschwenden!“ flötete Julia Klöckner wichtig in die Mikrofone und bezog sich damit auf die unerträgliche Lebensmittelverschwendung in Deutschland. 55 kg pro deutsche Nase wandern jährlich in die Tonne.

Die knallharten Maßnahmen unserer Landwirtschaftsministerin sind ein „runder Tisch“, „Dialog-Foren“ und „Freiwilligkeit“ aller Beteiligten. Denn: „In jedem Produkt stecken wertvolle Ressourcen: Wasser, Energie, Rohstoffe, aber auch Arbeitskraft, Sorgfalt und Herzblut“, erklärt Klöckner. „Ziel ist es, mit den Strategien zum Klimaschutz beizutragen und zu einer höheren Wertschätzung von Nahrungsmitteln zu ermutigen.“ Yeah! Darauf hat die Welt gewartet! Das Schlimme: in meinen Ohren klingt die gepresste Wichtigkeit von Klöckners Stimme sogar beim Schreiben mit. Ich muss mal kurz das Fenster aufmachen, bei soviel heißer Luft…!

Liebe Julia, ein kurzer Blick zu unseren Nachbarn könnte helfen. Ich weiß, das fällt deutschen Politiker:innen schwer. Aber in Frankreich werden Supermärkte, die Lebensmittel wegschmeißen, inzwischen bestraft, während sich Klöckner nicht mal dafür einsetzt, dass das sogenannte „Containern“, also das „Retten von Lebensmitteln aus Müllcontainern“, endlich entkriminalisiert wird. Nahrungsmitteln einen höheren Wert geben, gell? Deine Worte! Wegschmeißen also weiterhin nicht ahnden, aber Foodsaver (Lebensmittelretter:innen) bestrafen! Die Message ist angekommen!

Auch in Tschechien müssen Supermärkte unverkaufte Lebensmittel mittlerweile an Hilfsorganisationen abgeben. Ich bin ja weder Tscheche, Politiker noch Supermarkt, aber ich glaube, sie haben in Tschechien einfach verbindliche Gesetze dafür eingeführt und nichts von Freiwilligkeit geschwafelt.

In Dänemark ist man schon einige Schritte weiter. Große Erfolge feiert dort schon seit ein paar Jahren die App „Too Good To Go“ (gibt’s jetzt auch für Deutschland), mit der man Lebensmittel „reservieren“ und dann kurz vor Ladenschluss abholen kann. Lebensmittel, die sonst vom Ladenbesitzer entsorgt werden müssten und nun zu einem günstigen Preis an die Verbraucher gebracht werden.

Dänemark überlegt inzwischen, Bio-Müll zu importieren, weil die Bio-Müll-Anlagen nicht mehr ausgelastet sind. Die Dänen schmeißen einfach nicht mehr genug Lebensmittel weg! Na sowas, das könnte in Deutschland nicht passieren…!

Ob Julia Klöckner weiß, was „Too Good To Go“ sehr flüchtig, aber dafür einigermaßen sinngemäß auf deutsch übersetzt heißt: Verwenden statt verschwenden! Naja oder so ähnlich…!

too good to go
https://toogoodtogo.de/de

Für Fans von Julia Klöckner hier lang bitte!

https://tommiboe.com/2019/08/15/realitaet-schlaegt-kloeckner/

https://tommiboe.com/2019/06/20/kloeckner-heiratet-nestle/

https://tommiboe.com/2019/01/13/nicht-suess-genug/

https://tommiboe.com/2018/12/22/was-macht-eigentlich-unsere-weinkoenigin/

https://tommiboe.com/2018/04/07/gebt-dem-zucker-peitsche/

Julia_Klöckner_2015

Food No Porn

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Food No Porn

(jetzt auch als Vlog: https://www.youtube.com/watch?v=QgMwTS7JhUM)

So, jetzt mal unter uns: Wer von Euch hat schon ein Foto von seinem Essen gepostet? Und mal ganz ehrlich, das kann man machen, muss man aber nicht! Ich finde es extrem überflüssig und wäre ich ein kommunistisches Känguru, würde ich mit näselnder Stimme sagen: „Das steht auf meiner Not-To-Do-Liste!“ Aber trotzdem wimmelt es nur so von Spezialisten, die ihr Essen in Szene setzen, mit zwar farblich aber nicht geschmacklich abgestimmten Kräutern drapieren, Kerzen anzünden, ein Schleifchen drum wickeln und warten, bis es kalt wird, damit der Dampf das Foto nicht ruiniert, um es dann ungefragt in die weite Welt hinauszuposten.

Sollen Sie doch, Herr Boe! Locker dich mal durch! Wenn du es schon überflüssig findest, dann reg dich doch nicht so drüber auf, Mann! Steh doch mal drüber! Ja, ist ja richtig! Oder aber: Ich schlage hart und trocken zurück! Und zwar mit meinem neuen Fotoprojekt: „Food No Porn!“

Auf die Idee kam ich, als ich neulich mit meiner besten Mitbewohnerin von allen Gemüse-Spaghetti gekocht habe. Dafür haben wir Zucchini, von denen ich bekanntlich nicht allzu viel halte, durch einen sogenannten Spiralschneider gedreht. Keine Sorge, ich gehe nicht weiter ins Detail, ich bin ja kein Kochbuch! Jedenfalls war es tatsächlich richtig lecker. Ich war positiv überrascht! Und als der zweite Teller leer war, machte ich einfach ein Foto von dem leeren Teller mit der klaren Botschaft „Ist echt lecker gewesen!“

So! Wenn das kein klares, ehrliches Konzept ist, das das Essen viel mehr würdigt. Lecker kochen, essen und dann den leeren Teller fotografieren. Bäm! Mund abputzen! Fertig!

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Nicht süß genug…?

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Wie viel Zucker braucht eine Limonade?

Endlich mal wieder etwas aus der Rubrik „dümmer geht immer“!

Lemonaid  ist eine besondere Limonade. Nicht nur, dass sämtliche Zutaten bio und Fairtrade sind, von jeder verkauften Flasche fließen fünf Cent in Sozialprojekte in den Anbauregionen. Mit diesem „Trinken-hilft“-Prinzip wurden in den letzten zehn Jahren über zwei Millionen Euro gesammelt. Eine Liste mit den konkreten Projekten findet sich hier. Übrigens wurde einst der FC St.Pauli auf ähnliche Weise gerettet.

In dieser Woche ging die Nachricht rum, dass das Bezirksamt Hamburg-Mitte das Unternehmen darüber informiert hat, dass das Produkt Lemonaid Lemon nicht mehr als Limonade bezeichnet werden darf, sondern allenfalls als Erfrischungsgetränk. Das Problem, und jetzt wird’s absurd, im untersuchten Getränk befände sich nicht genügend Zucker. Hä…?! Für die Bezeichnung Limonade ist nämlich eine Mindestmenge von sieben Prozent Zucker erforderlich. Die Behörde ordnete nun an, das Unternehmen müsse entweder den Zuckergehalt erhöhen oder es würde die Produktbezeichnung Limonade verlieren. Das letzte alberne Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen. Das Unternehmen will den Unfug notfalls vor Gericht klären lassen.

Was sagt eigentlich unsere Weinkönigin, sorry, die Sprecherin des Bauernverbandes, äh nein, unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu diesem Schwachsinn? Erst mal noch nichts. Dabei hatte sie noch kurz vor Weihnachten stolz verkündigt, den Zuckergehalt in Getränken um 15 Prozent zu reduzieren. (Genaueres zu dieser Posse hier)

Auf der anderen Seite ist diese absurde Episode vielleicht auch eine ganz gute Werbung für das Unternehmen. Und es wäre ja sehr wünschenswert, wenn solche Social Business‘ wie Lemonaid mehr Aufmerksamkeit bekommen würden.

Neujahrsansprache von Tommi Boe

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Neujahrsansprache von Tommi Boe:
Was könnte 2019 besser werden?

Liebe Politik! (Ich lass die Anrede mal sehr allgemein.)
Wie wäre es denn, 2019 mal etwas von anderen, zum Beispiel Nachbarländern, zu lernen? Ich weiß, dahingehend tut sich der deutsche Politiker mitunter sehr schwer, und ich befürchte jetzt schon, dass das gerne eingeforderte Prinzip des lebenslangen Lernens leider nicht auf die deutschen Politiker übertragbar ist. Aber dennoch und sei es nur als Gedankenexperiment: Wie wäre es denn, mal etwas von anderen zu lernen …?
In Oslo gibt es bereits seit 1990 eine City-Maut. Das heißt, jeder, der mit dem Auto nach Oslo reinfährt, muss dafür zahlen. Sogar die Norweger in ihrem eigenen Land, auch wenn Andi Scheuer bereits bei dieser Vorstellung der Helm platzt. Und es geht noch weiter. So werden die Preise für Dieselfahrzeuge erhöht und steigen im nächsten Jahr auf 5 Euro pro Fahrt, während E-Fahrzeuge kostenlos nach Oslo einfahren können. (Aufladen kostet in Norwegen übrigens auch nichts, aber das ist eine andere Geschichte. Ganz ruhig, Andi!) Die Fahrten werden von einem Verkehrssystem erfasst und praktisch vom Konto abgebucht.
In Deutschland würde man vermutlich sagen, das ist technisch gar nicht möglich. Warum eigentlich nicht? Weil wir sonst so stolzen und bevormundenden Deutschen im Vergleich zu Norwegen in einem Entwicklungsland leben…?
Und es geht auch anders. In Dunkerque/ Dünkirchen (mit Vorstädten ca. 250000 Einwohner) können seit September 2018 alle Busse kostenlos genutzt werden und schon jetzt ist die Nutzung um 60% gestiegen. In Wien gibt es eine Jahreskarte für den ÖPNV für 365 Euro, die übrigens auch als Jobticket vom Arbeitgeber steuerlich geltend gemacht werden kann. In Kopenhagen fahren 45% der Bevölkerung mit dem Rad zum Arbeits- oder Ausbildungsplatz, weil die Stadt den Fahrradverkehr seit Jahrzehnten systematisch gefördert und priorisiert hat. (Spätestens jetzt ist Andi Scheuer komplett explodiert!) Sogar in Paris ist bei Smog die Metro kostenlos!
Natürlich ist diese Liste nicht vollständig. Aber sie zeigt, dass wir etwas lernen können, wenn wir denn wollen. Die Argumente dagegen werden ein bisschen dünn. Aber wir wissen auch: zwischen Können und Wollen fließt der Mississippi!

Seid Ihr auch alle A+++?

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Seid Ihr auch alle A+++?

Ich jedenfalls schon! Da ich mir kürzlich eine neue Waschmaschine zulegen musste, habe ich mich intensiv mit der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung beschäftigt (Hach, wie ich die deutsche Sprache liebe! Was machen eigentlich Beamte in anderen Ländern?). Darin werden Waschmaschinen nach Energieeffizienz-, Waschwirkungs- und Schleuderwirkungsklasse bewertet. Die Einteilung erfolgt in Klassen A bis G, inzwischen gibt es, da die Zuordnung der Bewertungskriterien schon 20 Jahre alt ist, die neuen Effizienzklassen A+, A++ und A+++. Klingt übelst spannend oder?

Das Ding ist, dass durch die Einteilung suggeriert wird, dass bei einer Skala von A bis G die Klasse A ja super sein muss. Bei Waschmaschinen sind allerdings Geräte mit einer Energieeffizienzklasse B und schlechter schon seit 2011 untersagt, in der Bewertung tauchen diese Klassen natürlich trotzdem auf. Das heißt, die Klasse A ist die schlechteste erlaubte Klasse überhaupt! Hä…?! Was soll der Scheiß denn? Und vor allem, welcher Verbraucher weiß so etwas oder steigt da noch durch?

Also ist A+++ nun das Beste? Wie naiv ist das denn?! Meine neue Waschmaschine ist nämlich nicht nur A+++, sondern sogar „A+++ -30%“. Sie liegt also noch mal 30% unter dem Grenzwert für A+++. Dafür gibt es aber gar keine eigene Effizienzklasse mehr. Die besten, energieeffizientesten Geräte können also gar nicht so ausgezeichnet werden, dass der Verbraucher das sofort erkennen kann. Na bravo!

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