fundstücke in fernwest

Fundstück – Stand up Paddling – Nachlese

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Stand up Paddling – Nachlese!

In der Bucht von Puerto Pyrámide auf der Península Valdés erblickte Mauricio, einer der beiden Argentinier, mit denen ich unterwegs war, ein paar Stand-up-Paddler und runzelte die Stirn: Was soll das denn sein?! – Ich erklärte ihm die bahnbrechende, Welten verändernde Idee hinter dem Spektakel. Mauricio verzog das ganze Gesicht und schüttelte angewidert den Kopf. Bah!
Ich erklärte Mauricio, dass wir in Deutschland bereits ein Sprichwort über Stand-up-Paddler hätten: „Zu blöd zum Surfen, zu faul zum Schwimmen und zu unsportlich für ALLES, was Spaß macht!“
Meiner Ansicht nach gibt es bei wenigen Dingen eine so große Diskrepanz zwischen dem, was man erreichen möchte, „total cool sein“, und dem, was man erreicht, nämlich „sich völlig lächerlich machen“. In dieser Tragik liegt wiederum schon fast wieder etwas Heldenhaftes, wenn man es mal ganz klassisch und natürlich kein bisschen ästhetisch betrachtet!
Wenn man sich vorstellt, dass jeder einzelne existierende Mensch am Ende einer erfolgreichen Evolutionskette steht. Alle seine Vorfahren konnten sich also erfolgreich fortpflanzen, wirklich ALLE, egal wie weit man zurückgeht. Und dann endet dieses elitäre Geschöpf als Krönung auf einem Surfbrett mit Nordic-Walking-Stöcken, ups, Pardon, da hab ich etwas durcheinander gebracht… Naja, aber was rege ich mich schon wieder auf!
(https://tommiboe.wordpress.com/2013/12/21/fundstuck-stand-up-paddling/) – für Teil 1 !

aus ästhetischen Gründen an dieser Stelle KEIN Stand up Paddler!
aus ästhetischen Gründen an dieser Stelle KEIN Stand up Paddler!

Fundstücke – der Lemmingvogel

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – der Lemmingvogel

Der heutige Tag bringt uns auf die Península Valdés, die Halbinsel der Orcas. Die halten sich aber strikt an die versprochene Jagdsaison und legen dann wohl erst im März los. Und das, obwohl der Strand bereits üppig mit Seelöwen gedeckt ist. Mit anderen Worten: no hay orcas!
Dafür ist die Tierwelt ansonsten reichhaltig vertreten und lässt sich auch Ende Februar bestaunen: Seelöwen, Seeelfanten, Magellan-Pinguine, Nandus, Guanacos, Gürteltiere und Vögel. Okay, ich geb zu, Vögel sind nicht meine Lieblingstiere. Aber der Vogel, den wir heute kennen lernen und mehrfach überfahren durften, hat mich schon beeindruckt. Nennen wir ihn mal liebevoll „Lemmingvogel“! Mit wie wenig Hirn so ein Tier durch die Evolution gekommen ist, das ist in der Tat beeindruckend! Das Habitat des Lemmingvogels ist anscheinend der Straßengraben, allerdings mit einer starken Sehnsucht zum anderen Straßengraben. Man könnte hier auch von Todessehnsucht sprechen. Denn das praktizierte Grabenwechselverhalten zeugt nicht gerade von Intelligenz oder auch nur einem Mindestmaß an Überlebenswillen.
Mauricio, der Fahrer, gibt sich wirklich alle Mühe, den Schaden gering zu halten. Aber tötungsfrei ist unsere Piste vermutlich nicht zu bewältigen. Denn egal, was man tut, der Lemmingvogel gibt sich derart Mühe, unter die Reifen zu kommen, dass man ihm einfach Absicht unterstellen muss. Der Lemmingvogel ist so ein Hühnerartiger Vogel und könnte theoretisch schon fliegen, falls er es denn eilig hätte. Denn richtig schnell laufen kann er auch nicht. Aber seine eigentliche Stärke ist es, dass er die Geschwindigkeit anderer überhaupt nicht realistisch einschätzen kann – oder eben nicht will.

Auf der Rückfahrt am Abend bewundere ich das Ausmaß des von Todessehnsucht animierten Massensuizids des Lemmingvogels. Bei meiner abendliche Recherche erfahre ich, dass auf den Straßen zwischen der Península und Puerto Madryn die höchste Federasphaltdichte Argentiniens herrscht. Hierfür werden zeitnah Satellitenbilder ausgewertet und bestimmt, zu welchem Prozentsatz die Straßen mit Federn bedeckt sind. Förderlich für einen hohen Wert ist natürlich, dass hier auch gelegentlich ein Nandu unter den Verkehrstoten ist. Und so ein platter Nandu deckt natürlich gleich ein ordentliches Stück Straße ab.

dies ist kein todessehnsüchtiger Lemmingvogel sondern "nur" ein braver und vernünftiger Nandu, dem ein Straßenrand völlig genügt.
Dies ist kein todessehnsüchtiger Lemmingvogel sondern „nur“ ein braver und vernünftiger Nandu, dem ein Straßenrand völlig genügt. 
kein Plüschtier und auch kein Lemmingvogel: Magellanpinguin
kein Plüschtier und auch kein Lemmingvogel: Magellanpinguin

Fundstück – Auf den Spuren von Hitler und Lady Di

Gepostet am Aktualisiert am

Roadtrip durch Patagonien - großartige Sache. Alle unbedingt nachmachen!
Roadtrip durch Patagonien – großartige Sache. Alle unbedingt nachmachen!

Fundstücke in Fernwest – Auf den Spuren von Hitler und Lady Di

Auf meiner Wanderung in den Bergen um El Bolsón habe ich zwei Männer aus Buenos Aires getroffen. Wir waren auf dem Weg zum selben Refugio (Berghütte). Dort hat sich ein sehr nettes Gespräch bei selbst gebrautem Bier entwickelt. Am nächsten Tag, als wir gemeinsam ins Tal wanderten, ergab sich eine Einladung, ob ich nicht mich ihnen Richtung Osten nach Perto Madryn zur Península Valdés fahren möchte. Das ist die Halbinsel, die berühmt für die Orcas (Killerwale) ist, die dort bei der Seelöwenjagd auf den Strand surfen (kein Scheiß!).
Der Roadtrip führt uns 600 Kilometer (quasi geradeaus) durch das einsame, rauhe und entzückend schöne Patagonien.
Meine Begleiter kannten sich hervorragend aus und es ergaben sich sehr interessante Unterhaltungen. So wurde ich zum Beispiel gefragt, ob ich, als ich in Bariloche war, die „Casa de Hitler“ besucht hätte. Ich stutze. Das Haus von Hitler…? In Bariloche? Daraufhin wurde mir berichtet, dass Bariloche eine der Nazi-Hochburgen in Südamerika war, in der nachweislich Hunderte von Nazis nach dem zweiten Weltkrieg untergetaucht waren. So gab es dort noch eine deutsche Schule und eine deutsch-argentinische Gesellschaft, die vom ehemaligen Kriegsverbrecher und SS-Offizier Erich Priebke geleitet worden war, der erst 1994 von italienischen Behörden verhaftet wurde. Krass, wie lange sich hier diese Drecksäcke noch ein schönes Leben machen konnten. Und soviel ist sicher, Bariloche ist schön.
Die Sache mit dem Haus von Hitler ist dahingehend natürlich eher ein Gerücht. Zumindest das Haus und Bilder davon im Internet gibt es wirklich. (Wer Lust hat googelt mal unter: Casa de Hitler, Bariloche. Sehr interessant!)
Da mir das Haus von Hitler entgangen war, wurde ich mit einem anderen Haus entschädigt. Unser Weg an die Küste führte uns nach Gaiman, einer gälischen Kolonie, die Lady Di noch besucht hatte, kurz bevor sie sich im Führerbunker erschossen hat, nee Stop! Das war anders! Jedenfalls war sie in Gaiman/ Patagonien und hat dort Tee getrunken. Klar, dass wir uns das angucken müssen!
Was allerdings an dem Gerücht dran ist, dass Lady Di noch hin und wieder gesehen wird, wie sie mit Hitler ein Tässchen Tee trinkt, kann ich wirklich nicht beurteilen!

Ach ja, falls mal jemand beim Scrabbeln dringend ein Wort mit drei „y“ braucht und aus unerklärlichen Gründen finnische Worte nicht erlaubt sind, dann empfehle ich das gälische Wort für Krankenhaus: Ysbydy, was, wie Hobbyentymologen wahrscheinlich sofort erkannt haben, ja an „Hyspytyl“, also Hospital erinnert.

Sie war hier! Die echte Princess of Wales! Wahnsinn oder?
Sie war hier! Die echte Princess of Wales! Wahnsinn oder?

Fundstück – Bier und Langeweile

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Bier und Langeweile

Langeweile kann etwas sehr Schönes sein. Sie hat in meinen Augen, unverdienter Weise, einen viel zu schlechten Ruf, was natürlich ein Produkt der heutigen Zeit ist. Wo Verpassungsangst herrscht, da wirkt Langeweile quasi als Brandbeschleuniger dafür. Was könnte/sollte/müsste ich nicht alles tun, statt wie ein Dreizehenfaultier kopfüber auf der Coach zu hängen.
Die Italiener nannten das einst „la dolce far niente“, das „süße Nichtstun“, klingt doch herrlich. Gut, dann kam die Krise und die Italiener merkten, dass nur Nichtstun doch nicht so erfolgreich im Konzert der internationalen Haifischkapitalisten ist. Zum anderen macht man aus Langeweile heraus oft Dinge, die man sonst vermutlich nicht oder nie machen würde: Putzen zum Beispiel, Frauenmagazine auf dem Klo lesen, ein paar Stationen länger im Bus sitzen bleiben, um dann zu Fuß zurückzulaufen, ein BUCH lesen (also nicht so’n Scheiß im Internet) oder auch überflüssige Blogs schreiben.
Aber Langeweile ist auch ein exzellenter Nährboden für Dummheiten! Das wissen nicht nur Eltern.

Mich erwischt die Langeweile in El Bolsón (Patagonien, Argentinien). Morgen geht’s wieder für drei Tage ins Gebirge und für heute muss ich nur meine Wäsche in gute Hände geben, meine Tour planen, Schlafsack ausleihen, Essen einkaufen und ja… El Bolsón (zu deutsch: die Tasche) ist so klein, dass man schnell fertig mit dem Durchschlendern ist und ich bin ganz schlimm geschlendert. Und so lande ich mittags in der Cervezeria El Bolsón. Schließlich befindet sich hier die Hochburg der argentinischen Bierbraukunst. Davon wurde mir schon von einigen Argentiniern berichtet. Als erstes bestelle ich die „Degustación“, die Bierprobe, die aus sechs bis sieben unterschiedlichen Bieren besteht, je nach dem, ob man nach belgischer Zählweise „Frambuesa/ Himbeere“ dazuzählt. Dazu bestelle ich mir einen Hamburguesa und anschließend eine Pinta „Negra Extra“ und eine „Rubia“, da ich schon mal hier bin. Beides Biere, die ich auf einer nach oben und unten offenen Bierrichterskala als „jo, ganz lecker“ einstufe.
Schön völker- und einheitenvereinend finde ich ja die Bezeichnung „Pinta“, die hübsch vom englischen Pint abgeleitet ist, aber trotzdem einfach einem halben Liter entspricht. Dahingehend bedeutet eine „schwäbische“ Halbe 0,4 Liter. Kein Spaß! Hab ich in Stuttgart persönlich erlebt und getrunken. Vielleicht leitet sich das wiederum von der Hälfte einer gezapften Maß auf dem Volksfest ab. Dann kommt man ja mit 0,4 l wieder einigermaßen hin.

"degustación" - sechs Biere plus einmal Himbeere
„degustación“ – sechs Biere plus einmal Himbeere
"Negra Extra" hmmm
„Negra Extra“ hmmm

Hier geht’s zur „Langeweile des Todes – Abiaufsicht“!

Fundstücke – Majestätische Geier

Gepostet am Aktualisiert am

Fundstücke in Fernwest – Majestätische Geier

Die faulen Tage sind vorbei!
Ich bin in Bariloche, meinem ersten Highlight in Patagonien, und habe auch unmittelbar meinen Aktivitätsmodus gezündet. Nach einem wunderschönen, noch recht gemütlichen Bike&Hike-Day und einer knackigen Ein-Tages-Wanderung zum Refugio Frey mit Atem beraubendem Panorama inclusive intensivem und gutem Streitgespräch mit zwei Israelis, wobei Streitgespräch hier vollauf positiv zu verstehen ist, bin ich zu einer dreitägigen Wanderung aufgebrochen. Übernachtungen in toll gelegenen Berghütten und eine sehr geile, geführte Gletscherüberquerung.
Und während wir ein Päuschen machen, lassen sich die Kondore an uns vorbeitreiben. Wow! Diese majestätischen Geier! Klingt erst mal nach einem Widerspruch, ist es aber nicht, solange sie fliegen. Wenn sie vor einem sitzen, sagt mein Guide, sind’s einfach wieder hässliche Geier!
Über meiner zweiten Berghütte, dem Refugio Otto Meiling, segeln die Kondore so nahe über uns hinweg, dass sie noch mal zurückkommen, um uns noch genauer in die vom Staunen offenen Münder schauen. Vielleicht gibt’s dort ja Essensreste zu holen! Dass das Beweisfoto so erbärmlich aussieht, liegt weder an den Übertreibungskünsten noch dem Fotographierunvermögen des Herrn Boe, sondern ist einem ganz besonders besonderen Missgeschick geschuldet, dem ein wahrhafter „Griff ins Klo“ folgte. Ähem…! Nachdem der Kaffee beim Frühstück seine peristaltische Weck- und Aktivierungsfunktionen erfüllt und sich der Darm erfolgreich entleert hat, rutscht mir während des Abputzens meine Kamera, die ich mir gerade für 40 $ in Buenos Aires vom uruguayischen Sand reinigen lassen hatte, aus der Tasche meines Kapuzenpulli und ja: Platsch! Keine weiteren Details und auch keine Beweisfotos mehr (logisch!).
Und da ich mir während meiner Reise angewöhnt habe, das Positive in Dingen zu sehen, kann ich sagen: Das Positive an dieser Angelegenheit ist, dass es mir nicht in meiner ersten Berghütten, dem Refugio Rocca, passiert ist. Denn dort gab es nur ein Trockenklo und da wäre die Bergung des Geräts noch viel unerfreulicher geworden!

sind zwar auch bloß Geier, aber majestätische!
sind zwar auch bloß Geier, aber majestätische!

 

gletscherquerung
gletscherquerung
guckt mal! Blick meiner ersten Hütte! (nur ein kleiner Ausschnitt)
guckt mal! Blick meiner ersten Hütte! (nur ein kleiner Ausschnitt)