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Philosophisches zum Brexit

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Philosophisches zum Brexit

Philosophie hilft nicht immer, aber oft verleiht sie dem Scheitern Eleganz!

Sportvergleiche sind ja auch für andere Bereiche sehr beliebt.

Aber als die Ablehnung des Brexit-Deals im britischen Parlament sowohl bei den Brexit-Befürwortern als auch den -Gegnern für Jubel sorgte, da fiel mir echt nichts Gescheites und nicht mal was Dummes als Vergleich ein. Wem ein passender Sportvergleich einfällt, darf ihn mir gerne verraten! Mal abgesehen davon, dass der Brexit-Deal eine rote Karte kassiert hat. Aber bei welcher roten Karte jubeln schon zwei unterschiedliche Seite.

Andererseits, da fällt mir doch ein, wenngleich recht bekloppter, aber durchaus passender Sportvergleich ein. Die Älteren erinnern sich vielleicht an die Werbung aus den 80ern, als der Schiedsrichter das Spiel abpfeift und sich zwischen ihm und dem Publikum folgenden bescheuerten Dialog ergibt: „Wollt Ihr Verlängerung?!“ – „Nein!“ – „Wollt Ihr Elfmeterschießen?“ – „Nein!“ – „Was wollt Ihr denn?“ – „Maoam! Maoam!“ (in seiner Bescheuertheit lohneswert!) Auch hier – genau wie nach der Brexit-Abstimmung – ergibt die Reaktion des Publikums, nach logischen Gesichtspunkten, überhaupt keinen Sinn.

Ich vergleiche den Brexit mittlerweile gerne mit meinem Fairphone. Ich habe nämlich überhaupt nicht das bekommen, was ich ursprünglich haben wollte und was mir versprochen worden ist. Denn das Fairphone soll ein unter Fairtrade-Bedingungen produziertes Smartphone mit einem modularen Ansatz sein, sodass einzelne defekte Teile selbst ausgewechselt werden können. Eine ziemlich geile Idee! Eigentlich! Leider hat das Teil, das ich persönlich nur höchst widerwillig als smartes Phone bezeichnen würde, so viele Schwächen und Unzulänglichkeiten, dass ich (wie leider auch viele andere Nutzer) nur sehr wenig Spaß daran hatte. Dafür aber um so mehr Ärger! Ähnlich geht es vielen Briten, die sich von dem gewählten und bestellten Brexit nun wahrlich etwas ganz anderes vorgestellt hatten, als was nun um die Ecke kommt.

Die zweite Analogie ist, dass ich mit meinem heutigen Wissen nie wieder ein Fairphone kaufen würde. Und auch viele Briten würden vermutlich sagen, wenn sie mit ihrem jetzigen Wissen noch mal abstimmen dürften, dass sie so einen Scheiß-Brexit mit Sicherheit nicht wollten. Denn auch ihnen war schließlich etwas ganz anderes versprochen worden. Oder, und auch diese Sichtweise gehört bei Fairphone und Brexit dazu: wir hatten uns (naiv, blauäugig und schlecht informiert) etwas anderes vorgaukeln und verkaufen lassen! Blöd, aber selbst schuld!

Oder man könnte auch ganz philosophisch enden: Am Ende ist halt der Dumme der Dumme!

 

 

https://tommiboe.com/2019/01/16/brot-statt-brexit/

Über den gottlosen Osten!

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Der gottlose Osten!

Über Götter und Weihnachtsmänner

Ich hatte mich als Atheist bisher immer irgendwie den Gläubigen gegenüber überlegen gefühlt. So überlegen, wie sich Erwachsene gegenüber kleinen Kindern fühlen, die an den Weihnachtsmann glauben, was natürlich ein Quatsch, aber irgendwie auch niedlich ist. Ähnlich verhielt es sich also bisher mit meinem Blick auf die Gläubigen.

Atheismus hat etwas Erwachsenes: Weihnachtsmänner und Götter hatte ich überwunden, aus dem Alter war ich raus und mein Wertesystem, eher humanistisch als christlich, funktionierte auch so, frei von Kreuzzugsphantasien, ganz gut.

Und jetzt kommen die Gottlosen aus dem Osten und ruinieren meine schöne Theorie, dass man für ein gesundes Wertesystem keine Götter braucht. Vielleicht braucht’s die doch! Der Großteil des Ostens wurde zu DDR-Zeiten von Kirchen und vom Glauben befreit (von wegen Opium und so!), sodass dort auch heute noch der christliche Glaube eine viel geringere Bedeutung spielt als im Westen, wo zwar ebenfalls seine Bedeutung nachlässt, aber seine prägende Funktion noch dahingehend besteht, als dass die Haltung der meisten, auch atheistischen, Menschen noch auf einem gesunden (christlich-humanistischen) Weltbild basiert.

Und es zeigt sich, meines Erachtens, dass es sich ohne dieses Wertegerüst viel einfacher und hemmungsloser Menschen durch die Straßen jagen und Flüchtlinge den Tod durch Ertrinken wünschen lässt.

Besonders putzig finde ich, dass gerade diejenigen Deutschen am meisten Angst vor anderen Religionen haben, die am wenigsten an ihren eigenen Gott glauben. Und das ist mir wiederum völlig fremd. Denn mir kann es als Atheist ja völlig wurscht sein, an welchen Gott oder Weihnachtsmann die nun glauben. Albern ist es in jedem Fall, wenngleich auch manchmal ein bisschen niedlich.

Philosophisches zum ersten Spieltag

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Philosophisches zum ersten Spieltag

Bayern schlägt Hoffenheim, natürlich. Kritische Schiedsrichterentscheidung zugunsten von Bayern, natürlich. Typisch, typisch, typisch – pfui, pfui, pfui!
Man könnte meinen, die neue Saison könnte man jetzt schon wieder abpfeifen, vergessen und abheften.

Zu all den hochfliegenden Emotionen möchte ich ein paar tiefschürfende philosophische Gedanken beifügen. Ich konzentriere mich dabei auf die 78. bis 82. Spielminute. Während Ribéry in den Strafraum sprintet, setzt Nordtveit zu einer historischen Grätsche an, für gefühlte 12 Sekunden rutscht er durch den übrigens hervorragend gewässerten Strafraum, sodass sich Ribéry den Gegenspieler als Prell-, Foul- und Dummbock aussuchen kann. Ober schlägt Unter oder hier: clever schlägt dumm! Elfmeter, kann man geben…
War es nun eine Schwalbe vom Angreifer oder Dummheit vom Verteidiger? Ja, beides. Allerdings hätte man als Schiri die Situation auch anders bewerten können. Dämlicher Verteidiger behindert durch episches Dahingrätschen den Laufweg des cleveren Angreifers, der quasi in den Verteidiger hineinsegelt und sich den gewünschten Kontakt sucht. Man könnte hier auch indirekten Freistoß für, wie der Fußballer sagt, „Sperren ohne Ball“ geben (siehe Regel 12/ verbotenes Spiel), da der Kontakt nicht wirklich vom Verteidiger ausgeht, sondern eher geschickt provoziert wird.
Man stelle sich mal das hübsche Durcheinander vor, wenn die Video-Assistenten aus dem Strafstoß einen indirekten Freistoß gemacht hätten. Herrlich! Keiner im Stadion, weder Spieler, Zuschauer noch Trainer hätten das begriffen. Geile Vorstellung! Ein 70.000-faches Hä?! in der Alliance Arena. Ganz großes Kino! Oder Spielfortsetzung Weiterspielen und Abstoß, aber für beide Spieler die gelbe Karte. Ribéry für Schwalbe, Nordtveit für Dummheit. Auch geil.

Philosophische Abschlussbemerkung: klar, dass besonders Flügelspieler leichter abheben als andere.


Klarer Fall von Abflug: Sperren ohne Ball, indirekter Freistoß! Gelb für beide!

Über die Entmännlichung des Grillens

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Über die Entmännlichung des Grillens oder: Willkommen am Kastratengrill

Früher stand der Mann vor der Höhle und entfachte ein derart großes Feuer, damit auch der Nachbarclan Bescheid wusste, dass dort gerade ein amtliches Mammut gegrillt wurde. Erste Gräser wurden gesammelt und vergoren, um Bier zu brauen, und die Männer standen um das Mammut herum und redeten klug daher. Zugegeben, „klug“ ist relativ, und es wurde auch schon damals viel gerülpst und hier und da an den Eiern gekratzt. Aber auch das gehörte und gehört zum Grillen dazu. Bisher!
Letzte Woche war ich mit einem befreundeten Pärchen am See und es sollte auch gegrillt werden. Als neueste Errungenschaft wurde dort ein Lotus-Grill mitgebracht. Der ein oder andere mag jetzt gähnend wegklicken, weil er das Ding schon lange kennt. Mir hingegen war es neu. Zugegeben, ich bin nicht so der Griller! Jedenfalls wurde mir dieser rauchfreie Holzkohle-Grill als DIE Revolution überhaupt präsentiert. Und für Revolutionen habe ich mich ja schon immer interessiert.
Keine Angst, es folgt hier keine Produktwerbung (Ich bin ja kein Influencer! Deswegen fehlt an dieser Stelle auch der Link!) sondern eine kritische soziologische Auseinandersetzung über die „Entmännlichung des Grillens“.
So verspricht der Lotusgrill, dass „der Grillmeister nicht mehr abseits steht, sondern dort wo gemeinsam gegessen wird.“ Allerdings ist der Grillmeister, da der Grill ja alles alleine kann, auch weder ein Meister seines Faches noch ein Mann. Er ist austauschbar geworden. Seine über Jahrzehnte hinweg im Rauch, an der fernen Gartenkante zum Nachbarn erworbenen Fähigkeiten sind in dieser Welt nichts mehr Wert. Er ist ersetzt worden durch den/die kompetenz- und geschlechtslose/n Lotus-Griller*ix von heute. Und jetzt sitzen die Männer, die ehemaligen Grillexperten, gemeinsam mit ihren Familien am Tisch, müssen miterleben, wie plötzlich sogar ihre frisch geborenen Kinder grillen können, und denken wehmütig an früher zurück: an die Höhle und an die windige, ferne Gartenecke, wo die biertrinkenden Männer schweigend und rülpsend zusammen standen, während die Frauen Tische deckten, Gemüse schnibbelten, Tischdekorationen bewunderten und Salatrezepte austauschten.

Aus einer Zeit, in der die Kompetenz des Grillens noch etwas wert war!

All das, was dort am Tisch passierte, interessierte ihn nie und jetzt sitzt er selbst am Gartentisch, auf dem der tolle Kastratengrill thront, fühlt sich überflüssig und hasst sein Leben. Und so wird er noch schweigsamer, während die Frauen über den tollen Neuen schwadronieren, als wäre früher alles schlecht gewesen.
„Und schau mal, man kann den Grill sogar anfassen, ohne dass man sich daran verbrennt!“ – „Nein, toll! Und es stinkt auch gar nicht.“ – „Und Gemüse kann man auch drauf grillen!“- „Und den gibt’s auch in limettengrün!“ – „Nein! Toll!“
Dass sich die Selbstmordquote unter exgrillenden Männern signifikant erhöhen wird, ist nur ein weiterer Beweis für eine voranschreitende Entmännlichung unserer Gesellschaft. Schade, Jungs, ihr werdet mir fehlen. Ich hab immer gerne mit euch dort im Rauch am Gartenzaun ein paar Bierchen gezischt.

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Herr Boe leckt am Grill – der Beweis: das Ding ist nicht heiß! Und JAAA! Man kann auch Gemüse drauf grillen! – Herr G. staunt im Hintergrund (Anfangsbuchstabe von der Redaktion geändert)

Auch sehr schön zum Thema Grillen:

http://ruthe.de/cartoon/2862/datum/asc/