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Busfahren in Norwegen 2

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Busfahren in Norwegen 2

Überraschungen können ja inspirierend wirken. Gerade am Anfang eines neuen Jahres, wenn man sich immer wieder gerne der Illusion hingibt, man selbst und vielleicht sogar wir alle wären zu Änderungen fähig. Wie oft haben wir schon angefangen, mit dem Rauchen aufzuhören…

Um sich als Deutscher überraschen zu lassen, empfehle ich gerne das Ausland. Und ich meine hier ausdrücklich negative und positive Überraschungen. Denn beides kann lehrreich sein.

Ich komme gerade aus Norwegen zurück. Für den Weg zum Flughafen Oslo nehme ich den „Flybussen“, was ja schon mal vielsprechend nach „Flugbus“ klingt. Während ich an der Bushaltestelle warte, hält dort ein anderer Bus und es spielt sich ein interessanter Fahrerwechsel ab. Denn der neue übergab dem alten Busfahrer beim Wechsel einen Autoschlüssel. Neugierig schaue ich dem Mann nach Verlassen des Busses hinterher und sehe, wie er in ein kleines Elektro-Auto steigt. Aha! Auf der Fahrertür steht „Norgesbuss – tjenestbil“. Es handelt sich also um ein Dienstfahrzeug des Busunternehmens, mit dem die Busfahrer zu ihrem Arbeitsplatz bzw. zur jeweiligen Haltestelle zum Fahrerwechsel fahren können. Einfach so. In einem Elektro-Auto! Bitte, so geht das!

Im übrigen sind Busfahrer in Norwegen ausgesprochen höflich und hilfsbereit und im Bus gibt’s gescheites Internet (kein Witz!). Daher gibt es den norwegischen Spruch: „Den bussjåfør, den bussjåfør, det er en man med godt humor!“ Auch so eine Sache, die man sich für die Zukunft in Deutschland wünschen könnte…

(Link zu Busfahren in Norwegen 1)

Abkürzung zur Rubrik: Spaß im Bus…

busfahren oslo

Neujahrsansprache von Tommi Boe

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Neujahrsansprache von Tommi Boe:
Was könnte 2019 besser werden?

Liebe Politik! (Ich lass die Anrede mal sehr allgemein.)
Wie wäre es denn, 2019 mal etwas von anderen, zum Beispiel Nachbarländern, zu lernen? Ich weiß, dahingehend tut sich der deutsche Politiker mitunter sehr schwer, und ich befürchte jetzt schon, dass das gerne eingeforderte Prinzip des lebenslangen Lernens leider nicht auf die deutschen Politiker übertragbar ist. Aber dennoch und sei es nur als Gedankenexperiment: Wie wäre es denn, mal etwas von anderen zu lernen …?
In Oslo gibt es bereits seit 1990 eine City-Maut. Das heißt, jeder, der mit dem Auto nach Oslo reinfährt, muss dafür zahlen. Sogar die Norweger in ihrem eigenen Land, auch wenn Andi Scheuer bereits bei dieser Vorstellung der Helm platzt. Und es geht noch weiter. So werden die Preise für Dieselfahrzeuge erhöht und steigen im nächsten Jahr auf 5 Euro pro Fahrt, während E-Fahrzeuge kostenlos nach Oslo einfahren können. (Aufladen kostet in Norwegen übrigens auch nichts, aber das ist eine andere Geschichte. Ganz ruhig, Andi!) Die Fahrten werden von einem Verkehrssystem erfasst und praktisch vom Konto abgebucht.
In Deutschland würde man vermutlich sagen, das ist technisch gar nicht möglich. Warum eigentlich nicht? Weil wir sonst so stolzen und bevormundenden Deutschen im Vergleich zu Norwegen in einem Entwicklungsland leben…?
Und es geht auch anders. In Dunkerque/ Dünkirchen (mit Vorstädten ca. 250000 Einwohner) können seit September 2018 alle Busse kostenlos genutzt werden und schon jetzt ist die Nutzung um 60% gestiegen. In Wien gibt es eine Jahreskarte für den ÖPNV für 365 Euro, die übrigens auch als Jobticket vom Arbeitgeber steuerlich geltend gemacht werden kann. In Kopenhagen fahren 45% der Bevölkerung mit dem Rad zum Arbeits- oder Ausbildungsplatz, weil die Stadt den Fahrradverkehr seit Jahrzehnten systematisch gefördert und priorisiert hat. (Spätestens jetzt ist Andi Scheuer komplett explodiert!) Sogar in Paris ist bei Smog die Metro kostenlos!
Natürlich ist diese Liste nicht vollständig. Aber sie zeigt, dass wir etwas lernen können, wenn wir denn wollen. Die Argumente dagegen werden ein bisschen dünn. Aber wir wissen auch: zwischen Können und Wollen fließt der Mississippi!